TottenhamGewaltsame Proteste in London

Im Londoner Stadtteil Tottenham ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Auslöser war der Tod eines Mannes, der bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde. von AFP und dpa

Nach Protesten wegen des Todes eines vierfachen Familienvaters durch eine Polizeikugel ist es am Samstagabend zu schweren Ausschreitungen im Norden Londons gekommen. Zwei Polizeiautos, ein Doppeldeckerbus und Geschäfte seien in Tottenham angezündet worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Brandsätze, Steine und Flaschen wurden auch in das Polizeiaufgebot geschleudert. Elf Menschen, darunter acht Polizisten, seien in dem Londoner Außenbezirk verletzt worden. Es waren die schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren.

Ein Augenzeuge fühlte sich "wie im Krieg". Familien mit kleinen Kindern mussten nachts aus ihren brennenden Häusern fliehen. Die Feuerwehr hatte sich nicht rechtzeitig ihren Weg durch die rund 300 Demonstranten bahnen können. Spezialkräfte der Polizei bemühten sich am Sonntag, die Lage in dem Stadtteil der britischen Hauptstadt wieder unter Kontrolle zu bringen.

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Am Donnerstag war der 29-jährige Mann in Tottenham unter ungeklärten Umständen von der Polizei erschossen worden, als er in einem Taxi unterwegs war. Nach Angaben der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde (IPCC) Großbritanniens hatten Sondereinsatzkräfte im Zuge von Ermittlungen gegen Waffenkriminalität für eine geplante Festnahme das Taxi gestoppt. Dann seien Schüsse gefallen, vermutlich zwei aus der Waffe eines Polizisten. Zudem sei eine nicht von der Polizei registrierte Waffe am Tatort gefunden worden. Womöglich habe es einen Schusswechsel gegeben: Im Funkgerät eines Polizisten sei später eine Kugel gefunden worden.

Brennende Geschäfte und Plünderungen

Journalisten vor Ort berichteten von Plünderungen. Die Polizei eskortierte Feuerwehrleute, um die Brände zu löschen. Berichte über Festnahmen gab es zunächst nicht. Nachdem die Polizei das Areal nach Stunden geräumt hatte, setzten einige Gewaltbereite die Randale in kleineren Gruppen in der Nachbarschaft fort.

Der britische Unterhausabgeordnete für Tottenham, David Lammy, rief am Sonntag zur Ruhe auf. "Diejenigen, die sich an die destruktiven Konflikte der Vergangenheit erinnern, sollten entschlossen sein, nicht dorthin zurückzukehren." In dem Londoner Stadtteil, der vor allem für seinen Erstliga-Fußballverein Tottenham Hotspurs bekannt ist, war 1985 in Ausschreitungen ein Polizist getötet worden.

Ein Sprecher von Londons Bürgermeister Boris Johnson warnte, Gewalt und Zerstörung würden die Ermittlungen der IPCC nicht erleichtern. Großbritanniens Premierminister David Cameron verurteilte die Ausschreitungen als "völlig unakzeptabel".

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Leserkommentare
  1. Das Opfer war nicht nur vierköpfiger Familienvater, sondern auch ein Krimineller mit mehreren Verurteilungen. Das erklärt auch, warum das Opfer eine Waffe während einer Taxifahrt bei sich trug. Ein vierköpfiger Familienvater macht so etwas in der Regel doch nicht (noch nicht).
    [...]

    http://www.dailymail.co.u...

    Gekürzt. Bitte konzentrieren Sie sich auf das Thema. Danke. Die Redaktion/er

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    wer London kennt, weiß die Stadt und gerade auch diesen Stadtteil einzuschätzen und wer die Berichte über diese Geschichte in der englischen Presse gelesen hat, weiß auch, wie weit weg die Darstellung der ZEIT in diesem Fall ist... leider.

    Auf der Seite der Daily-Mail gibt es auch Kommentare. Diese zeigen wieder einmal die Diskrepanz der Politentscheider und Doktrinträumer zu den eigenen Bürgern. Wenn in diesen bestimmten Thema nicht bald realistische Lösungen erfolgen wird das ganz noch vollkommen außer Kontrolle geraten.

    Die am "besten Bewerteten", wohlgemerkt es ging nur um die Mitteilung, dass das Opfer erschossen wurde, das war noch vor den Ausschreitungen (dort wurden die Kommentare deaktiviert):

    "To all the Officers who were involved, THANK YOU!"

    "Good Daddys don't carry guns and shoot police officers."

    "Well Done. Saves the taxpayer a load of money. Now wait for the hand wringing and hail mary's to come out of the woodwork."

    ein Widerstand mit Schusswaffe gegen Sicherheitskräfte darf doch in UK eigentlich garnicht möglich sein?

    Wieso solidarisieren sich eigentlich ganze Stadtteile mit mutmaßlichen Brufskriminellen die ihr Ableben qua Schusswaffengebrauch billigend in Kauf nehmen?

    MfG Karl Müller

    Haben Sie den Artikel gelesen? Dann müsste ja bekannt sein, dass dieser Mann vorher keinen Kontakt zur Polizei hatte und ein respektiertes Gemeindemitglied war (laut Aussagen seiner Nachbarn).

    Wenn ihm seine Kinder auch nur irgendetwas bedeutet hätten, wäre seinerseits Bereitschaft dagewesen mit der Polizei zusammenzuarbeiten.
    @ZEIT ONLINE dieser Artikel ist einseitig, da er impliziert das es einen unschuldigen Familienvater von 4 Kindern getroffen hätte was so nicht ganz stimmt.
    Der Name des Täters war Mark Duggan, Alter 29 Jahre, ein der Polizei bekannter Täter aus der notorischen Broadwater Londoner Farm Siedlung. Ihm wurde bewusst, dass er verfolgt wurde und eröffnete das Feuer auf die Beamten.... Meine Übersetzung aus dem Link von Horst Otto Eisenkleiber-Wiefelpütz,
    fuer den vollen Bericht http://www.dailymail.co.u...

  2. die Rückkehr zu friedlichen Protesten. Gewalt ist Ausdruck der Sprachlosigkeit und Hörlosigkeit auf beiden Seiten.

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    das nennt man die Sprache der Gewalt und wenn Sie Ihren Kopf aus dem Sand ziehen, werden Sie irgendwann begreifen das Ihre sogenannte Sprachlosigkeit Mittel zum Zweck ist.

    Ich glaube, dass Verstand hier längst ausgesetzt hat und mit Einsicht nicht zu rechnen ist.

  3. das werden wir in Zukunft in europäischen Ländern noch öfters erleben, den politisch Verantwortlichen sei es gedankt. Zu der politisch korrekten Berichterstattung (Vater von vier Kindern) erspare ich mir jeden Kommentar.

    Kommentare unter Artikeln sind oft informativer als die Artikel selbst.

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    sparen Sie sich bitte Ihren Zynismus, der noch nicht mal echt ist.

    "Zu der politisch korrekten Berichterstattung (Vater von vier Kindern) erspare ich mir jeden Kommentar.

    Kommentare unter Artikeln sind oft informativer als die Artikel selbst."

    Erst das Internet ermöglicht es dem Bürger mehr zu erfahren von dem was ihn umgibt. Die Mainstream- und Beschönigunspresse kann heute nicht mehr die Leser an der Nase rumführen wie es weiland die Springerpresse konnte (60er,70er).
    Wieder einmal Dank an die User hier im Forum für die Informationen, und - dem Internet sei Dank.

    Solche Bilder kennen wir längst aus den Vorortstädten von Paris. Auch aus anderen Ländern hat man solche Bilder - vielleicht nicht in diesem Ausmass - gesehen.

    Es stellt sich für mich die Frage, wie man einer solchen Entwicklung - die von den Krawallbrüdern meist als Erfolgserlebnis gewertet wird - Einhalt gebieten kann.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/vn

  4. das nennt man die Sprache der Gewalt und wenn Sie Ihren Kopf aus dem Sand ziehen, werden Sie irgendwann begreifen das Ihre sogenannte Sprachlosigkeit Mittel zum Zweck ist.

    Antwort auf "Ich wünsche mir"
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    noch so ein Foren-Revolutionär.... lol

  5. wer London kennt, weiß die Stadt und gerade auch diesen Stadtteil einzuschätzen und wer die Berichte über diese Geschichte in der englischen Presse gelesen hat, weiß auch, wie weit weg die Darstellung der ZEIT in diesem Fall ist... leider.

    Antwort auf "Anmerkung:"
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    • uxxus
    • 07. August 2011 13:24 Uhr

    nun, ich weiß ja nicht, englische Zeitungen? Das ist die Zeit doch wohl schon besser?

    Als ehemaliger Leser des ND konnte ich sofort ahnen, um was für einen Stadtteil in London es sich handelt
    Diese notorischen Auslassungen in den deutschen Mainstream-Medien sind unverzeihlich.
    "Darum: laßt uns sehen, und laßt uns sprechen, solange dies noch möglich ist, solange Sehen und Sprechen das Schlimmste noch abwenden kann." (M. Lichtmesz in der sezession zum gleichen Thema)

    • tecnyc
    • 07. August 2011 22:40 Uhr

    @5 christygoe
    Ich war vor einigen Jahren einmal in London bei einer Gastfamilie untergebracht. Die Gegend war kein sozialer Brennpunkt. Sie sah äußerlich recht gut aus. Sie hatte jedoch nicht wenige Migranten. Der Vater der Familie hatte mir unverblümt gesagt, dass ich um die Migranten einen sehr großen Bogen machen solle, da sie sehr gewaltbereit seien und sich auch nicht darum scheren würden, wenn eine Person abgestochen wird. Als ich einen Abend mal in eine Bar wollte um ein Bier zu trinken, hatte er es für besser gehalten mich zu begleiten, und dass obwohl ich relativ groß und muskulös bin.

  6. Auf der Seite der Daily-Mail gibt es auch Kommentare. Diese zeigen wieder einmal die Diskrepanz der Politentscheider und Doktrinträumer zu den eigenen Bürgern. Wenn in diesen bestimmten Thema nicht bald realistische Lösungen erfolgen wird das ganz noch vollkommen außer Kontrolle geraten.

    Die am "besten Bewerteten", wohlgemerkt es ging nur um die Mitteilung, dass das Opfer erschossen wurde, das war noch vor den Ausschreitungen (dort wurden die Kommentare deaktiviert):

    "To all the Officers who were involved, THANK YOU!"

    "Good Daddys don't carry guns and shoot police officers."

    "Well Done. Saves the taxpayer a load of money. Now wait for the hand wringing and hail mary's to come out of the woodwork."

    Antwort auf "Anmerkung:"
    • uxxus
    • 07. August 2011 13:24 Uhr

    nun, ich weiß ja nicht, englische Zeitungen? Das ist die Zeit doch wohl schon besser?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zeigt das wie ich es in diesem Fal bestätigt sehe, dass man dadurch einen falschen Eindruck und sozusagen eine Falschmeldung generiert.

    Was Rupert Murdoch nun mit dieser Meldung zu tun haben soll, ist für mich nicht ersichtlich, denn da wurde wohl weder jemand abgehört noch Kontakte in höchste Kreise genutzt, um diesen Vorfall zu berichten.

  7. ein Widerstand mit Schusswaffe gegen Sicherheitskräfte darf doch in UK eigentlich garnicht möglich sein?

    Wieso solidarisieren sich eigentlich ganze Stadtteile mit mutmaßlichen Brufskriminellen die ihr Ableben qua Schusswaffengebrauch billigend in Kauf nehmen?

    MfG Karl Müller

    Antwort auf "Anmerkung:"
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    diese Sicht ist schlicht falsch und stellt nicht mal im Ansatz die Ereignisse dort dar.

    vielleicht die Vernunft und Einsicht aussetzt.

    Diese Gruppierungen und Landsmannschaften haben längst erkannt, dass sie in der Gemeinschaft stärker sind und sich jegliche vermeintliche Einmischung von außen vom Leib halten können.

    Leider berichten auch Polizeibeamte hier in Deutschland, dass es in bestimmten Stadtteilen bereits Sitte ist, bei der Durchführung einer berechtigten polizeilichen Maßnahme per Mobiltelefon Freunde, Bekannte und Verwandte zur Hilfe zu rufen. Die Polizeistreife sieht sich sehr schnell einer aufgebrachten Menge gegenüber, bricht die Polizeimaßnahme zum Eigenschutz bzw. zur Deeskalation ab und verschafft der Menge ein Erfolgserlebnis.

    Jedes Erfolgserlebnis wiederum lädt gerade zur Wiederholung ein.

    "Wieso solidarisieren sich eigentlich ganze Stadtteile mit mutmaßlichen Brufskriminellen"

    Die Frage ist berechtigt, zumal solche Phänomene in Europa lange unbekannt waren. Die Situation in England zu erklären dürfte zu früh sein.

    In Frankreich brannten die Vorstädte, nachdem bei einer Polizeiaktion ein krimineller Jugendlicher ums Leben gekommen war - ebenso unerklärlich zunächst. Es stellte sich dann heraus, dass die Aufstände von moslemischen Jugendlichen durchgeführt wurden, die schon länger dazu von islamischen Predigern angeheizt worden waren.

    Da kommt wieder die Frage auf, ob Europa und auch Deutschland es sich wirklich leisten können, Gewaltaufrufe und Mordaufrufe erlaubt bleiben zu lassen, ohne Bestrafung und ohne Ausweisung. Die Medien werden hier ihrer Verantwortung nicht gerecht - weil an der Berichterstattung verdienend? Die Politik wird ihrer Verantwortung nicht gerecht, weil man niemand weh tun möchte?

    Die Opfer bezahlen die Zeche.

    • clair11
    • 08. August 2011 11:56 Uhr

    Wieso solidarisieren sich eigentlich ganze Stadtteile mit mutmaßlichen Brufskriminellen die ihr Ableben qua Schusswaffengebrauch billigend in Kauf nehmen?
    -----
    Ich glaube nicht, dass ganze Stadtteile mit Berufskriminellen volidarisiert haben.

    Es mag sein, dass einige sich mit den Schüssen durch die Polizei nicht einverstanden waren (viele Zeit-Kommentatoren waren ja bei Gäfgen mit der Gewaltandrohung durch die Polizei auch nicht einverstanden. Haben sie sich alle mit dem Mörder solidarisiert? Auf der anderen Seite - würden diese Kommentatoren hier auch die Schüsse der Polizei kritisieren?).

    Dass es sich eskalisiert hat, hat andere Gründe als Sympathie für den Erschossenen, und das muss nachgegangen werden. Dass ein solches Ereignis die Anwohner auf in Stresszustand versetzt, so dass die Hemmschwelle zur Randale gesetzt wird, das mag sein. Aber warum sollten Anwohner ihre Häuser in Brand setzen? Also, woher kamen diese Brandstifter?

    Dass Mobs außer Kontrolle geraten, das gab es schon bei Facebook-Partys. Gänzlich ohne politische oder religiörse Hintergründe.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte David Cameron | Boris Johnson | Ermittlung | Hauptstadt | Nachbarschaft | Polizei
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