EritreaDie verschwiegene Hungersnot

In Eritrea hungern mehr als eine Million Menschen. Die autoritäre Führung des Landes sorgt allerdings dafür, dass die Welt davon kaum etwas mitbekommt. von 

Während die Welt tagtäglich Bilder von Hungernden in Somalia erreicht, dringt aus einem anderen Land in der Region kaum eine Information an die Öffentlichkeit: Die Not hat auch Eritrea fest im Griff , fast ein Drittel der fünf Millionen Einwohner hungert oder ist mangelernährt, schätzen die Vereinten Nationen. Doch Präsident Isayas Afewerki sorgt mit diktatorischen Methoden dafür, dass die Welt davon kaum etwas mitbekommt.

Ganz kann die autoritäre Führung die Zustände in ihrem Land jedoch nicht unter Verschluss halten. Denn an den Grenzen zu Äthiopien tauchen mehr und mehr Flüchtlinge auf – trotz militärischer Sperranlagen und Patrouillen. Rund 1.000 waren es allein im vergangenen Monat, weitere 20.000 Eritreer werden ihr Land nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks bis Ende des Jahres noch verlassen.

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Dennoch dementiert die Regierung Eritreas weiterhin, dass es überhaupt eine Hungerkatastrophe im Land gibt. "Wir haben keine Nahrungsmittelknappheit in Eritrea zu diesem Zeitpunkt", sagte Yemane Ghebreab, ein enger Vertrauter Afewerkis, einem Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zufolge. Im vergangenen Jahr habe es eine Rekordernte gegeben, hinzu kämen Importe, die bei einem Versorgungsengpass, der noch nicht eingetreten sei, helfen könnten: "Wir haben auch durch den Import von Nahrungsmitteln Vorräte angelegt, sodass wir für jeden Notfall gerüstet sind."

Unabhängigkeit

Die Beziehung zwischen Eritrea und Äthiopien war seit dem Zusammenbruch der Kolonieregion Italienisch-Ostafrika von zahlreichen Kämpfen und Konflikten geprägt. Die eritreische Provinz wurde nach einem Beschluss der UN-Generalversammlung Äthiopien untergeordnet, das schrittweise die Autonomie des Teilstaates untergrub.

In einem 30-jährigen Unabhängigkeitskrieg befreite die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) das Gebiet von der Okkupation Äthiopiens. 1993 wurde Eritrea als eigenständiger Staat anerkannt. Aus der EPLF ging die Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit hervor, die heute unter Präsident Isayas Afewerki die einzige zugelassene Partei und gleichzeitig die Regierung des Landes stellt.

Eritrea-Äthiopien-Krieg

Aufgrund wirtschaftlicher Streitigkeiten und einer unklaren Grenzziehung brach 1998 der zweijährige Eritrea-Äthiopien-Krieg aus. Äthiopische Einheiten hatten zuvor Gebiete um die Stadt Adi Murug im Grenzbereich besetzt. Beide Seiten rüsteten in dieser Zeit ihre Armeen stark auf.

UN-Truppen, die den Frieden in der Grenzregion sichern sollten, wurden von Eritrea so massiv in ihrer Arbeit behindert, dass sie schließlich abzogen. Beide Staaten tragen ihre Streitigkeiten in einem Stellvertreterkrieg in Somalia aus, indem sie gegnerische Parteien im somalischen Bürgerkrieg unterstützen.

Ostafrikanische Staatengemeinschaft

Die Intergovernmental Authority on Development, kurz IGAD, ist eine Organisation mehrerer nordostafrikanischer Staaten. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, Mitgliedsstaaten bei Versorgungsproblemen zu unterstützen und Hungerkatastrophen abzuwenden. Ihren Sitz hat die Staatengemeinschaft in der Republik Dschibuti.

Eritrea stieg 2007 aus Protest aus der Staatengemeinschaft aus, nachdem die IGAD den Vorschlag Äthiopiens unterstützte, gegen die Al-Shabaab-Milizen in Somalia vorzugehen. 2009 wurde Eritrea wegen der mutmaßlichen Finanzierung der Milizen mit UN-Sanktionen bestraft. In diesem Jahr trat das Land der Gemeinschaft wieder bei und nahm Gespräche mit mehreren Regierungsvertretern auf. Politologen vermuten, die eritreische Regierung wolle so weitere Sanktionen der Vereinten Nationen verhindern.

Alle Erkenntnisse der Internationalen Gemeinschaft widersprechen diesen Aussagen. Nach Ansicht der GfbV deuten schon allein aktuelle Satellitenbilder darauf hin, dass auch in dem Land am Roten Meer Dürre und damit Hunger herrschen.

"Wir gehen davon aus, dass die Notlage in Eritrea ähnlich schlimm ist wie im benachbarten Äthiopien, Kenia, Somalia", sagt die GfbV. Sie forderte die Regierung in der Hauptstadt Asmara auf, endlich Hilfe für die Dürreopfer ins Land zu lassen. Auch Eritreer, die aus ihrem Heimatland flüchteten, berichten von extremen Zuständen . Auf den Märkten in den Städten gebe es kaum noch etwas zu kaufen.

Leserkommentare
  1. Wäre auch mal Zeit sich mit Eritrea zu beschäfftigen.Für die Hardliner: hat ja auch mit uns zu tun, Suezkanal = Piratenübergriffe.
    Öl gibt es nicht, aber Potash gibt es dort, und eine Kanadische Explorergesellschaft ( Allana Potash ) ist kurz vor der Erschließung des Lukrativen geschäftes.

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  2. oops

    hungert da eine Million, oder hungern da Menschen?

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  3. Ohne Abschaffung der Diktatoren wird sich niemals etwas ändern.

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    Es mag na nach einer Diktatur ausehen, aber es gab eine Volksabstimmung unter Un Aufsicht die die Übergangsregirung eingesetzt hatte.

    So Kann man auch sagen das die Regirung eine der war die von Westen als neue Demokratische Regirung versprochen wurde, dann die Wahlen einfach nicht abgehalten hat und heute als Präsidialrepublik eingestuft wird.

    Das Problem ist also nicht ein böser Diktator sonder eher das wir mal wieder tolle Worte gefunden haben für einen eue REgirung in 1993 sber nict wahrhaben wollten das diese ebend sich nciht an die eigenen Vorgaben gehalten hat.

    Also bitte nicht alles diktator nenen was einen nicht passt, in den allen Diktaturen gibt es z.B.: mehr Pressefreiheit. Da Eritrea 2010 zum wiederhohltem male den LETZTEN Platl in der Rangliste von Reporter ohne Grenzen hatte.

    • fidalgo
    • 25. August 2011 11:36 Uhr

    Das gleiche gilt für Nordkorea. Der Diktator macht eine schöne Russlandreise aber die Menschen hungern und sterben in Gulags.

    http://en.wikipedia.org/w...

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    • kinnas
    • 25. August 2011 12:01 Uhr

    "Wir haben keine Nahrungsmittelknappheit in Eritrea zu diesem Zeitpunkt"
    beziehen sich eben nur auf die Diktatoren und ihre direkten Handlanger, welche sicher nicht Hunger leiden müssen.

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  4. 6. Sorry

    Es mag na nach einer Diktatur ausehen, aber es gab eine Volksabstimmung unter Un Aufsicht die die Übergangsregirung eingesetzt hatte.

    So Kann man auch sagen das die Regirung eine der war die von Westen als neue Demokratische Regirung versprochen wurde, dann die Wahlen einfach nicht abgehalten hat und heute als Präsidialrepublik eingestuft wird.

    Das Problem ist also nicht ein böser Diktator sonder eher das wir mal wieder tolle Worte gefunden haben für einen eue REgirung in 1993 sber nict wahrhaben wollten das diese ebend sich nciht an die eigenen Vorgaben gehalten hat.

    Also bitte nicht alles diktator nenen was einen nicht passt, in den allen Diktaturen gibt es z.B.: mehr Pressefreiheit. Da Eritrea 2010 zum wiederhohltem male den LETZTEN Platl in der Rangliste von Reporter ohne Grenzen hatte.

  5. In Deutschland hungern mehr als eine halbe Million
    Kinder. Die autoritäre Führung des Landes sorgt
    allerdings dafür, dass die Welt davon kaum
    etwas mitbekommt. Hier spendet keiner.

    4 Leserempfehlungen
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    sie vernachlaessigen. Wenn es so ist, wie Sie schreiben,
    faellt den Sozialaemtern Mitverantwortung zu.

    • TDU
    • 25. August 2011 17:04 Uhr

    Unglaublich Ihr Vergleich. Sie ignorieren das ganze weitere Elend. Fehlende ärtztliche Versorgung, Seuchen, fehlendes Trinkwasser, Vergewaltigungen, Misshandlungen und keine Krankenhäuser und Heime, die Kinder im Notfall aufnehmen würden.

    Ich hoffe, Sie bemühen sich nicht um Spenden für hungernde Kinder in Deutschland. Kämen Sie mir mit solchem Vergleich würde ich Ihnen umgehend "die Türe weisen".

    ich werde beim Jugendamt vorstellig.

  6. ...evtl. gewisse Begehrlichkeiten bezüglich Eritrea entdeckt?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Eritrea | UN-Sicherheitsrat | Vereinte Nationen | Diktatur | Dürre | Flüchtling
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