Todesstrafen-Gegner mit Plakaten für Troy Davis © ERIK S. LESSER/AFP/Getty Images

Hier steht nichts zum Papst. Es muss auch papstfreie Zonen geben. Hier geht es um das exakt andere Ende, um die gottlose Zone, wie sie in der Nacht zum Donnerstag in Jackson, Georgia, USA zu beklagen war. Hier wurde Troy Davis mit einer Giftspritze hingerichtet, nachdem er 20 Jahre in der Todeszelle verbracht und immer wieder seine Unschuld beteuert hatte. Troy Davis soll 1989 den Polizisten Mark Allen McPhail erschossen haben. Nach der Hinrichtung ist die weltweite Empörung groß. Vorher hatte es zahlreiche Gnadenappelle gegeben, unter anderem auch vom derzeitigen Deutschlandbesucher aus dem Vatikan. Sie haben nichts genützt . Die Empörung ist auch deshalb so groß, weil Troy Davis mutmaßlich unschuldig ist.

Damals hatten vor dem Urteilsspruch neun Zeugen ausgesagt, er sei der Täter gewesen. Sieben dieser Zeugen zogen ihre Aussage später zurück und sagten, sie seien von Polizisten zu ihrer ersten Aussage gezwungen worden, ein achter ist schwer psychisch krank und der neunte, einzig verbliebene Belastungszeuge stand selbst unter Tatverdacht. Eine Tatwaffe wurde nicht gefunden, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke konnten ebenfalls nicht entdeckt werden. Trotzdem wurde Troy Davis, 42 Jahre alt, um 23.08 Ortszeit getötet. Aber ist es zur Bewertung dieser Tat nicht unerheblich, ob Troy Davis schuldig war? Wird die Hinrichtung, wird die Todesstrafe ein wenig weniger gottlos, wenn sie bei einem Täter vollstreckt wird?

"Du sollst nicht töten", sagt das fünfte Gebot der Christen, zu denen sie sich auch, und ganz vehement, in den Vereinigten Staaten zählen. Selbst wenn jemand etwas Schlimmes getan hat, wollten wir nicht ein bisschen besser sein, statt uns mit einer ähnlich schlimmen Tat auf eine Stufe mit dem Verbrecher zu stellen? Und weil jetzt wieder der Verweis auf die islamischen Gottesstaaten kommt, über deren Gräueltaten geschwiegen werde und sich nur bei den Amerikanern aufgeregt werde, noch einmal die Frage: Wollten wir nicht ein bisschen besser sein und uns davon abheben? Wenn Troy Davis unschuldig war, dann ist es ein Skandal, ein himmelschreiender Justizskandal, dass er 20 Jahre im Gefängnis saß. Wenn Troy Davis schuldig war, wenn er Mark Allen McPhail erschossen hat im August 1989, dann hat er zu Recht im Gefängnis gesessen. Und dann ist es viel mehr als ein Skandal, dann ist es ein himmelschreiendes Unrecht, ein verwerflicher Frevel und für Christen ist es auch eine Todsünde, ihn zu töten. So wahr uns Gott helfe.

Erschienen im Tagesspiegel