AntisemitismusMilde Strafe für pöbelnden Modeschöpfer Galliano

Der Stardesigner John Galliano muss für rassistische Äußerungen nicht in Haft. Ein Pariser Gericht behandelte ihn nachsichtig, seinen Job bei Dior ist er trotzdem los. von AFP und dpa

John Galliano bei einer Modenschau von Dior in New York 2010

John Galliano bei einer Modenschau von Dior in New York 2010  |  © Jason Kempin/Getty Images

Der britische Modeschöpfer John Galliano ist wegen rassistischer Pöbeleien zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro auf Bewährung verurteilt worden. Ein Pariser Strafgericht sah es als erwiesen an, dass Galliano Besucher einer Bar mit Sätzen wie "Dreckiges Judengesicht" und "Beschissener asiatischer Mistkerl" beschimpft hatte.

Das französische Luxus-Modehaus Dior hatte den 50-Jährigen wegen der Vorwürfe der Anklage am 1. März entlassen. Seit 1997 war Galliano der kreative Kopf des Hauses, bekannt für den verschwenderischen Einsatz von Mustern und Farben und Entwürfe, die vergangene Stil-Epochen gekonnt in die Gegenwart übersetzten.  

Anzeige

Bei der Urteilsverkündung war Galliano nicht anwesend. Ihm drohten bis zu sechs Monate Haft und mehr als 20.000 Euro Strafe, weil er im vergangenen Herbst und Winter in seiner Stammkneipe im Pariser Szeneviertel Marais mehrere Gäste beleidigt hatte.

Im Verfahren gab der Stardesigner zu, alkohol- und tablettenabhängig zu sein. Nach eigenen Angaben machte er nach seiner Kündigung eine zweimonatige Entziehungskur.

In der Modebranche wird unterdessen weiter darüber spekuliert, wer Galliano auf dem Posten des Dior-Chefdesigners nachfolgt. Das amerikanische Branchenblatt Women's Wear Daily hatte vor einigen Wochen berichtet, Louis-Vuitton-Designer Marc Jacobs würde bei Dior übernehmen. Offiziell bestätigt hat der Luxuskonzern LVMH, zu dem sowohl Dior als auch Louis Vuitton gehören, diese Personalentscheidung bislang jedoch nicht.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • go_east
    • 08. September 2011 16:51 Uhr

    Bei einem Mann mit seinem Vermögen währe eine höhere Geldstrafe natürlich wünschenswert gewesen, aber eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten(!) ist bei einem nicht vorbestraften Mann unangemessen.

    Es währe ein merkwürdiges Zeichen wenn antisemitische Äusserungen schlimmer bestraft werden würden als eine schwere Körperverletzung. Desweiteren hat der Mann seinen Job für diese Äusserung verloren, dies sollte ausreichen.

    Eine Verpflichtung zu einer Entziehungskur würde hier eher weiterhelfen.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Über den Wert solcher Beleidigungen lässt sich ja bekanntlich streiten, aber erstens einmal ist die Karierre dieses Mannes nach so einem Exzess nahezu vollständig ruiniert, zweitens kommt da noch die Abhängigkeit mit rein und drittens ist das Strafmaß vollkommen unangemessen.

  1. Über den Wert solcher Beleidigungen lässt sich ja bekanntlich streiten, aber erstens einmal ist die Karierre dieses Mannes nach so einem Exzess nahezu vollständig ruiniert, zweitens kommt da noch die Abhängigkeit mit rein und drittens ist das Strafmaß vollkommen unangemessen.

    2 Leserempfehlungen
    • Hermez
    • 08. September 2011 17:24 Uhr

    der Mann ist ja nicht irgendwer, sondern eine Person des öffentlichen Lebens. Da ist der Druck natürlich enorm groß und es ist bestimmt nicht leicht immer die Contenance zu bewahren. Sei`s drum...daneben war die Nummer auf jeden Fall.
    Mitleid? No Monsieur.....

    • zelotti
    • 08. September 2011 18:22 Uhr

    Dann kann der alles mögliche sagen und erzählen.

    2 Leserempfehlungen
  2. Waere es nur um Asiaten gegangen, haette wahrscheinlich
    niemand danach gekraeht. Ich finde gegen Suff-Tiraden waere
    am besten an Ort und Stelle eins auf die Fresse. Der ganze
    Medien-Rummel reizt einige Leute nur zur Nachahmung.

  3. Wie versteh ich das denn? Muss er die 6000 € nur zahlen, wenn er nochmals pöbelt?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle AFP, dpa, ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dior | Euro | Geldstrafe | LVMH | Louis Vuitton | Marc Jacobs
Service