Das Land Hessen muss dem verurteilten Kindsmörder Magnus Gäfgen eine Entschädigung in Höhe von 3.000 Euro plus Zinsen zahlen. Die Summe stehe Gäfgen zu, weil ein Polizist seine Menschenwürde bei einem Verhör im Jahr 2002 verletzt hätte, urteilten die Richter am Landgericht in Frankfurt am Main. Gegen die Entscheidung kann das Land Berufung einlegen.

Magnus Gäfgen hatte 2002 den damals elfjährigen Sohn eines Bankiers entführt und getötet. Ein Vernehmungsbeamter hatte Gäfgen während des Verhörs die Verabreichung eines "Wahrheitsserums" und "unvorstellbare Schmerzen" angedroht, um den Aufenthaltsort des Jungen zu erfahren. Die Leiche des Kindes war wenig später aus einem Tümpel geborgen worden, nachdem Gäfgen das Versteck im Verhör verraten hatte.

Diese Drohungen seien "in hohem Maße angsteinflößend" gewesen, sagte der Vorsitzende Richter, Christoph Hefter. Darüber hinaus habe die Polizei die Taten nicht nur angedroht, sondern bereits entsprechende Vorbereitungen getroffen.

Die Folterandrohung nannte der Vorsitzende Richter "rechtswidrig und verwerflich". Er begründete damit die zugesprochene Entschädigungszahlung. Die Beamten hätten "durch die Androhung von Schmerzen planvoll und vorsätzlich in die Menschenwürde eingegriffen". Dieses höchste Verfassungsgut könne aber keinem Menschen abgesprochen werden, "mag es angesichts der von dem Kläger begangenen Straftat auch schwerfallen".

Gäfgen habe aber nicht überzeugend nachgewiesen, dass der Ermittler während der Vernehmung handgreiflich wurde. Ebenso wenig sahen es die Richter als erwiesen an, dass Gäfgen allein durch die Vernehmung psychische Störungen davontrug. Dementsprechend lehnte das Gericht seine Forderungen nach Schmerzensgeld und Schadenersatz ab.