Kopftuch-VerbotDer Streit um das Kopftuch ist zurück

Das Kopftuch kommt wieder vor das Bundesverfassungsgericht. Zwei Lehrerinnen klagen. Aber die Länder halten an ihren Verbotsgesetzen fest. von Andrea Dernbach

Zwei muslimische Frauen, beide im Schuldienst in Nordrhein-Westfalen, haben das Bundesverfassungsgericht angerufen, weil sie ihr Grundrecht auf Religionsfreiheit durch das Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen verletzt sehen. Im nächsten Jahr wollen die Richter entscheiden – zum zweiten Mal in dieser Sache.

Ein paar Jahre lang war Ruhe an dieser Front . Und das, obwohl fast alle Landesgesetze, die nach dem Karlsruher Grundsatzurteil von 2003 erlassen wurden, Vorgaben der höchsten Richter zu ignorieren schienen. Zum Fall der Lehrerin Fereshta Ludin, die in Baden-Württemberg wegen ihres Kopftuchs nicht in den Schuldienst durfte, hieß es, dass Verbote religiöser Symbole im öffentlichen Dienst in Ordnung seien. Sie dürften aber nicht auf dem Verordnungsweg erlassen werden, sondern brauchten ein Gesetz. Und dabei dürfe der Gesetzgeber keine Unterschiede machen: "Das Grundgesetz begründet für den Staat als Heimstatt aller Staatsbürger die Pflicht zu weltanschaulich-religiöser Neutralität" heißt es im Urteil. "Der Staat hat auf eine am Gleichheitssatz orientierte Behandlung der verschiedenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu achten und darf sich nicht mit einer bestimmten Religionsgemeinschaft identifizieren."

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Christliche Symbole wurden trotz Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität erlaubt

Die Botschaft kam nicht überall an: Praktisch alle der seit 2004 folgenden acht Ländergesetze waren Anti-Kopftuchgesetze und nahmen von der Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität – mal der Lehrenden, mal aller öffentlich Bediensteten – christliche Symbole ausdrücklich aus. Nur Bremen und Berlin verordneten allen Zurückhaltung am Arbeitsplatz. Die Kirchen waren zufrieden.

Dass lange Ruhe herrschte, mag auch an lokalen Arrangements gelegen haben, die die Härten des Gesetzes milderten. So setzt inzwischen die ein oder andere Lehrerin, mit Zustimmung von Eltern und Schulaufsicht, im Unterricht eine Mütze auf. Und die Landesregierungen wähnen sich seit Verabschiedung ihrer Gesetze in Sicherheit – bis hin zu ihren roten und grünen Nachfolgerinnen, die kürzlich deutlich gemacht haben, dass sie am Kopftuchtabu nicht rütteln werden. Es gebe ja keine aktuellen Fälle, sagt Baden-Württembergs sozialdemokratische Integrationsministerin Bilkay Öney . Und Sylvia Löhrmann, die grüne Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, die vor ihrer Berufung ins Ministeramt die Kopftuchgesetze als diskriminierend kritisierte, will auf die neue Karlsruher Entscheidung im nächsten Jahr warten. "Priorität hat für uns die Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentlichem Unterrichtsfach", hieß es.

Kann man muslimischen Religionslehrerinnen das Kopftuch verbieten?

Gerade dafür könnten allerdings die Kopftuchverbote ein großes Problem werden. Auch muslimischen Religionslehrerinnen das Kopftuch zu verbieten, dürfte schwierig werden – und einige Ländergesetze schließen dies bereits ausdrücklich aus. Auch sie beantworten aber nicht die Frage, was dies konkret bedeuten würde: Tuch auf im Religionsunterricht, Tuch ab, wenn die Lehrerin ihr zweites Fach unterrichtet oder im Lehrerzimmer sitzt?

Der Erlanger Juraprofessor und Islamwissenschaftler Mathias Rohe wies schon vor Jahren darauf hin, dass solche Ungereimtheiten früher oder später wieder in Karlsruhe landen würden. Für das kommende Urteil könne er sich auch zur Frage der Neutralität "vorstellen, dass das ein Thema wird", sagte Rohe dem Tagesspiegel. Es gehe schließlich "um Gesetze, die nicht neutral sind. 2003 wurde klar gesagt: Ihr könnt euch für mehr oder weniger Religion in der Schule entscheiden, aber die Regeln müssen gleich sein. Das hat das eine oder andere Landesgesetz nicht aufgenommen."

Die Bremer Pädagogik-Professorin Yasemin Karakasoglu war 2003 Gutachterin in Karlsruhe. Sie erläuterte damals, welche Bedeutungen das Tuch für seine Trägerin haben kann, eben nicht nur als Zeichen der Unterdrückung und feindseligen kulturellen Abgrenzung. Doch als solches wird es nach ihrer Ansicht in der Öffentlichkeit weiter verhandelt: "Wie differenziert dieses Zeichen ist, ist nicht wirklich angekommen; die Kopftuchgesetze haben es vielmehr vollends festgelegt, auf die Bedeutung ‚gefährlich‘."

Rohe ist optimistischer. "Juristen sind relativ resistent gegen Stimmungen." Doch eine Prognose wage er nicht, das Urteil sei damals knapp gewesen und der Senat sei jetzt neu besetzt. Jedoch: "Damals sah man das Abendland durch das Kopftuch bedroht. Die Funktion scheint es inzwischen an Minarette und Moscheen abgetreten zu haben."

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • J.E.B.
    • 16. August 2011 12:05 Uhr

    ...Kopftuch verbieten?"

    Ich denke ja.
    Ich denke, daß ein Verbot sogar zwingend notwendig ist, damit den Schülern nicht ein Frauenbild vermittelt wird, das verfassungsfeindlich oder sogar -widrig ist.

    Außerdem demonstriert eine Kopftuchlehrerin den Mädchen, daß sie eine anständige, keusche Frau ist und alle Anderen (also die Kopftuchlosen) das nicht sind.

    Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/mk

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    • A-RAP
    • 16. August 2011 13:00 Uhr

    Ich frage mich welches Frauenbild Sie meinen. Etwa der, wie Sie es nennen, einer anständigen keuschen Frau etwa?
    Ob die Grundgesetzschreiber tatsächlich ein Problem mit solchen Frauen hatten, wage ich zu bezweifeln.

    wäre in Deutschland sogar das Verbot der Burka im öffentlichen Raum http://www.tagesspiegel.d... anders sieht es aus, wenn ein Arbeitgeber einen bestimmten Dresscode eindeutig vorschreibt, in dem freie Religionsausübung oder freie Entfaltung der Persönlichkeit ihre Grenzen findet. Das hat dann aber für alle zu gelten.

    Merkwürdigerweise habe ich mich noch nie von einer Kopftuchträgerin darüber belehrt gefühlt, daß ich eine unanständige, unkeusche Frau sein soll. Was ich aber seit Sarrazins Erlaubnis zum vorenthaltenen Respekt für die 'Kopftuchmädchenproduzentinnen' bereits vier Mal erlebt habe, ist, daß Kopftuchträgerinnen im Beisein ihrer kleinen Kinder angepöbelt, einmal sogar bespuckt und zum weinen gebracht wurden. Weil ihre Kinder quengelten, was Kinder nun mal gelegentlich zu tun pflegen. Herzlichen Glückwunsch an diese Helden der 'Islamkritik', sich die schwächstmöglichen Opfer für ihren Beitrag zum Erhalt des christlichen Abendland ausgesucht zu haben!

    Jede soll das tragen, was sie will. Das erzwungene Be- wie das erzwungene Entkleiden von Frauen spricht die gleiche Sprache. Eine Kleiderordnung wurde bereits mit der Aufklärung abgeschafft und mich wundert ja immer wieder, wie man zum Schutz und im Namen der Aufklärung die Aufklärung abschaffen möchte.

    Ich denke ja.
    Ich denke, daß ein Verbot sogar zwingend notwendig ist, damit den Schülern nicht ein Frauenbild vermittelt wird, das verfassungsfeindlich oder sogar -widrig ist.

    Blödsinn. Viele muslimische Frauen tragen das Kopftuch aus Überzeugung. Manche finden es auch unnötig und lassen es bleiben. Wenn Sie das Kopftuch für verfassungsfeindlich oder verfassungswidrig halten, dann fangen Sie bitte erst einmal an diesen Staat vom Christentum zu befreien. Da sähe ich viel größeren Bedarf. Das Christentum sitzt viel tiefer und wird in jeder Hinsicht bevorzugt. Soll ich jetzt etwa als nächstes vor das Verfassungsgericht gehen, weil die Bayern vier Feiertage mehr haben als Berliner? Ist das überhaupt mit dem Gleichberechtigungsgrundsatz vereinbar? Oder das Tanzverbot in manchen Bundesländern zu bestimmten Feiertagen. Kann man ernsthaft einem Bundesbürger noch zumuten vorzuschreiben, dass er Nichtspaß gesetzlich verordnet bekommt?

    Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

    Entweder man verbannt ganz konsequent jegliche Art von Religionssymbolen oder man lässt alle zu. Eine Nonne bspw. müsste ihre Argumentation zu folge nun auch nicht unterrichten dürfen. Ist es nicht eher so, dass man Frauen heutzutage lieber als Sexsymbol sehen will? Das ist best. nicht immer die freie Überzeugung, wenn jede Sportlerin die Erfolg hat oder hatte durch den Playboy erst einem großen Publikum bekannt gemacht wird, nicht durch ihre sportliche Leistung sondern durch das Ausziehen.. Man müsste einen Mittelweg finden, jede Frau soll tun und lassen was sie will. Ausziehen oder Kopftuch sollte jeder Frau selbst überlassen werden.

    Eine Gesellschaft, die ein Kleidungsstück verbieten will, mit welchem Grund auch immer, ist dumm und mittelalterlich. Ich hoffe inständig, dass die Modebranche das Kopftuch bald als ultimatives Accessoire aufgreift und als unverzichtbar für jede sich modisch kleidende Frau etabliert. Jede Mode hat eine Akzeptanzhürde, aber wenn erst irgendein Stardeigner sie vertritt, rennen alle hinterher. Also, warum nicht auch das Kopftuch. Es würde den Muslimen schmeicheln.

    Sie kennen sicherlich keine frau, die ein Kopftuch traegt, sonst wuerden sie nicht so realitaetsfern schreiben.

    • nolies
    • 17. August 2011 18:20 Uhr

    "...ein Verbot sogar zwingend notwendig ist, damit den Schülern nicht ein Frauenbild vermittelt wird, das verfassungsfeindlich oder sogar -widrig ist."

    Und woher haben Sie dieses Frauenbild? Dieses Bild ist doch hauptsächlich von Leuten produziert worden, die selber kein KT tragen. Dieses Bild ist eine Fantasie Ihrerseits, die mit von der Realität weit weg ist. Sie hat nichts mit den tatsächlichen Absichten der KT-tragenden Frau zu tun.

    "Außerdem demonstriert eine Kopftuchlehrerin den Mädchen, daß sie eine anständige, keusche Frau ist und alle Anderen (also die Kopftuchlosen) das nicht sind."

    Auch dies ist eine Fantasie Ihrerseits. Woher wollen Sie denn wissen, dass eine "KT-Lehrerin" dies demonstrieren will? Ich trage auch KT und habe damit auch unterrichtet, aber so ein Blödsinn kommt mir nicht in den Sinn. Ich respektiere die Kleiderwahl der Menschen, auch wenn diese meiner Überzeugung nicht entspricht. Nicht die KT-Lehrerin guckt auf die Nicht-Kopftuchträgerinnen von oben herab, sondern Sie blicken mit Arroganz,Unwissenheit und Ignoranz auf die KT-Trägerin herab. Haben Sie das bemerkt?

    • Laird
    • 18. August 2011 0:02 Uhr

    Rechtsstaatlichkeit verbietet einseitig erlassene Gesetze, die darauf abzielen, einer bestimmten Gruppe aufgrund ihrer ethnischen, weltanschaulichen bzw. religiösen Ausrichtung Grundrechte zu beschneiden! Wer derartiges fordert, stellt sich gegen die Pinzipien genau der Verfassung, die er vorgibt, verteidigen zu wollen.

    Hört also bitte auf, Eure einseitigen Forderung immer mit der "Verfassungsfeidlichkeit" der Anderen zu begründen, wenn Ihr Euch selbst mit Euren Forderungen bereits jenseits des Niemandslands mitten in der Diskriminierung Andersdenkender ideologisch niedergelassen habt!

    Entweder, es ist an öffentlichen Einrichtungen KEINER religiösen Gruppe gestattet, "religiöse" Symbole zur Schau zu tragen, oder man muss dieses Recht allen zugestehen. Da gibt es kein Zwischenweg. Punkt.

    Und noch etwas: Vielleicht solltet Ihr, die Ihr Euch über Tücher auf den Köpfen anderer Menschen aufregt, einmal Gedanken darüber machen, dass es nicht die Tücher auf sondern die verquasten, intoleranten und chauvinistischen Ideen IN den Köpfen sind, die religiösen Fanatismus ausmachen.

    Und da macht Ihr selbst keine Ausnahme!

    Man kann für weniger Religion in öffentlichen Räumen sein. Aber dann flächendeckend. Das Kopftuch ist im Gegensatz zur Burka kein Zeichen der Unterdrückung. Wie kann man Zeit lesen und so eine bäuerliche Einstellung. Man kann doch das GEsicht erkennen. Das ist überhaupt nicht verfassungsfeindlich. Sie schreiben absoluten Mist und kriegen noch 63 Leserempfehlungen.
    500 Kommentare hier als wenn das ein geselschaftliches Problem wäre. Völlig idiotisch kleinbürgerlich und dumm. Síe tun mir nur leid. Mit solchen Resentiments durch die welt zu laufen muss ja schrecklich sein. Sie haben doch bestimmt vor allem Angst und gucken immer auf den Boden wenn ihn auf der Strasse ein paar 12-jährige Türken entgegenkommen.
    Bei mir an der Uni waren die Mädels mit Kopftuch die mit den besten Noten.
    Wenn Verbot dann auch für das Kreuz. Was sagt das denn aus? Ich glaub an Jesus du nicht daher bist du Dreck oder was?
    Vielleicht schenk ich meinem Neffen ein 1meter großes Kreuz das nimmt er dann mit in die Schule, solange er Christ ist ist das ok.

    Sie und ihre 63 Empfehlungen sind wirklich nur arm. Habe großes Mitleid mit ihnen da sie ihr Leben als änngstlicher Kleinbürger führen müssen der nichts von Internationalität versteht. Christen dürfen ihre Religion frei ausleben und andere Glaubensgruppen nicht.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Vergleiche, die lediglich der Provokation dienen. Danke, die Redaktion/jz

    Ist besser wenn der Religionlehrer ein versoffener Pädophiler ist. Da haben sie vollkommen Recht. Jede MUslimin die Kopftuch trägt ist eigentlich unterdrückt.
    Was an nem Kopftuch verfassungswiedrg ist müssen sie mir erklären?
    Ich glaube Hetzte ist auch verfassungswiederig oder? Was ist mit Diskirminierung? Verleumdung?

    Sie sollten in sich mit ihrer kleinbürgerlichen Unwissenheit lieber in Schweigen hüllen!

  1. Migranten haben sich an das Land in dem sie leben DÜRFEN anzupassen. Genau so würde eine deutsche Frau sich in der Türkei anpassen und nicht halb nackt rumlaufen. Toleranz ist ja okay, aber auch nur in Maßen. Wenn die Frauen Kopftücher tragen wollen, können sie es in ihren 4 Wänden machen oder in den extra gebauten Moscheen. In Deutschladn ist es nicht üblich, dann Frauen vermummt durch die Gegend laufen, deshalb sollte das von Moslimen respektiert werden.

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und verzichten Sie auf Kommentare, die als fremdenfeindlich gesehen werden können. Danke, die Redaktion/mk

    48 Leserempfehlungen
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    Lieber Lischenbauer,

    ich vermute doch, dass die beiden nordrhein-westfälischen Lehrerinnen Beamtinnen sind - also auch deutsche Staatsbürgerinnen.

    Wie müssen sich denn Deutsche "an das Land in dem sie leben DÜRFEN an[...]passen", wenn dieses Land ihr eigenes Land ist, sprich: Deutschland? Denn nach dem deutschen Gesetz sind Deutsche alle die, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (§ 1 StAG).

    Inwiefern gelten für deutsche Staatsbürger bestimmte Kleidungsvorschriften?
    Unterrichten etwa alle Lehrerinnen in Bayern im Dirndl?

    Anders gefragt: Wie ist es denn in Deutschland üblich, dass "Frauen [...] durch die Gegend laufen"?
    So farbenfroh gekleidet wie Claudia Roth oder eher pastell-einfarbig wie Angela Merkel?
    Eher mit Lena-Meyer-Landrut-Tatoo oder eher mit Bettina-Wulff-Tatoo oder gänzlich ohne?

    Kurz und knapp: Ich ermuntere Sie, hier doch mal darzulegen, wie Frauen in Deutschland sich Ihrer Auffassung nach zu kleiden haben! Von den Socken bis zu den Haarspitzen.

    Andererseits können wir natürlich auch die kulturgeschichtlich-religionspolitische Debatte führen, die eigentlich dahinter steckt.

    Herzlichst
    am Rande

    PS: Der Anpassungswille von Deutschen in Ausland - etwa hinsichtlich des Erlernens der jeweiligen Sprache, des Respektieren fremder Gepflogenheiten, des Akzeptierens anderer Lebens- und Arbeitsweisen wäre im Übrigen ein eigenes Thema ;-)

    In der Türkei ist den Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuches in der Türkei untersagt. Ebenso übermäßiges Schminken.
    Sie haben sachlich und neutral aufzutreten.

    So hat es mir meine Schwägerin, Grundschullehrerin in der Türkei, erklärt.

    Insofern verlangen die beiden Klagenden etwas, das in der Türkei nicht möglich wäre.

    Sollte der Koran-Unterricht in die Schulen verlegt werden, was ich eigentlich sehr begrüßen würde, so schreibt der Islam vor, beim Rezitieren des Koran den Kopf zu bedecken.
    Dies kann aber durch ein locker übergelegtes Tuch oder Schal geschehen.

    Dieses Kopfbedecken bei religiösen Handlungen ist nicht typisch muslimisch, sondern wurde lange Zeit für Frauen auch in Kirchen gepflegt, z.B. durch einen Schleier in Spanien, durch eine Kopfbedeckung für Frauen in einer Synagoge.

    Ich wäre für ein Kopftuchverbot an deutschen Schulen mit der Ausnahme, beim Religions-Unterricht den Kopf locker bedecken zu dürfen.

    >> In Deutschladn ist es nicht üblich, dann Frauen vermummt durch die Gegend laufen, ... <<

    reden Sie da eigentlich? Hier geht es nicht um einen Vollschleier, sondern um ein Kopftuch. Von "Vermummung" kann da wohl kaum die Rede sein. Das nur mal so als Hinweis.

    Ich persönlich plädiere für ein Kopftuchverbot, im Sinne eines Vorbots sämtlicher religiösen Symbole in Schulen und Ämtern. Sonst nimmt sich womöglich noch ein "Pastafarian" ein Beispiel an diesem Österreicher und erscheint mit Nudelsieb auf dem Kopf zum Unterricht :-)

    • nolies
    • 17. August 2011 18:25 Uhr

    "Genau so würde eine deutsche Frau sich in der Türkei anpassen und nicht halb nackt rumlaufen."

    Da haben Sie aber eine Ahnung! Gehen Sie mal zu den türkischen Strände und gucken, wie sich die deutschen Frauen dort sonnen dürfen.

    Und das KT-Verbot hat mit der Anpassung gar nichts zu tun.
    Es geht ums Prinzip. Wenn der deutsche Staat mir Religionsfreiheit garantiert, dann muss er dies auch in die Tat umsetzen. Egal, ob Migrant oder kein Migrant.

    • pakZ
    • 17. August 2011 18:30 Uhr

    Leider gibt es aber auch den schönen Satz: Die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.

    • JD
    • 18. August 2011 9:38 Uhr

    da ist schon was los!

  2. Lieber Lischenbauer,

    ich vermute doch, dass die beiden nordrhein-westfälischen Lehrerinnen Beamtinnen sind - also auch deutsche Staatsbürgerinnen.

    Wie müssen sich denn Deutsche "an das Land in dem sie leben DÜRFEN an[...]passen", wenn dieses Land ihr eigenes Land ist, sprich: Deutschland? Denn nach dem deutschen Gesetz sind Deutsche alle die, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (§ 1 StAG).

    Inwiefern gelten für deutsche Staatsbürger bestimmte Kleidungsvorschriften?
    Unterrichten etwa alle Lehrerinnen in Bayern im Dirndl?

    Anders gefragt: Wie ist es denn in Deutschland üblich, dass "Frauen [...] durch die Gegend laufen"?
    So farbenfroh gekleidet wie Claudia Roth oder eher pastell-einfarbig wie Angela Merkel?
    Eher mit Lena-Meyer-Landrut-Tatoo oder eher mit Bettina-Wulff-Tatoo oder gänzlich ohne?

    Kurz und knapp: Ich ermuntere Sie, hier doch mal darzulegen, wie Frauen in Deutschland sich Ihrer Auffassung nach zu kleiden haben! Von den Socken bis zu den Haarspitzen.

    Andererseits können wir natürlich auch die kulturgeschichtlich-religionspolitische Debatte führen, die eigentlich dahinter steckt.

    Herzlichst
    am Rande

    PS: Der Anpassungswille von Deutschen in Ausland - etwa hinsichtlich des Erlernens der jeweiligen Sprache, des Respektieren fremder Gepflogenheiten, des Akzeptierens anderer Lebens- und Arbeitsweisen wäre im Übrigen ein eigenes Thema ;-)

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    • J.E.B.
    • 16. August 2011 12:43 Uhr

    ...Beamtinnen sind - also auch deutsche Staatsbürgerinnen."

    Genau darum geht es doch!

    Sie sind (vermutlich) Beamtinnen, also im Staatsdienst.
    Aus diesem Grund haben sie sich in den Schulen, in denen sie unterrichten, religiös neutral zu verhalten.

    Es geht hier nicht um einen Modetrend, dem diese Lehrereinnen fröhnen sondern sie klagen explizit mit Hinweis auf die Religionsfreiheit.
    Also wollen sie das Tragen eines religiösen Symbols auf ihren Köpfen gerichtlich einklagen.
    Sie wollen gegen die ihnen auferlegte Neutralität klagen.

    • snm81
    • 16. August 2011 18:30 Uhr

    "Andererseits können wir natürlich auch die kulturgeschichtlich-religionspolitische Debatte führen, die eigentlich dahinter steckt."

    es sind immer noch "die" also "die anderen" - ob sie hier geboren sind ist wurst, ob sie seit ihrer kindheit nichts als deutsch reden, deutsch denken und sich völlig heimisch fühlen ist völlig wurst. sie tragen kopftuch und sind "migranten" müssen sich also anpassen- was immer das auch heißt und woran es gemessen werden kann ist zwar fraglich, aber das haben sie ja schon dargelegt...
    wenn diese "migranten" dann pech haben ist ihre haut auch noch dunkler - das ganze werden sie dann also nie mehr los, sie stehen unter verschärfter beobachtung und wenn ihr kind was klaut heisst es: "seht, diese migranten", wenn sie zufälliger weise einer religion angehören die gerade schlechte pr hat: "seht, diese migranten", wenn sie falsch parken: "seht, diese migranten"...

    argumente sind da zwecklos, es steckt zu tief drin. ohne feindbilder ist die welt zu verwirrend...

    Lesen sie bitte das Grundgesetz durch. Wir haben die sogennante Religionsfreiheit, die Aufgabe des Staates ist Minderheiten, wie diese zu schützen. Jeder darf frei entscheiden was er trägt ich dürfte mit einem T-Shirt auf dem Stalin, der Papst oder Hernán Cortés abgebildet sind durch die Straßen laufen. Wir brauchen kein deutsches Leitbild, wir brauchen ein Leitbild nach den Menschenrechten. Aber aus der Geschichte lehrnt man ja so schlecht und am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

    Überschrift entfernt. Bitte achten Sie auf Ihren Ausdruck. Danke, die Redaktion/se

    Also als erstes,Wie kommen Sie darauf, dass ich ein Mann bin??Lischen klingt finde ich, nicht so männlich ;)
    Natürlich haben Sie recht, dass jeder das tragen kann was er möchte. Ich kenne das jedoch so, dass Schüler auch keine Kopfbedeckungen tragen dürfen-also warum sollten es Lehrer dürfen?

    Sie haben es gut auf den Punkt gebracht. Ich kann Ihnen da nur zustimmen!

    Die Kopftuchgegner sind m.E. häufig nicht ehrlich in ihrer Argumentation. Meistens steckt Intoleranz und Islamophobie dahinter; das Kopftuch ist da nur ein gerne aufgebauschtes Symbol. "Die" sollen sich gefälligst "anpassen", wenn sie schon (vielfach als deutsche Staatsangehörige) hier "leben dürfen". Ich finde das doch reichlich entlarvend...

    Bezüglich religiöser Symbole generell ist doch klar, dass der Staat natürlich das Recht hat, gesetzlich zu regeln, wie er es mit der Religion in der Schule hält.

    Ein "Kopftuchgesetz" ist nicht möglich, da es gegen das Grundgesetz (Diskriminierungsverbot) verstossen würde, wohl aber ein Gesetz, dass ausnahmslose alle religiösen Symbole in der Schule verbietet. Das heisst dann auch konsequenterweise ein Verbot christlicher Symbole in welcher Form auch immer.

    Bin schon jetzt gespannt auf die Reaktion der Kopftuchgegner, wenn der erste Lehrer wegen Tragens eines Halskettchens mit Kreuz vom Unterrichten ausgeschlossen wird oder der Geistliche, der seinen Talar trägt, nicht mehr zum Religionsunterricht in die Schule gelassen wird.

    • snoek
    • 16. August 2011 12:40 Uhr
    4. .....

    Wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird…

    „Praktisch alle der seit 2004 folgenden acht Ländergesetze waren Anti-Kopftuchgesetze und nahmen von der Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität – mal der Lehrenden, mal aller öffentlich Bediensteten – christliche Symbole ausdrücklich aus.“

    Entweder haben wir Religionsfreiheit oder nicht. Und dann sollte man die Religionen auch gleich behandeln.

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    "Entweder haben wir Religionsfreiheit oder nicht. Und dann sollte man die Religionen auch gleich behandeln."

    Religionsfreiheit ist keine Freiheit von allen Bindungen. Insbesondere nicht vom Vorrang der demokratischen Ordnung.

    Wenn die Auslegung einer Religion in grotesker Weise die Menschenrechte ignoriert, ist die Grenze der "Gleichbehandlung" überschritten.

    Im Artikel ging es ja um NRW. Dies wird dort im christlichen Relgionsunterricht - verbindlich! - gelehrt:

    http://www.standardsicher...

    Dort auch der ausdrückliche Bezug auf die demokratische Verfassung des Landes als Grundlage (!) des Unterrichts.

    http://www.standardsicher...

    Für den Islam gibt es bisher - noch - keinen Religionsunterricht. Glücklicherweise! möchte man anfügen, wenn man als Vorgeschmack die Position des "Zentralrats der Muslime" e.V. zur Kenntnis genommen hat, der von der Landesregierung NRW offenbar als einer der islamischen Ansprechpartner auserkoren wurde. Laut ZMD sollen Muslime sich nur so lange an die Verfassung halten, wie dies nicht "im Widerspruch zum Islam" steht.

    Absolut kein Scherz: Auch wenn man es für Satire halten möchte, so ist es doch Realität.

    http://islam.de/1641.php#...

  3. klärte sich von selbst, verlagerte man den Religionsunterricht endlich und insgeamt aus den Schulen in die Privatsphäreder Religionsbildungshungrigen.
    Ich konnte und kann keinen Bildungsauftrag für Religionen an Schulen (zumindest staatlichen) in Deutschland erkennen.

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    • ihana
    • 16. August 2011 12:58 Uhr

    Jeglicher Religionsunterricht gehört aus staatlichen Schulen entfernt und alle religiöse Symbolik ebenso.
    Das Argument pro Religionsunterricht an staatlichen Schulen ist ja die Transparenz. Ob die gegeben ist, sei dahingestellt. Nichts desto trotz wäre es auch bei diesen Unterrichten angebracht, dass Lehrer sich neutral kleiden - ohne Kopftuch und eben auch ohne Kreuz

    Lieber octavian,

    zunächst einmal hat der oben geschilderte Fall nichts mit dem Religionsunterricht (RU) zu tun, denn die beiden Lehrerinnen sind wohl kaum christliche RU-Lehrerinnen.

    Da es noch keinen islamischen RU gibt, werden die Frauen wohl andere Fächer unterrichten. Wenn die Lehrerinnen bspw. Deutsch und Musik unterrichten, sollten dann wohl eher diese Fächer ausgelagert werden.

    Schließlich fragen Sie nach dem "Bildungsauftrag für Religionen an Schulen (zumindest staatlichen) in Deutschland".

    Nun, da hilft ein Blick ins Grundgesetz: Im Art. 7 finden Sie das einzige ordentliche Unterrichtsfach, das verfassungsrechtlich geschützt ist - und jetzt raten Sie mal, um welches es sich dabei handelt.

    Herzlichst
    am Rande

    • RIL819
    • 16. August 2011 13:58 Uhr

    zu wissen was Weihnachten, Passahfest, Zuckerfest etc. Wer Mohammed, Jesus, Buddah usw. sind.
    Darum gibt es auch Religionsunterricht. Ich für meinen Teil habe in der Schule auch etwas über Religionen gelernt, die nicht unbedingt dem Namen des Faches entsprachen.
    Vielleicht hätten die einen oder anderen Kommentare eine etwas freundlichere Note, wenn die Damen und Herren Verfasser etwas mehr über beispielsweise den Koran wüßten.
    ...

    • viadrus
    • 17. August 2011 11:15 Uhr

    Religionsunterricht hat nichts an Schulen zu suchen! Auch religiöse Symbole sollten aus Schulen ausgeschlossen werden, dann aber auch ohne Ausnahme, wie es in anderen Ländern der Fall ist.

    @RIL819: Ja es gehört zur Allgemeinbildung. Aber warum nicht ein neutrales Unterrichtsfach schaffen, dass dieses Wissen vermittelt? Ich kenn dies aus Lettland, dort gibt es ein Fach "Kulturgeschichte". Dort werden sämtliche Weltreligionen aus einem objektiven Blickwinkel betrachtet.

    • J.E.B.
    • 16. August 2011 12:43 Uhr

    ...Beamtinnen sind - also auch deutsche Staatsbürgerinnen."

    Genau darum geht es doch!

    Sie sind (vermutlich) Beamtinnen, also im Staatsdienst.
    Aus diesem Grund haben sie sich in den Schulen, in denen sie unterrichten, religiös neutral zu verhalten.

    Es geht hier nicht um einen Modetrend, dem diese Lehrereinnen fröhnen sondern sie klagen explizit mit Hinweis auf die Religionsfreiheit.
    Also wollen sie das Tragen eines religiösen Symbols auf ihren Köpfen gerichtlich einklagen.
    Sie wollen gegen die ihnen auferlegte Neutralität klagen.

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    Lieber J.E.B.,

    d'accord!

    Aber dann haben wir hier eine andere Debatte als sie oben Lischenbauer angeschnitten hat, im O-Ton:

    "Migranten haben sich an das Land in dem sie leben DÜRFEN anzupassen [...]. Wenn die Frauen Kopftücher tragen wollen, können sie es in ihren 4 Wänden machen oder in den extra gebauten Moscheen. In Deutschladn ist es nicht üblich, dann Frauen vermummt durch die Gegend laufen, deshalb sollte das von Moslimen respektiert werden."

    Was Sie ansprechen ist etwas völlig anderes: Also die Realisierung der staatlichen Neutralität in Weltanschauungsfragen im staatlichen Raum. Wie ist der Staat neutral?

    Ist es neutral nichts zuzulassen - somit indirekt einen bestimmten a-religiösen Standpunkt einzunehmen,

    oder

    ist es neutral, nur bestimmte religiöse Symbole zuzulassen,

    oder

    ist es neutral, hier keinen Standpunkt zu beziehen - d.h. allen Symbolen gegenüber offen zu sein - Kopftüchern, Kippas, Kreuzen und dem legendären Spaghettimonster-Hut.

    Wir können uns gerne darüber unterhalten, dem Beitrag von Lischenbauer entnahm ich aber ein solches Anliegen nicht. Daher meine Replik an ihn.

    Herzlichst
    am Rande

    warum sollte ich mich als Angehöriger einer Religion zur Neutralität verpflichtet fühlen, wenn Symbole einer anderen Religion, obwohl durch das Grundgesetz klar anders definiert, von der Neutralität ausgenommen werden?:

    "Praktisch alle der seit 2004 folgenden acht Ländergesetze waren Anti-Kopftuchgesetze und nahmen von der Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität – mal der Lehrenden, mal aller öffentlich Bediensteten – christliche Symbole ausdrücklich aus."

    Ich halte es für sinnvoll Religionsunterricht im Sinne von Wissen ÜBER Religionen zu vermitteln, allerdings nicht Ansichten VON Religionsgemeinschaften. In diesem Punkt stimme ich also mit Ihnen überein. Allerdings sollte dieser Punkt dann auch bitte ALLE Religionen betreffen! In diesem Sinne ist die Klage der beiden Muslima nur allzu verständlich.

    schön gesagt... wen interessiert's was heutzutage die leute überhaupt tragen? die schüler sollten auch nur an dem interessiert sein was sie gelehrt bekommen und nicht wie die lehrer angezogen sind. noch besser ist es dass die schüler meistens zuhause eltern haben die auch die welt vertändlicher machen sollten. and believe it or not erziehung sollte in erster linie zuhause statt finden und nicht in der schule. also, open your eyes and your mind (that is, if you have one) ;)

    ...weil es definitiv nicht gut sein kann, wenn diese Kinder unterrichten! Allein die Haltung, die diese mit ihrer Klage demonstrieren, zeigt dies ganz deutlich. Solche Menschen darf man doch nicht auf KINDER oder JUGENDLICHE loslassen! Spinnen die denn?

    • Erkos
    • 16. August 2011 12:55 Uhr

    Das Grundproblem ist doch die noch immer nicht vollzogene Trennung von Kirche und Staat in Deutschland! Erst kürzlich wurde über die Gründung einer Initiative von SPD-Mitgliedern berichtet, die für ein laizistisches Deutschland kämpfen wollen, aber selbst in ihrer eigenen Partei ausgebremst werden, z.B. von Herrn Thierse.
    Religion ist Privatsache. Jeder kann glauben, was er will. Wie er zu seinem Gott betet, ist seine Sache. Solange niemand missioniert darf er ungehindert seinem Glauben folgen.
    Da das für manche unerträglich ist, werden Religion und Kultur vermischt. Ein Kruzufix in öffentlichen Räumen (oder um den Hals), ein Kopftuch o.ä. werden zu religiösen Symbolen hochstilisert. Ja, glaubt denn tatsächlich einer dieser religiös gebundenen Menschen, ein großer, ein gnadenreicher Gott befaßt sich mit der Kleiderordnung so, wie das der Hauptfeldwebel einer Kompanie macht?!!!
    Das gilt genauso für Gotteshäuser, seinen es Kirchen, Tempel oder Moscheen. Auch hier darf man davon ausgehen, dass ein Gott für den, der an ihn glaubt, immer ein Ohr hat, egal, in welchem Gebäude er betet.

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    Lieber Erkos,

    weshalb muss denn Neutralität zwangsläufig nur so realisiert werden, dass alles verboten wird? Damit setzt man doch Neutralität in weltanschaulichen Dingen gleich mit einer einseitigen Bevorzugung einer a-religiösen Weltanschauung.

    Das ist nicht sehr neutral.

    Neutralität kann auch so realisiert werden, dass verschiedene Auffassungen, religiöse wie nicht a-religiöse, nebeneinander stehen.

    Zum AK Laizisten in der SPD, die Entscheidung im Parteivorstand auf Nichtzulassung erfolgte übrigens einstimmig:

    Dem SPD-Grundsatzprogramm zufolge versteht sich die SPD als "Partner [...] der [...] Kirchen" (S. 23). Es stellt klar, dass "Träger der Zivilgesellschaft [...] auch [...] Kirchen" sind (31) und der Staat nicht "zuständig [ist] für Wahrheit, weder philosophische noch religiöse" (32).

    Die SPD bekennt sich in ihrem aktuellen Grundsatzprogramm "zum jüdisch-christlichen und humanistischen Erbe Europas und zur Toleranz in Fragen des Glaubens."
    Es heißt weiter: "Wir verteidigen die Freiheit [...] der Verkündigung." (39)

    Vor diesem Hintergrund dieser kurzen Auswahl stellt sich die Frage, ob die Laizisten in der SPD ihr Grundsatzprogramm kennen oder - ob der roten Parteifarbe - die SPD mit jemand anderem verwechselt haben.

    Herzlichst
    am Rande

    es bestimmt auch besser, wenn die Kinder von jegilichem Glaubensdruck ferngehalten werden. Ich bestehe darauf!

    • palmax
    • 18. August 2011 0:01 Uhr

    Wenn irgendjemand sich zum Spaghettimonster bekennt und es für ihn Ausdruck seines Glaubens daran ist, einen Ring am rechten Mittelfinger zu tragen, verbieten wir ihm das dann auch, weil es sich dann um ein religiöses Symbol handelt? Anstelle unsinniger Verbote wäre die Förderung von Skepsis und Erkenntniskritik wesentlich hilfreicher. Anstatt Kleidungsstücke zu verbieten, sollte den Leuten beigebracht werden, dass die Meinung jedes Menschen, auch wenn man es Glauben nennt, nur die individuelle Interpretation von Büchern, Dingen etc. ist, und dass Wahrheit sich nicht durch Erleuchtung eines Einzelnen, sondern durch Diskussionen finden lässt.

  4. Diese Kopftuch-Diskussion ist doch reiner Irrsinn. Was ist, wenn eine Frau, die nicht-muslimisch ist, ein Kopftuch tragen möchte? So wie unsere Großmütter früher?
    Und was ist mit Bomberjacken, Springerstiefel, Aufdrucke auf T-Shirts (z.b. politischer Art)
    Was ist mit Ketten, an denen Kreuze Baumeln, Rosenkränzen usw?

    Die Kopftuchdiskussion ist sowas von einem Armutszeugnis. Ekelhaft.
    Offensichtlich brauchen die Industrienationen immer irgendeine Gruppe zum "draufhauen".
    Igitt!

    16 Leserempfehlungen
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    • J.E.B.
    • 16. August 2011 13:05 Uhr

    Die islamischen Frauen tragen ihre Kopfbedeckung aber nicht so "wie unsere Großmütter früher"

    Bei meiner Großmutter und auch Mutter waren immer noch Haare zu sehen, was die islamischen Frauen jedoch "doppelt gemoppelt" zu verhindern wissen.

    Das uns bekannte Kopftuch ist bei ihnen lediglich Zweck, die darunter befindliche Haarvermummung durch ein hübsches Tüchlein zu kaschieren.

    Wir sind gut beraten, deutlich zu unterscheiden zwischen der individuellen (!) Entscheidung einer freien (!) Person einerseits und vermeintlichen religiösen "Vorschriften" (!) andererseits.

    Solange Frauen - vermeintlich! - im Namen der Religion derart umfassend mit detaillierten Vorschriften (!) überzogen werden, ist es abwegig, dies mit Beispielen wie Ihren zu vergleichen. Beispiele für solche Vorschriften: Siehe z.B. den Link in Kommentar Nr. 9.

    Und selbst wenn man (archaisch genug) den Koran wörtlich auslegte, fände man dort - wie bei Islamwissenschaftlern ausführlich nachzulesen - die Aufforderung, "züchtig die Blößen" zu bedecken.

    Wollen Sie allen Ernstes behaupten, dass in unserem Land und in diesem Jahrhundert die Gefahr besteht, dass ein Mann die Haare einer Frau zu ihren "Blößen" zählt und - mehr noch - bei deren Anblick seine "Begierden nicht zügeln kann"?

    Wohlgemerkt: Dies ist kein individueller Vorwurf gegen Frauen, die in 1. Generation oder als Gäste aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen.

    Aber wie hoffentlich sehr viele andere auch möchte ich nicht, dass meine Kinder mit dieser archaischen Symbolik an unseren Schulen auch noch im 21. Jahrhundert erzogen (!) werden.

    • flobber
    • 16. August 2011 17:34 Uhr

    [...]

    Entfernt. Bitte ziehen Sie keine unverhältnismäßigen Vergleiche. Danke. Die Redaktion/er

  • Schlagworte Fereshta Ludin | Grundrecht | Lehrer | Minarett | Moschee | Religionsfreiheit
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