Randale in England Die Krawalle in Großbritannien waren vorhersehbar

Ungezügelter Kapitalismus, Gentrifizierung, die Ermunterung, über die eigenen Verhältnisse zu leben: R. Atkinson und S. Parker über die Ursachen der Unruhen in England

"Sinnlose Kriminalität“ und marodierende Banden hat der britische Premierminister David Cameron als Ursache für die tagelangen Krawalle in seinem Land ausgemacht. Jetzt soll der frühere New Yorker Polizeichef Bill Bratton der britischen Polizei Nachhilfe im Kampf gegen Straßengangs geben. Die eigentlichen Gründe für die Ausschreitungen indes werden ignoriert.

Dabei haben uns die Unruhen, die zu 1.400 Verhaftungen, rund 100 Millionen Pfund Schäden, fünf bestätigten Toten und zu einer starken öffentlichen Beklemmung führten, einen – wenn auch nur flüchtigen – Einblick in die soziale und ökonomische Situation in England gegeben. Wer genau hinschaut, erkennt, dass sich die Krawalle nicht auf zufällige, von kriminellen Gangs verübte Ereignisse reduzieren lassen. Sie waren Wutausbrüche, die auf ein tief sitzendes Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit zurückgehen.

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Keine Glaubwürdigkeit, kein Verantwortungsgefühl

Rowland Atkinson und Simon Parker

Rowland Atkinson und Simon Parker dozieren am Zentrum für Städteforschung der University of York.

Die britische Regierungskoalition will viele staatliche Jugendeinrichtungen, Ausbildungs- und Erziehungshilfen demontieren, die jedoch das absolute Minimum darstellen, um Unruhen zu verhindern. Denn Stadtteile wie Tottenham sind sozial ausgegrenzt. Ihre Bewohner werden schon durch die Postleitzahl, die Namen bestimmter Schulen oder Sozialwohnungen stigmatisiert. Einer von drei 16- bis 24-Jährigen, die in den von den Aufständen betroffenen Londoner Stadtbezirken leben, ist arbeitslos. Sie fühlen sich entrechtet. Kombiniert mit den geplanten Kürzungen und dem andauernden Gefühl der Diskriminierung und Ungerechtigkeit, brauchten diese explosiven Zutaten nur noch den richtigen Funken, um Unruhen auszulösen.

Hinzu kommt, dass sich die britischen Eliten in den vergangenen Jahren um ihre Glaubwürdigkeit gebracht haben. Wenn, wie beispielsweise im Spesenskandal, schon die sozialen Eliten keinen Respekt vor öffentlichen Gütern aber Maßlosigkeit in ihren Ansprüchen zeigen, wie kann man sich dann über die Plünderer wundern? Sie handelten nicht groß anders. Auch sie wollten sich nur ungestraft das holen, was sie haben wollten – und sei es ein Fernseher.

Der Niedergang der Wirtschaft, die Pläne für massive öffentliche Kürzungen und die Exzesse des Finanzmarktes zu Lasten der unterbezahlten Arbeiter, haben in Großbritannien ein Gefühl von Unsicherheit und Ungerechtigkeit hinterlassen – und das nicht nur in den von den Krawallen erschütterten Bezirken. Dieses Gefühl vereint sich jedoch bei den am meisten Benachteiligten noch mit tief sitzenden Ressentiments, Männlichkeitsritualen und der Suche nach Respekt.

Die Geografie der sozialen Ungerechtigkeit

Die Wirtschaftskrise hat den Blick auf die Doppelmoral der britischen politischen Klasse gelenkt. Sie repräsentiert die reichen Wahlbezirke, die relativ unversehrt vom neuen Sparkurs bleiben. Es herrscht eine Geografie der sozialen Ungleichheit. 30 Jahre ungezügelter Kapitalismus, exklusiver Wohnungsmarkt, Gentrifizierung und die ständige Ermunterung, über die eigenen Verhältnisse zu leben, haben viele Menschen verbittert und der britischen Gesellschaft entfremdet.

Trotzdem haben wir in verschiedenen offenbar "kranken" und "kaputten" Stadtteilen – besonders von Migrantengruppen –, tapferen Zusammenhalt und Solidarität erlebt. Diese Menschen haben versucht, die Straßen vor Randalierern und Plünderern zu schützen. Das zeigt, dass gesellschaftliche Bindungen und ein Bewusstsein für Recht und Ordnung nach wie vor in der Gesellschaft existierten. Hier  muss die lokale Politik ansetzen, anstatt über die Reparatur der "kaputten Gesellschaft" und den Kampf gegen Straßengangs zu schwadronieren, wie es Cameron am Montag tat.

Man wird in Großbritannien – und auch anderswo in Europa – nicht darum herum kommen, das Problem der sozialen Ungerechtigkeit endlich wahrzunehmen und anzugehen. Ein tieferes Verständnis von Ordnung und Menschlichkeit muss auch jenen sozialen Gruppen nahe gebracht werden, die derzeit nicht von unseren Politikern privilegiert werden. Wir haben die Wahl: entweder zu verstehen und zu handeln – oder uns zurückzulehnen und zu behaupten, dass diese Ereignisse zufällig, sinnlos und chaotisch entstanden sind. Die letzte Antwort würde lediglich dazu führen, dass die gewalttätigen Krawalle Großbritannien in den nächsten Monaten und Jahren weiter verfolgen werden.

 
Leser-Kommentare
    • vril
    • 15.08.2011 um 20:04 Uhr

    ... wird auch bei uns immer deutlicher. Wir leben doch laut GG in einem Sozialstaat. Auch wenn ich (noch) nicht zur s. g. Unter-, Mittelschicht gehöre, möchte ich, dass unsere "gewählten" Volksvertreter die ihnen anvertrauten Steuergelder "zum Wohle des Volkes" verwenden. Die Schere zwischen Arm und Reich wird durch deren verantwortungsloses Handeln immer größer. Die neo-liberale Politik ist gescheitert. Gebt das Geld endlich dort aus, wo es wirklich gebraucht wird !!!

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    • ribera
    • 16.08.2011 um 0:49 Uhr

    47 Milliarden waeren 12% des Haushaltes von 2012.
    das faengt man nur mit Steuererhoehungen, weiteren Staatsschulden und Ausgabenkuerzungen, vornehmlich im Sozialbereich, auf. Denn das ist der groesste Einzeletat.

    der Mann vom Ifo-Institut hat diese aus Annahmen heraus berechnet. Er hat auch gesagt, dass sich die Eurobonds auf die Bruttoneuverschuldung beziehen. Von daher wären die zusätzlichen Belastungen für die ersten beiden Jahre bei ca. 6 Milliarden, was natürlich auch nicht zu verachten ist. Die beschriebenen Zahl von 47 Milliarden stellt sich nach dieser Rechnung erst 2037 ein.

    • ribera
    • 16.08.2011 um 0:49 Uhr

    47 Milliarden waeren 12% des Haushaltes von 2012.
    das faengt man nur mit Steuererhoehungen, weiteren Staatsschulden und Ausgabenkuerzungen, vornehmlich im Sozialbereich, auf. Denn das ist der groesste Einzeletat.

    der Mann vom Ifo-Institut hat diese aus Annahmen heraus berechnet. Er hat auch gesagt, dass sich die Eurobonds auf die Bruttoneuverschuldung beziehen. Von daher wären die zusätzlichen Belastungen für die ersten beiden Jahre bei ca. 6 Milliarden, was natürlich auch nicht zu verachten ist. Die beschriebenen Zahl von 47 Milliarden stellt sich nach dieser Rechnung erst 2037 ein.

  1. Sozialwissenschaftlicher Versteher sind immer schnell mit Erklärungen zur Hand. Meist ist diese politisch, wenn nicht sogar durch Eigeninteressen motiviert. Im vorliegenden Fall wird Randale auf soziale Ungerechtigkeit abgeschoben. Die These: Soziale Ungerechtigkeit ist die Ursache für Ausschreitungen wie in England.
    Machen wir den Idiotentest, drehen wir das Ganze um und fragen wir uns, wieviel % jener, die von sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind, haben randaliert? 1%? Ich meine, es ist weit unter einem Promille. Und dies ist die wissenschaftliche Erklärungskraft der These, die Ausschreitungen sind auf soziale Ungerechtigkeit zurückzuführen. M.a.W.: Die von Atkinson/Parker vertretene These kann man wissenschaftlich gesehen das Klo hinunterspülen.

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    1%? Soso. Du warst also vor Ort und hast die Leute befragt? m)

    Selbst wenn es nur 100 Randalierer gaebe, die alle aus der selben Gesellschaftsschicht kaeme, waere das auffaellig, es kommt auf die absolute Zahl an.

    Selbst Schimpansen besitzen gewisse soziale Fähigkeiten die als rudimentäre Anfänge eines Un-/Gerechtigkeitssinnes angesehen werden können. Wieviel stärker ist diese biologische Eigenschaft also beim Menschen vertreten wenn bereits zwischen Schimpansen und Bonobos ein ziemlicher Unterschied ist.
    http://www.wissenschaft.d...

    Wäre die Welt ständig von egoistischen Schwachmaten regiert worden wie das die letzten Jahrzehnte, vor allem im Finanzsektor, der Fall war, hätten wir es als Menschheit nie über die Steinzeit hinaus geschafft. Nur teilen und sozialer Ausschluss der zu Selbstsüchtigen führen dazu, dass das Leben sich für alle bessert weil nur dann auch alle daran mitarbeiten.

    Die Psychos die ständig alles ohne Rücksicht in die eigene Tasche stecken sind nur eine Ähnliche Ausgeburt menschlichen Übels wie Selbstmordattentäter oder psychopathische Mörder und stellen ebenfalls nur <1% der Menschheit. Wären es mehr würden alle zugrunde gehen.

    Es muss endlich ein Regelmechanismus geschaffen werden solche Schmarotzer von verantwortlichen Stellen fern zu halten und genauso hart zu bestrafen wie Mehrfachmörder. Schließlich ist ihr Verhalten für wesentlich mehr Leid verantwortlich als das was ein Mehrfachmörder an verbrannter Erde hinterlässt.

    ... ist ihre IDee von Wissenschaft.

    Sie glauben an die Theorie vom durch soziale Ungerechtigkeit motivierte Randalierer nur, wenn sich alle Benachteiligten oder mindestens 51% beteiligen?

    Da lachen ja die Hühner!

    Das wäre dann ein handfester BÜRGERKRIEG und kein AUfruhr mehr!

    • Otto2
    • 15.08.2011 um 22:21 Uhr

    1. Niemand wird als krimineller Plünderer oder als krimineller Banker geboren.
    2. Es ist der Natur nicht unähnlich. Die Umwelt ist es, die die Entwicklung des einzelnen Individuums überwiegend prägt.
    3. Werden Sie unter Bedingungen wie in den besagten Stadtvierteln in London geboren und sind ihre Eltern durch ihr bisheriges Leben schon demoralisiert, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Plünderer werden erheblich größer als unter für ein Individuum günstigeren Bedingungen. An der Berechtigung dieser Aussage ändert sich auch nichts, wenn sie im Einzelfall wesentlich bessere Bedingungen haben und trotzdem beim Klauen mitmachen.
    4. Es gilt also das Umfeld der Menschen so zu gestalten, dass man kriminelle Karrieren möglichst ausschließen kann. Genau das ist eine soziale (!) Frage. Denn dazu braucht es viel: Ausbildung, gesicherten Arbeitsplatz, darauf bauend eine Familie usw.
    5. Das kostet Geld, bringt auch Geld - aber die dominierenden gesellschaftlichen Kräfte müssen das auch wollen. Auch das ist Teil der sozialen Frage.
    6. Camerons Wertungen machen nur eines klar: Er bevorzugt eine Art von Methoden der brit. Bourgeoisie aus vergangenen Zeiten - wer mehrfach beim Betteln erwischt wurde, dem wurde ein Ohr abgeschnitten.
    7. Geholfen hat das aber eher nicht.

    sie und viele andere VERSTEHEN ES EINFACH NICHT: man muss kein transparent die strasse herauf und heruntertragen um zu protestieren.

    @Alfred Betschart - 2. Machen wir den Idiotentest!:

    "Machen wir den Idiotentest, drehen wir das Ganze um und fragen wir uns, wieviel % jener, die von sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind, haben randaliert? 1%?"

    Meinen Sie (1) die % aus der Menge aller sozial ungerecht behandelten Briten oder (2) die % aus der Menge aller "Randalierer"/"Chaoten"/"Pöbel" usw. usf.? Und/oder meinen Sie (3): Bauarbeiter bauarbeiten, Ärzte artzen, Randalierer randalieren und sozial Ungerechte ...? Sie merken: da wird's schon schwieriger.

    • thr
    • 16.08.2011 um 6:23 Uhr

    1. Idiotentest ist was mit Führerschein abgeben und keine Falsifikationsmethode von Thesen.
    2. Die angegebebenen relativen Häufigkeiten sind geraten.
    3. Diese Art von Idiotentest ist "wissenschaftlich gesehen" eine ganz schauerliche Milchmädchenrechnung. Man müsste nämlich den Anteil der randalierenden "Unterschichtler" dem Anteil der randalierenden Nichtunterschichtler gegenüberstellen. Die These lautet auch nicht soziale Benachteiligung erzwingend Randale so wie sie suggerieren, sondern soziale Benachteiligung begünstigt soziale Unruhe. Und dies anzuzweifeln ist genauso blödsinnig wie folgende These anzuzweifeln: Männer neigen eher zu Vergewaltigungen als Frauen. Ansatz: Wie groß ist der Anteil der Männer die jemals vergewaltigten - zweifelsohne sehr klein. Ergo These stimmt nicht? Gleiche Argumentationskette und offensichtlicher Quatsch!

    • Todoy
    • 16.08.2011 um 7:40 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc

    Wissenschaftlich gesehen setzen wir die "These der sozialen Ungerechtigkeit" gegen die "gerechte These der grenzenlosen Gier" der 1 % jener, die die Börsen plündern und so zufrieden dabei sind, dass alles so bleiben kann wie es ist!

    Vorsicht. Vielleicht ist das auch etwas für's Klo!

    ist amüsant. Sie wissen gar Nichts von Sozialwissenschaften und auch von der Ökonomie nicht allzu viel. Selbst unter Ökonomen gilt, dass Menschen durch Fairness, Teilhabe und Belohnung zu motivieren sind. Und, dass unfreie und ungerechte Gesellschaften zu Problemen führen. Das zeigt Ihnen auch sämtliche geschichtliche Empirie. Haben Sie nie gemerkt, wann und warum es zu Revolutionen kommt? Haben Sie denn immer die Augen und ohren geschlossen, im geschichtsunterricht und auch im Weltgeschehen während Ihres Lebens?

    Zu 2 sehr wertvollen WISSENSCHAFTLICHEN Büchern mit empirischen Background der letzten Jahre, stellvertretend für viele andere, die Ihnen mal die Augen öffnen könnten:

    Die Evolution der Kooperation von Robert Axelrod

    Gleichheit ist Glück von Wilkinson & Pickett

    Sie können nun zumindet nicht mehr sagen, Sie hätten nicht gewusst, dass sich Wissenschaftler mit solchen Dingen befassen.

    • grrzt
    • 16.08.2011 um 19:10 Uhr

    dass für sie die Welt so einfach ist...- und nur ein paar Promill der Jugendlichen böse... ;-)

    • matbhm
    • 16.08.2011 um 20:23 Uhr

    ... kann die Welt sein! Ich frage einfach, wie viele teilgenommen haben, rechne das auf die Zahl der sozial Schwachen um (nach Auffassung des Post-Verfassers allenfalls im Promille-Bereich) und habe damit die Ausgangsthese widerlegt! Richtigerweise haben Sie schon zu erkennen gegeben, dass ihre Promille-These reine rechnerische Vermutung ist. Umgekehrt würde Ihre These einräumen, dass es offensichtlich eine ganz erhebliche Zahl an sozial Schwachen in GB gibt! Ihr Ansatz hängt schon deswegen, weil die Unruhen nicht in der City Londons stattgefunden haben, sondern vor allem in den klassischen Stadtvierteln, in den vorrangig die sozial Schwachen leben! Und richtig ist, dass es immer Mitläufer gibt, die schlicht aus "Jux und Dollerei" dabei sein wollen! Nur: Die Unruhen geben doch nur einen winzig kleinen Teil der britischen Wirklichkeit wieder! Nirgends in Europa hat es in den letzten Jahren so viele Morde an Jugendlichen und Kindern (durch Jugendliche und Kinder!) gegeben - und zwar zum Teil auf ziemlich bestialische Weise. Nirgends in Europa ist die Zahl der minderjährigen Mütter (und Väter) so groß wie in Britannien. Und der Post-Autor scheint auch das Randgeschehen nach den Unruhen auszublenden: Eltern haben entrüstet ihre Kinder bei der Polizei herausgefordert und letztlich die Plünderungen damit gerechtfertigt, dass das doch jeder getan hätte. Es gibt eben nicht nur eine ganze Menge von Briten, die kein Verständnis für die Plündereien hatten!

    1%? Soso. Du warst also vor Ort und hast die Leute befragt? m)

    Selbst wenn es nur 100 Randalierer gaebe, die alle aus der selben Gesellschaftsschicht kaeme, waere das auffaellig, es kommt auf die absolute Zahl an.

    Selbst Schimpansen besitzen gewisse soziale Fähigkeiten die als rudimentäre Anfänge eines Un-/Gerechtigkeitssinnes angesehen werden können. Wieviel stärker ist diese biologische Eigenschaft also beim Menschen vertreten wenn bereits zwischen Schimpansen und Bonobos ein ziemlicher Unterschied ist.
    http://www.wissenschaft.d...

    Wäre die Welt ständig von egoistischen Schwachmaten regiert worden wie das die letzten Jahrzehnte, vor allem im Finanzsektor, der Fall war, hätten wir es als Menschheit nie über die Steinzeit hinaus geschafft. Nur teilen und sozialer Ausschluss der zu Selbstsüchtigen führen dazu, dass das Leben sich für alle bessert weil nur dann auch alle daran mitarbeiten.

    Die Psychos die ständig alles ohne Rücksicht in die eigene Tasche stecken sind nur eine Ähnliche Ausgeburt menschlichen Übels wie Selbstmordattentäter oder psychopathische Mörder und stellen ebenfalls nur <1% der Menschheit. Wären es mehr würden alle zugrunde gehen.

    Es muss endlich ein Regelmechanismus geschaffen werden solche Schmarotzer von verantwortlichen Stellen fern zu halten und genauso hart zu bestrafen wie Mehrfachmörder. Schließlich ist ihr Verhalten für wesentlich mehr Leid verantwortlich als das was ein Mehrfachmörder an verbrannter Erde hinterlässt.

    ... ist ihre IDee von Wissenschaft.

    Sie glauben an die Theorie vom durch soziale Ungerechtigkeit motivierte Randalierer nur, wenn sich alle Benachteiligten oder mindestens 51% beteiligen?

    Da lachen ja die Hühner!

    Das wäre dann ein handfester BÜRGERKRIEG und kein AUfruhr mehr!

    • Otto2
    • 15.08.2011 um 22:21 Uhr

    1. Niemand wird als krimineller Plünderer oder als krimineller Banker geboren.
    2. Es ist der Natur nicht unähnlich. Die Umwelt ist es, die die Entwicklung des einzelnen Individuums überwiegend prägt.
    3. Werden Sie unter Bedingungen wie in den besagten Stadtvierteln in London geboren und sind ihre Eltern durch ihr bisheriges Leben schon demoralisiert, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Plünderer werden erheblich größer als unter für ein Individuum günstigeren Bedingungen. An der Berechtigung dieser Aussage ändert sich auch nichts, wenn sie im Einzelfall wesentlich bessere Bedingungen haben und trotzdem beim Klauen mitmachen.
    4. Es gilt also das Umfeld der Menschen so zu gestalten, dass man kriminelle Karrieren möglichst ausschließen kann. Genau das ist eine soziale (!) Frage. Denn dazu braucht es viel: Ausbildung, gesicherten Arbeitsplatz, darauf bauend eine Familie usw.
    5. Das kostet Geld, bringt auch Geld - aber die dominierenden gesellschaftlichen Kräfte müssen das auch wollen. Auch das ist Teil der sozialen Frage.
    6. Camerons Wertungen machen nur eines klar: Er bevorzugt eine Art von Methoden der brit. Bourgeoisie aus vergangenen Zeiten - wer mehrfach beim Betteln erwischt wurde, dem wurde ein Ohr abgeschnitten.
    7. Geholfen hat das aber eher nicht.

    sie und viele andere VERSTEHEN ES EINFACH NICHT: man muss kein transparent die strasse herauf und heruntertragen um zu protestieren.

    @Alfred Betschart - 2. Machen wir den Idiotentest!:

    "Machen wir den Idiotentest, drehen wir das Ganze um und fragen wir uns, wieviel % jener, die von sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind, haben randaliert? 1%?"

    Meinen Sie (1) die % aus der Menge aller sozial ungerecht behandelten Briten oder (2) die % aus der Menge aller "Randalierer"/"Chaoten"/"Pöbel" usw. usf.? Und/oder meinen Sie (3): Bauarbeiter bauarbeiten, Ärzte artzen, Randalierer randalieren und sozial Ungerechte ...? Sie merken: da wird's schon schwieriger.

    • thr
    • 16.08.2011 um 6:23 Uhr

    1. Idiotentest ist was mit Führerschein abgeben und keine Falsifikationsmethode von Thesen.
    2. Die angegebebenen relativen Häufigkeiten sind geraten.
    3. Diese Art von Idiotentest ist "wissenschaftlich gesehen" eine ganz schauerliche Milchmädchenrechnung. Man müsste nämlich den Anteil der randalierenden "Unterschichtler" dem Anteil der randalierenden Nichtunterschichtler gegenüberstellen. Die These lautet auch nicht soziale Benachteiligung erzwingend Randale so wie sie suggerieren, sondern soziale Benachteiligung begünstigt soziale Unruhe. Und dies anzuzweifeln ist genauso blödsinnig wie folgende These anzuzweifeln: Männer neigen eher zu Vergewaltigungen als Frauen. Ansatz: Wie groß ist der Anteil der Männer die jemals vergewaltigten - zweifelsohne sehr klein. Ergo These stimmt nicht? Gleiche Argumentationskette und offensichtlicher Quatsch!

    • Todoy
    • 16.08.2011 um 7:40 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/sc

    Wissenschaftlich gesehen setzen wir die "These der sozialen Ungerechtigkeit" gegen die "gerechte These der grenzenlosen Gier" der 1 % jener, die die Börsen plündern und so zufrieden dabei sind, dass alles so bleiben kann wie es ist!

    Vorsicht. Vielleicht ist das auch etwas für's Klo!

    ist amüsant. Sie wissen gar Nichts von Sozialwissenschaften und auch von der Ökonomie nicht allzu viel. Selbst unter Ökonomen gilt, dass Menschen durch Fairness, Teilhabe und Belohnung zu motivieren sind. Und, dass unfreie und ungerechte Gesellschaften zu Problemen führen. Das zeigt Ihnen auch sämtliche geschichtliche Empirie. Haben Sie nie gemerkt, wann und warum es zu Revolutionen kommt? Haben Sie denn immer die Augen und ohren geschlossen, im geschichtsunterricht und auch im Weltgeschehen während Ihres Lebens?

    Zu 2 sehr wertvollen WISSENSCHAFTLICHEN Büchern mit empirischen Background der letzten Jahre, stellvertretend für viele andere, die Ihnen mal die Augen öffnen könnten:

    Die Evolution der Kooperation von Robert Axelrod

    Gleichheit ist Glück von Wilkinson & Pickett

    Sie können nun zumindet nicht mehr sagen, Sie hätten nicht gewusst, dass sich Wissenschaftler mit solchen Dingen befassen.

    • grrzt
    • 16.08.2011 um 19:10 Uhr

    dass für sie die Welt so einfach ist...- und nur ein paar Promill der Jugendlichen böse... ;-)

    • matbhm
    • 16.08.2011 um 20:23 Uhr

    ... kann die Welt sein! Ich frage einfach, wie viele teilgenommen haben, rechne das auf die Zahl der sozial Schwachen um (nach Auffassung des Post-Verfassers allenfalls im Promille-Bereich) und habe damit die Ausgangsthese widerlegt! Richtigerweise haben Sie schon zu erkennen gegeben, dass ihre Promille-These reine rechnerische Vermutung ist. Umgekehrt würde Ihre These einräumen, dass es offensichtlich eine ganz erhebliche Zahl an sozial Schwachen in GB gibt! Ihr Ansatz hängt schon deswegen, weil die Unruhen nicht in der City Londons stattgefunden haben, sondern vor allem in den klassischen Stadtvierteln, in den vorrangig die sozial Schwachen leben! Und richtig ist, dass es immer Mitläufer gibt, die schlicht aus "Jux und Dollerei" dabei sein wollen! Nur: Die Unruhen geben doch nur einen winzig kleinen Teil der britischen Wirklichkeit wieder! Nirgends in Europa hat es in den letzten Jahren so viele Morde an Jugendlichen und Kindern (durch Jugendliche und Kinder!) gegeben - und zwar zum Teil auf ziemlich bestialische Weise. Nirgends in Europa ist die Zahl der minderjährigen Mütter (und Väter) so groß wie in Britannien. Und der Post-Autor scheint auch das Randgeschehen nach den Unruhen auszublenden: Eltern haben entrüstet ihre Kinder bei der Polizei herausgefordert und letztlich die Plünderungen damit gerechtfertigt, dass das doch jeder getan hätte. Es gibt eben nicht nur eine ganze Menge von Briten, die kein Verständnis für die Plündereien hatten!

  2. Sehe ich genau so.
    Wann, wenn nicht jetzt, wo wenn nicht hier!

  3. "Man wird in Großbritannien – und auch anderswo in Europa – nicht darum herum kommen, das Problem der sozialen Ungerechtigkeit endlich wahrzunehmen und anzugehen."

    Wann, wenn nicht jetzt, wo wenn nicht hier!

    16 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wenn in Deutschland ein wirtschaftlicher Einbruch von 20% in den nächsten Jahren wäre, dann könnten wir uns das jetzige soziale System auch nicht mehr so leisten.

    Zunächst steht das Geld, das verdient wird, denen zu, die es auch verdient haben. Im Rahmen eines Sozialstaates kann es dann solidarisch sein, dass man das Geld auf alle Schultern verteilt. Aber sicher nicht so, dass der Hartz4-Bezieher besser dasteht als der Verdiener. Das muss schon umgekehrt sein und mit spürbarem finanziellen Abstand. Daher ist Lohndumping asozial und ein allgemeiner Mindestlohn längst überfällig.

    Solange aber das Übel dieser Zeit, der Casino-Kapitalismus der Banker, nicht beseitigt ist, wird weiter auf Armut spekuliert und die Zeche bezahlt der kleine Mann. Da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Wo massiv Schuldner sind, muss es ja auch massiv Gläubiger geben.

    Man darf auch nicht vergessen, dass in England ein großer Teil der Randalierer Migranten waren, die kaum etwas ins soziale System eingezahlt haben.
    Auch in Deutschland hat man sich durch unqualifizierte Einwanderung und der damit verbundenen direkten Zuwanderung in die sozialen Kassen ein immer mehr wachsendes finanzielles Problem geschaffen. Schon jetzt sind rund 30% aller Hartz4-Empfänger in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund. Tendenz steigend.
    Wie soll aber in einer hochtechnisierten deutschen Gesellschaft genug Arbeit für Menschen gefunden werden, die nicht richtig lesen und schreiben können?

    ...wenn in Deutschland ein wirtschaftlicher Einbruch von 20% in den nächsten Jahren wäre, dann könnten wir uns das jetzige soziale System auch nicht mehr so leisten.

    Zunächst steht das Geld, das verdient wird, denen zu, die es auch verdient haben. Im Rahmen eines Sozialstaates kann es dann solidarisch sein, dass man das Geld auf alle Schultern verteilt. Aber sicher nicht so, dass der Hartz4-Bezieher besser dasteht als der Verdiener. Das muss schon umgekehrt sein und mit spürbarem finanziellen Abstand. Daher ist Lohndumping asozial und ein allgemeiner Mindestlohn längst überfällig.

    Solange aber das Übel dieser Zeit, der Casino-Kapitalismus der Banker, nicht beseitigt ist, wird weiter auf Armut spekuliert und die Zeche bezahlt der kleine Mann. Da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Wo massiv Schuldner sind, muss es ja auch massiv Gläubiger geben.

    Man darf auch nicht vergessen, dass in England ein großer Teil der Randalierer Migranten waren, die kaum etwas ins soziale System eingezahlt haben.
    Auch in Deutschland hat man sich durch unqualifizierte Einwanderung und der damit verbundenen direkten Zuwanderung in die sozialen Kassen ein immer mehr wachsendes finanzielles Problem geschaffen. Schon jetzt sind rund 30% aller Hartz4-Empfänger in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund. Tendenz steigend.
    Wie soll aber in einer hochtechnisierten deutschen Gesellschaft genug Arbeit für Menschen gefunden werden, die nicht richtig lesen und schreiben können?

    • Harzer
    • 15.08.2011 um 20:21 Uhr

    ... formulieren :

    ("Ein tieferes Verständnis von Ordnung und Menschlichkeit muss auch jenen sozialen Gruppen nahe gebracht werden, die derzeit nicht von unseren Politikern privilegiert werden.")

    ...Ein tieferes Verständnis von Ordnung und Menschlichkeit muss auch jenen sozialen Gruppen nahe gebracht werden, die derzeit noch von unseren Politikern privilegiert werden.
    ... Und unseren Politikern selber überhaupt auch ... ... !!

    30 Leser-Empfehlungen
  4. 1%? Soso. Du warst also vor Ort und hast die Leute befragt? m)

  5. "Diese Menschen haben versucht, die Straßen vor Randalierern und Plünderern zu schützen." Die Menschen haben ihre Community beschützt. D.h. die Türken den türkischen Besitz, die Briten den britischen Besitz etc. Hieraus ein multikulturelles Gemeinschaftsgefühl gegen die zerstörerischen Randalierer zu konstruieren ist naiv und entspricht nicht der sozialen Wirklichkeit.

    14 Leser-Empfehlungen
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    Ist es denn wirklich so schwer, noch einen Link zur Quelle zu posten?

    "Diese Menschen haben versucht, die Straßen vor Randalierern und Plünderern zu schützen." so steht es da.
    die menschen, von denen da die rede ist, haben ihr gemeinwesen, ihre nachbarschaft geschützt. woher kennen sie geredet, sie sind der erste. die ethnische zusammensetzung? und selbst, wenn die türken (obwohl es in england ganz andere ethnien sind, nämlich inder, pakistani, karibische) türkische strassen bewachten, so sorgten sie dennoch für ein gemeinwesen und handelten somit sozial. mir scheint, ihre motivation ist, diesen aspekt klein zu reden, damit die monstrosität der plünderungen umso kräftiger wirken kann.
    der artikel ist wirklich nüchtern und sachlich geschrieben und ist einer der besseren sorte zu den vorgängen. darüber hinaus hat er den vorteil, von briten verfasst worden zu sein, die sich bestimmt besser auf der insel auskennen, als ich und sie und die allermeisten mitforisten.

    Ist es denn wirklich so schwer, noch einen Link zur Quelle zu posten?

    "Diese Menschen haben versucht, die Straßen vor Randalierern und Plünderern zu schützen." so steht es da.
    die menschen, von denen da die rede ist, haben ihr gemeinwesen, ihre nachbarschaft geschützt. woher kennen sie geredet, sie sind der erste. die ethnische zusammensetzung? und selbst, wenn die türken (obwohl es in england ganz andere ethnien sind, nämlich inder, pakistani, karibische) türkische strassen bewachten, so sorgten sie dennoch für ein gemeinwesen und handelten somit sozial. mir scheint, ihre motivation ist, diesen aspekt klein zu reden, damit die monstrosität der plünderungen umso kräftiger wirken kann.
    der artikel ist wirklich nüchtern und sachlich geschrieben und ist einer der besseren sorte zu den vorgängen. darüber hinaus hat er den vorteil, von briten verfasst worden zu sein, die sich bestimmt besser auf der insel auskennen, als ich und sie und die allermeisten mitforisten.

  6. "Man wird in Großbritannien – und auch anderswo in Europa – nicht darum herum kommen, das Problem der sozialen Ungerechtigkeit endlich wahrzunehmen und anzugehen."

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    bei uns z.B. so
    http://www.heise.de/tp/ar...

    Probleme auf diese Art anzugehen ist aus Politikersicht besser und billiger, als wegen "sozialistischer" Tendenzen auf die Spenden ihrer Freunde aus der Wirtschaft
    http://finanzen.freenet.d...
    zu verzichten.

    bei uns z.B. so
    http://www.heise.de/tp/ar...

    Probleme auf diese Art anzugehen ist aus Politikersicht besser und billiger, als wegen "sozialistischer" Tendenzen auf die Spenden ihrer Freunde aus der Wirtschaft
    http://finanzen.freenet.d...
    zu verzichten.

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