Doch trotz solcher Beteuerungen, die Kritik will nicht verstummen. Ein zentraler Punkt in der Diskussion um die künftigen Aufgaben der Behörde ist der Bundesfreiwilligendienst. 330 Mitarbeiter sollen den Dienst künftig organisieren und dafür sorgen, dass die Freiwilligen pädagogisch begleitet werden.

Das sei ineffizient, kritisieren SPD und Grüne, weil diese Strukturen für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) schon längst existieren. "Die Länder organisieren schon lange sehr erfolgreich das Freiwillige Soziale Jahr, das hätte man nutzen können", sagt Till Seiler, jugendpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

Zudem basiert die Personalplanung des Familienministeriums auf 35.000 Freiwilligen . Von diesen Zahlen ist man eineinhalb Monate nach Beginn aber noch weit entfernt. Erst 5.300 echte Freiwillige haben sich bislang in den Einrichtungen gemeldet, hinzu kommen 14.300 Zivis, die ihren Dienst verlängert haben. Der Bund der Steuerzahler fordert angesichts dieser Zahlen, den Bundesfreiwilligendienst einzustellen – und stattdessen das FSJ stärker zu fördern und attraktiver zu machen. "Für uns ist das neue Amt überflüssig", sagt Haushaltsexperte Sebastian Panknin.

So einfach ist es dann aber auch nicht. Denn weil das FSJ in der Hand der Länder liegt, darf der Bund es nicht stärker fördern als mit den 200 Euro Bildungspauschale, die er momentan sowieso schon zuschießt – andernfalls würde der Bundesrechnungshof einschreiten. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Tauber erklärt: Das Familienministerium habe den Bundesfreiwilligendienst letztlich auch deshalb eingerichtet, weil man die 1.000 Beamten nicht einfach rausschmeißen konnte und einen Ersatz für den Zivildienst brauchte.

Eine bequeme Lösung – für die es durchaus Alternativen gegeben hätte: Wissenschaftler Karpen schlägt vor, das ehemalige Ziviamt an das Bundesverwaltungsamt anzugliedern, das ebenfalls in Köln sitzt und sich um Personalausweise und Einwohnermeldeämter kümmert. "Hier könnte man viele Aufgaben bündeln." Außerdem sollten Mitarbeiter versetzt und die Behörde so nach und nach aufgelöst werden.

Solche Vorschläge versetzten die Mitarbeiter des Zivildienstamtes lange Zeit in Angst. Rund 700 von ihnen arbeiten in Köln, viele sind Beamte oder Tarifbeschäftigte. Sie können zwar nicht gekündigt werden, in eine andere Stadt versetzt aber schon. Gesamtpersonalrat Rolf Weitkamp kennt die Sorgen seiner Kollegen. "Viele haben mich angesprochen, etwa in der Kantine oder auf dem Flur, weil sie nicht wussten, wie es mit ihnen weitergeht", erinnert er sich. Doch den Mitarbeitern gelang es, Druck aufzubauen. Kritiker werfen Familienministerin Kristina Schröder vor, sie habe sich gegen ihre eigenen Beamten nicht durchsetzen können.

Für die Mitarbeiter hat sich das inzwischen ausgezahlt. Zwar will das Ministerium einem Bericht an den Haushaltsausschuss zufolge bis 2016 rund 150 Stellen streichen. Der Abbau soll aber über Altersteilzeit oder freiwillige Wechsel in andere Behörden erfolgen. Und auch viele der neuen Aufgaben seien inzwischen verteilt, berichtet Präsidentin Roesgen. Die Mitarbeiter wüssten "zum großen Teil", an welchem Schreibtisch sie künftig sitzen. Einen Rundgang durchs Haus oder Gespräche mit Mitarbeitern verweigert sie aber.

Und so hat Roesgen schon die nächste neue Aufgabe in Sicht: Im Rahmen des Familienpflegezeitgesetzes sollen Arbeitgeber gefördert werden, wenn ihre Mitarbeiter sich eine Auszeit nehmen, um Angehörige zu pflegen.

Ein weiterer Job für die Sammelbehörde mit Domblick.