Jugendgewalt in EnglandVier Jahre Haft für Krawall-Aufruf bei Facebook

Ein britisches Gericht hat mehrere junge Männer zu vier Jahren Haft verurteilt, weil sie in sozialen Netzwerken zu Krawallen aufriefen. Das Urteil soll abschrecken. von dpa

Polizeibeamte nehmen einen Jugendlichen in London fest.

Polizeibeamte nehmen einen Jugendlichen in London fest.   |  © Stephanie Schaerer/ Reuters

Zwei junge Männer müssen laut einem Bericht für vier Jahre ins Gefängnis, weil sie auf Facebook zu Krawallen in ihrer Stadt aufgerufen haben. Ein Gericht in Chester verhängte die Strafe, obwohl keines ihrer Facebook-Postings Plünderungen oder Gewalt nach sich gezogen habe, berichtete der Guardian.

Die beiden Männer im Alter von 20 und 22 Jahren waren in der vergangenen Woche während der Krawalle und Plünderungen in London und zahlreichen weiteren Städten festgenommen worden.

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In seiner Urteilsverkündigung lobte der Richter Elgin Edwards die Arbeit der Polizei und äußerte die Hoffnung, dass das harte Urteil als Abschreckung dienen werde.

Der stellvertretende Polizeipräsident von Chester Phil Tompson begrüßte die Entscheidung. Die Polizei habe rasch erkannt, wie die Social-Media-Dienste eingesetzt worden seien, sagte Thompson. Schnell sei die Polizei demzufolge gegen alle vorgegangen, die über Facebook und andere soziale Netzwerke zu kriminellen Handlungen aufriefen.

Im Zusammenhang mit den Krawallen und Plünderungen in Großbritannien nahm die Polizei allein in London 1.635 Menschen fest. 940 wurden angeklagt. Die Quote derer, die von Gerichten ins Gefängnis geschickt werden, liegt derzeit bei 65 Prozent.

Ein 16 Jahre alter Jugendlicher ist bereits wegen Mordes angeklagt. Er soll für den Tod eines 68-jährigen Mannes verantwortlich sein. Dieser war von Randalierern attackiert worden, weil er im Stadtteil Ealing ein Feuer in einem Mülleimer eines Supermarktes löschen wollte. Der Mann starb später im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzungen.

Auch in den anderen vier Todesfällen während der Krawalle sind die mutmaßlich Verantwortlichen bereits gefasst. In Birmingham verhört die Polizei sieben Männer, nachdem drei Männer nach Darstellung der Polizei absichtlich von einem Auto überfahren wurden. Im Londoner Stadtteil Croydon hatte ein 26-Jähriger in einem Auto tödliche Schusswunden erlitten. Auch hier wurden Verdächtige festgenommen.

Ausgangssperre für Jugendliche

Streit gibt es darüber, wie auf künftige Ausschreitungen reagiert werden soll. Die britische Innenministerin Theresa May will im Kampf gegen Bandenkriminalität Ausgangssperren ermöglichen. Auch eine Art Hausarrest für Jugendliche im Alter unter 16 Jahren wird diskutiert. Im Innenministerium werde beraten, wie die Polizei entsprechend befähigt werden könne, sagte May. Dafür bedürfe es aber einer Gesetzesänderung.

Premierminister David Cameron besuchte erstmals den Stadtteil Tottenham im Norden Londons, wo vor fast zwei Wochen die gewalttätigen Auseinandersetzungen begonnen hatten. Cameron besuchte bis zu 200 Betroffene, die durch Häuserbrände und  Zerstörungen obdachlos geworden sind.

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Leserkommentare
  1. Es ist unstrittig, dass ein Aufruf zur konkreten Ausführung von konkret benannter Gewalt eine Straftat ist.
    Darüber gibt es keine Zweifel.

    Aber insgesamt, nicht nur bei den brit. Krawallen, auch bei den frz. "Krawallen", bei den spanischen, italienischen, griechischen, irischen, portugiesischen etc. Generalstreiks, bei den Sozialprotesten in Israel, beim arabischen Frühling in Nordafrika -

    immer gibt es zu allen Anlässen Gründe.

    Das eine ist die Bestrafung von Straftaten. Das andere ist aber die Analyse der Beweggründe und das Eingehen auf die Ursachen. Fast überall bleibt es immer bei der Bestrafung von Straftaten, was richtig ist. Aber wo die Ursachen liegen, interessiert leider kaum.

    Aus Israel wird zZt von Sozialprotesten berichtet, die friedlich ablaufen. Dieses Vorgehen ist grundsätzlich richtig, dass Proteste friedlich ablaufen. Man wird aber sehen, welche Erfolge diese Proteste bringen werden.

    Als fast einziges Land bleibt Deutschland ohne Sozialproteste, obwohl die Situation in Deutschland um kein Haar anders ist.

    Jedenfalls sind viele Länder derzeit in Aufruhr. Manche Politiker interessiert es aber keine Sekunde.

    Man wird sehen, wie das weitergehen wird.

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    Weiterhin bleibt aber auch offen, inwieweit man zB nicht nur den jeweiligen Bürger als Täter bestrafen kann, was vorgesehen ist,
    sondern auch inwieweit man manchen Staatsbeamten etc. bestrafen lassen kann, welcher nun seinerseits Bürgern Schaden zufügt Oder nicht massiv daran arbeitet, Schaden vom deutschen Bürger zu wenden.

    Es gibt wenig Strittigkeiten, dass Straftaten von Bürgern bestraft werden. Es gibt aber so gut wie keine Handhabe eben zB gegen manchen des Staates vorgehen zu können, wenn er Unrecht ausübt.

    Wenn dem nämlich so wäre, dass Bürger gegen den Staat vorgehen könnten, wenn der Staat Unrecht ausübt etc., dann würde es sicher auch sehr viel weniger zu Protesten kommen, weil Proteste oft eine Reaktion auf Hilflosigkeit und Ohnmacht sind.

    Dazu sei nochmal daran erinnert, dass Politiker schwören:

    Wiki:

    "Der Amtseid lautet:

    Ich schwöre, dass ich meine Kraft

    dem Wohle des deutschen Volkes

    widmen, seinen Nutzen mehren,

    Schaden von ihm wenden,

    das Grundgesetz

    und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und

    Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.

    So wahr mir Gott helfe."

    Daraus ergibt sich: Was geschieht, wenn Teile des Staates eben nicht Schaden abwenden, sondern Schaden zufügen. Wissentlich. Vorsätzlich.

    Wenn manche der Politiker nicht auf dem Boden der Verfassung stehen.

    Gar nichts?!.

    ...irren wenn Sie meinen, dass die Situation in Deutschland um kein Haar besser ist, denn das ist sie.
    Der Prozess der Ghettoisierung und Arbeitslosigkeit in den verschiedenen sozialen "Brennpunkten" ist (noch) nicht so weit, dass ähnliche Krawalle stattfinden dürften.
    Die deutsche Politik hat nun sehen können, was in einigen Jahren auch in D möglich sein wird. Maßnahmen gegen die Ursachen wird sie höchstwahrscheinlich nicht ergreifen.

  2. Weiterhin bleibt aber auch offen, inwieweit man zB nicht nur den jeweiligen Bürger als Täter bestrafen kann, was vorgesehen ist,
    sondern auch inwieweit man manchen Staatsbeamten etc. bestrafen lassen kann, welcher nun seinerseits Bürgern Schaden zufügt Oder nicht massiv daran arbeitet, Schaden vom deutschen Bürger zu wenden.

    Es gibt wenig Strittigkeiten, dass Straftaten von Bürgern bestraft werden. Es gibt aber so gut wie keine Handhabe eben zB gegen manchen des Staates vorgehen zu können, wenn er Unrecht ausübt.

    Wenn dem nämlich so wäre, dass Bürger gegen den Staat vorgehen könnten, wenn der Staat Unrecht ausübt etc., dann würde es sicher auch sehr viel weniger zu Protesten kommen, weil Proteste oft eine Reaktion auf Hilflosigkeit und Ohnmacht sind.

    Dazu sei nochmal daran erinnert, dass Politiker schwören:

    Wiki:

    "Der Amtseid lautet:

    Ich schwöre, dass ich meine Kraft

    dem Wohle des deutschen Volkes

    widmen, seinen Nutzen mehren,

    Schaden von ihm wenden,

    das Grundgesetz

    und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und

    Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.

    So wahr mir Gott helfe."

    Daraus ergibt sich: Was geschieht, wenn Teile des Staates eben nicht Schaden abwenden, sondern Schaden zufügen. Wissentlich. Vorsätzlich.

    Wenn manche der Politiker nicht auf dem Boden der Verfassung stehen.

    Gar nichts?!.

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    von Politikern gegen die Verfassung sind im Strafrecht nicht geregelt.

  3. ... für einen Krawall-Aufruf, der keine Folgen nach sich zog? Das erscheint mir fragwürdig. Nun ja, irgend ein Gesetzesparagraph wird sich schon finden, den man interpretieren kann. Die Masse der Bevölkerung steht emotional sicher hinter diesem Urteil, von daher wird die Kritik vermutlich ausbleiben.

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    Zu Ihrem Beitrag noch folgenden Hinweis. Suchbegriff: Joan Baez.

    Joan Baez war viele Jahrzehnte d i e Ikone des Widerstandes und dieses Mal g e g e n Gewalt. Sie war eine politische Aktivistin, welche immer vorne in der 1. Reihe marschierte, wenn es um Demonstrationen gegen Gewalt ging, die von Staaten ausgeübt wird.

    Dafür ist sie in den USA, denn das war ihr "Heimatsitz", mindestens 40-50 Mal ins Gefängnis gegangen und kam sie aus dem Gefängnis hat sie weiterdemonstriert - gegen die Gewalt von Staaten besonders aber gegen die Gewalt durch die USA.

    Dennoch wurde sie weltweit in jedem Land der Erde bekannt als eine Ikone des Widerstandes, zusätzlich als Musikerin mit einer fantastischen, glockenreinen Stimme, mit der sie weltweit Millionen begeisterte. Noch vor einigen Jahren war sie in Sarajewo als Antikriegsdemonstrantin. Nicht selten waren ihre Einsätze in direkter Lebensgefahr.

    Der Schluss daraus ist, ob man, wenn man politische Ziele und eine politische Botschaft verfolgt, möglicherweise auch Gefängnis in Kauf nehmen muss.

    Wiki:

    Johan Galtung:

    „Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist“.

    ob sie die Strafe auch wirklich absitzen werden. Ich denke nicht. Dem exemplarischen wird genüge getan und die vier werden nach einem, zwei Jahren, wenn sich die Stimmung wieder gelegt hat, auf freien Fuß gesetzt...

  4. Zu Ihrem Beitrag noch folgenden Hinweis. Suchbegriff: Joan Baez.

    Joan Baez war viele Jahrzehnte d i e Ikone des Widerstandes und dieses Mal g e g e n Gewalt. Sie war eine politische Aktivistin, welche immer vorne in der 1. Reihe marschierte, wenn es um Demonstrationen gegen Gewalt ging, die von Staaten ausgeübt wird.

    Dafür ist sie in den USA, denn das war ihr "Heimatsitz", mindestens 40-50 Mal ins Gefängnis gegangen und kam sie aus dem Gefängnis hat sie weiterdemonstriert - gegen die Gewalt von Staaten besonders aber gegen die Gewalt durch die USA.

    Dennoch wurde sie weltweit in jedem Land der Erde bekannt als eine Ikone des Widerstandes, zusätzlich als Musikerin mit einer fantastischen, glockenreinen Stimme, mit der sie weltweit Millionen begeisterte. Noch vor einigen Jahren war sie in Sarajewo als Antikriegsdemonstrantin. Nicht selten waren ihre Einsätze in direkter Lebensgefahr.

    Der Schluss daraus ist, ob man, wenn man politische Ziele und eine politische Botschaft verfolgt, möglicherweise auch Gefängnis in Kauf nehmen muss.

    Wiki:

    Johan Galtung:

    „Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist“.

    Antwort auf "Vier Jahre Haft ...."
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    Fortführung: Was ist strukturelle Gewalt?

    Wiki:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Diesem erweiterten Gewaltbegriff zufolge ist alles, was Individuen daran hindert, ihre Anlagen und Möglichkeiten voll zu entfalten, eine Form von Gewalt. Hierunter fallen nicht nur alle Formen der Diskriminierung, sondern auch die ungleiche Verteilung von Einkommen, Bildungschancen und Lebenserwartungen, sowie das Wohlstandsgefälle zwischen der ersten und der Dritten Welt. Selbst eingeschränkte Lebenschancen auf Grund von Umweltverschmutzung oder die Behinderung emanzipatorischer Bestrebungen werden hierunter subsumiert.

    In dieser umfassenden Definition kann Gewalt nicht mehr konkreten, personalen Akteuren zugerechnet werden, sondern sie basiert nurmehr auf Strukturen einer bestehenden Gesellschaftsformation, insbesondere auf gesellschaftliche Strukturen wie Werten, Normen, Institutionen oder Diskursen sowie Machtverhältnissen. Diese Begriffsbestimmung verzichtet auch auf die Voraussetzung, dass, um von Gewalt sprechen zu können, eine Person oder Gruppe subjektiv Gewalt empfinden muss. Strukturelle Gewalt werde von den Opfern oft nicht einmal wahrgenommen, da die eingeschränkten Lebensnormen bereits internalisiert seien. Da es nicht möglich ist allgemein zu bestimmen, was für ein Individuum potentiell möglich wäre, weil jedes Individuum schon dem Begriff nach in seinen Anlagen unterschiedlich ist, hat die Definition der strukturellen Gewalt keinen objektivierbaren Gegenstand.

  5. Fortführung: Was ist strukturelle Gewalt?

    Wiki:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Diesem erweiterten Gewaltbegriff zufolge ist alles, was Individuen daran hindert, ihre Anlagen und Möglichkeiten voll zu entfalten, eine Form von Gewalt. Hierunter fallen nicht nur alle Formen der Diskriminierung, sondern auch die ungleiche Verteilung von Einkommen, Bildungschancen und Lebenserwartungen, sowie das Wohlstandsgefälle zwischen der ersten und der Dritten Welt. Selbst eingeschränkte Lebenschancen auf Grund von Umweltverschmutzung oder die Behinderung emanzipatorischer Bestrebungen werden hierunter subsumiert.

    In dieser umfassenden Definition kann Gewalt nicht mehr konkreten, personalen Akteuren zugerechnet werden, sondern sie basiert nurmehr auf Strukturen einer bestehenden Gesellschaftsformation, insbesondere auf gesellschaftliche Strukturen wie Werten, Normen, Institutionen oder Diskursen sowie Machtverhältnissen. Diese Begriffsbestimmung verzichtet auch auf die Voraussetzung, dass, um von Gewalt sprechen zu können, eine Person oder Gruppe subjektiv Gewalt empfinden muss. Strukturelle Gewalt werde von den Opfern oft nicht einmal wahrgenommen, da die eingeschränkten Lebensnormen bereits internalisiert seien. Da es nicht möglich ist allgemein zu bestimmen, was für ein Individuum potentiell möglich wäre, weil jedes Individuum schon dem Begriff nach in seinen Anlagen unterschiedlich ist, hat die Definition der strukturellen Gewalt keinen objektivierbaren Gegenstand.

    Antwort auf "3. Strukturelle Gewalt"
    • Æir
    • 17. August 2011 8:17 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/mk

  6. Hier probt das feudalistisch-obrigkeitsstaatliche Besitzbürgterum offensichtlich schon mal, wie weit es gehen kann, ohne dass sie Panzer gegen die Bürger einsetzen müssen, was auch noch kommen kann. Wer jahrzehntelang Krieg gegen die Bürger in Nordirland führt, scheut sich auch nicht, Krieg in GB gegen die Bürger zu führen. Es scheint, als ob die Dickensschen Verhältnisse wieder eingeführt werden sollen. Dann wird es für die Bürger GB's Zeit, sich daran zu erinnern, dass sie schon mal erfolgreich ein Königshaus und seine Schergen davonjagten. Und dass sie sich eine starke Verfassung geben müssen, der Regierung, Parlament und Richter zu dienen haben.

  7. von Politikern gegen die Verfassung sind im Strafrecht nicht geregelt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte David Cameron | Innenministerium | Abschreckung | Alter | Ausgangssperre | Auto
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