Politikbewusstsein Politische Bildung in Gefahr
Politik und Bürger entfremden sich zusehends. Doch statt in politische Bildung zu investieren, kürzen die Ministerien die Förderung und setzen auf kurzfristige Projekte.
Wenn es ernst wird, ist Katja Fiebiger zur Stelle: Überforderte Kommunalpolitiker fragen sie um Rat, wenn sie nicht wissen, wie sie mit Rechtsextremen in ihren Stadtparlamenten umgehen sollen, besorgte Eltern holen sich bei ihr Hilfe, wenn ihre Kinder nach rechts abdriften und Bürgerbündnisse setzen auf ihr Fachwissen, wenn sie gegen Neonazis mobil machen. Seit zehn Jahren arbeitet die Erfurterin mit dem Verein MOBIT (Mobile Beratung in Thüringen) gegen Rechtextremismus – eine Aufgabe, die zunehmend schwieriger wird. Und zwar nicht, weil die Rechten im Aufwind wären, sondern weil Fiebiger mit den Behörden zu kämpfen hat.
Weil der Bund die Zuschüsse gekürzt hat, ist der Verein seit einiger Zeit darauf angewiesen, dass das Land die Kofinanzierung übernimmt. "Unsere Arbeit wird jetzt vom Bund und Land evaluiert, für uns bedeutet das doppelten Verwaltungsaufwand und doppelt so viel Lobbyarbeit ", sagt Fiebiger. Für einen Verein mit nur sieben Angestellten sei das kaum noch zu schaffen.
Der Fall des Erfurter Vereins zeigt exemplarisch, worunter die Anbieter politischer Bildung zunehmend leiden. Die öffentlichen Geldgeber kürzen die Mittel für die außerschulische politische Bildung, die Akquise wird zunehmend komplizierter. Und das, obwohl die Angebote dringend gebraucht werden: Parteien fehlt der Nachwuchs, viele Jugendliche wollen mit Politik nichts zu tun haben und wissen kaum etwas über die deutsch-deutsche Vergangenheit.
Ausgerechnet mit der politischen Bildung bricht die Bundesregierung ihr Versprechen, den Bildungsbereich vor Einsparungen zu verschonen. Besonders deutlich zeigen das die Einschnitte bei der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), die unter anderem freie Träger in ihrer Arbeit finanziell unterstützt. Das Bundesinnenministerium kürzte die Mittel für die BpB im laufenden Jahr um 1,55 Mio. Euro, weitere Kürzungen in Millionenhöhe sind bereits angekündigt. Die 400 geförderten Einrichtungen und Träger sollen bis 2014 mit 5,2 statt mit 6,8 Millionen Euro auskommen – ein Rückgang um knapp 24 Prozent. "Viele Träger geraten in existentielle Not, dem gesamten Netz der politischen Bildung droht eine Zerreißprobe", fürchtet Daniela Kolbe (SPD), die stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Bundeszentrale, in dem Bundestagsabgeordnete aller Parteien vertreten sind. Das Innenministerium wiegelt ab. "Die knappen Mittel müssen nun mal nach den Prioritäten verteilt werden", sagt ein Sprecher ZEIT ONLINE und macht deutlich, dass der Bereich der inneren Sicherheit Vorrang habe. SPD-Politikerin Kolbe hält diese Schwerpunktsetzung für falsch: "Die Feuerwehr baut man aus, aber den Brandschutz lockert man."
Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt, dass seit Anfang des Jahrtausends auch vom Bundesjugendministerium das Budget für politische Bildung zusammengestrichen wurde. Einfacher zu verstehen wäre das, wenn davon vor allem Bildungsträger betroffen wären, die weniger wirkungsvolle Angebote machen. Doch das scheint nicht der Fall: "Gekürzt wird trotzdem mit der Rasenmähermethode", sagt Achim Schröder. Der Forscher der Hochschule Darmstadt hat selbst Bildungsangebote für das Jugendministerium ausgewertet. Das Problem dabei: "Die genaue Wirksamkeit einer Veranstaltung zu messen, das ist fast unmöglich", sagt Schröder. Erkennen kann man höchstens, welche Einrichtungen "mehr mit der Zeit gehen" unddass sich Förderprogramme insgesamt auszahlen. Evaluationen, bilanziert der Hochschullehrer, dienten der Politik in erster Linie als Rechtfertigung, dass überhaupt Geld in die politische Bildung fließt.
- Datum 26.08.2011 - 16:42 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Dass politische Bildung abgebaut wird, ist unserer Lobbykratie doch recht und billig. Auch den Medien fällt es dann leichter Kampagnen durchzuboxen. Gell...
Gerade, wenn man sich in politischen Foren umsieht und sieht, wie häufig man platten Argumenten begegnet, bei denen man objektiv sagen kann, dass diese mit ein paar Euro und Stunden politische Bildung mehr hätten ausgeräumt werden können.
Sei es, dass die bösen Abgeordneten alle faul sind und warum die bitteschön ständig im Bundestag fehlen, oder andere Fragen, vieles Debatten könnte man einfach versachlichen und zielgenauer gestalten, wenn man mehr politische Bildung hätte. Ein einfaches "Die da oben gefallen uns nicht? Na wir leben in einer Demokratie, also können wir die da oben sein und sollten versuchen, das System so zu beeinflussen, wie wir das wünschen." würde schon einige Probleme beheben.
Außerdem muss ich dem Artikel widersprechen: Die Jugend will enorm viel mit Politik zu tun haben, nur mit Parteien nicht (siehe Shell-Studie). Fragt man Jugendliche "Interessierst du dich für Politik?" kommt vielfach ein "Nein". Fragt man sie aber nach Atomkraftwerken, nach Umweltschutz, nach Bildung, nach Krieg oder Frieden, so ist plötzlich ganz natürlich ein erhebliches Interesse dar.
Es ist eine massive Schande unseres Systems und ein Sargnagel, wenn es so bleibt, die politische Bildung zu kürzen. Ein System kann nur funktionieren, wenn die Machthaber des Systems (in einer Demokratie = das Volk) gut genug gebildet sind. Diese einfache Wahrheit müsste zur Kenntnis genommen und handlungsleitend umgesetzt werden.
So empören sie sich, die "Guten", wenn ihre Pension in Gefahr ist. Merken Sie, dass sie in der freien Wirtschaft nicht gebraucht werden und auch sonst nichts der Menschheit zu bieten haben.
Politische Bildung braucht keine Anti-Nazi-Wohnwagen, politische Bildung braucht die Grundrechenarten. Wenn diese gelehrt werden, dann werden die Schüler eins und eins zusammenzählen können und automatisch wissen, dass die Nazis negativ sind.
... allerdings auch, dass Luftsperren, Brunnenbau, Kuba-Lager und sonstige Lügen der Demokraten nicht weniger schlimm sind.
Machen wir uns doch nichts vor. Es geht nicht um politische Bildung, sondern knallharte Propaganda, bei der die "Sozialpädagogen" und "Menschenrechtler" kräftig verdienen.
[WO sind die Menschenrechtler und Anti-Nazisten, wenn in Amerika ein Folterlager unterhalten wird? Wo sind die Menschenrechtler, wenn der Saddam doch keine Massenvernichtungswaffen hatte?!]
das Menschenrechtler wie Amnesty oder andere Guantanamo mehrfach kritisiert haben. Und auch der auf Lügen oder falschen Annahmen aufgebaute Krieg gegen den Irak wird nicht derartig glorifiziert, wie sie es darstellen wollen. Es gibt zwischen den Farben weiß und schwarz auch noch was dazwischen.
Ich finde es schade, dass beispielsweise bei der BpB eingespart wird. Die machen gute Angebote, ich freue mich immer, wenn ein neues Heftchen in meinen Briefkasten geflattert kommt.
mit jeder Ihrer sinnfreien Zeilen.
So wie der Bürger in neudeutschen Zeiten sein soll.
Gratuliere zur Anpassungsleistung in Sachen vorauseilender Denkverzicht.
m.
das Menschenrechtler wie Amnesty oder andere Guantanamo mehrfach kritisiert haben. Und auch der auf Lügen oder falschen Annahmen aufgebaute Krieg gegen den Irak wird nicht derartig glorifiziert, wie sie es darstellen wollen. Es gibt zwischen den Farben weiß und schwarz auch noch was dazwischen.
Ich finde es schade, dass beispielsweise bei der BpB eingespart wird. Die machen gute Angebote, ich freue mich immer, wenn ein neues Heftchen in meinen Briefkasten geflattert kommt.
mit jeder Ihrer sinnfreien Zeilen.
So wie der Bürger in neudeutschen Zeiten sein soll.
Gratuliere zur Anpassungsleistung in Sachen vorauseilender Denkverzicht.
m.
das Menschenrechtler wie Amnesty oder andere Guantanamo mehrfach kritisiert haben. Und auch der auf Lügen oder falschen Annahmen aufgebaute Krieg gegen den Irak wird nicht derartig glorifiziert, wie sie es darstellen wollen. Es gibt zwischen den Farben weiß und schwarz auch noch was dazwischen.
Ich finde es schade, dass beispielsweise bei der BpB eingespart wird. Die machen gute Angebote, ich freue mich immer, wenn ein neues Heftchen in meinen Briefkasten geflattert kommt.
Politische Bildung ist sehr leicht grenzwertig. Sie ist nahe an der ideologischen Manipulation.
Was in Deutschland jedoch fehlt, ist eine intensive Schulung der Verfassung und der Menschenrechte.
Es fehlt wohl auch an der Schulung der Bedeutung des Gemeinwesens.
Es fehlt die kritische Medienerziehung und das Vertrautmachen mit Manipulationstechniken. Wie man sieht, fehlt es auch am Gescbichtsunterricht.
Ich denke auch, dass diejenigen, die es betrifft, sowieso nicht bei bpd lesen.
Politische Bildung ist ein schmaler Grat. Wir sehen, dass die Propaganda für den Kapitalismus und den Neoliberalismus politische Bildung mißbraucht hat. Bürger werden über Fakten nicht informiert, sondern das wird verheimlicht.
Man müsste sehen, wie man eine objektive Bildung gegen ideologische Manipulation in jede Richtung schützen kann.
Es gibt sehr gute Organisation, die ihren Auftrag wirklich ernst nehmen und kritische politische Bildung vermitteln... aber leider sind diese Organisationen in der Minderheit. Leider seh ich auch viele Organisationen, die einfach nur ihre politische Propaganda verbreiten.
mit jeder Ihrer sinnfreien Zeilen.
So wie der Bürger in neudeutschen Zeiten sein soll.
Gratuliere zur Anpassungsleistung in Sachen vorauseilender Denkverzicht.
m.
das ergibt pro Staatsbürger 6 Cent für politische Bildung jährlich - das sagt nicht nur alles - es ist ein handfester Skandal!
Politisch gebildete (aufgeklärte, selbständig denkende, kritische) Menschen machen den Mund auf, stellen unangenehme Fragen, entwickeln auch mal Zivilcourage, sind - äh - irgendwie unbequem.
Wer braucht solch eine Bevölkerung? Idioten lassen sich deutlich einfacher regieren und manipulieren. Idioten sind nicht die, die das nicht merken. Idioten sind vielmehr die, die es bemerken, aber nichts dagegen tun.
"Wer nichts weiß, muß alles glauben" (Marie Ebner-Eschenbach)
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