Nationalsozialismus Über dem Heß-Grab soll Gras wachsen
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Fraglich, ob die Maßnahme die erhoffte Wirkung zeigt

Andere betonten, Wunsiedel habe seine Bedeutung als Nazi-Wallfahrtsort schon vor Jahren verloren. Dieses Problem sei längst gelöst gewesen, meint etwa Sebastian Edathy, langjähriger Experte für Rechtsextremismus in der SPD-Bundestagsfraktion. "Das ist eine reine Privatangelegenheit der Familie", sagte er dem Tagesspiegel zur Auflösung des Grabes, keine politische Entscheidung. In der Sache habe es "keine Notwendigkeit" gegeben, denn 2005 unter Rot-Grün sei das Versammlungsrecht so verschärft worden, dass die Versammlungen in Wunsiedel nicht mehr möglich gewesen seien. Bestraft werden kann demnach, wer "unter der NS-Gewalt- und Willkürherrschaft begangene Menschenrechtsverletzungen billigt oder verharmlost und dadurch die Würde der Opfer verletzt". Im November 2009 bestätigte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der "Heß-Märsche" endgültig.

Ulla Jelpke, Innenpolitikerin der Linken, hatte sich schon 2008 von der Regierung Zahlen zu rechtsextremistischen Aufmärschen liefern lassen – zum Todestag von Rudolf Heß gab es damals kleinere Spontandemonstrationen in Braunschweig und Kiel mit 50 beziehungsweise 35 Teilnehmern. Jelpke jubilierte, die Zahlen zeigten, "dass das Gedenken an Rudolf Heß keinen müden Nazi mehr hinter dem Ofen hervorlockt". Am Donnerstag sagte sie, die Entscheidung zur Auflösung des Heß- Grabes komme zwar "spät, aber immerhin".

Skeptischer äußerte sich die Rechtsextremismus-Expertin der Grünen, Monika Lazar. Die Entscheidung zur Auflösung des Grabes nennt sie "nachvollziehbar", den Wunsch nach einem Ende der Nazi-Aufmärsche "verständlich". Lazar fügte hinzu: "Fraglich ist jedoch, ob die Maßnahme tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigt. In rechtsextremen Foren scheint sie den Märtyrerkult sogar weiter zu befördern, dort werden bereits Strategien zur Ausgestaltung künftiger Gedenkmärsche diskutiert."

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. vielleicht täte man besser daran, die von sich aus schon abgekühlte Meute nicht mit Thema wiederauffrischenden Artikeln neu aufzuhetzen...

  2. Sebastian Edathy täuscht sich, wenn er glaubt, dass es sich um eine reine Privatangelegenheit der Familie gehandelt habe, sie wurde vielmehr dazu gedrängt. Vielmehr ging die Initiative von der Kirchengemeinde aus - "Der Pachtvertrag lief nun aus, einer Verlängerung stimmte die Kirchengemeinde nicht mehr zu." ( http://orf.at/stories/206... ) Eine Enkelin hatte gegen die Exhumierung klagen wollen, sah dann aber davon ab: "Die Familie wurde aber letztlich davon überzeugt, der Exhumierung zuzustimmen." Etwas Überzeugungsarbeit war dann also doch nötig ... alles in allem ist diese Aktion vor allem eins: schäbig. Und um das zu erkennen, muss man wirklich kein NS-Sympathisant sein.

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    waren vor allem die unsäglichen Nationalsozialisten und schäbig sind auch diese dümmlichen Neonazis, die dieses Grab als "Wallfahrtsort" nutzten/nutzen wollten.

    Hess war ein Verbrecher und die Auflösung seines Grabes längst überfällig, um genau dieses zu verhindern.

    Das hat nun wirklich lange genug gedauert!

    Wer nicht einsieht, dass es bei einem Fall wie dem des Herrn Hess wirklich keinen Sinn macht auf Pietät zu pochen (oder was meinten Sie?), der tut mir wirklich Leid. Und wenn Pietät - dann hat er jetzt seine Ruhe!?

    Hätte man die Familie nicht - ohne Waffengewalt - dazu bringen können von Ihren Absichten Abstand zu nehmen, bzw. Herr Hess "umverlege" können - ich hätte arg am Verstand und der Fähigkeit unserer Institutionen und ihrer Vertreter gezweifelt!

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    waren vor allem die unsäglichen Nationalsozialisten und schäbig sind auch diese dümmlichen Neonazis, die dieses Grab als "Wallfahrtsort" nutzten/nutzen wollten.

    Hess war ein Verbrecher und die Auflösung seines Grabes längst überfällig, um genau dieses zu verhindern.

    Das hat nun wirklich lange genug gedauert!

    Wer nicht einsieht, dass es bei einem Fall wie dem des Herrn Hess wirklich keinen Sinn macht auf Pietät zu pochen (oder was meinten Sie?), der tut mir wirklich Leid. Und wenn Pietät - dann hat er jetzt seine Ruhe!?

    Hätte man die Familie nicht - ohne Waffengewalt - dazu bringen können von Ihren Absichten Abstand zu nehmen, bzw. Herr Hess "umverlege" können - ich hätte arg am Verstand und der Fähigkeit unserer Institutionen und ihrer Vertreter gezweifelt!

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  3. waren vor allem die unsäglichen Nationalsozialisten und schäbig sind auch diese dümmlichen Neonazis, die dieses Grab als "Wallfahrtsort" nutzten/nutzen wollten.

    Hess war ein Verbrecher und die Auflösung seines Grabes längst überfällig, um genau dieses zu verhindern.

    Das hat nun wirklich lange genug gedauert!

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    Selbstverständlich ist es nicht angenehm dass das Grab Rudolf Heß zum Wallfahrtsort wurde, es freut mich auch für die Anwohner nicht mehr das braune Gesindel ertragen zu müssen.

    Mich verwundert aber immer wieder die Freude über einen vermeintlichen Sieg gegen den Rechtsextremismus.Beim nächsten mal treffen die sich in irgendeinem Stadtpark oder vor einem Asylantenheim. Dieser Ort hat jetzt seine Ruhe, aber wir alle noch lange nicht.

    Entfernt, wegen Unsachlichkeit. Die Redaktion/kh

    Dem ist Nichts hinzuzufügen!

    • dth
    • 23.07.2011 um 11:26 Uhr

    Naja, der Mann lag da für über 20 Jahre. Das ist eine ordentliche Zeit bis zur Grabauflösung und nicht alle Gräber kann man meines Wissens verlängern lassen. Es ist also nicht so, dass in diesem Fall besonders pietätlos vorgegangen wurde. Grabauflösungen sind bei "gewöhnlichen" Menschen nach so einer Zeit durchaus normal.

    Selbstverständlich ist es nicht angenehm dass das Grab Rudolf Heß zum Wallfahrtsort wurde, es freut mich auch für die Anwohner nicht mehr das braune Gesindel ertragen zu müssen.

    Mich verwundert aber immer wieder die Freude über einen vermeintlichen Sieg gegen den Rechtsextremismus.Beim nächsten mal treffen die sich in irgendeinem Stadtpark oder vor einem Asylantenheim. Dieser Ort hat jetzt seine Ruhe, aber wir alle noch lange nicht.

    Entfernt, wegen Unsachlichkeit. Die Redaktion/kh

    Dem ist Nichts hinzuzufügen!

    • dth
    • 23.07.2011 um 11:26 Uhr

    Naja, der Mann lag da für über 20 Jahre. Das ist eine ordentliche Zeit bis zur Grabauflösung und nicht alle Gräber kann man meines Wissens verlängern lassen. Es ist also nicht so, dass in diesem Fall besonders pietätlos vorgegangen wurde. Grabauflösungen sind bei "gewöhnlichen" Menschen nach so einer Zeit durchaus normal.

  4. Ständig "jubilieren" die Menschen also ...

    Schickt den Schreiberling zurück auf die Grundschule!

    Und als kleiner Tipp: Es gibt so etwas wie ein Lektorat, welches derartige Peinlichkeiten vor der Veröffentlichung verhindern könnte ...

  5. Jeder Mensch hat Totenruhe verdient und jede Familie einen Ort, wo sie ihre Angehörigen besuchen kann - denn auch Verbrecher haben liebende Angehörige. Davon für die Familie und den Leichnam von Herrn Heß eine Ausnahme machen zu wollen, halte ich für fragwürdig.

    Hat die Familie eines Nazis kein Recht auf Trauer und Andenken? Rechtsstaat Deutschland dieses Jahr nur noch mit Rechten für politisch konforme? Ich finde das sehr, sehr fragwürdig, zumal die Umbettung ja offenbar unter Zwang erfolgte.

    [...]

    Bitte verzichten Sie auf geschmacklose Gleichsetzungen. Danke, die Redaktion/fk.

  6. In meinen Augen ist nichts Schlechtes daran, (Neo-)Nazis mit allen in diesem Rechtsstaat erlaubten Mitteln das Leben schwer zu machen und sie zu schikanieren.

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    • th
    • 22.07.2011 um 18:18 Uhr

    Aber über den Tod hinaus?

    Zitat (Antigone, 1. Akt, Übersetzung F. Hölderlin)
    http://de.wikisource.org/...

    "Eteokles zwar, sagt man, behandelt er
    Mit rechtem Recht, gesetzgemäß, und birgt
    Ihn in der Erd, ehrsam den Toten drunten.
    Vom andern aber, der gestorben ist armselig,
    Von Polynikes Leibe sagen sie, man hab
    Es in der Stadt verkündet, daß man ihn
    Mit keinem Grabe berg und nicht betraure.
    Man soll ihn lassen unbeweint und grablos,
    Süß Mahl den Vögeln, die auf Fraßes Lust sehn."

    Zitat:
    "In meinen Augen ist nichts Schlechtes daran, (Neo-)Nazis mit allen in diesem Rechtsstaat erlaubten Mitteln das Leben schwer zu machen und sie zu schikanieren."

    • th
    • 22.07.2011 um 18:18 Uhr

    Aber über den Tod hinaus?

    Zitat (Antigone, 1. Akt, Übersetzung F. Hölderlin)
    http://de.wikisource.org/...

    "Eteokles zwar, sagt man, behandelt er
    Mit rechtem Recht, gesetzgemäß, und birgt
    Ihn in der Erd, ehrsam den Toten drunten.
    Vom andern aber, der gestorben ist armselig,
    Von Polynikes Leibe sagen sie, man hab
    Es in der Stadt verkündet, daß man ihn
    Mit keinem Grabe berg und nicht betraure.
    Man soll ihn lassen unbeweint und grablos,
    Süß Mahl den Vögeln, die auf Fraßes Lust sehn."

    Zitat:
    "In meinen Augen ist nichts Schlechtes daran, (Neo-)Nazis mit allen in diesem Rechtsstaat erlaubten Mitteln das Leben schwer zu machen und sie zu schikanieren."

  7. Ich fürchte, dass mit dieser Maßnahme, über die nun weit und breit berichtet wird, wieder mehr Aufmerksamkeit erzeugt wird als es bisher gegeben hat und somit wieder ein paar Ewiggestrige auf den Plan gerufen werden mit Aktionen gegen die Grabauflösung.
    Es wäre vermutlich besser gewesen, das Grab einfach stillschweigend nach der üblichen Frist von normalerweise 25 Jahren verschwinden zu lassen ohne "Überführungs" Brimborium.
    Das beste, um Aufmärsche von Schwachköpfen zu vermeiden ist, ihre Kultstätten einfach sang- un klanglos verschwinden zu lassen.

  8. Selbstverständlich ist es nicht angenehm dass das Grab Rudolf Heß zum Wallfahrtsort wurde, es freut mich auch für die Anwohner nicht mehr das braune Gesindel ertragen zu müssen.

    Mich verwundert aber immer wieder die Freude über einen vermeintlichen Sieg gegen den Rechtsextremismus.Beim nächsten mal treffen die sich in irgendeinem Stadtpark oder vor einem Asylantenheim. Dieser Ort hat jetzt seine Ruhe, aber wir alle noch lange nicht.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Schäbig ..."

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