Benedikt in Deutschland Papst beklagt Gleichgültigkeit gegenüber Religion

Bei seinem Empfang im Schloss Bellevue forderte Benedikt die Menschen in Deutschland zu mehr Gemeinsinn auf. Danach besprach er mit Kanzlerin Merkel die Finanzkrise.

Papst Benedikt mit Bundespräsident Christian Wulff im Garten von Schloss Bellevue

Papst Benedikt mit Bundespräsident Christian Wulff im Garten von Schloss Bellevue

Papst Benedikt XVI. hat zu Beginn seines ersten offiziellen Staatsbesuchs in Deutschland eine zunehmende Gleichgültigkeit in der Gesellschaft gegenüber der Religion beklagt. Sie sei notwendig als Grundlage für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft, sagte der Papst bei seiner Rede vor Mitgliedern der Bundesregierung und anderen Würdenträgern im Garten von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin.

In seiner Rede hob Benedikt den religiösen Charakter seiner Reise durch Deutschland hervor. Er sei "nicht in erster Linie hierher gekommen, wie es andere Staatsmänner tun, um bestimmte politische oder wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, sondern um den Menschen zu begegnen und mit ihnen über Gott zu sprechen", sagte der Papst.

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Im Anschluss traf der Papst Bundeskanzlerin Angela Merkel und sprach mit ihr über die die Schuldenkrise. "Wir haben über Finanzmärkte gesprochen, über die Tatsache, dass die Politik schon die Kraft haben sollte, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein", sagte die Kanzlerin. Dies sei eine sehr große Aufgabe in der Zeit der Globalisierung.

Auch Europa sei Thema der Unterredung gewesen, sagte Merkel. "Ich habe hier noch einmal sehr, sehr deutlich gemacht, dass die europäische Einigung für uns Deutsche unverzichtbar ist." Sie bedeute Wohlstand und Freiheit.
 

German troops walk around the red carpet on the Tegel airport tarmac on September 22, 2011 in Berlin, where Pope Benedict XVI is to land for the start of his first state visit to his native Germany. The 84-year old pope, German born Joseph Ratzinger, has a packed program, with 18 sermons and speeches planned for his four-day trip to Berlin, Erfurt in the ex-German Democratic Republic and Freiburg. AFP PHOTO / ODD ANDERSEN (Photo credit should read ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images)

Um 16.15 Uhr wird der Papst im Bundestag sprechen. Abgeordnete des Bundestages hatten kritisiert, dass Benedikt nicht als Staatsoberhaupt, sondern als Religionsführer wahrgenommen werde und daher seine geplante Rede im Bundestag im Widerspruch zur Trennung von Staat und Religion stehe. Etwa 100 Parlamentarier wollen den Auftritt unter anderem deshalb boykottieren.

Wulff spielt auf Missbrauchsskandal an

In seiner Rede zur Begrüßung des Papstes brachte Bundespräsident Christian Wulff verhalten Kritik an der katholischen Kirche vor. Wichtig sei, dass die Kirchen den Menschen nahe blieben, dass sie sich trotz Sparzwängen und Priestermangel nicht auf sich selbst zurückzögen. Kirche sei keine Parallelgesellschaft, sondern lebe mitten in der Gesellschaft. Deshalb stelle sich auch immer wieder die Frage: "Wie barmherzig geht sie mit den Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern?"

Damit spielte Wulff auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche an und auf die Situation wiederverheirateter Geschiedener, die sich die Teilnahme an der Kommunion wünschen.

Nach der festlichen Begrüßung war etwa eine halbe Stunde für ein Gespräch von Wulff und Benedikt unter vier Augen vorgesehen. Auch eine Begegnung mit der Familie des Bundespräsidenten ist geplant. Der Katholik Wulff ist in zweiter Ehe verheiratet. Mit seiner Frau Bettina hat er einen gemeinsamen Sohn. Frau Wulff hat ihren Sohn mit in die Ehe gebracht.

Nach dem Treffen mit Merkel hält der Papst eine Rede im Bundestag. Später am Tag ist eine Messe vor rund 70.000 Gläubigen im Olympiastadion vorgesehen.

 
Leser-Kommentare
    • naluss
    • 22.09.2011 um 12:26 Uhr

    [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich. Danke. Die Redaktion/er

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    • kfmb
    • 22.09.2011 um 13:48 Uhr

    eine Einrichtung, die sich den Schwachen verschreibt!

    • kfmb
    • 22.09.2011 um 13:48 Uhr

    eine Einrichtung, die sich den Schwachen verschreibt!

  1. Wenn die Kirche für Schwache da ist, wird sie jedenfalls ihrem Auftrag gerecht.

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    ohne auf den üblichen Zug aufspringen zu wollen, aber global gesehen scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein - man bedenke die mafiösen Strukturen in Südamerika, die geschmacklosen "konvertiere, dann kriegst du was zu essen"-Praktiken in Afrika, die Verdammung von Kranken (AIDS), Mißbrauch an Kindern, usw.

    Ich gebe zu, daß sowohl der Glauben, als aus nicht wenige Einrichtungen der katholischen Kirche Altruismus pflegen, doch würde man den Versuch wagen, die Handlungen der Kirche insgesamt abzuwägen, so scheint es mir, wäre das Ergebnis selbst nach christlichen Maßstäben äußerst negativ.
    Das machen sämtliche katholischen Suppenküchen der Welt nicht wieder wett - zumal jene ja auch noch von Steuergeldern mitfinanziert werden (?)

    Wenn man dann noch die gesamte Kirchengeschichte mit einbezieht, wird´s noch schlimmer.

    Was ich sagen will: ethische Dogmen, egal ob christlich, politisch oder sonstwie, lassen den Menschen nicht ethischer Handeln. Oftmals sind sie sogar kontraproduktiv.

    ohne auf den üblichen Zug aufspringen zu wollen, aber global gesehen scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein - man bedenke die mafiösen Strukturen in Südamerika, die geschmacklosen "konvertiere, dann kriegst du was zu essen"-Praktiken in Afrika, die Verdammung von Kranken (AIDS), Mißbrauch an Kindern, usw.

    Ich gebe zu, daß sowohl der Glauben, als aus nicht wenige Einrichtungen der katholischen Kirche Altruismus pflegen, doch würde man den Versuch wagen, die Handlungen der Kirche insgesamt abzuwägen, so scheint es mir, wäre das Ergebnis selbst nach christlichen Maßstäben äußerst negativ.
    Das machen sämtliche katholischen Suppenküchen der Welt nicht wieder wett - zumal jene ja auch noch von Steuergeldern mitfinanziert werden (?)

    Wenn man dann noch die gesamte Kirchengeschichte mit einbezieht, wird´s noch schlimmer.

    Was ich sagen will: ethische Dogmen, egal ob christlich, politisch oder sonstwie, lassen den Menschen nicht ethischer Handeln. Oftmals sind sie sogar kontraproduktiv.

  2. So liest man die Überschrift hier in der ZEIT oder auch im SPIEGEL...

    Man könnte es, aus gegebenen Anlass, mal umdrehen:

    "Missbrauchsopfer beklagen mangelnde Aufarbeitung und Rechtsfolgen der Kirche"

    (gilt leider für beide Kirchen...)

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    die Odenwaldschule eigentlich mittlerweile geschlossen?

    die Odenwaldschule eigentlich mittlerweile geschlossen?

  3. Religion?

    Nein,Danke!

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    Um Gottes Villen!

    Um Gottes Villen!

  4. was sagt Gott zurzeit so, wie gehts weiter mit Mensch Tier und Pflanze?

    13 Leser-Empfehlungen
  5. ...nicht Grundlage, sondern Gift für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft und in der Welt.

    Ein gesellschaftliches Miteinander mit verschiedenen Überzeugungen und Religionen bedarf Übereinkünften, die über jeglicher Religion stehen. Übereinkünften wie es zum Beispiel die Menschenrechte sind. Übereinkünfte, die sich auf einen aus freiem Denken geschlossenen Konsens berufen.

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    Das menschliche Miteinader ist keine rationelle Kategorie die sich von Gefühlen und Begierde irgendwann trennen wird.

    Menschenrechte selbstverständlich sollte man restlos bejahen, aber sie selbst sind nicht die ganze Metaphysik des Lebens, nur ein wesentliches Teil der Rechtssprechung.

    Sollte man die Menschenrechte als Ersatz für die Religion oder persönlichen Überzeugungen denken, dann wird sich immer weniger Menschenrechte bedauerlicherweise geben.

    Lassen wir die Kirche im Dorf und den Papst in Berlin ihren stillen Platz mit Gläubigen zu teilen. Es ist auch ein Menschenrecht.

    Das menschliche Miteinader ist keine rationelle Kategorie die sich von Gefühlen und Begierde irgendwann trennen wird.

    Menschenrechte selbstverständlich sollte man restlos bejahen, aber sie selbst sind nicht die ganze Metaphysik des Lebens, nur ein wesentliches Teil der Rechtssprechung.

    Sollte man die Menschenrechte als Ersatz für die Religion oder persönlichen Überzeugungen denken, dann wird sich immer weniger Menschenrechte bedauerlicherweise geben.

    Lassen wir die Kirche im Dorf und den Papst in Berlin ihren stillen Platz mit Gläubigen zu teilen. Es ist auch ein Menschenrecht.

  6. Goethe...

    «Mir willst du zum Gotte machen
    Solch ein Jammerbild am Holze!»

    Wer Jesus als Menschwerdung Gottes betrachtet, bindet die "höhere Instanz" an die Menschheit zurück und nicht die Menschheit an die "höhere Instanz". Das ist das Problem!

    • sxouk2
    • 22.09.2011 um 12:33 Uhr

    der satz sollte "Papst beklagt Gleichgültigkeit gegenüber KIRCHE!" heißen.

    ich glaube, dass immer gläube sich von der institution kirche abwenden - und das ist gut so.

    um zu glauben und glauben zu leben, bedarf keiner goldverzierten kathedrale, keiner päpste, bischöffe, etc. mit handgestickten gewändern, keiner stadtstaaten mit vermögen, die weit über das so mancher staaten hinausgeht.

    glaube? gerne!

    kirche? nein, danke.

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    Ich dachte langsam ich bin der Einzige der das eine vom anderen unterscheiden kann.

    aus der Seele. Dieser ganze Aufstand, der um den Papst gemacht wird, lädt lediglich zum Kopfschütteln ein.
    Der Glaube an Gott und "Religion" sind grundverschieden.

    Kurzum: Eine widerliche Theatralik.

    Herr, was hast du dir dabei nur gedacht.....

    …eine Stadt so ganz ohne Gotteshäuser wäre auch irgendwie deprimierend und uninteressant.

    Also wenn ich die Wahl hätte zwischen einer „vernünftigen“ Sowjetstadt (alles da, was man so braucht! Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Schulen, Krankenhäuser, Straßen…) und einer italienischen Altstadt…

    Ich dachte langsam ich bin der Einzige der das eine vom anderen unterscheiden kann.

    aus der Seele. Dieser ganze Aufstand, der um den Papst gemacht wird, lädt lediglich zum Kopfschütteln ein.
    Der Glaube an Gott und "Religion" sind grundverschieden.

    Kurzum: Eine widerliche Theatralik.

    Herr, was hast du dir dabei nur gedacht.....

    …eine Stadt so ganz ohne Gotteshäuser wäre auch irgendwie deprimierend und uninteressant.

    Also wenn ich die Wahl hätte zwischen einer „vernünftigen“ Sowjetstadt (alles da, was man so braucht! Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Schulen, Krankenhäuser, Straßen…) und einer italienischen Altstadt…

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