Vertuschter Missbrauch US-Behörden klagen erstmals Bischof an

Erstmals muss sich in den USA ein hochrangiger Kirchenfunktionär in einem Missbrauchsskandal vor Gericht verantworten. Er soll Übergriffe eines Priesters vertuscht haben.

Missbrauchsopfer demonstrieren in San Diego (Archiv)

Missbrauchsopfer demonstrieren in San Diego (Archiv)

Seit Jahren erschüttern Missbrauchsskandale die katholische Kirche in den USA – zum ersten Mal ist nun ein Bischof in diesem Zusammenhang angeklagt worden. Robert Finn von der Diözese Kansas City-Saint Joseph wird vorgeworfen, Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch einen ihm untergebenen Priester nicht sofort gemeldet zu haben. Das teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit.

Auf dem Laptop des Priesters waren bei Wartungsarbeiten kinderpornografische Fotos von jungen Mädchen gefunden worden. Die Diözese meldete den Fall aber erst fünf Monate später. Nach Angaben der Familie eines betroffenen Mädchens, die in dem Fall auch zivilrechtlich gegen die Kirche vorgeht, versuchte die Diözese sogar, dem Priester dabei zu helfen, den Fall zu vertuschen. So sei etwa der Computer zerstört worden.

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Der angeklagte Bischof Robert Finn plädierte vor Gericht auf nicht schuldig. Er wies jede strafbare Handlung zurück, räumte aber ein, bereits im Dezember von Fotos gewusst zu haben, die sein Untergebener von einem Mädchen gemacht habe. Erst im Mai habe er sich dann schließlich an die Polizei gewandt.

Diözese will sich "energisch verteidigen"

Gegen den Priester wurde im August Anklage erhoben. Er muss sich unter anderem wegen des Besitzes und der Herstellung von Kinderpornografie vor Gericht verantworten. Gerichtsdokumenten zufolge besuchte er zwischen Dezember 2010 und Mai des darauf folgenden Jahres zahlreiche Kindergeburtstage, verbrachte Wochenenden mit Familien aus der Gemeinde und leitete mit Billigung des Bischofs die Kommunionfeier eines Mädchens.

In einer Erklärung des Bischofs und der Diözese heißt es: "Wir werden diesen Bekanntmachungen (der Staatsanwaltschaft) mit steter Entschlossenheit und einer energischen Verteidigung begegnen." Finn teilte mit: "In tiefem Glauben werden wir diesen Sturm überstehen und unsere Mission erfüllen, auch in Zeiten der Bedrängnis."

Das Image der katholischen Kirche in den USA ist durch eine Reihe von Missbrauchsskandalen schwer angeschlagen. Allein 2010 wurden fast 700 mutmaßliche Übergriffe gemeldet, die allerdings oft schon Jahrzehnte zurücklagen. Vor knapp zehn Jahren war die Kirche mit ihrem bisher größten Missbrauchsskandal konfrontiert. Im Zentrum stand die Erzdiözese Boston (US-Staat Massachusetts), die sich im Jahre 2003 verpflichtete, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Hunderte Menschen zu zahlen.

Auch in Kalifornien verpflichtete sich die katholische Kirche zu Entschädigungen. Landesweit sollen die Zahlungen in den USA in die Milliarden gegangen sein.
 

 
Leser-Kommentare
  1. mit dem etablierten System der Staatskirchen wohl n i e m a l s passieren.

    • kyon
    • 15.10.2011 um 15:52 Uhr

    Offensichtlich sieht der Herr Bischof seine "Mission" nicht darin, Kinder vor einem pädophilen Vereinsmitglied zu schützen, sondern vielmehr darin, den Verein selbst zu schützen.
    "In tiefem Glauben" will er das tun. Glaubt er, er habe gottgefällig gehandelt? Interessante Ansichten hat der Mann!

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  2. Ganz so schlecht kann es um die US Justiz dann doch nicht gestellt sein, ein solcher Fall würde in Kirchenkonkordatland Deutschland nicht vor Gericht erscheinen, mangels öff. Interesse.

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  3. Die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika ist in einer Lage, die sich von der in Europa grundlegend unterscheidet. Aus einer unterlegenen Position hat sie sich, vor allem dank der Einwanderung aus Südamerika, zur größten religiösen Organisation entwickelt.
    Sie repräsentiert die Gegenseite einer weißen, angelsächsisch-protestantischen Zivilisation. Daß es allein um Mißbrauch geht, wenn Milliardensummen fließen, ist schwer vorstellbar.
    Eine sachlich fundierte Beleuchtung der Hintergründe durch die Presse steht bislang aus.

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    Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der Vereinigten Staaten. (Quelle Wikipedia).
    Von einer unterlegenen Position zu sprechen ist also widersinnig. Richtig ist. Die Katholische Kirche ist im Gegensatz zu Deutschland in keiner privilegierten Situation, sondern nur eine Sekte von vielen.

    Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der Vereinigten Staaten. (Quelle Wikipedia).
    Von einer unterlegenen Position zu sprechen ist also widersinnig. Richtig ist. Die Katholische Kirche ist im Gegensatz zu Deutschland in keiner privilegierten Situation, sondern nur eine Sekte von vielen.

  4. Ich werde aus den Aussagen nicht ganz schlau.
    Einerseits soll er in die Vertuschung verwickelt sein, andererseits soll er sich selbst an die Polizei gewandt haben.
    Daher meine Fragen: Hat er sich an die Polizei gewandt? Wenn ja, war dies von sich aus oder unter Druck? Was genau hat er angegeben?
    Wenn er wirklich daran beteiligt war, dann verdient er eine Bestrafung und lernt hoffentlich daraus.
    Und darüber hinaus wäre dann eine demütige Entschuldigung aus dem Herzen angebracht, denn er hat mißbrauchten Kindern das Erzählen, Aufklären und Verarbeiten erschwert.
    Wenn er das dann nicht einsieht und kann, dann soll er sein Amt räumen und aus dem Dienst der Kirche austreten.
    Meine Forderung als Katholik.

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    Im Dezember 2010 entdeckte ein Techniker auf dem Laptop des Priesters verdächtige Fotos von kleinen Mädchen, die der Priester (teilweise) selbst gemacht hatte, und überließ das Notebook der Diözese. Ein Diözesanverantwortlicher beschrieb einem Polizisten ein Foto, welcher meinte, dass der Vorwurf der Kinderpornographie wohl nicht erfüllt sei.

    Bischof Finn schickte den Priester, der zuvor in der Seelsorge mit Kindern tätig war, in ein Kloster und verbot ihm den Kontakt mit Kindern. Dennoch besuchte der Priester in dieser Zeit Kindergeburtstage und verbrachte Zeit mit Familien. In dieser Zeit soll er ein weiteres Mädchen missbräuchlich fotografiert haben. Mit Erlaubnis des Bischofs nahm er auch an einer Erstkommunionfeier teil.

    Im Mai kontaktierte die Diözese schließlich die Polizei und ließ den Priester festnehmen, aufgrund der zahlreichen Fotos auf dem Notebook des Priesters und weil er sich nicht an die Auflagen des Bischofs gehalten hatte.

    Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun vor, den Priester nicht sofort angezeigt zu haben.

    Im Dezember 2010 entdeckte ein Techniker auf dem Laptop des Priesters verdächtige Fotos von kleinen Mädchen, die der Priester (teilweise) selbst gemacht hatte, und überließ das Notebook der Diözese. Ein Diözesanverantwortlicher beschrieb einem Polizisten ein Foto, welcher meinte, dass der Vorwurf der Kinderpornographie wohl nicht erfüllt sei.

    Bischof Finn schickte den Priester, der zuvor in der Seelsorge mit Kindern tätig war, in ein Kloster und verbot ihm den Kontakt mit Kindern. Dennoch besuchte der Priester in dieser Zeit Kindergeburtstage und verbrachte Zeit mit Familien. In dieser Zeit soll er ein weiteres Mädchen missbräuchlich fotografiert haben. Mit Erlaubnis des Bischofs nahm er auch an einer Erstkommunionfeier teil.

    Im Mai kontaktierte die Diözese schließlich die Polizei und ließ den Priester festnehmen, aufgrund der zahlreichen Fotos auf dem Notebook des Priesters und weil er sich nicht an die Auflagen des Bischofs gehalten hatte.

    Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun vor, den Priester nicht sofort angezeigt zu haben.

  5. Im Dezember 2010 entdeckte ein Techniker auf dem Laptop des Priesters verdächtige Fotos von kleinen Mädchen, die der Priester (teilweise) selbst gemacht hatte, und überließ das Notebook der Diözese. Ein Diözesanverantwortlicher beschrieb einem Polizisten ein Foto, welcher meinte, dass der Vorwurf der Kinderpornographie wohl nicht erfüllt sei.

    Bischof Finn schickte den Priester, der zuvor in der Seelsorge mit Kindern tätig war, in ein Kloster und verbot ihm den Kontakt mit Kindern. Dennoch besuchte der Priester in dieser Zeit Kindergeburtstage und verbrachte Zeit mit Familien. In dieser Zeit soll er ein weiteres Mädchen missbräuchlich fotografiert haben. Mit Erlaubnis des Bischofs nahm er auch an einer Erstkommunionfeier teil.

    Im Mai kontaktierte die Diözese schließlich die Polizei und ließ den Priester festnehmen, aufgrund der zahlreichen Fotos auf dem Notebook des Priesters und weil er sich nicht an die Auflagen des Bischofs gehalten hatte.

    Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun vor, den Priester nicht sofort angezeigt zu haben.

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    für die weiterführenden Informationen. Klingt für mich so, als sei etwas geschehen, aber nicht genug. Sehr kompliziert. Ich würde die Opfer befragen, wie sie das sehen. Aber das ist natürlich nicht mit irgendwelchen Gesetzen gedeckt.

    für die weiterführenden Informationen. Klingt für mich so, als sei etwas geschehen, aber nicht genug. Sehr kompliziert. Ich würde die Opfer befragen, wie sie das sehen. Aber das ist natürlich nicht mit irgendwelchen Gesetzen gedeckt.

  6. Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der Vereinigten Staaten. (Quelle Wikipedia).
    Von einer unterlegenen Position zu sprechen ist also widersinnig. Richtig ist. Die Katholische Kirche ist im Gegensatz zu Deutschland in keiner privilegierten Situation, sondern nur eine Sekte von vielen.

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    Immer wieder muß ich die Beobachtung machen, daß Personen, die aus Wikiblödia zitieren, den Sinn einfacher Sätze nicht erfassen können.
    Ich schrieb:
    "Aus einer unterlegenen Position hat sie sich, vor allem dank der Einwanderung aus Südamerika, zur größten religiösen Organisation entwickelt."
    Der erste Teil des Satzes bezieht sich auf die Vergangenheit, der zweite Teil auf die Gegenwart.

    Immer wieder muß ich die Beobachtung machen, daß Personen, die aus Wikiblödia zitieren, den Sinn einfacher Sätze nicht erfassen können.
    Ich schrieb:
    "Aus einer unterlegenen Position hat sie sich, vor allem dank der Einwanderung aus Südamerika, zur größten religiösen Organisation entwickelt."
    Der erste Teil des Satzes bezieht sich auf die Vergangenheit, der zweite Teil auf die Gegenwart.

  7. Immer wieder muß ich die Beobachtung machen, daß Personen, die aus Wikiblödia zitieren, den Sinn einfacher Sätze nicht erfassen können.
    Ich schrieb:
    "Aus einer unterlegenen Position hat sie sich, vor allem dank der Einwanderung aus Südamerika, zur größten religiösen Organisation entwickelt."
    Der erste Teil des Satzes bezieht sich auf die Vergangenheit, der zweite Teil auf die Gegenwart.

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    Antwort auf "Unterlegene Position?"

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