Kopftuch-Verbot : Der Streit um das Kopftuch ist zurück

Das Kopftuch kommt wieder vor das Bundesverfassungsgericht. Zwei Lehrerinnen klagen. Aber die Länder halten an ihren Verbotsgesetzen fest.

Zwei muslimische Frauen, beide im Schuldienst in Nordrhein-Westfalen, haben das Bundesverfassungsgericht angerufen, weil sie ihr Grundrecht auf Religionsfreiheit durch das Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen verletzt sehen. Im nächsten Jahr wollen die Richter entscheiden – zum zweiten Mal in dieser Sache.

Ein paar Jahre lang war Ruhe an dieser Front . Und das, obwohl fast alle Landesgesetze, die nach dem Karlsruher Grundsatzurteil von 2003 erlassen wurden, Vorgaben der höchsten Richter zu ignorieren schienen. Zum Fall der Lehrerin Fereshta Ludin, die in Baden-Württemberg wegen ihres Kopftuchs nicht in den Schuldienst durfte, hieß es, dass Verbote religiöser Symbole im öffentlichen Dienst in Ordnung seien. Sie dürften aber nicht auf dem Verordnungsweg erlassen werden, sondern brauchten ein Gesetz. Und dabei dürfe der Gesetzgeber keine Unterschiede machen: "Das Grundgesetz begründet für den Staat als Heimstatt aller Staatsbürger die Pflicht zu weltanschaulich-religiöser Neutralität" heißt es im Urteil. "Der Staat hat auf eine am Gleichheitssatz orientierte Behandlung der verschiedenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu achten und darf sich nicht mit einer bestimmten Religionsgemeinschaft identifizieren."

Christliche Symbole wurden trotz Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität erlaubt

Die Botschaft kam nicht überall an: Praktisch alle der seit 2004 folgenden acht Ländergesetze waren Anti-Kopftuchgesetze und nahmen von der Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität – mal der Lehrenden, mal aller öffentlich Bediensteten – christliche Symbole ausdrücklich aus. Nur Bremen und Berlin verordneten allen Zurückhaltung am Arbeitsplatz. Die Kirchen waren zufrieden.

Dass lange Ruhe herrschte, mag auch an lokalen Arrangements gelegen haben, die die Härten des Gesetzes milderten. So setzt inzwischen die ein oder andere Lehrerin, mit Zustimmung von Eltern und Schulaufsicht, im Unterricht eine Mütze auf. Und die Landesregierungen wähnen sich seit Verabschiedung ihrer Gesetze in Sicherheit – bis hin zu ihren roten und grünen Nachfolgerinnen, die kürzlich deutlich gemacht haben, dass sie am Kopftuchtabu nicht rütteln werden. Es gebe ja keine aktuellen Fälle, sagt Baden-Württembergs sozialdemokratische Integrationsministerin Bilkay Öney . Und Sylvia Löhrmann, die grüne Schulministerin von Nordrhein-Westfalen, die vor ihrer Berufung ins Ministeramt die Kopftuchgesetze als diskriminierend kritisierte, will auf die neue Karlsruher Entscheidung im nächsten Jahr warten. "Priorität hat für uns die Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentlichem Unterrichtsfach", hieß es.

Kann man muslimischen Religionslehrerinnen das Kopftuch verbieten?

Gerade dafür könnten allerdings die Kopftuchverbote ein großes Problem werden. Auch muslimischen Religionslehrerinnen das Kopftuch zu verbieten, dürfte schwierig werden – und einige Ländergesetze schließen dies bereits ausdrücklich aus. Auch sie beantworten aber nicht die Frage, was dies konkret bedeuten würde: Tuch auf im Religionsunterricht, Tuch ab, wenn die Lehrerin ihr zweites Fach unterrichtet oder im Lehrerzimmer sitzt?

Der Erlanger Juraprofessor und Islamwissenschaftler Mathias Rohe wies schon vor Jahren darauf hin, dass solche Ungereimtheiten früher oder später wieder in Karlsruhe landen würden. Für das kommende Urteil könne er sich auch zur Frage der Neutralität "vorstellen, dass das ein Thema wird", sagte Rohe dem Tagesspiegel. Es gehe schließlich "um Gesetze, die nicht neutral sind. 2003 wurde klar gesagt: Ihr könnt euch für mehr oder weniger Religion in der Schule entscheiden, aber die Regeln müssen gleich sein. Das hat das eine oder andere Landesgesetz nicht aufgenommen."

Die Bremer Pädagogik-Professorin Yasemin Karakasoglu war 2003 Gutachterin in Karlsruhe. Sie erläuterte damals, welche Bedeutungen das Tuch für seine Trägerin haben kann, eben nicht nur als Zeichen der Unterdrückung und feindseligen kulturellen Abgrenzung. Doch als solches wird es nach ihrer Ansicht in der Öffentlichkeit weiter verhandelt: "Wie differenziert dieses Zeichen ist, ist nicht wirklich angekommen; die Kopftuchgesetze haben es vielmehr vollends festgelegt, auf die Bedeutung ‚gefährlich‘."

Rohe ist optimistischer. "Juristen sind relativ resistent gegen Stimmungen." Doch eine Prognose wage er nicht, das Urteil sei damals knapp gewesen und der Senat sei jetzt neu besetzt. Jedoch: "Damals sah man das Abendland durch das Kopftuch bedroht. Die Funktion scheint es inzwischen an Minarette und Moscheen abgetreten zu haben."

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

992 Kommentare Seite 1 von 49
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"Kann man muslimischen Religionslehrerinnen das...

...Kopftuch verbieten?"

Ich denke ja.
Ich denke, daß ein Verbot sogar zwingend notwendig ist, damit den Schülern nicht ein Frauenbild vermittelt wird, das verfassungsfeindlich oder sogar -widrig ist.

Außerdem demonstriert eine Kopftuchlehrerin den Mädchen, daß sie eine anständige, keusche Frau ist und alle Anderen (also die Kopftuchlosen) das nicht sind.

Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/mk

'Verfassungsfeindlich oder gar -widrig'

wäre in Deutschland sogar das Verbot der Burka im öffentlichen Raum http://www.tagesspiegel.d... anders sieht es aus, wenn ein Arbeitgeber einen bestimmten Dresscode eindeutig vorschreibt, in dem freie Religionsausübung oder freie Entfaltung der Persönlichkeit ihre Grenzen findet. Das hat dann aber für alle zu gelten.

Merkwürdigerweise habe ich mich noch nie von einer Kopftuchträgerin darüber belehrt gefühlt, daß ich eine unanständige, unkeusche Frau sein soll. Was ich aber seit Sarrazins Erlaubnis zum vorenthaltenen Respekt für die 'Kopftuchmädchenproduzentinnen' bereits vier Mal erlebt habe, ist, daß Kopftuchträgerinnen im Beisein ihrer kleinen Kinder angepöbelt, einmal sogar bespuckt und zum weinen gebracht wurden. Weil ihre Kinder quengelten, was Kinder nun mal gelegentlich zu tun pflegen. Herzlichen Glückwunsch an diese Helden der 'Islamkritik', sich die schwächstmöglichen Opfer für ihren Beitrag zum Erhalt des christlichen Abendland ausgesucht zu haben!

Jede soll das tragen, was sie will. Das erzwungene Be- wie das erzwungene Entkleiden von Frauen spricht die gleiche Sprache. Eine Kleiderordnung wurde bereits mit der Aufklärung abgeschafft und mich wundert ja immer wieder, wie man zum Schutz und im Namen der Aufklärung die Aufklärung abschaffen möchte.

Dämliches Geschwätz

"Das Auto vom Nachbarn ist jetzt bestimmt auch schon 5 Jahre alt. Und waschen könnt er die Rostlaube auch mal!"

"Der schafft halt nix. Guck dir den doch mal an mit seinen langen Haaren."

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"Die Frau Müller hat schon wieder einen neuen Freund!"

"Tja, Moral und Anstand gelten heute eben überhaupt nichts mehr!"

Können Sie so jeden Tag hören. Werden teure Autos jetzt auch verboten. Oder Waschanlagen? Oder müssen wir ab jetzt für immer mit unserem ersten Partner zusammenbleiben?

Jeder sucht irgendwas um sich besser zu fühlen als sein Gegenüber.
Wer sich an solchen Banalitäten so furchtbar stört lässt das auch noch zu.

Kopftücher im Unterricht gehören verboten weil der Staat (und seine Beamten) zur Neutralität verpflichtet sind. Dazu gehören auch Kruzifixe im Klassenzimmer oder um den Hals des Lehrpersonals.

Zweierlei Maß

Ich denke ja.
Ich denke, daß ein Verbot sogar zwingend notwendig ist, damit den Schülern nicht ein Frauenbild vermittelt wird, das verfassungsfeindlich oder sogar -widrig ist.

Blödsinn. Viele muslimische Frauen tragen das Kopftuch aus Überzeugung. Manche finden es auch unnötig und lassen es bleiben. Wenn Sie das Kopftuch für verfassungsfeindlich oder verfassungswidrig halten, dann fangen Sie bitte erst einmal an diesen Staat vom Christentum zu befreien. Da sähe ich viel größeren Bedarf. Das Christentum sitzt viel tiefer und wird in jeder Hinsicht bevorzugt. Soll ich jetzt etwa als nächstes vor das Verfassungsgericht gehen, weil die Bayern vier Feiertage mehr haben als Berliner? Ist das überhaupt mit dem Gleichberechtigungsgrundsatz vereinbar? Oder das Tanzverbot in manchen Bundesländern zu bestimmten Feiertagen. Kann man ernsthaft einem Bundesbürger noch zumuten vorzuschreiben, dass er Nichtspaß gesetzlich verordnet bekommt?

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

"Sie hingegen fordern Vorschriften was eine Frau zu...

...vermitteln hat bzw. definieren unerwünschte Frauenbilder. Was soll der Unsinn?"

Nicht nur ich fordere, was Frauen minderjährigen Kindern in Schulklassen zu vermitteln haben.

Ganz sicher dürfen sie den Kindern nicht vermitteln, daß der Kopf zum Schambereich gehört und daß Frauen/Mädchen ohne Kopftuch [sie wissen, was ich meine] sind.

Schwachsinn

Entweder man verbannt ganz konsequent jegliche Art von Religionssymbolen oder man lässt alle zu. Eine Nonne bspw. müsste ihre Argumentation zu folge nun auch nicht unterrichten dürfen. Ist es nicht eher so, dass man Frauen heutzutage lieber als Sexsymbol sehen will? Das ist best. nicht immer die freie Überzeugung, wenn jede Sportlerin die Erfolg hat oder hatte durch den Playboy erst einem großen Publikum bekannt gemacht wird, nicht durch ihre sportliche Leistung sondern durch das Ausziehen.. Man müsste einen Mittelweg finden, jede Frau soll tun und lassen was sie will. Ausziehen oder Kopftuch sollte jeder Frau selbst überlassen werden.

Kopftuchmode

Eine Gesellschaft, die ein Kleidungsstück verbieten will, mit welchem Grund auch immer, ist dumm und mittelalterlich. Ich hoffe inständig, dass die Modebranche das Kopftuch bald als ultimatives Accessoire aufgreift und als unverzichtbar für jede sich modisch kleidende Frau etabliert. Jede Mode hat eine Akzeptanzhürde, aber wenn erst irgendein Stardeigner sie vertritt, rennen alle hinterher. Also, warum nicht auch das Kopftuch. Es würde den Muslimen schmeicheln.

minderjährigen Kindern vermitteln

Nicht nur ich fordere, was Frauen minderjährigen Kindern in Schulklassen zu vermitteln haben.

Man sollte doch zuerst die Grundwerte und das Grundgesetz unserer Gesellschaft vermitteln.

»(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.«

»(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.«

Wenn eine Frau sich dazu entschließt, ein Kopftuch zu tragen, dann tut sie damit niemandem Unrecht und verstößt nach meinem Verständnis auch nicht gegen die Sitten.

Frauenbild und andere Fantasien

"...ein Verbot sogar zwingend notwendig ist, damit den Schülern nicht ein Frauenbild vermittelt wird, das verfassungsfeindlich oder sogar -widrig ist."

Und woher haben Sie dieses Frauenbild? Dieses Bild ist doch hauptsächlich von Leuten produziert worden, die selber kein KT tragen. Dieses Bild ist eine Fantasie Ihrerseits, die mit von der Realität weit weg ist. Sie hat nichts mit den tatsächlichen Absichten der KT-tragenden Frau zu tun.

"Außerdem demonstriert eine Kopftuchlehrerin den Mädchen, daß sie eine anständige, keusche Frau ist und alle Anderen (also die Kopftuchlosen) das nicht sind."

Auch dies ist eine Fantasie Ihrerseits. Woher wollen Sie denn wissen, dass eine "KT-Lehrerin" dies demonstrieren will? Ich trage auch KT und habe damit auch unterrichtet, aber so ein Blödsinn kommt mir nicht in den Sinn. Ich respektiere die Kleiderwahl der Menschen, auch wenn diese meiner Überzeugung nicht entspricht. Nicht die KT-Lehrerin guckt auf die Nicht-Kopftuchträgerinnen von oben herab, sondern Sie blicken mit Arroganz,Unwissenheit und Ignoranz auf die KT-Trägerin herab. Haben Sie das bemerkt?

Einzelgesetze, nicht Kopftücher, sind verfassungsfeindlich

Rechtsstaatlichkeit verbietet einseitig erlassene Gesetze, die darauf abzielen, einer bestimmten Gruppe aufgrund ihrer ethnischen, weltanschaulichen bzw. religiösen Ausrichtung Grundrechte zu beschneiden! Wer derartiges fordert, stellt sich gegen die Pinzipien genau der Verfassung, die er vorgibt, verteidigen zu wollen.

Hört also bitte auf, Eure einseitigen Forderung immer mit der "Verfassungsfeidlichkeit" der Anderen zu begründen, wenn Ihr Euch selbst mit Euren Forderungen bereits jenseits des Niemandslands mitten in der Diskriminierung Andersdenkender ideologisch niedergelassen habt!

Entweder, es ist an öffentlichen Einrichtungen KEINER religiösen Gruppe gestattet, "religiöse" Symbole zur Schau zu tragen, oder man muss dieses Recht allen zugestehen. Da gibt es kein Zwischenweg. Punkt.

Und noch etwas: Vielleicht solltet Ihr, die Ihr Euch über Tücher auf den Köpfen anderer Menschen aufregt, einmal Gedanken darüber machen, dass es nicht die Tücher auf sondern die verquasten, intoleranten und chauvinistischen Ideen IN den Köpfen sind, die religiösen Fanatismus ausmachen.

Und da macht Ihr selbst keine Ausnahme!

Was für eine lächerliche Aussage

Man kann für weniger Religion in öffentlichen Räumen sein. Aber dann flächendeckend. Das Kopftuch ist im Gegensatz zur Burka kein Zeichen der Unterdrückung. Wie kann man Zeit lesen und so eine bäuerliche Einstellung. Man kann doch das GEsicht erkennen. Das ist überhaupt nicht verfassungsfeindlich. Sie schreiben absoluten Mist und kriegen noch 63 Leserempfehlungen.
500 Kommentare hier als wenn das ein geselschaftliches Problem wäre. Völlig idiotisch kleinbürgerlich und dumm. Síe tun mir nur leid. Mit solchen Resentiments durch die welt zu laufen muss ja schrecklich sein. Sie haben doch bestimmt vor allem Angst und gucken immer auf den Boden wenn ihn auf der Strasse ein paar 12-jährige Türken entgegenkommen.
Bei mir an der Uni waren die Mädels mit Kopftuch die mit den besten Noten.
Wenn Verbot dann auch für das Kreuz. Was sagt das denn aus? Ich glaub an Jesus du nicht daher bist du Dreck oder was?
Vielleicht schenk ich meinem Neffen ein 1meter großes Kreuz das nimmt er dann mit in die Schule, solange er Christ ist ist das ok.

Sie und ihre 63 Empfehlungen sind wirklich nur arm. Habe großes Mitleid mit ihnen da sie ihr Leben als änngstlicher Kleinbürger führen müssen der nichts von Internationalität versteht. Christen dürfen ihre Religion frei ausleben und andere Glaubensgruppen nicht.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Vergleiche, die lediglich der Provokation dienen. Danke, die Redaktion/jz

Lächerlich

Ist besser wenn der Religionlehrer ein versoffener Pädophiler ist. Da haben sie vollkommen Recht. Jede MUslimin die Kopftuch trägt ist eigentlich unterdrückt.
Was an nem Kopftuch verfassungswiedrg ist müssen sie mir erklären?
Ich glaube Hetzte ist auch verfassungswiederig oder? Was ist mit Diskirminierung? Verleumdung?

Sie sollten in sich mit ihrer kleinbürgerlichen Unwissenheit lieber in Schweigen hüllen!

Gleichberechtigung?

Migranten haben sich an das Land in dem sie leben DÜRFEN anzupassen. Genau so würde eine deutsche Frau sich in der Türkei anpassen und nicht halb nackt rumlaufen. Toleranz ist ja okay, aber auch nur in Maßen. Wenn die Frauen Kopftücher tragen wollen, können sie es in ihren 4 Wänden machen oder in den extra gebauten Moscheen. In Deutschladn ist es nicht üblich, dann Frauen vermummt durch die Gegend laufen, deshalb sollte das von Moslimen respektiert werden.

Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und verzichten Sie auf Kommentare, die als fremdenfeindlich gesehen werden können. Danke, die Redaktion/mk

Deutsche Staatsbürgerinnen

Lieber Lischenbauer,

ich vermute doch, dass die beiden nordrhein-westfälischen Lehrerinnen Beamtinnen sind - also auch deutsche Staatsbürgerinnen.

Wie müssen sich denn Deutsche "an das Land in dem sie leben DÜRFEN an[...]passen", wenn dieses Land ihr eigenes Land ist, sprich: Deutschland? Denn nach dem deutschen Gesetz sind Deutsche alle die, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (§ 1 StAG).

Inwiefern gelten für deutsche Staatsbürger bestimmte Kleidungsvorschriften?
Unterrichten etwa alle Lehrerinnen in Bayern im Dirndl?

Anders gefragt: Wie ist es denn in Deutschland üblich, dass "Frauen [...] durch die Gegend laufen"?
So farbenfroh gekleidet wie Claudia Roth oder eher pastell-einfarbig wie Angela Merkel?
Eher mit Lena-Meyer-Landrut-Tatoo oder eher mit Bettina-Wulff-Tatoo oder gänzlich ohne?

Kurz und knapp: Ich ermuntere Sie, hier doch mal darzulegen, wie Frauen in Deutschland sich Ihrer Auffassung nach zu kleiden haben! Von den Socken bis zu den Haarspitzen.

Andererseits können wir natürlich auch die kulturgeschichtlich-religionspolitische Debatte führen, die eigentlich dahinter steckt.

Herzlichst
am Rande

PS: Der Anpassungswille von Deutschen in Ausland - etwa hinsichtlich des Erlernens der jeweiligen Sprache, des Respektieren fremder Gepflogenheiten, des Akzeptierens anderer Lebens- und Arbeitsweisen wäre im Übrigen ein eigenes Thema ;-)

"ich vermute doch, dass die beiden nordrhein-westfälischen...

...Beamtinnen sind - also auch deutsche Staatsbürgerinnen."

Genau darum geht es doch!

Sie sind (vermutlich) Beamtinnen, also im Staatsdienst.
Aus diesem Grund haben sie sich in den Schulen, in denen sie unterrichten, religiös neutral zu verhalten.

Es geht hier nicht um einen Modetrend, dem diese Lehrereinnen fröhnen sondern sie klagen explizit mit Hinweis auf die Religionsfreiheit.
Also wollen sie das Tragen eines religiösen Symbols auf ihren Köpfen gerichtlich einklagen.
Sie wollen gegen die ihnen auferlegte Neutralität klagen.

Eine andere Debatte

Lieber J.E.B.,

d'accord!

Aber dann haben wir hier eine andere Debatte als sie oben Lischenbauer angeschnitten hat, im O-Ton:

"Migranten haben sich an das Land in dem sie leben DÜRFEN anzupassen [...]. Wenn die Frauen Kopftücher tragen wollen, können sie es in ihren 4 Wänden machen oder in den extra gebauten Moscheen. In Deutschladn ist es nicht üblich, dann Frauen vermummt durch die Gegend laufen, deshalb sollte das von Moslimen respektiert werden."

Was Sie ansprechen ist etwas völlig anderes: Also die Realisierung der staatlichen Neutralität in Weltanschauungsfragen im staatlichen Raum. Wie ist der Staat neutral?

Ist es neutral nichts zuzulassen - somit indirekt einen bestimmten a-religiösen Standpunkt einzunehmen,

oder

ist es neutral, nur bestimmte religiöse Symbole zuzulassen,

oder

ist es neutral, hier keinen Standpunkt zu beziehen - d.h. allen Symbolen gegenüber offen zu sein - Kopftüchern, Kippas, Kreuzen und dem legendären Spaghettimonster-Hut.

Wir können uns gerne darüber unterhalten, dem Beitrag von Lischenbauer entnahm ich aber ein solches Anliegen nicht. Daher meine Replik an ihn.

Herzlichst
am Rande

"ist es neutral, nur bestimmte religiöse Symbole...

...zuzulassen"

Ich bin atheist und somit kein Verteidiger irgendwelcher (auch christlicher) Sambole.

Jedoch sehe ich im Kruzifix an der Wand eines Klassenzimmers eine völlig andere Botschaft als es das Kopftuch vor allem an die weiblichen Schüler aussendet.

Meinetwegen soll die staatliche Neutralität grundsätzlich a l l e weltanschaulichen Symbole in öffentlichen Einrichtungen verbieten.

Im Grunde gebe ich Ihnen Recht, aber...

warum sollte ich mich als Angehöriger einer Religion zur Neutralität verpflichtet fühlen, wenn Symbole einer anderen Religion, obwohl durch das Grundgesetz klar anders definiert, von der Neutralität ausgenommen werden?:

"Praktisch alle der seit 2004 folgenden acht Ländergesetze waren Anti-Kopftuchgesetze und nahmen von der Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität – mal der Lehrenden, mal aller öffentlich Bediensteten – christliche Symbole ausdrücklich aus."

Ich halte es für sinnvoll Religionsunterricht im Sinne von Wissen ÜBER Religionen zu vermitteln, allerdings nicht Ansichten VON Religionsgemeinschaften. In diesem Punkt stimme ich also mit Ihnen überein. Allerdings sollte dieser Punkt dann auch bitte ALLE Religionen betreffen! In diesem Sinne ist die Klage der beiden Muslima nur allzu verständlich.

Von wegen Anpassung!

In der Türkei ist den Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuches in der Türkei untersagt. Ebenso übermäßiges Schminken.
Sie haben sachlich und neutral aufzutreten.

So hat es mir meine Schwägerin, Grundschullehrerin in der Türkei, erklärt.

Insofern verlangen die beiden Klagenden etwas, das in der Türkei nicht möglich wäre.

Sollte der Koran-Unterricht in die Schulen verlegt werden, was ich eigentlich sehr begrüßen würde, so schreibt der Islam vor, beim Rezitieren des Koran den Kopf zu bedecken.
Dies kann aber durch ein locker übergelegtes Tuch oder Schal geschehen.

Dieses Kopfbedecken bei religiösen Handlungen ist nicht typisch muslimisch, sondern wurde lange Zeit für Frauen auch in Kirchen gepflegt, z.B. durch einen Schleier in Spanien, durch eine Kopfbedeckung für Frauen in einer Synagoge.

Ich wäre für ein Kopftuchverbot an deutschen Schulen mit der Ausnahme, beim Religions-Unterricht den Kopf locker bedecken zu dürfen.

schlimmer

"Andererseits können wir natürlich auch die kulturgeschichtlich-religionspolitische Debatte führen, die eigentlich dahinter steckt."

es sind immer noch "die" also "die anderen" - ob sie hier geboren sind ist wurst, ob sie seit ihrer kindheit nichts als deutsch reden, deutsch denken und sich völlig heimisch fühlen ist völlig wurst. sie tragen kopftuch und sind "migranten" müssen sich also anpassen- was immer das auch heißt und woran es gemessen werden kann ist zwar fraglich, aber das haben sie ja schon dargelegt...
wenn diese "migranten" dann pech haben ist ihre haut auch noch dunkler - das ganze werden sie dann also nie mehr los, sie stehen unter verschärfter beobachtung und wenn ihr kind was klaut heisst es: "seht, diese migranten", wenn sie zufälliger weise einer religion angehören die gerade schlechte pr hat: "seht, diese migranten", wenn sie falsch parken: "seht, diese migranten"...

argumente sind da zwecklos, es steckt zu tief drin. ohne feindbilder ist die welt zu verwirrend...

Lesen sie bitte das Grundgesetz durch. Wir haben die sogennante Religionsfreiheit, die Aufgabe des Staates ist Minderheiten, wie diese zu schützen. Jeder darf frei entscheiden was er trägt ich dürfte mit einem T-Shirt auf dem Stalin, der Papst oder Hernán Cortés abgebildet sind durch die Straßen laufen. Wir brauchen kein deutsches Leitbild, wir brauchen ein Leitbild nach den Menschenrechten. Aber aus der Geschichte lehrnt man ja so schlecht und am deutschen Wesen soll die Welt genesen.

Überschrift entfernt. Bitte achten Sie auf Ihren Ausdruck. Danke, die Redaktion/se

Sie haben mich komplett falsch verstanden!

Lieber ErnstButterschmalz,

ich fürchte, Sie haben meinen Kommentar, auf den Sie sich beziehen exakt um 180 Grad herum falsch verstanden.

Ich wollte als Gegenrede zum Kommentar #2 zur Geltung bringen, dass sich die beiden klagenden Lehrerinnen eben NICHT "an das Land in dem sie leben DÜRFEN anzupassen" haben (das Zitat stammt aus #2).

Sie haben mich komplett falsch verstanden. War ich so unklar? Wenn ja, Verzeihung!

Herzlichst
am Rande

Widerspiegelung der gesellschaftlichen Realität (1)

Liebe lischenbauer,

Zunächst einmal dürfen Schülerinnen das Kopftuch tragen - das Argument trägt also nicht.

Die Frage hier ist vielmehr, ob der Staat - meinetwegen in festzulegenden Grenzen - bestimmte weltanschauliche Symbole in seinem Raum dulden sollte oder nicht.

Meine Position ist lediglich, dass eine Widerspiegelung der gesellschaftlichen Realität in Weltanschauungsfragen auch in der Schule widergespiegelt werden sollte.

Das gilt für religiöse wie nicht religiöse Weltanschauungen, sofern sie den Kriterien des GG genügen.

Eine solche Abbildung der gesellschaftlichen Realität dieses Landes auch in der Schule empfinde ich hilfreicher, als die Trennung von schulischer Realität und gesellschaftlicher Realität.

Das ist meine These. Mehr nicht.

Überdies wundere ich mich über die Gegenargumente:

Die BRD ist kein laizistischer Staat - jedes laizistische Bemühen erfordert erst einmal eine Verfassungsänderung - von der Präambel bis zum Artikel 140 GG. Insofern verteidige ich das GG.

Einen Untergang des Abendlandes sehe ich auch nicht aufgrund eines Stoffstücks kommen. Wer um das Abendland fürchtet, soll sich in der Kirche oder in atheistischen (sog. "humanistischen") Verbänden engagieren. Dort kann man das "Erbe des Abendlandes" besser pflegen, als im Kopftuchstreit. Sonst gibt's am Ende weder Kopftücher noch Abendland.

(...)

Widerspiegelung der gesellschaftlichen Realität (2)

Schließlich das Beamtenrecht-Argument: Der Staat und seine Diener haben neutral zu sein. Hier meine ich, dass Neutralität nicht zwangsläufig Verzicht heißen muss. Neutralität kann auch eine Neutralität der Vielfalt gegenüber sein: Man lässt die verschiedenen Weltanschauungen zu, toleriert sie gleichberechtigt und ist auf diesem Wege neutral.
Das hieße auch, der Staat ist neutral eingestellt zur weltanschaulichen Vielfalt, wie sie auch das GG festschreibt.
(Am Rande gesagt: Wer hier staatliche Neutralität fordert, der hat sicherlich auch nichts gegen die Berufsverbote gegen Lehramtsanwärter in den 70er und 80er Jahren gehabt - auch diese Berufsverbote erfolgten aus Gründen einer Weltanschauung.)

Herzlichst
am Rande

PS: Die Anreden hier im Forum sind in der Tat ein Problem. In der Regel benutze ich aus der Not heraus, mein Gegenüber nicht zu kennen, das generische Maskulinum - unter allen grammatisch zulässigen Möglichkeiten ist es die neutralste.
So auch bei Ihnen.
Dann habe ich das lischen falsch verstanden, nämlich als lisch-en und nicht als lis-chen. Vermutlich gab überdies die Endung auf -bauer noch den Ausschlag.
Nun aber weiß ich es besser ;-)

SMALL-MINDED

schön gesagt... wen interessiert's was heutzutage die leute überhaupt tragen? die schüler sollten auch nur an dem interessiert sein was sie gelehrt bekommen und nicht wie die lehrer angezogen sind. noch besser ist es dass die schüler meistens zuhause eltern haben die auch die welt vertändlicher machen sollten. and believe it or not erziehung sollte in erster linie zuhause statt finden und nicht in der schule. also, open your eyes and your mind (that is, if you have one) ;)

Wovon ...

>> In Deutschladn ist es nicht üblich, dann Frauen vermummt durch die Gegend laufen, ... <<

reden Sie da eigentlich? Hier geht es nicht um einen Vollschleier, sondern um ein Kopftuch. Von "Vermummung" kann da wohl kaum die Rede sein. Das nur mal so als Hinweis.

Ich persönlich plädiere für ein Kopftuchverbot, im Sinne eines Vorbots sämtlicher religiösen Symbole in Schulen und Ämtern. Sonst nimmt sich womöglich noch ein "Pastafarian" ein Beispiel an diesem Österreicher und erscheint mit Nudelsieb auf dem Kopf zum Unterricht :-)

Kopftuch als Symbol

Sie haben es gut auf den Punkt gebracht. Ich kann Ihnen da nur zustimmen!

Die Kopftuchgegner sind m.E. häufig nicht ehrlich in ihrer Argumentation. Meistens steckt Intoleranz und Islamophobie dahinter; das Kopftuch ist da nur ein gerne aufgebauschtes Symbol. "Die" sollen sich gefälligst "anpassen", wenn sie schon (vielfach als deutsche Staatsangehörige) hier "leben dürfen". Ich finde das doch reichlich entlarvend...

Bezüglich religiöser Symbole generell ist doch klar, dass der Staat natürlich das Recht hat, gesetzlich zu regeln, wie er es mit der Religion in der Schule hält.

Ein "Kopftuchgesetz" ist nicht möglich, da es gegen das Grundgesetz (Diskriminierungsverbot) verstossen würde, wohl aber ein Gesetz, dass ausnahmslose alle religiösen Symbole in der Schule verbietet. Das heisst dann auch konsequenterweise ein Verbot christlicher Symbole in welcher Form auch immer.

Bin schon jetzt gespannt auf die Reaktion der Kopftuchgegner, wenn der erste Lehrer wegen Tragens eines Halskettchens mit Kreuz vom Unterrichten ausgeschlossen wird oder der Geistliche, der seinen Talar trägt, nicht mehr zum Religionsunterricht in die Schule gelassen wird.

Perücke

Observante (orthodoxe) jüdische Frauen, die verheiratet sind, tragen in der Regel eine Perücke, und zwar nicht nur in der Synagoge. Die Gründe dafür sind praktisch dieselben wie bei den muslimischen Kopftuchträgerinnen.

Diese hätten die gleichen (in diesem Fall antisemitisch grundierten) Schwierigkeiten zu erwarten wie die genannten muslimischen Kopftuchträgerinnen, sollten sie in einer öffentlichen Schule unterrichten.

Anpassung hier und dort

"Genau so würde eine deutsche Frau sich in der Türkei anpassen und nicht halb nackt rumlaufen."

Da haben Sie aber eine Ahnung! Gehen Sie mal zu den türkischen Strände und gucken, wie sich die deutschen Frauen dort sonnen dürfen.

Und das KT-Verbot hat mit der Anpassung gar nichts zu tun.
Es geht ums Prinzip. Wenn der deutsche Staat mir Religionsfreiheit garantiert, dann muss er dies auch in die Tat umsetzen. Egal, ob Migrant oder kein Migrant.

Freiheit des Anderen?

Von welcher Freiheit reden Sie denn? Die Freiheit, Frauen zu zwingen, ein Kleidungsstück auszuziehen, was sie anhaben wollen? Genau dieser Zwang ist ja die Unterdrückung der Frau.
Es ist respektlos gegenüber einer Frau, sie zu zwingen, ihre Blöße zu zeigen. Da spielt es keine Rolle, ob Haare für Sie Blöße bedeutet oder nicht. Für die muslimische Frau ist es so.

Ich rede..

von dem Recht/der Freiheit auf religiöse Selbstbestimmung.

Ich bin der Meinung, Sie sollten auch die Ursache des Verbotes bei Ihren Überlegungen berücksichtigen.

Diese liegt nämlich keinesfalls in der Absicht Sie zu diskriminieren, oder Sie Ihrer Freiheiten zu berauben - sondern im Gegenteil darin andere vor Ihnen zu "schützen". Dabei ist es völlig belanglos, ob Sie Muslima, Christin, Jüdin, Buddhistin oder ähnliches sind (Die Duldung christlicher Symbole ist in der Hinsicht ein anderes Thema und stößt bei mir auch auf absolutes Unverständnis).

Ich möchte lediglich das Dilemma aufzeigen, in dem sich der Staat befindet.
Auf der einen Seite steht die Religionsfreiheit, auf der anderen die Selbstbestimmung seiner Bürger, die durch das Tragen religiöser Symbole (vielleicht subtil, unbewußt und ungewollt) beeinflußt wird.
Aus dem nahezu identischen Grund (politische Willensbildung) haben wir damals aus keinem unserer Lehrer herausbekommen welche Partei sein X bei den nächsten Wahlen bekommt. Sie sind als Lehrerin in einer verantwortungsvollen Rolle und tragen maßgeblich zum charakterlichen Werdegang Ihrer Schüler eine Rolle.
Aber *gerade weil* in diesem Land die Religionsfreiheit herrscht darf der Staat nicht auf diese Weise in diese Willensbildung eingreifen.

Und genau das ist der Punkt, der dieses Thema so vielschichtig und kompliziert macht.

lg

Das ist frauen- und freiheitsverachtend.

Sie schreiben: "Es ist respektlos gegenüber einer Frau, sie zu zwingen, ihre Blöße zu zeigen. Da spielt es keine Rolle, ob Haare für Sie Blöße bedeutet oder nicht. Für die muslimische Frau ist es so."

Sie reden über die Köpfe "der" muslimischen Frauen hinweg. "Die" muslimische Frau "als solche", wie Sie dies gern hätten, gibt es glücklicherweise in unserem inzwischen freien Land nicht. Sie vertreten ein Rollenbild, wie es Islamfunktionäre in Deutschland gern verbreiten.

Wenn in unserem Land eine Frau ihren Kopf zu ihren "Blößen" zählt - zu ihrer Schamgegend -, dann ist entweder in der - häuslichen und/oder schulischen - Erziehung etwas gründlich schiefgelaufen.

Und wenn die diese reaktionäre Gesinnung nicht so absurd wäre, könnte man sie mit gutem Recht als Frechheit gegenüber allen Männern auffassen. Denn nach dieser Doktrin soll ja das Kopftuch vor "männlichen Begierden" schützen, die der Mann als solcher angeblich beim Anblick weiblichen Kopfhaares nicht mehr zu zügeln weiß.

Schade, dass viele muslimische Frauen derzeit offenbar eine Menge Mut benötigen, wenn sie das Kopftuch in freier Entscheidung ablegen und sich dennoch als gläubige Musliminnen sehen.

Schutz

"...sondern im Gegenteil darin andere vor Ihnen zu "schützen". Dabei ist es völlig belanglos, ob Sie Muslima, Christin, Jüdin, Buddhistin oder ähnliches sind"

Vor mir zu schützen? Ich wurde in der Grundschule von einer Schwester in Ordenstracht unterrichtet und hatte nie das Bedürfnis, geschützt werden zu müssen.
Woher kommt es, dass die Schüler vor einer Muslimin geschützt werden muss?

Liebe nolies..

.. bitte fassen Sie diesen Satz nicht als Beleidigung gegen Ihre Person oder Ihren Charakter auf.

Sie haben den Satz direkt mitzitiert, in dem ich geschrieben habe, daß die Religionszugehörigkeit dabei keine Rolle spielt.
Es geht nicht darum, daß man vor "einer Muslima" schützen muß, sondern - und diese Erklärung habe ich ein paar Sätze später geliefert - davor, daß Sie Einfluß haben auf die (religiöse) Selbstbestimmung derjenigen, die Ihnen anvertraut wurden.

Das träfe genau so auf eine Lehrerin in Ordenstracht zu. Oder auf einen Lehrer mit Kippa.

Wenn solche Einflüße an Ihnen abgeprallt sind, ok.. Das können Sie aber leider nicht für alle geltend machen.

Schwester in Ordenstracht

Die Schwester hat die Ordenstracht sicher nicht angelegt, weil sie dazu _als Frau_ verpflichtet sah, es war hoffentlich immer noch ihre persönliche Entscheidung.

@nolies, bei allem Respekt für Ihre persönliche Entscheidung zum Tragen der Kopfbedeckung - die in unserem freien Land Ihr Recht als Privatperson oder in Ihrer Freizeit ist -: Sie müssen es ertragen, dass man eine persönliche Einstellung, wie Sie sie in Nr. 422 beschreiben, als religiösen Fundamentalismus bezeichnet, den man auch bei manchen Christen beobachten kann.

Sicher wissen Sie auch, dass nicht nur Sie sich verletzt fühlen können, sondern dass auch nicht wenige Frauen - u.a. in diesem Forum - Ihre Auffassungen als verletzend empfinden können.

Der Grund: Es kann der Eindruck entstehen, dass nach Ihrer Auffassung eine nicht Kopftuch tragende Frau nicht keusch, nicht fromm, nicht anständig sei: weil es nämlich auf das Kopftuch ankomme, um Keuschheit, Frömmigkeit, Anständigkeit zu zeigen.

Den Eindruck einer "religiösen Pflicht" vermitteln derzeit auf mich und andere eine Reihe von Imamen und Islamfunktionären. Und weil Religionsfragen oft auch Machtfragen sind, geht es hier u.a. darum, welche Machtansprüche eine offene Gesellschaft toleriert und welche nicht. Wenn all diese religiösen "Vorschriften" und damit Machtansprüche, insbesondere gegenüber Frauen, im hier vertretenen Islam nicht wären, würde man Ihnen genauso entspannt entgegentreten können wie den von Ihnen erwähnten Ordensschwestern.

Ob es "die" meisten sind, und nicht vielmehr

nur die meisten orthodoxen jüdischen Frauen?
Immerhin gibt es ja auch noch das konservative und das Reform-Judentum ...

So wie auch nicht alle Musliminnen Kopftuch, Niqab oder Burka tragen ... unabhängig davon, wie wichtig ihnen ihr Glaube ist.

Zitat:
"soviel mir bekannt ist, tragen die meisten Frauen aufgrund des Gebotes, ihren Kopf zu bedecken, in er Synagoge eine Perücke statt Kopftuch."

Touristen != Migranten

»Da haben Sie aber eine Ahnung! Gehen Sie mal zu den türkischen Strände und gucken, wie sich die deutschen Frauen dort sonnen dürfen.«
Wer hat denn die Strandabschnitte dafür freigegeben?
Wer hat die Baugenehmigungen für die Hotels erteilt?
Wer fördert den Tourismus und lockt diese Deutschen in die Türkei?
Es waren sicherlich nicht die Touristen.

»Es geht ums Prinzip. Wenn der deutsche Staat mir Religionsfreiheit garantiert, dann muss er dies auch in die Tat umsetzen. Egal, ob Migrant oder kein Migrant.«
Genau diese Freiheit ist Ihnen gegeben. Keiner Behindert Sie beim beten. Keinern behindert Sie dabei einen Tempel ihrer Religion einzurichten oder zu besuchen. Keiner behindert Sie beim denken an Ihre Religion. Keiner behindert Sie beim tragen der Kopftuches ...

Das Problem liegt in den verschiedenen Kulturen. Die kleinere, zugewanderte Kultur fordert von der ortsansässigen (ca 80 Mio.), dass sie gefälligst ihre vielen relig. Symbole und Handlungen in staatl. Institutionen zulässt und das macht vielen Angst.
Im Grunde will diese Minderheit etwas erzwingen, obwohl Alternativen vorhanden sind - keiner Zwingt eine KT-Frau in einer staatl. Schule zu unterrichten.

Keiner zwingt Sie sich zu entblößen

»Von welcher Freiheit reden Sie denn? Die Freiheit, Frauen zu zwingen, ein Kleidungsstück auszuziehen, was sie anhaben wollen?»

Nicht einer der Foristen oder der "normalen" dt. Bevölkerung verlangt von Ihnen, dass sie sich entblößen. Diesen von Ihnen suggerierten Zwang gibt es nicht.

Der Zwang kommt doch von der anderen Seite, die verlangt, dass gefälligst alle staatl. Institutionen Ihre Symbole ofiziell zulassen soll. Die Minderheit fordert von der Mehrheit.... und damit ist das Ganze doch erst in rollen gekommen.

Sie haben's nicht verstanden

Nein, es geht vor dem Verfassungsgericht eben nicht darum, ob "ihre Symbole" generell zugelassen werden sollen.

Es geht darum, ob bestehende landesgesetzliche Regelungen gegen das im Grundgesetz verankerte Diskriminierungsverbot verstossen. Das ist offensichtlich in zahlreichen der entsprechenden Landesgesetze der Fall.

Bitte lesen Sie doch erst den Artikel, bevor Sie Kommenatre verfassen.

.....

Wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird…

„Praktisch alle der seit 2004 folgenden acht Ländergesetze waren Anti-Kopftuchgesetze und nahmen von der Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität – mal der Lehrenden, mal aller öffentlich Bediensteten – christliche Symbole ausdrücklich aus.“

Entweder haben wir Religionsfreiheit oder nicht. Und dann sollte man die Religionen auch gleich behandeln.

Sie schrieben:

"Entweder haben wir Religionsfreiheit oder nicht. Und dann sollte man die Religionen auch gleich behandeln."

Religionsfreiheit ist keine Freiheit von allen Bindungen. Insbesondere nicht vom Vorrang der demokratischen Ordnung.

Wenn die Auslegung einer Religion in grotesker Weise die Menschenrechte ignoriert, ist die Grenze der "Gleichbehandlung" überschritten.

Im Artikel ging es ja um NRW. Dies wird dort im christlichen Relgionsunterricht - verbindlich! - gelehrt:

http://www.standardsicher...

Dort auch der ausdrückliche Bezug auf die demokratische Verfassung des Landes als Grundlage (!) des Unterrichts.

http://www.standardsicher...

Für den Islam gibt es bisher - noch - keinen Religionsunterricht. Glücklicherweise! möchte man anfügen, wenn man als Vorgeschmack die Position des "Zentralrats der Muslime" e.V. zur Kenntnis genommen hat, der von der Landesregierung NRW offenbar als einer der islamischen Ansprechpartner auserkoren wurde. Laut ZMD sollen Muslime sich nur so lange an die Verfassung halten, wie dies nicht "im Widerspruch zum Islam" steht.

Absolut kein Scherz: Auch wenn man es für Satire halten möchte, so ist es doch Realität.

http://islam.de/1641.php#...

Nichts Neues unter der Sonne - nur Veränderungen

zu 89

hallo, ich habe mal reingelesen in den von Ihnen angegeben Link. Es gibt immmer und überall Ausnahmen - so schlimm ist es also nicht. Erinnert mich sehr an die früher erzkatholischen Rituale mit denen die Menschen traktiert worden waren um nicht zu sündigen und in den Himmel zu kommen.

Mal sehen, wie es bei den Muslimen weiter geht. Auch da gibt es die unterschiedlichsten Strömungen. Ansich sollte uns so etwas nichts Neues sein.

.....

Ja, wenn man sich auf den Islamseiten umsieht kann einem angst werden. Aber die meisten Moslems sind genau so gute Moslems wie die meisten Christen. Also schlechte. Sie gehen davon aus, dass jeder Moslem alle diese Regeln befolgt. Dem ist aber nicht so. Ich habe ziemlich viel mit Moslems zu tun. Alle, die ich besser kenne trinken Alkohol und keiner macht den Ramadan mit. Es gibt immer ein paar Typen, die fanatisch sind, aber das ist nicht die Regel.

Es liegt mir auch fern den Islam zu propagieren. Ich bin überzeugter Atheist. Aber mittlerweile, und es hat ein paar Monate gebraucht, sehe ich keinen Grund mehr mich vom Islam bedroht zu fühlen. Ich werde meine Kultur oder Unkultur weiterhin praktizieren und ich sehe auch keine Einschränkung, obwohl ich –wie gesagt- recht viel mit Moslems zu tun habe.

Ich habe in meinem Kommentar Nr. 4 darauf hingewiesen, dass die Religionen gleich behandelt werden sollten, wenn in Deutschland Religionsfreiheit herrscht. Eine umfassende Säkularisierung des Staats wäre mir aber am liebsten.

.....

Also alle Religionen raus aus der Schule. Und dann wäre ich dennoch dafür, dass Lehrerinnen ein Kopftuch tragen sollten dürfen. Weil kopftuchtragende Frauen ein fester Bestandteil deutschen Alltags sind. Weil viele Schülerinnen auch welche tragen, die Vorbilder brauchen könnten.

Ich will, dass Kopftuchmuslimas in Technoclubs neben mir auf der Tanzfläche sehen (habe ich noch nie) und dass es normal ist, wenn eine kopftuchtragende Zahnarztfrau Werbung für irgendeine Zahnpasta macht. Erst dann werden wir endlich diese verdammte Diskussion hinter uns lassen können.

Trivial

Ich glaube langsam, Sie haben den Artikel den Sie kommentieren, nicht wirklich gelesen.

Es geht nicht um islamischen Religionsunterricht, sondern um kopftuchtragende Lehrerinnen.

Übrigens, islamischer Religionsunterricht in der Schule hat sich wie jeder andere Unterricht nach dem geltenden Curriculum zu richten. Dass dieses Curriculum der demokratischen Grundordnung entspricht, ist ja wohl ziemlich trivial. Also worüber ereifern Sie sich eigentlich?

Dito!

Jeglicher Religionsunterricht gehört aus staatlichen Schulen entfernt und alle religiöse Symbolik ebenso.
Das Argument pro Religionsunterricht an staatlichen Schulen ist ja die Transparenz. Ob die gegeben ist, sei dahingestellt. Nichts desto trotz wäre es auch bei diesen Unterrichten angebracht, dass Lehrer sich neutral kleiden - ohne Kopftuch und eben auch ohne Kreuz

... hat nichts damit zu tun ...

Lieber octavian,

zunächst einmal hat der oben geschilderte Fall nichts mit dem Religionsunterricht (RU) zu tun, denn die beiden Lehrerinnen sind wohl kaum christliche RU-Lehrerinnen.

Da es noch keinen islamischen RU gibt, werden die Frauen wohl andere Fächer unterrichten. Wenn die Lehrerinnen bspw. Deutsch und Musik unterrichten, sollten dann wohl eher diese Fächer ausgelagert werden.

Schließlich fragen Sie nach dem "Bildungsauftrag für Religionen an Schulen (zumindest staatlichen) in Deutschland".

Nun, da hilft ein Blick ins Grundgesetz: Im Art. 7 finden Sie das einzige ordentliche Unterrichtsfach, das verfassungsrechtlich geschützt ist - und jetzt raten Sie mal, um welches es sich dabei handelt.

Herzlichst
am Rande

Es gehört zur "Allgemeinbildung"...

zu wissen was Weihnachten, Passahfest, Zuckerfest etc. Wer Mohammed, Jesus, Buddah usw. sind.
Darum gibt es auch Religionsunterricht. Ich für meinen Teil habe in der Schule auch etwas über Religionen gelernt, die nicht unbedingt dem Namen des Faches entsprachen.
Vielleicht hätten die einen oder anderen Kommentare eine etwas freundlichere Note, wenn die Damen und Herren Verfasser etwas mehr über beispielsweise den Koran wüßten.
...

Ich kann Ihnen da nur...

beipflichten. Das dies überhaupt heutzutage noch ein Thema ist, worüber eine zum Teil, unwürdige Diskussion stattfindet, ist beschämend. Wann lernen die Religionen, daß die meisten Menschen heutzutage, nichts mehr damit am Hut haben, bzw. je hatten??? Ich kann ClaudiusP nur beipflichten zu seiner Aussage, daß er nicht wünscht, daß seine Kinder irgendeinen Religionsunterricht vorgesetzt bekommen. Egal welchen!!! Es ist fast zum Heulen, wenn man sieht was heute so alles passiert auf dieser Welt und wir disskutieren über Kopftücher, ja oder nein, einfach nur arm, sehr arm!!!

Nur der guten Ordnung halber:

Korrektur zu @RS-Optimist , KNr. 63:

Anders als Sie vermuten, hatte ich mich in meinen Kommentaren nur zum engeren Artikelthema geäußert - allgemeines Kopftuchverbot für Lehrerinnen an unseren Schulen -, nicht aber zum weiter gefassten Thema Religionsunterricht. Das "Dito" des nachfolgenden Kommentars, dass offenbar zu Ihrem Missverständnis geführt hat, bezog sich wohl auf Nr. 5.

Es sei aber bei dieser Gelegenheit festgehalten:

Man mag zum christlichen Religionsunterricht an Schulen stehen, wie man will. Die Inhalte des evangelischen und katholischen Religionsunterrichts sind jedenfalls von dem, was z. B. die Ditib oder der ZMD zum Besten geben, nicht etwa meilenwert entfernt. Sondern Lichtjahre.

Beispiel NRW, u.a. die ausdrückliche demokratische Verankerung: "[Der evangelische Unterricht] gründet seinen Bildungs- und Erziehungsauftrag auf die Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen."

http://www.standardsicher...

sowie

http://www.standardsicher...

Dagegen:

http://islam.de/1640

Bei letzterem: Detaillierte Verhaltensvorschriften bis ins Kleinste, diverse Sonderregelungen nur für Frauen, Verbote "ohne Ende". Je nach eigener Nervenstärke also: zum Fürchten oder zum Kopfschütteln.

@ 63.

"Wann lernen die Religionen, daß die meisten Menschen heutzutage, nichts mehr damit am Hut haben, bzw. je hatten???"

Das halte ich für ein Gerücht. Aber ganz abgesehen davon: Was ist denn an Religionsunterricht so schlimm? Die Religion hat schon immer zur Menschheit gehört, war immer Teil unserer und aller anderer Kulturen. Daß sie dabei auch auf Abwege geraten ist, bestreitet niemand. Trotzdem ist es meiner Ansicht nach zu weit hergeholt, deshalb den Religionsunterricht aus den Schulen zu verbannen. Das ist ja, als würde man keine Politik mehr lehren, nur weil es bspw das Dritte Reich gab. Vielleicht sollte man die Religion nicht als totalitäres Regime begreifen, sondern vielmehr als einen Weg, durch den die Menschheit seit Anbeginn ihrer Tage versucht zu erkennen, was die Welt im Inneren zusammenhält (um es mal mit Goethes Worten ausdrücken). Insofern lassen sich da sogar Parallelen zu Naturwissenschaften wie Biologie oder Astronomie ziehen. Ich selbst gehöre keiner Konfession an, bin aber der Meinung, so lange der Religionsunterricht ohne den Versuch der "Bekehrung" vermittelt wird, spricht nichts dagegen. Im Gegenteil - ich bin sogar eine Befürworterin des Religonsunterrichtes, gerade weil die Religion so ein wichtiger Teil jeder Kultur ist.

Seh ich auch so!

Religionsunterricht hat nichts an Schulen zu suchen! Auch religiöse Symbole sollten aus Schulen ausgeschlossen werden, dann aber auch ohne Ausnahme, wie es in anderen Ländern der Fall ist.

@RIL819: Ja es gehört zur Allgemeinbildung. Aber warum nicht ein neutrales Unterrichtsfach schaffen, dass dieses Wissen vermittelt? Ich kenn dies aus Lettland, dort gibt es ein Fach "Kulturgeschichte". Dort werden sämtliche Weltreligionen aus einem objektiven Blickwinkel betrachtet.

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