Hamburger U-Bahn : Die Bierflasche bleibt zu

In Hamburger Bussen und Bahnen wird das Alkoholtrinken verboten. Die meisten Fahrgäste sind dafür, sie hoffen auf weniger Müll und Gewalt. Aber wie setzt man es durch?

Die Bierflasche in der Hand ist in einigen Jugendszenen zum Lifestyle-Accessoire geworden. Manch einer trägt sie in der U-Bahn mit sich herum wie ein Handy oder iPod, ohne dabei zur Gruppe der alkoholsüchtigen Obdachlosen, Hooligans oder jugendlichen Komasäufern zu gehören. Zumindest in Hamburg muss man sich diese Attitüde jetzt wieder abgewöhnen, ebenso das sogenannte Vorglühen in der Bahn vor dem Ausgehen. Auch die Sauftreffen unter Jugendlichen in Bushaltestellenhäuschen sind bald verboten.

Denn ab dem 1. September darf man in Bussen und Bahnen des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), auf Bahnhöfen und an Haltestellen keinen Alkohol mehr trinken und keine geöffnete Flasche mit sich herumtragen. Erlaubt ist natürlich weiterhin, seine Einkäufe in der Bahn zu transportieren und, wenn man schon vor dem Einstieg in die Bahn betrunken ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu gelangen.

Ähnlich wie das Rauchverbot könnte das Alkoholverbot Schule machen. Im Metronom, den privaten Regionalverkehrszügen in Niedersachsen, ist der Alkoholgenuss schon seit Herbst 2009 verboten. In Baden-Württemberg versucht man es mit einem nächtlichen Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen, und in Berlin darf man an bestimmten öffentlichen Plätzen nicht mehr zur Flasche greifen.

Einer Umfrage des HVV zufolge sind 86 Prozent der Hamburger für das Verbot, auch junge Leute sind überwiegend einverstanden (70 Prozent). Fahrgäste und der HVV versprechen sich davon, dass Müll, Gestank, Pöbeleien und Gewaltausbrüche abnehmen.

 

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

150 Kommentare Seite 1 von 17 Kommentieren

B Wie setzt man es durch?

Die Fahrkartenkontrolleure muessen auf die Einhaltung sehen
mit den gleichen Mitteln, die sie anwenden um Schwarzfahrer
einzudaemmen. Ausserdem die Streifenpolizisten an den Halte-
stellen und in den oeffentlichen Verkehrsmitteln, die sie
ja auch benutzen und schuetzen sollen. Ich glaube, deutliche
Verbotsschilder werden schon eine Menge Leute abhalten.

Viele naive Vorstellungen

1. > Was in der Bahn nicht konsumiert werde, werde nämlich auch nicht mehr nachgeholt. <
So etwas ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Man kann vor der Fahrt trinken bis zum Abwinken und braucht dann in der Bahn nicht mehr zu trinken. Randalierer sind meist schon betrunken.

2. > Seit Jahrzehnten sei außerdem durch Studien nachgewiesen, dass Preis und Verfügbarkeit die beiden entscheidenden Argumente sind, um Zigaretten- und Alkoholkonsum zu reduzieren. <
Studien?! Der Preis mag manchmal eine Rolle spielen aber ist nicht ausschlaggebend. Das beste Beispiel sind die Preiserhöhungen für Alcopops. Die Alternative ist eine Flasche Schnaps und zwei Flaschen Limonade. Dann mixt man selbst. Dafür braucht man keine Studien. Das kann man bei Weinfesten und anderen öffentlichen Veranstaltungen selbst beobachten.

Die einzige sinnvolle Lösung um Alkohol- und Tabakkonsum einzuschränken findet man in den USA und Kanada. Verkauf nur in speziellen und staatlich kontrollierten Geschäften. Und diese Geschäfte haben eingeschränkte Geschäftszeiten. Aber dann wäre in Deutschland das Geschrei der Geschäftsleute groß.

Wie man es durchsetzt?

Die Frage ist vielmehr: wie man es umgeht.
Tippe stark auf ein Revival des guten alten Flachmanns. Womit sich die Jungs und Mädels zudröhnen, ist letztlich egal und ein Fläschchen mit 0,25 Liter Inhalt reicht immerhin für die meisten Kurzstrecken.

Andernfalls kann man immer noch "vorglühen".

Zurück zur Normalität

Ich habe es satt jeden Mist aus Amerika bei uns nachgemacht zu sehen. Jetzt darf man nicht mehr in Bahnhöfen rauchen, in Zügen nicht, und jetzt fangen sie auch noch an die Prohibition einzuführen. Irgendwo ist mal Schluss mit der Amerikanisierung Deutschlands. Bier trinken ist ein Teil unserer Kultur und die Straße ist öffentlicher Raum, was wir da machen, das geht den Staat nichts an.

Normalität = Suff im öffentlichen Raum???

'zelotti' repräsentiert offensichtlich den Normalegoisten, der persönliche Freiheit als die Freiheit versteht, in der Öffentlichkeit andere belästigen zu dürfen - durch Rauchen, durch Saufen und wer weiss was noch alles.
Biertrinken in der Kneipe, im Biergarten etc. gehört sicher zu unserer 'Kultur', diese Orte sind aber kein öffentlicher Raum. Biertrinken auf der Strasse ist aber nicht typisch für unsere Kultur - es ist eine Auswirkung von Fehlentwicklungen. Den 'Mist aus Amerika' erkenne ich eher in Entwicklungen, welche die Rücksichtnahme auf andere in der Öffentlichkeit zur letzten Nebensächlichkeit werden lassen. Das Alkoholverbot in öffentlichen Verkehtsmitteln und den dazugehörigen Einrichtungen war längst überfällig.

Was wir auf der Strasse trinken geht den Staat etwas an!

Re Zelotti: zurueck zur Normalitaet !
Wer schon einmal einen Nachtdienst als Arzt in einem staedtischen Krankenhaus oder einer psychiatrischen Klinik gemacht hat, hat es erlebt:
Viele Maenner sind unter hohen Dosen Alkohol wie entsicherte Handgranaten und tun Dingem die sie nuechtern haeufig nicht getan haetten.
Dann gibt es noch all die, die stuerzen, sich etwas brechen, Hirnblutungen erleiden, im Coma in die Klinik kommen oder andere Menschen anfahren.
De facto ist jedes 10. Krankenhausbett ein Bett zur Behandlung des unmittelbaren Alkoholkonsums oder seiner Folgeschaeden.
Der Rausch bleibt haeufig eben nicht privat. Meiner Meinung nach sollte auf jedes Gramm reinen Alkohol in einem alkoholischen Getraenk 1 cent gesundheitsabgabe erhoben werden, der direkt an die Krankenkassen und an Praeventionsstellen geht.

Ja, das frage ich mich auch immer ...

... wie ist das eigentlich mit den Kosten?
Beim Herzinfakt sind es oft folgende Faktoren die ihn massiv begünstigen:

- Rauchen
- Übergewicht
- Ungesunde Ernährung
- Bewegungsmangel
- Stress
- Alkohol

Ich möchte mal eine Person kennenlernen, auf die keines der genannten Faktoren zutrifft. Denn dann würde ich Sicherheit sagen können: "Das ist kein Sozialschmarotzer, er ist wirklich unverschuldet krank geworden". Leider ist das illusorisch.
Oft wurden diese Risikofaktoren über Jahre hinweg missachtet - im Gegensatz zu einer einmaligen Alkoholvergiftung (und einem anschließenden Tag Krankenhausaufenthalt) - also hat sich doch der Patient schuldiger gemacht.

Ich denke wir sollten endlich in der Krankenkassen Schuldkarten einführen, damit das ein- für allemal geklärt ist und daran richtet sich dann der Eigenanteil der Kosten. Bei dem Jungen von Wetten-Dass wäre das bspw. 100%, er hat ja bewusst das Risiko in Kauf genommen, bei einem einmaligen Alkoholrausch auch 100%, bei Folgeschäden durch Alkohol müsste eine Abwägung erfolgen, mit Berücksichtigung der familiären Situation also zwischen 98-100% wäre realistisch. Bei Herzproblemen und Cholesterin natürlich auch 100%. Bei Mangelerscheinungen im Blut (bspw. Eisen, Vitamine, ...) auch 100% - jeder kann sich heute ausreichend ernähren und keiner muss hungern. Über Krebs brauch ich ja auch nicht zu reden, jeder weiß, das gebackene Sachen krebserregend sind - 100%.

Das wäre doch garantiert fair!

Oder hätten sie eine bessere Idee?

wozu?

Warum sollten sie in der U-Bahn ein Bier trinken? Sie können um 22 Uhr in der Kneipe oder um 24 Uhr Zuhause ein Bier trinken. Da müssen andere Menschen nicht ertragen müssen, wenn ständig eine Bierfahne den ohnehin begrenzten Sauerstoffanteil überlagert. Und wenn sie es nicht schaffen, mal um 23 Uhr kein Bier zu trinken, haben sie ein ernsthaftes Problem. Sie sollten sich in Behandlung begeben, das zahlt ja auch mehr oder weniger die Allgemeinheit.

Hallo "zelotti"

"Der Staat" sind wir alle - es geht uns also alle etwas an, wenn manche Menschen sich das Recht herausnehmen, sich überall und zu jeder Tageszeit den Kopf mit Alkohol vollzudröhnen, dabei jedes Gefühl für Anstand verlieren (sofern vorher überhaupt vorhanden) und damit sich selbst und in der Folge den restlichen Mitgliedern der Gesellschaft Schaden zuzufügen - oder zumindest ziemlich auf die Nerven zu gehen.

Wird alles von der Kasse bezahlt

Die Fälle, in denen der "Patient" für die Kosten des Krankentransportes nach Alkoholkonsum tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wird, häufen sich meiner Erfahrung nach nicht gerade. Haben Sie zuverlässige Quellen?
Daß ein Betrunkener seinen Krankenhausaufenthalt selbst zahlen muß, habe ich hingegen leider noch nie gehört. Viele kämen damit auch in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, was den Wiederholungsfall unwahrscheinlicher machen könnte.