Viele Jugendliche wussten sich nicht anders zu helfen, als sich vor den Schüssen des Attentäters ins Wasser zu retten. © Svein Gustav Wilhelmsen/AFP/Getty Images

Der 32-Jährige hatte am Freitag offenbar zunächst im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet und dann in einem Sommercamp der Jugendorganisation der Regierungspartei auf der Fjordinsel Utøya um sich geschossen. Zahlreiche Jugendliche wurden verletzt, daher könnte sich die Zahl der Toten noch erhöhen. Die norwegische Polizei sprach am Samstagmorgen von 84 Opfern im Ferienlager und sieben Toten durch den Bombenanschlag in der Hauptstadt.

Polizisten konnten den Todesschützen auf der Insel festnehmen, er wurde noch im Lauf der Nacht verhört. Die Ermittler gehen davon aus, dass er für beide Taten verantwortlich ist. Vor der Schießerei war er noch im Osloer Regierungsviertel gesehen worden. Fahndungschef Øystein Mæland sagte, der Mann habe wohl eine rechtsextreme, christlich-fundamentalistische Haltung. Bisher sei er nicht im Blickfeld der Polizei gewesen. 

 

Nach Angaben der Ermittler ist der Mann gesprächsbereit, hat im Verhör bisher aber kein Tatmotiv genannt. Gegen ihn wird wegen Verdachts auf eine terroristische Handlung ermittelt. Die Polizei betonte aber auch, man stehe vor "äußerst umfassenden und langfristigen Ermittlungen". Deshalb wolle man vorerst keine Details über die beiden Anschläge veröffentlichen. 

Internet-Botschaften legen rechte und islamfeindliche Ansichten nahe

Noch in der Nacht wurde die Wohnung des Verdächtigen in Oslo durchsucht. Kommissar Sveinung Sponheim sagte dem Sender NRK, Internet-Botschaften des Mannes legten nahe, dass er rechte und islamfeindliche Ansichten vertrete. Es sei aber zu früh, darin ein Motiv zu sehen. Dem Fernsehsender TV2 zufolge soll der 32-Jährige Kontakte zur rechten Szene unterhalten haben.

Norwegische Medien gaben den Namen des Verdächtigen mit Anders B. an. Bilder zeigen einen Mann mit blonden Haaren. Auf seiner Facebook-Seite beschreibt er sich Medienberichten zufolge als "konservativ" und "christlich". Er sei der Leiter eines Bio-Bauernhofs und Junggeselle.

Nach Angaben des TV-Senders NRK betrieb der Festgenommene außerdem eine kleine Firma für Agrarprodukte. Hier könne er sich auch die nötigen Kenntnisse zur Herstellung von Sprengstoff beschafft haben.

Bereits vor Jahren habe der Täter im Internet Beiträge mit kontroversem Inhalt veröffentlicht, berichtet die norwegische Zeitung Verdens Gang in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf einen Jugendfreund. Sein Facebook-Profil sei deshalb gelöscht worden. Später habe der Verdächtige, der eine Handelsschule in Oslo besucht haben soll, dann ein neues Profil angelegt, dort aber keine vergleichbaren Meinungen mehr veröffentlicht.

Wie die norwegische Nachrichtenagentur NTB berichtete, fand die Polizei nach der Festnahme des Verdächtigen auf der Insel Utøya auch nicht explodierten Sprengstoff. Ob es sich dabei um einen scharfen Sprengsatz handelte, wurde nicht mitgeteilt. Auf den Namen des Täters seien zwei Waffen gemeldet, darunter ein automatisches Gewehr.