Kriminalität : In Venezuela ist die Gewalt außer Kontrolle

Jede halbe Stunde ein Mordopfer, jeden Tag Entführungen und Raubüberfälle: Die Zukunft Venezuelas ist bedroht. Ein Gastbeitrag
Polizeikontrolle in einem Elendsviertel von Caracas © JUAN BARRETO/AFP/Getty Images

Präsident Hugo Chávez ist krank. Krebs lautet die Diagnose. Keiner weiß Genaueres, Krankheit wie Behandlung werden von der Regierung wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Doch während weltweit darüber spekuliert wird, was im Falle seiner Regierungsunfähigkeit oder gar seines Todes geschehen könnte, sterben tausende Venezolaner jährlich an Gewalt und steigender Kriminalität.

Silke Pfeiffer

ist Projektleiterin für Kolumbien und für die Andenregion bei der International Crisis Group, www.crisisgroup.org.

Die Fakten sind erschütternd: jede halbe Stunde ein Mordopfer, jeden Tag Dutzende Entführungen und Raubüberfälle. 2009 starben in Venezuela weitaus mehr Menschen an Gewalttaten als im Irak; getötet von Kriminellen, von Straßengangs oder sogar von der Polizei selbst. Die meisten Opfer sind jung und arm.

Als Präsident Hugo Chávez 1999 an die Macht kam, versprach er, der Korruption und Gewalt ein Ende zu setzen. Beides war schon vor seiner Amtszeit angestiegen. Zwölf Jahre später ist die Situation nicht unter, sondern komplett außer Kontrolle. Schlimmer noch, der Präsident steht im Verdacht, die Gewalt zu tolerieren, wenn nicht sogar um seines Machterhalts willen, zu instrumentalisieren.

Hinter den Mordraten verbirgt sich der massive Waffenumlauf in zivilen Händen, ebenso wie die ausufernde Korruption der Polizei, die zu einem großen Teil auch Täter ist. In den letzten Jahren hat sie Tausende von außergerichtlichen Hinrichtungen vollzogen.

Venezuela hat sich zu einem Zentrum des international organisierten Verbrechens und einem der wichtigsten Drogenkorridore der Region entwickelt. Verschiedene bewaffnete Gruppen, darunter die kolumbianische Guerilla, Paramilitärs und ihre Nachfolger, arbeiten zusammen mit Mafiabanden aus aller Welt. Sie alle profitieren von der weit verbreiteten Korruption und der Komplizenschaft der Sicherheitskräfte, vor allem aber von der regierenden Straflosigkeit. Ein Teil der Drogen verbleibt im Land und schürt den Bandenkampf um lokale Absatzmärkte, der in den Städten Tag für Tag seine Opfer fordert.

Armut und "Wahrnehmungsprobleme", so die Erklärung der Regierung. Fragt sich nur, wessen Wahrnehmung hier irrt. Während sich der Präsident Erfolge in der Armutsbekämpfung zugute halten kann, ist die Kriminalität in der letzten Dekade sprunghaft gestiegen. 17.600 Morde allein im letzten Jahr, im Vergleich zu 4.550 vor zwölf Jahren.

Demgegenüber stehen zwar vereinzelte Regierungsinitiativen wie eine Polizeireform oder die diplomatischen Entspannungsbemühungen mit Kolumbien. Doch selbst solche Maßnahmen können nicht davon ablenken, dass Gewalt, oder die Androhung derselben, mittlerweile Teil des Regierungsmusters ist.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

42 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Für Triumphalismus gibt es keinen Grund

Wenn eine Gesellschaft erst einmal ihren Zusammenhalt verloren hat, dann ist sie offenbar kaum noch zu reparieren:
Erhöht man den Druck im Kessel, wird die folgende Explosion um so heftiger, läßt man Druck aus dem Kessel, hat man die Instabilität sofort.
Südafrika hat das gleiche Problem.

Diese Lehre sollte auch hierzulande gezogen werden, bevor man den Eliten darin folgt, um ihrer Profite willen die Etablierung eines Elendsproletariats zu gestatten.

Davon abgesehen habe ich die "Zeit" Venezuela nie als "Paradies auf Erden" beschreiben sehen. Das müssen Sie verwechseln.

Wie bitte?

Endlich, endlich springt die ZEIT über ihren Schatten. Bisher wurde Hugo Chavez' Venezuela als Paradies auf Erden (Armutsbekämpfung und so weiter und so fort) beschrieben.

Dass gerade die ZEIT - die ja traditionell eher "USA-nahe Meinungen" vertritt - Chavez und Venezuela normalerweise zu positiv darstellt, ist ja wohl ein schlechter Witz.
Manche Leute kennen offenbar nur schwarz und weiss, und jeder Anflug von grau ist ihnen schon viel zu bunt.

Kolumbien und Mexiko?

Polizei und Milizen der Chavistas in Venezuela sind dafür berüchtigt, selbst für einen Großteil der Straßenkriminalität, der bandenmäßigen Überfälle und der massenhaften Entführungen und Lösegelderpressungen verantwortlich zu sein, ebenso wie für den höchst lukrativen Handel mit Kokain.

Das wusste ich bisher nur von Kolumbien und Mexiko. Interessant, dass das in Venezueala auch so ist.

Quellen hätten wir aber alle gerne...

P.S. Das CIA steht schon lange in dem Verdacht tief in den internationalen Drogenhandel verstrickt zu sein.

Nachgereicht einige Quellen

"Sofern Sie Zitate oder Tatsachenbehauptungen veröffentlichen, bitten wir um Verweise auf eine entsprechende Quelle. Danke, die Redaktion/se."

"Iranische Raketenbasis in Venezuela in Planungsphase"
http://www.welt.de/print/...

"Rüstungsspirale in Venezuela ..."
http://latina-press.com/n...

"Chávez und Ahmadinejad bilden «strategische Allianz»"
http://www.nzz.ch/nachric...

"In Venezuela boomt die Entführungsindustrie"
http://www.dw-world.de/dw...

"Chávez und seine Geschäfte mit der Guerilla"
http://www.zeit.de/politi...

"Chávez bot Farc-Terroristen 300 Millionen Euro an"
http://www.welt.de/politi...

"Hugo Chavez, Hezbollah and Al Qaeda: The Cocaine Connection"
http://blogs.cbn.com/stak...

"Parolen in Caracas: "Juden raus jetzt!""
http://www.j-zeit.de/arch...

"Hezbolá en Latinoamérica"
http://www.noticias24.com...

Mehr Platz ist hier nicht.

Weitere interessante Quellen zum Themenkomplex ...

... sind

dieses hervorragende Internetportal zur Farc:
http://www.farc.de/seiten...

und das wichtige venezolanische Oppositionsportal TalCualDigital des linken venezolanischen Ex-Guerrilleros, Ex-Ministers und einstigen Chavez-Beraters Teodoro Petkoff:
http://www.talcualdigital...

Lesenswertes Interview mit Teodoro Petkoff, vom Juni 2008:

"Chávez will jetzt die gesamte Macht"
http://derstandard.at/308...

In den seit dem Interview vergangenen drei Jahren ist das Chavez-Regime deutlich autokratischer und repressiver geworden.

@hanzwurzt

"Wiedermal sehr "wertvolle" Quellen von Ihnen. Ein "Internetportal zur Farc", das sich als Hassseite eines Entführungsopferns herausstellt und die Aussagen des ehemals größten politischen Gegners von Chavez."

Immer wenn Ihnen informative und seriöse Insider-Quellen zu einem diskutierten Thema nicht in Ihr Weltbild passen, erfinden Sie hier irgendwelche unsinnigen diffamatorischen Behaptungen zu den Ihnen unpassend erscheinenden Quellen.

Zugleich liefern Sie für angebliche Tatsachenbehauptungen (wie die diffamatorische oben) so gut wie nie irgendwelche Quellen.

Welche seriösen Quellen haben Sie also zur Untermauerung Ihrer abschätzigen Behauptungen über die Macher von www.farc.de und www.talcualdigital.com zu bieten?

Ich warte.

Lesen Sie die Seiten eigentlich?

Lesen Sie die Seiten eigentlich die Sie da verlinken?

18. Juli 2001, in der Nähe der Stadt Silvia, Kolumbien. Ein Luxus-Geländewagen überholt das Fahrzeug des Entwicklungshelfers Ulrich Künzel und stellt sich quer. Sechs bis an die Zähne bewaffnete Männer steigen aus. Sie entführen Ulrich Künzel, seinen Bruder Thomas und den gemeinsamen Freund Reiner Bruchmann

Also www.farc.de ist die Seite von drei Entführungsopfern der Farc udn von denen erwarten Sie jetzt "informative und seriöse" Informationen? Könnte es vielleicht sein, dass diese drei Autoren nicht gerade "aussenstehend" sind?

Und von Teodoro Petkoff erwarten Sie eine nicht voreingenommene Einschätzung von Chavez? Chavez hat ihn politisch geschlagen und er ist einer seiner größten Gegner gewesen. Wie genau schätzen Sie dessen Meinung zu Chavez ein? Unabhängig? Unvoreingenommen? Glaubhaft?

http://en.wikipedia.org/w...

Und ich erwarte immernoch eine Antwort auf meien Frage. Warum weichen Sie unangenehmen Fragen immer aus?

@hanzwurzt

Erneut behaupten Sie wieder nur ohne jeden Beleg drauflos.

Nämlich sinngemäß, dass man natürlich nur als Sympathisant von Chavez und Farc 'unabhängig', 'unvoreingenommen' und 'glaubhaft' sein könne, nicht jedoch als einstiges Farc-Entführungsopfer, und natürlich schon gar nicht als einstiger enger linker Mitstreiter.

Weiterhin bleiben Sie jede Quelle und jeden Beleg für diese und alle anderen von Ihnen hier aufgestellten Behauptungen schuldig, während ich hier zur Untermauerung meiner Argumentation noch etliche weitere Quellen benennen und verlinken könnte.

Ihr Link auf die durchaus lesenwerte Wikipedia-Seite über den linken venezolanischen Oppositionellen Teodoro Petkoff untermauert nicht eine einzige von Ihnen in diesem Thread aufgestellte Behauptung.

Welches also sind Ihre nachprüfbaren Quellen und Belege dafür, dass Ulrich Künzel, Thomas Künzel, Reiner Bruchmann und Teodoro Petkoff allesamt nur hasserfüllte Lügner seien, wie Sie dies hier sinngemäß immer wieder behaupten?

Ach wissen Sie, wenn Sie noch nichtmal die simpelsten Zusammenhänge erkennen können wir uns eigentlich jede weitere Diskussion sparen.

Nämlich sinngemäß, dass man natürlich nur als Sympathisant von Chavez und Farc 'unabhängig', 'unvoreingenommen' und 'glaubhaft' sein könne, nicht jedoch als einstiges Farc-Entführungsopfer, und natürlich schon gar nicht als einstiger enger linker Mitstreiter.

Ihr schwarz-weiss Malerei wird langsam unerträglich. Als unvoreingenomme Quelle kommt weder ein Sympatisant, noch ein Gegner in Frage. Schade, dass ich ich Ihnen das überhaupt erklären muss.

Und bei Herr Petkoff lassen Sie die jüngere Geschichte mal kurzerhand weg. hasserfüllte Lügner ??? Weil ich ihn als Quelle nicht für glaubhaft halte ist er noch lange kein Lügner und hasserfüllt auch nicht. Schwarz-Weiss mal wieder. Was soll ich denn dazu noch sagen?

Kommt die Antwort auf meine Frage jetzt noch oder winden Sie sich wie immer aus der Affaire?

Sie meinen, diese Ihre Frage war tatsächlich ernst gemeint?

"Na ganz ehrlich, was sagen Sie? Bomben wir ihn weg?"

Ich habe zum Thema Venezuela und Chavez-Caudillismo weder hier noch irgendwo anders zugunsten einer militärischen Intervention plädiert, oder zugunsten irgendwelcher anderen Formen von äußerer oder innerer Gewaltanwendung gegen das zunehmend autokratischer agierende Chavez-Regime.

So wie ich es sehe (und ich es hier im Forum in der Vergangenheit auch schon mehrfach zum Thema gepostet hatte) malt lediglich die Chavez-Propaganda das vermeindlich drohende Szenario einer feindlichen Invasion an die Wand, um seine anwachsende Kontrolle und Repression gegenüber der immer breiter anwachsenden demokratischen Opposition in weiten Kreisen der venezolanischen Gesellschaft scheinrechtfertigen zu können, sowie die illegitime Aufstellung und den Einsatz von eigenen regimetreuen bewaffneten aramilitärs, gegen die friedliche und breit gefächerte Opposition im Land.

Es existiert m.E. keinerlei reale Gefahr einer gegen Venezuela und seine Regierung gerichteten bewaffneten Intervention.

Denn sich als angebliches Opfer einer vermeindlich bevorstehenden "US-Invasion" darzustellen, gehört lediglich zur leicht durchschaubaren und leicht widerlegbaren Propagnanda des Chavez-Regimes, mit dem es seinen eigenen Weg in die verfassungswidrige Autokratie zu rechtfertigen versucht.

Danke für die Antwort. Ich hoffe Sie haben Recht, dass es keine Gefahr für eine Intervention gibt.

Ich kann aber gut verstehen, wenn sich rohstoffreiche Länder wie Venezuela nach der Causa Libyen jetzt bedrohter fühlen als vorher. Ich kann mir gut vorstellen und absolut nachvollziehen, dass Chavez jetzt seine Devisen und Goldvorräte aus Europa abzieht und ich kann auch nachvollziehen, wenn er aufrüsten wird.

gehört lediglich zur leicht durchschaubaren und leicht widerlegbaren Propagnanda des Chavez-Regimes

Chavez steht nicht allein da mit dieser Einschätzung. Niemand kann ihm übernehmen diese Gefahr als realistisch einzuschätzen. Immerhin hat die USA nicht nur einen Versuch unternommen diesen Mann loszuwerden. Das ist keine Propaganda, da die Gefahr nachwievor da ist.

Es existiert m.E. keinerlei reale Gefahr einer gegen Venezuela und seine Regierung gerichteten bewaffneten Intervention.

Vielleicht nicht direkt von der USA. Aber vielleicht von einer bewaffneten Oppositionsbewegung, die ganz zufällig innerhalb kürzester Zeit herangewachsen ist? Und die wird dann vermutlich vom "Chavez-Regime" brutal niedergeschlagen und dann muss die NATO ganz schnell helfen kommen.

P.S. Bitte vermeiden Sie es jedem Staatsoberhaupt, das ihnen nicht genehm ist das "Regime" überzustülpen. Sowas gehört sich nicht für ein demokratisch gewähltes (und wiedergewähltes) Staatsoberhaupt.

Komische Einzelheit.

Wenn ein Kapitalistische Regirung in die Korruption und die Gewalt abrutscht wird sie recht schnell als Diktatur bezeichnet, wenn eine sozialistische Regirung ebenfalls dahin abrutscht ist das Sozialistische System schuld.

Nennen wir ihn doch einfach schon mal Dictator, die Wahlen sind ein witz und jemand anderes als er hat eh nichts mhr zu sagen.

Vorsicht.

Zu sagen, dass die Wahlen in Venezuela ein Witz sind, ist mir zu platt.

Chavez wurde ursprünglich in weitgehend korrekten Wahlen gewählt, das zumindest sagen mir damalige Wahlhelfer aus Venezuela, denen man sicher keine Sympathie für Chavez unterstellen kann.

Was seither passiert ist, ist eine andere Frage. Chavez hat beispielsweise bei der Abstimmung über eine Verfassungsänderung, die die Begrenzung seiner Amtszeit beendete, unverhohlen damit argumentiert, dass Bürgermeister und andere Politiker "dann ja auch im Amt blieben".
Die haben die Nachricht schon schnell verstanden, Chavez selbst brauchte also gar nichts weiter in die Wege zu leiten. Damals bekam er die Verfassungsänderung im zweiten Anlauf durch, das Wahlvolk wurde mehr oder minder direkt gekauft. Protestiert haben gegen den absehbaren Stimmenkauf und Manipulationen der Wahlregister alleine in Caracas einige Hunderttausende, nach meiner Beobachtung überwiegend ehemalige Chavez-Wähler, die zutiefst von ihm enttäuscht sind.

Wahlgeschenke sind eh viel eleganter, als sich mit Wahlbetrug selber die Finger schmutzig zu machen. Genug Ölgeld hat er ja unter seiner Kontrolle.

Vor allem braucht niemand zu glauben, dass es auf Schlag eine bessere Alternative zu Chavez gibt.
Die Opposition ist nicht nur zerstritten und definiert sich über die Gegnerschaft zu chavez, es darf auch daran gezweifelt werden, ob sie zu Korruption eine hehrere Haltung als der Amtierende hätte.

@12 Lagenorhynchus

"... Zu sagen, dass die Wahlen in Venezuela ein Witz sind, ist mir zu platt."

Na gut, dann sind sie eben kein Witz - sondern eine Farce ... im Grunde genommen, erläutern Sie das in Ihren Ausführungen, den ich ansonsten voll und ganz zustimmen kann, ja selbst.

Chavez-Verklärer sollten man am besten dazu verurteilen, sich ein paar Tage lang die präsidientielle Dauerberieselung "Alo Presidente" anschauen zu müssen. Nachhaltiger könnte selbst die imperialistisch verschworene Presse denn Mythos nicht zerstören ...

Ein ungelöstes Rätsel bleibt m.E. wieso manche Linke an ihrem Trugbild von Chávez kleben, wenn es doch längst genug Vorbilder dafür gibt, dass man linke Politik in Lateinamerika erfolgreich betreiben kann, ohne die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen seines Landes zu zerstören (u.a. Bachelet, Lula).

Klar, bei den genannten Kandidaten fehlt natürlich der Charme des "antiimperialistischen" Habitus. Dass Chávez selbst sich, wo immer er kann, gerne als Möchtegern-Regionalfürst in Szene setzt, wird dabei entweder gar nicht oder als lässliche Sünde wahrgenommen.

Chavez-(V)erklärer

Es geht gar nicht darum, ein "Mythos" aufzubauen. Die meisten Linken stehen Chavez bereits kritisch gegenüber.

Es muss jedoch jedem ausgewogenen Betrachter die Maßlosigkeit zuwider sein, mit der man sich an einigen Punkten hochzieht (Iran-Beziehung, Verfassungsänderung, RCTV-Schließung), nur um ihn unbedingt als "Drehpunkt in der Achse des Terrors", "Diktator" und "Tyrann" hinzustellen. Dabei findet man in all diesen Punkten gute Beispiele europäischer Regierungen, die so handeln - ohne darüber zu "Diktatoren" zu werden.

Und natürlich muss die Einseitigkeit erstaunen, mit der man Venezuela beleuchtet. Selbstverständlich ist es kein "Paradies auf Erden", wer erwartet auch so etwas? Doch wieso muss man so viele Meinungsartikel zum Niedergang Venezuelas lesen, und die ZEIT hat nicht einen einzigen Artikel über die Alphabetisierung und Schulenausbau, die Studentenzahlen und -stipeniden, die verbesserte Nahrungsmittelversorgung, die deutlich verbesserte - und kostenlose - ärztliche Versorgung, der deutlich messbare Rückgang extremer und mittlerer Armut, der Politisierung und Teilhabe auf kommunalem Niveau etc.

Diese Einseitigkeit kann man sich anders als mit ideologischen Verklärungen (gerade seitens der selbsternannten Chavez-Erklärer wie Sie) nicht erklären. Und dabei ist Venezuela noch nicht einmal ein Sozialismus; nach allen möglichen Kriterien ist Frankreich heute noch sozialistischer als Venezuela. Aber wahrscheinlich ist die dortige schwarz-weiß-Propaganda ansteckend.

Vorbilder

Nun zu Ihrer Frage; auch wenn ich Ihnen widersprechen muss, dass Chavez in der deutschen Linken zu einem Vorbild stilisiert wird, so gibt es doch ein besonderes Interesse, was in einem Land passiert, wo wieder Grundsatzentscheidungen diskutiert werden.

Was hat Bachelet denn ausrichten können? Die chilenische Verfassung - handdiktiert von Pinochet - ist ein Gift, alle linken politischen Kräfte dauerhaft kleinzuhalten. Und an die Verfassung hat sie sich nicht gemacht (und nicht machen können, sie hatte ja nie zwei Drittel). Bachelet hat sich gern mit der Kanzlerin ablichten lassen, ist es das, was sie Ihrer Meinung nach zum Vorbild macht?
Und auch Lula hat nur einige der Räume zur südamerikanischen Unabhängigkeit genutzt, die im Zeitalter Bush überhaupt erst im Schatten von Chavez' aggressiver Rhetorik entstanden sind, und hat ein paar Hilfsprogramme aufgelegt. Doch so grundlegend hat auch er nichts verändert, weder sozial noch ökologisch. Oder macht ihn gerade das für Sie zum Vorbild?
Von der Gewalt und Polizeiproblemen in den Großstädten Brasiliens brauche ich Ihnen ja wohl nicht zu berichten...

zu viel naivitaet und keine phantasie

es ist schon putzig wie menschen ohne anscheinend jemals in einem solchen regime gelebt und gearbeitet haben, so naive Fragen stellen koennen. wer jemals seit beginn von chavez regierung in caracas lebte, hat eine andere meinung besonders wenn er ein auto oder armbanduhr hat. hier ist wieder der deutsche bundesbuerger am werk, der mit seinen deutschen heilen masstaeben kommentiert. menschen die in venezuela leben schuetteln den kopf vor so viel naivitaet. chavez hat die groesste mittelschicht lateinamericas durch enteignung und korruption ins unglueck gestuertzt (besuchen sie caracas wenn sie heil wieder raus kommen darueber zu berichten) und korrupiert oder glauben sie wirklich man kann kritische artikel im spiegel lesen/ die seiten fehlen in caracas. wake up! caracas 2012

Wahnsinnige Diktatoren...

...gibt es nicht nur in Nordafrika.
Es ist möglich, dass die Wahlen im kommenden Jahr einen Konflikt zwischen Regime und Opposition entstehen lassen, der im schlimmsten Falle endet wie in Libyen. Allerdings ist die Regimeloyalität in Venezuela größer; es wird schwieriger werden als in Libyen. Ich hoffe, Chavez verliert bald seine Macht, er ist längst überfällig.

Und @Tusoalsob: Gadhafi berief sich auch auf den Sozialismus. So einfach kann man es sich nicht machen.