Eine Cholera-Epidemie verschärft die Hungerkatastrophe in Somalia. Allein in der Hauptstadt Mogadischu seien seit Jahresbeginn knapp 4.300 Patienten mit der schweren Durchfallerkrankung behandelt worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

Die Anzahl der Fälle sei damit zwei bis drei Mal so groß wie im vergangenen Jahr. "Man kann durchaus von einer Cholera-Epidemie sprechen", sagte WHO-Mitarbeiter Michel Yao. Die meisten Patienten seien Kinder unter fünf Jahren. An den Folgen der Cholera seien bislang 181 Menschen gestorben.

Cholera wird über verunreinigtes Trinkwasser übertragen und führt zu schwerem Durchfall sowie Erbrechen. Durch den Wasserverlust geraten besonders Kleinkinder in Lebensgefahr. Nach WHO-Angaben sind in den vergangenen Monaten aus mehreren Regionen Somalias Cholera-Ausbrüche gemeldet worden. Wegen der verstärkten Flüchtlingsströme im Zuge der Hungersnot nehme auch die Seuchengefahr zu, warnte Yao.

Auf der Suche nach Wasser, Lebensmitteln und Schutz sind schätzungsweise 100.000 Somalier in den vergangenen zwei Monaten nach Mogadischu geflüchtet. Sie kommen zu den mehr als 370.000 Flüchtlingen, die bereits früher in der Hauptstadt angekommen waren. Im benachbarten Kenia haben zudem weitere 440.000 Somalier Zuflucht gesucht.

12,4 Millionen Menschen von Hunger betroffen

Insgesamt sind nach UN-Angaben mehr als 12,4 Millionen Menschen am Horn von Afrika von der Hungerkatastrophe betroffen. Zehntausende sind bereits an Unterernährung gestorben. Ein Spendenaufruf der Vereinten Nationen über 2,4 Milliarden Dollar hat bislang die Hälfte eingebracht, sagte eine Sprecherin.

Zwei Millionen Kinder leiden am Horn von Afrika unter akuter Unterernährung. Mehr als 500.000 von ihnen könnten in den nächsten Wochen sterben, wenn nicht bald Hilfe eintrifft. "Wir können Leben retten, wenn wir jetzt handeln", sagte Unicef-Sprecherin Marixie Mercado.

Auslöser der Hungersnot ist eine seit Jahren anhaltende Dürre, die auch einige Gebiete Kenias und Äthiopiens betrifft. Die Hilfe wird durch lokale Konflikte erschwert: Internationale Organisationen können seit Anfang 2010 aus Sicherheitsgründen nicht mehr im Süden Somalias tätig sein, weil die Gegend von der islamistischen Al-Schabaab-Miliz kontrolliert wird. Die Gruppe soll enge Kontakte zu Al-Qaida haben und kämpft gegen die vom Westen unterstützte, aber wenig einflussreiche Zentralregierung Somalias.