Occupy Wall Street : New Yorker Polizei nimmt Hunderte Demonstranten fest

Mehr als 700 Menschen sind in New York festgenommen worden. Sie haben auf der Wall Street gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise und die Macht der Banken protestiert.
Die New Yorker Polizei nimmt Demonstranten vor der Brooklyn Bridge fest. © Mario Tama/Getty Images

Die Polizei begründete ihr Vorgehen damit, dass die Demonstranten die Brooklyn Bridge, eines der Wahrzeichen der Stadt, blockierten. Die Brücke habe deshalb am Nachmittag für mehrere Stunden für den Verkehr gesperrt werden müssen, erklärte die New Yorker Polizei.

Die meisten der mehr als 700 Festnahmen seien wegen "Ruhestörung" erfolgt, sagte ein Polizeisprecher. Einige der Festgesetzten seien nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß gekommen, andere sollten den ganzen Tag in Gewahrsam bleiben und müssten mit Gerichtsprozessen rechnen, fügte er hinzu.

Die Proteste gegen die Banken hatten vor zwei Wochen in einem kleinen Park in Manhattan begonnen. Eine geplante symbolische Besetzung der Wall Street wurde von der Polizei mit einem massiven Aufgebot verhindert. Diesmal hatten die Demonstranten daher beschlossen, zur Brooklyn Bridge zu ziehen. Nach Angaben der Polizei liefen sie zu Hunderten auf die Brücke und blockierten den Verkehr. Einige hätten die Aufforderung der Polizei, die Brücke zu räumen, jedoch befolgt.

Die Demonstranten sind über die Internetseite occupywallst.org ("Besetzt die Wall Street") vernetzt. Sie wollen mit ihren Aktionen nach eigenen Angaben gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA protestieren. Ihr Ärger richtet sich auch gegen das mitunter brutale Vorgehen der Polizei in der US-Metropole, nachdem vor rund einer Woche ein Polizist Pfefferspray gegen vier Protestierende eingesetzt hatte, die sich bereits in Polizeigewahrsam befanden.

In Boston gab es Angaben der Polizei vom Samstag zufolge ähnliche Proteste, als eine große Menge am Freitagnachmittag vor Büros der Bank of America demonstrierte. Ihr Protest richtete sich unter anderem gegen Zwangsversteigerungen von Immobilien. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 3.000 Menschen an den Demonstrationen, die Polizei gab keine Schätzung ab.

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Kommentare

73 Kommentare Seite 1 von 14 Kommentieren

Es geht langsam los.

Ich glaube die friedlichen Jahrzehnte gehen jetzt langsam vorbei.

Das System stürzt in sich zusammen und Freiheit und Demokratie werden immer mehr eingeschränkt werden. Es würde mich auch nicht wundern, wenn wir in absehbarer Zeit auch in einigen europäischen Ländern bürgerkriegsähnliche Zustände bekommen werden.

Alle Achtung

Ich neige gerne dazu, die US-Amerikaner über einen Kamm zu scheren, sie ALLE als oberflächlich, bigott und ungebildet zu sehen. Aber dieser Protest zeigt, dass es auch welche gibt, die mir sympathisch sind. Es gehört nämlich schon sehr viel (Zivil-) Courage dazu, in einem autodominierten Land wie den USA eine wichtige Straße zu blockieren!

So dachte ich auch, bis ich...

Videos und Bilder zu den Protesten in Madison (Wisconsin) sah. Die US-Bürger sind genauso wie wir hier in Europa. Sie sind vielleicht sogar eher bereit für ihre Rechte zu kämpfen als wir Deutschen. Ich unterstütze die Proteste voll und ganz, weil sie auf etwas deutlich machen, woran unsere Welt krankt. Die Deutschen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie überhaupt bereit sind für ihre Rechte zu kämpfen oder ob sie sich alles gefallen lassen? Demokratie heißt nicht nur zu wählen oder sich wählen zu lassen, sondern selbst aktiv (nicht gemeint die sogenannte "Eigenverantwortung", die Versicherungen und Banken fett machen) zu werden, wenn man in seiner Lebensführung beschnitten wird. ein vergleich hierzu dürfte das deutlich machen: Wenn in Frankreich das Renteneintrittsalter auf 62 Jahren angehoben wird, dann gehen die Leute zu Tausenden auf die Straße. Bei uns rührt sich nichts, wenn über die Rente mit 70 diskutiert wird. Dieses Engagement zeichnet einen richtigen Citoyen mit demokratischen Prinzipien aus. Wir Deutschen sind davon leider sehr weit entfernt. Da können Pispers, Schramm, Pelzig, Priol, etc. uns noch so zum Protest drängen, aber es ist wahrscheinlich sinnlos. Eines sollte uns klar sein, die Demokratie ist überall in Gefahr und ihre Zerstörung wäre für uns alle verheerend. Protest ist also Gebot der Stunde, um zu bewahren wofür Menschen ihr Leben ließen. Für die Demokratie.

Deutsche Lethargie

Ja, leider ist es so, dass wir hier in Deutschland immer gerne besserwisserisch mit erhobenem Zeigefinger auf andere Länder und Kulturen herabsehen ...

... aber in Wahrheit ist es doch so, dass wir uns eher mal eine Scheibe abschneiden sollten von dem Mut und der Zivilcourage, die anderswo aufgebracht wird und von dem Willen, etwas zu TUN. Während man in Deutschland lieber jammert und meckert, anstatt den Hintern hochzukriegen und aktiv zu sein, machen andere es uns vor. Sie befreien sich von ihren Diktatoren oder starten nun Aktionen wie in den USA. Michel und Micheline in Deutschland sehen sich das in den Medien an und geben schlaue Sprüche dazu ab - das war`s dann.

Nicht auf die Polizisten schimpfen,

Denn Sie wissen nicht was Sie tun! Diese Beamten sind nur arme, wahrscheinlich interlektuell mässig begabte Büttel die stumpf ihren Befehlen folgen. Genausogut kann man den Polizeihund dafür verantwortlich machen das er auf Befehl seines Hundeführers beißt!
Aber eines sollte man diesen Beamten sagen: Wenn Sie friedlichen Protest, friedliche Veränderungen unmöglich machen bleiben als Alternativen nur noch Kadavergehorsam der Massen oder gewaltsamer Protest der Massen! Und ob Sie eine von beiden Welten WIRKLICH wollen müssen Sie entscheiden!

LG

Klaus