ZugunglückChinesischer Schnellzug entgleist auf Brücke

In China ist nach dem Zusammenstoß von zwei Zügen der Waggon eines Schnellzuges von einer Brücke gestürzt. Mindestens 35 Menschen wurden getötet, etwa 210 verletzt. von dpa

In China versuchen Feuerwehrleute Verletzte aus dem verunglückten Zug zu bergen.

In China versuchen Feuerwehrleute Verletzte aus dem verunglückten Zug zu bergen.   |  ©AFP/Getty Images

Bei dem Zusammenstoß von zwei Hochgeschwindigkeitszügen in China in der Provinz Zhejiang sind mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Unfall im Osten des Landes fielen nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zwei Waggons von einer 30 Meter hohen Brücke. Etwa 210 Verletzte wurden ins Krankenhaus eingeliefert, teilte Xinhua mit.

Bei einem starken Gewitter hatte ein Blitzeinschlag die Stromversorgung des Hochgeschwindigkeitszuges D3115 ausgesetzt, berichtete ein Fernsehsender aus Hangzhou. Der Zug sei nicht mehr zu steuern gewesen und schließlich so langsam gefahren, dass er fast zum Stillstand gekommen sei. Der darauf folgende Zug mit der Nummer D301 sei deshalb auf ihn aufgefahren.

Das Unglück passierte nahe der Stadt Shuangyu in der Provinz Zhejiang. Der Zug sei auf dem Weg von der Provinzhauptstadt Hangzhou nach Wenzhou gewesen. Einer der Waggons des Schnellzuges stürzte von der Brücke. Der andere hing senkrecht an der Brücke. Nach Medienberichten sollen die Waggons jeweils rund 100 Passagiere fassen. Viele Menschen waren zunächst unter den Trümmern eingesperrt. Ein Passagier sagte Xinhua, er sei über eine Stunde lang mit 60 anderen Insassen in einem der Züge eingeschlossen gewesen. Rettungskräfte bemühten sich, die Opfer aus den schwer beschädigten Waggons zu bergen.

Präsident Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao appellierten an die Helfer, alles zu tun, um weitere Passagiere zu retten. Bahnminister Sheng Guangzu kündigte eine Untersuchung des Unglücks an. Die Regierung ordnete zudem eine "dringende Überprüfung" der Sicherheitsvorkehrungen im Schienenverkehr landesweit an.

Das milliardenteure Hochgeschwindigkeitsnetz in China steht schon länger in der Kritik. Insbesondere bei der gerade neu eröffneten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Shanghai gab es wiederholt technische Probleme und Verspätungen. Es gab auch Diskussionen über mögliche Sicherheitsprobleme. Viele Passagiere stiegen wieder auf die Flugverbindungen um. Vergangene Woche musste sich ein Sprecher des Eisenbahnministeriums für die Probleme entschuldigen. Trotzdem gingen die Passagierzahlen zurück. Wegen der inzwischen geringeren Auslastung sollen in Zukunft mindestens zwei Züge aus dem Fahrplan gestrichen werden.

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Leserkommentare
  1. Wer sich etwas mit dem Ausbau des chinesischen Hochgeschwindigkeitsnetzes beschaeftigt hat, dem ist sicherlich aufgefallen, in welcher unglaublichen Geschwindigkeit dies geschieht. Es ist zu befuerchten, dass dabei der Sicherheit nicht der Stellenwert eingeraeumt wurde, wie dies in Japan oder Europa der Fall ist. Was einen verwundert ist (wenn das so stimmt) der Fakt, dass ein Zug auf den anderen aufgefahren ist. Bei Hochgeschwindigkeitsstrecken werden Systeme eingesetzt, die selbst bei Ausfall, sicher verhindern, dass es zum auffahren kommt (Kein oder fehlerhaftes Signal vom Zug - nachfolgende Zuege werden angehalten). Da muss wohl etwas ganz gewaltig schief gelaufen sein. Schrecklich fuer die Betroffenen, eine Katastrophe fuer die Bahngesellschaft, die sich nun sehr unangenehme Fragen wird stellen lassen muessen.

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    Es ist richtig, dass in China die Dinge ungefähr 50mal so schnell gebaut werden, wie z.B. in Deutschland und jede Sicherheitslücke ist sicher eine zuviel. Andererseits ist ausgerechnet Deutschland mit seinen exorbitanten Planungs- und Bauzeiten gerade kein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang, denn hier sind ebenfalls trotz der angeblich so hochstehenden Sicherheitstechnik extrem tragische Unglücke passiert (ICE, Transrapid) und die dauernden Pannen auch bei sicherheitsrelevanten Dingen beim Einsatz des ICE sprechen auch nicht gerade für besondere Zuverlässigkeit.

  2. Es ist richtig, dass in China die Dinge ungefähr 50mal so schnell gebaut werden, wie z.B. in Deutschland und jede Sicherheitslücke ist sicher eine zuviel. Andererseits ist ausgerechnet Deutschland mit seinen exorbitanten Planungs- und Bauzeiten gerade kein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang, denn hier sind ebenfalls trotz der angeblich so hochstehenden Sicherheitstechnik extrem tragische Unglücke passiert (ICE, Transrapid) und die dauernden Pannen auch bei sicherheitsrelevanten Dingen beim Einsatz des ICE sprechen auch nicht gerade für besondere Zuverlässigkeit.

    Antwort auf "Zu viel, zu schnell"
  3. forderte. Wenn die verantwortlichen Betreiber jetzt sicherheitstechnisch nicht nachrüsten, ist denen auch nicht mehr zu helfen.

  4. so lange her, da starben in Sachsen-Anhalt 10 Menschen bei einem Zugunglück, das mit den gängigen Sicherheitssystemen vermeidbar gewesen wäre, wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte:

    http://www.zeit.de/gesell...

    Das entsprechende Sicherheitssystem ist in weiten Teilen Deutschlands installiert, auf der betroffenen Strecke bei Oschersleben aber eben nicht.
    Auch das hatte wohl etwas mit Geld zu tun. Was weniger mit Geld, sondern schlicht mit Fahrlässigkeit zu tun hatte , war der Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke, bei dem 2006 23 Menschen ums Leben gekommen waren. 26 Tote ohne, daß es ein vergleichbares Hochgeschwindigkeitsnetz überhaupt gegeben hätte, daraus signifikante Sicherheitslücken im chinesischen System schließen zu wollen, finde ich ein bißchen schnell geschossen. Trotzdem natürlich schlimm für die Betroffenen, aber der Ausbau wird weiter gehen. Von der technisch anspruchsvollsten Strecke nach Lhasa hoch, hört man hierzulande nichts mehr, da scheint denn ja alles glatt zu gehen.

    Überhaupt gewinne ich den Eindruck, daß keine Nachrichten aus China die besten Nachrichten sind, denn dann kann man davon ausgehen, daß kein Aufhänger durch die Journalisten gefunden wurde, mit dem man den Menschen hier weismachen kann, wie schlimm es in Mittelland aussieht.

  5. dass die Bemühungen um jeden Preis zum Westen aufzuschließen früher oder später Opfer Fordern wird, weil der Profit (nach westlichem Vorbild) wichtiger ist als die Menschen. Es werden bei der Bahn wie auch anderswo noch viele Tote und Verletzte ins Land gehen bevor es spürbar besser wird. Aber das wird die Verantwortlichen keine Rolle spielen. Bei uns ist es immer die Zivilgesellschaft gewesen, die dann die Grenzen aufgezeigt hat, wann es Zeit ist aufzugeben. Leider gibt es in China keine Zivilgesellschaft. Jedenfalls nicht offiziell. Früher oder Später wird es brutale Umbrüche geben, um die Verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Vorläufer sind jetzt schon zu sehen, wenn man genau hinschaut.

  6. Der Satz in der Mitte meines Leserbriefes ungefähr muß natürlich lauten:

    23 Tote ohne, daß es ein vergleichbares Hochgeschwindigkeitsnetz überhaupt gegeben hätte, ...

    Man scheint hier aber so schnell geschossen zu haben, daß man gar nicht auf die älteren Artikel mit zugunglück verweist (oder wollte man hier alles einzigartig schliumm aussehen lassen?). Deswegen hier die Verlinkungen zu Artikeln in der Zeit:

    http://www.zeit.de/gesell...

    http://www.zeit.de/gesell...

    http://www.zeit.de/gesell...

    http://www.zeit.de/online...

    Und so sieht das Ganze dann in Indien aus, wenn es zum Unglück kommt (ohne Hochgeschwindigkeitsstrecke):

    http://www.zeit.de/gesell...

    Gemessen an der Anzahl der beförderten Passagiere halte ich die chinesischen Bahnen für mit die sichersten der Welt.

  7. Wir meinen ja „immer“ die Chinesen kupfern „alles“ bei uns ab!
    Sind die technischen Probleme und Verspätungen der neueröffneten Strecke Peking-Shanghai der Beweis?

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    • ITSLTD
    • 26. Juli 2011 15:56 Uhr

    Die chinesischen Züge haben eine Durchschnittsgeschwindigkeit, welche doppelt so hoch wie im veralteten ICE.

    Schon 1936 konnte man mit einer Dampflokomotive auf vielen und langen Strecken schneller reisen, als mit dem ICE, der unvernünftigerweise Mitte der 70er Jahre geplant wurde und schon veraltet war, als er den Betrieb aufnahm.

    Man hätte den TGV nehmen können, der damals bereits in Serie gefertigt wurde.

  8. Von gewissen Architekten die an chinesischen Bauprojekten beteiligt waren, habe ich schon so manche skurrile Geschichte mitbekommen. Da wundert mich dieses Zugunglück ehrlich gesagt nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Brücke | China | Krankenhaus | Nachrichtenagentur | Opfer | Provinz
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