GroßbritannienTote am Rande der Proteste in Birmingham

In der zentralenglischen Stadt sind in der Nacht drei Menschen getötet worden. Ob ein Zusammenhang zu den Krawallen in der Stadt besteht, ist unklar. von dpa und AFP

Die Polizei patrouilliert in Birmingham

Die Polizei patrouilliert in Birmingham  |  © Jeff J Mitchell/Getty Images

In Birmingham sind am Rande der Ausschreitungen drei Männer getötet worden. Nach Angaben der Polizei erfasste sie ein Auto in der Nacht an einer Tankstelle in der Innenstadt. Alle drei Männer seien noch in der Nacht im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen gestorben.

In der Nähe der Tankstelle habe man wenig später ein Fahrzeug sichergestellt und einen Mann festgenommen worden, sagte ein Polizeivertreter. Sanitäter sagten, es seien etwa 80 Personen an der Tankstelle gewesen, als sie ankamen.

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Die Polizei startete Ermittlungen wegen vorsätzlicher Tötung.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Vorfall und den Krawallen gewaltbereiter Jugendlicher in England besteht, ist bisher unklar. Die BBC berichtete, die Männer seien kurz zuvor aus einer Moschee gekommen und hätten ihren Wohnblock vor den Randalierern schützen wollen.

Birmingham war einer der Schwerpunkte der Krawalle der vergangenen Nacht gewesen. In der vierten Nacht nach Beginn der Randale in London legten Gewalttäter auch in Städten wie Manchester, Liverpool und Birmingham Feuer und plünderten, während es in der Hauptstadt London weitgehend ruhig blieb.

Durch die Krawalle ist bisher ein Mensch gestorben. Ein 26-jähriger Mann erlag am Dienstag im Krankenhaus Schussverletzungen. Beamte hatten ihn am Montag im Londoner Stadtteil Croydon schwer verletzt aus einem Auto geborgen.

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Leserkommentare
  1. Soetwas macht die Situation nicht einfacher - sondern noch komplizierter, zumal inzwischen bekannt wurde, dass der Todesschuss, der zum Ausbruch der Unruhen führte, nicht aus Notwehr abgegeben wurde.

    Normalerweise müsste jetzt deeskalierend auf alle Beteiligten eingewirkt werden. Davon ist man jedoch seit den gestrigen Äuserungen von Premier Cameron weit entfernt.

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    • Aethon
    • 10. August 2011 11:36 Uhr

    "zumal inzwischen bekannt wurde, dass der Todesschuss, der zum Ausbruch der Unruhen führte, nicht aus Notwehr abgegeben wurde."

    Aha, das wissen Sie bitte woher?
    Meines Wissens wurde bekannt, dass der Getötete nicht geschossen hat, aber eine Waffe bei sich führte.

    Da sehe ich noch viel Spielraum für Notwehr. Was täten Sie, wenn man etwa eine Waffe auf Sie richtet?

    Soll für die Polizei etwa gelten, wenn sie einem Bewaffneten gegenüberstehen: "Erst, wenn der Verdächtige mindestens einmal geschossen hat, dürfen wir zurückschießen! Vorher bitte alle Kugeln mit dem Körper auffangen, damit keine Unbeteiligten zu Schade kommen" ?

  2. Die Eskalation geht weiter. Schon traurig das man das nicht geschafft hat diese Aufstände schneller in den Griff zu bekommen. Der Zustand der Polizei in England scheint mir mehr als marode zu sein.
    Da wurde wohl auch ordentlich gespart, sowie bei den Ausgaben für Jugenarbeit die wurden ja Landesweit durchschnittlich um 75% gekürzt.
    Wäre schon wirklich miserable Politik falls sich raustellen sollte das man gleichzeitig bei der Polizei gespart hat.
    Die Kurzsichtigkeit der britischen Politik , für die nun andere mit ihrem Leben bezahlen müssen.
    Auch noch Teil der ethnische Gruppe die Viele für die Eskalation verantwortlich machen.
    Aber die ausgewogene Berichterstattung von Sky News wird den Engländern schon das "RICHTIGE" Bild vermitteln.

    • Aethon
    • 10. August 2011 11:36 Uhr

    "zumal inzwischen bekannt wurde, dass der Todesschuss, der zum Ausbruch der Unruhen führte, nicht aus Notwehr abgegeben wurde."

    Aha, das wissen Sie bitte woher?
    Meines Wissens wurde bekannt, dass der Getötete nicht geschossen hat, aber eine Waffe bei sich führte.

    Da sehe ich noch viel Spielraum für Notwehr. Was täten Sie, wenn man etwa eine Waffe auf Sie richtet?

    Soll für die Polizei etwa gelten, wenn sie einem Bewaffneten gegenüberstehen: "Erst, wenn der Verdächtige mindestens einmal geschossen hat, dürfen wir zurückschießen! Vorher bitte alle Kugeln mit dem Körper auffangen, damit keine Unbeteiligten zu Schade kommen" ?

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    daß es sich augenscheinlich (!) nicht um Notwehr handelte, stammt aus einer Pressemitteilung der mit der Untersuchung des Vorfalles betrauten unabhängigen Kommission (IPCC) und ist insofern offiziell.

    Aber ich denke an sich, daß es in derlei Fällen immer geboten ist, auf den abschliessenden Bericht zu warten, bevor man selbst versucht, zu urteilen.

    Aber ich stimme Suennerklaas zu, diese Nachricht wirkt in sich erst einmal nicht Deeskalierend. Dabei wäre Deeskalation gerade jetzt von Nöten.

    • NATOT
    • 10. August 2011 12:48 Uhr

    Stimmt schon, anscheinend hat eine Untersuchung der Polizeibehörde ermittelt, dass die Kugel in dem Mikofon aus Polizeibeständen stammt und die Waffe des Getöteten definitiv nicht abgefeuert wurde.

    Damit wäre die Falschaussage der Beamten doch schon bewiesen.

    Übrigens: In GB sind in den letzten Jahren über 300 Gefangene in Polzeigewahrsam gestorben. Kein Beamter wurde angeklagt.

  3. daß es sich augenscheinlich (!) nicht um Notwehr handelte, stammt aus einer Pressemitteilung der mit der Untersuchung des Vorfalles betrauten unabhängigen Kommission (IPCC) und ist insofern offiziell.

    Aber ich denke an sich, daß es in derlei Fällen immer geboten ist, auf den abschliessenden Bericht zu warten, bevor man selbst versucht, zu urteilen.

    Aber ich stimme Suennerklaas zu, diese Nachricht wirkt in sich erst einmal nicht Deeskalierend. Dabei wäre Deeskalation gerade jetzt von Nöten.

    Antwort auf "Notwehr"
    • Schrdro
    • 10. August 2011 11:50 Uhr

    "Meines Wissens wurde bekannt, dass der Getötete nicht geschossen hat, aber eine Waffe bei sich führte.

    Da sehe ich noch viel Spielraum für Notwehr. Was täten Sie, wenn man etwa eine Waffe auf Sie richtet?"

    Zwischen "eine Waffe bei sich führen" und "eine Waffe auf jemanden richten" besteht ein gewisser Unterschied.

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    • Aethon
    • 10. August 2011 11:59 Uhr

    "Zwischen "eine Waffe bei sich führen" und "eine Waffe auf jemanden richten" besteht ein gewisser Unterschied."

    Eben, ich sagte ja auch nicht, dass es unbedingt Notwehr war, sondern, dass die MÖGLICHKEIT besteht - anders als der Forist oben, der ausgeschlossen hat, dass es sich bei der Tötung um Notwehr handeln könnte.
    Dementsprechend muss man in der Bewertung vorsichtig sein, solange keine konkreten Informationen vorliegen.
    Mehr will ich ja gar nicht.

    War der Bertroffenen zum Zeitpunkt des Vorfalls in einem Taxi soweit man das aus den Medien entnehmen konnte.

    Auch wenn sie ihn einfach erschossen haben rechtfertigt das die Randale natürlich nicht , gibt aber einen Einblick in die Verfahren Situation zwischen Polizei und einem großen Teil der englischen Jugend.

    Hätte er die Waffe nachweislich auf die Polizisten gerichtet oder Schüsse abgegeben würde das sofort in den Medien berichtet werden. Also kann man schon davon ausgehen das da nicht korrekt gehandelt wurde.

    • Aethon
    • 10. August 2011 11:59 Uhr

    "Zwischen "eine Waffe bei sich führen" und "eine Waffe auf jemanden richten" besteht ein gewisser Unterschied."

    Eben, ich sagte ja auch nicht, dass es unbedingt Notwehr war, sondern, dass die MÖGLICHKEIT besteht - anders als der Forist oben, der ausgeschlossen hat, dass es sich bei der Tötung um Notwehr handeln könnte.
    Dementsprechend muss man in der Bewertung vorsichtig sein, solange keine konkreten Informationen vorliegen.
    Mehr will ich ja gar nicht.

    Antwort auf "Unterschied"
  4. War der Bertroffenen zum Zeitpunkt des Vorfalls in einem Taxi soweit man das aus den Medien entnehmen konnte.

    Auch wenn sie ihn einfach erschossen haben rechtfertigt das die Randale natürlich nicht , gibt aber einen Einblick in die Verfahren Situation zwischen Polizei und einem großen Teil der englischen Jugend.

    Hätte er die Waffe nachweislich auf die Polizisten gerichtet oder Schüsse abgegeben würde das sofort in den Medien berichtet werden. Also kann man schon davon ausgehen das da nicht korrekt gehandelt wurde.

    Antwort auf "Unterschied"
  5. Unserer Innenminister Friedrich glaubt, dass es eine solche Eskalation der Gewalt in Deutschland nicht geben kann. Was für ein Träumer. In welcher Welt lebt dieser Mensch. Das britische Problem kann schnell auch ein deutsches Problem werden. Da braucht es manchmal nur einen kleinen Funken. Die Geschichte weiß davon zu erzählen.

    In einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen ausgegrenzt werden, in der viele Jugendliche keine Perspektive mehr besitzen, wo Politiker ganze Volkswirtschaften mit Schulden über Schulden in den Abgrund reisen und die immer größer werdende Verarmung der Menschen als Kollateralschaden hinnehmen und sich dann noch als Retter der Menschheit feiern lassen, muss man sich nicht wundern, wenn der Zorn der Benachteiligten in den Himmel wächst und in brutale Gewalt ausbricht. Diese Menschen sehen sich nicht mehr als Teil unserer Gesellschaft, weil die Gesellschaft sie schon lange ausgeschlossen hat. Und weil das so ist, halten sich die Gewaltbereiten auch nicht an die in unserer Gesellschaft geltenden Regeln. Dieser Hass schwelte schon lange. Doch niemanden in der Politik hat es interessiert.

    Die Wut der Ausgestoßenen ist der Preis den die Gesellschaft dafür zahlen muss.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Großbritannien | BBC | Birmingham | Auto | Ermittlung | Fahrzeug
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