Im spektakulären Kunstfälscher-Prozess um die vermeintlichen Sammlungen Jägers und Knops hat der Hauptangeklagte ein Geständnis abgelegt. "Alle Bilder habe ich allein gemalt", sagte Wolfgang B. vor dem Kölner Landgericht. Er habe auch die Entscheidungen getroffen, wie und wo und zu welchen Preisen die Bilder verkauft werden sollten.

Damit zeichnet sich am dritten Verhandlungstag ein frühzeitiges Ende des Prozesses ab. Die vier Angeklagten und die Staatsanwaltschaft stimmten dem Vorschlag der Strafkammer für eine Verständigung zu. Den Beschuldigten werden damit Höchststrafen von bis zu sechs Jahren Haft in Aussicht gestellt. Im Gegenzug müssen sie vor dem Kölner Landgericht durch Geständnisse zu einer "umfassenden und rückhaltlosen" Aufklärung der Tatvorwürfe beitragen.

Mit diesem sogenannten Deal könnte die Dauer eines der größten Kunstfälscher-Verfahren der vergangenen Jahrzehnte deutlich verkürzt werden. Für den Prozess waren 40 Verhandlungstage bis Anfang März 2012 anberaumt.

16 Millionen Euro kassiert

Angeklagt sind zwei Männer und zwei Frauen, die über Jahrzehnte hinweg 47 gefälschte Werke der Maler Max Pechstein, Max Ernst und Heinrich Campendonk in den Kunsthandel geschleust und damit knapp 16 Millionen Euro verdient haben sollen. Die Bilder stammten angeblich aus einer in Wahrheit nicht existierenden "Sammlung Werner Jägers" und einer ebenfalls fingierten "Sammlung Wilhelm Knops". Die Fälschungen waren über renommierte Auktionshäuser und Galerien verkauft worden.

Bei umfassenden Geständnissen stellte das Gericht dem 60-jährigen mutmaßlichen Kunstfälscher Wolfgang B. eine Höchststrafe von sechs Jahren, seiner Ehefrau Helene B. eine Höchststrafe von vier Jahren in Aussicht. Jeanette S. kann mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe rechnen. Otto S. droht eine Höchststrafe von bis zu fünf Jahren Haft.

Seit einem Jahr in U-Haft

Wolfgang und Helene B. sollen fast eine Million Franken, die auf einem Schweizer Konto lagern, an die Kölner Gerichtskasse zahlen. Das Gericht stellte außerdem die Einstellung der weiteren Ermittlungen in mehr als 30 Fällen in Aussicht. Die Anklage gründet sich auf bisher 14 nachgewiesene Fälschungen. Ferner ist wegen verminderter Fluchtgefahr bei strengen Auflagen die Aufhebung der Untersuchungshaft der drei Hauptbeschuldigten möglich. Sie sind seit mehr als einem Jahr inhaftiert.

Für den Nachmittag werden erste Geständnisse vor dem Landgericht Köln erwartet. Die vier Angeklagten hatten vergangene Woche zum ersten Mal über ihr Leben geredet, aber jede Aussage zu den Vorwürfen vermieden.