Occupy-Bewegung Reicht es, einfach nur dagegen zu sein?
Weltweit protestieren Occupy-Demonstranten gegen bestehende Verhältnisse. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist ein diffuses Unwohlsein. Reicht das? Ein Pro-und-Contra
© Justin Sullivan/Getty Images

Demonstranten der Occupy-Bewegung tragen ein goldenes Kalb mit der Aufschrift "Greed", Gier, durch San Francisco.
Contra – Dagegen sein ist nicht genug.
Tausende Menschen empören sich weltweit. Sie ziehen durch die Bankenviertel und halten Schilder hoch: "Wir sind die 99 Prozent!" oder "Essen statt Bomben". Irgendwas, das spüren die Menschen, geht schief auf dieser Welt. Und bei jeder Demonstration sprudelt er aus ihnen heraus: Der Wunsch nach Wandel. Aber weil niemand sich vorstellen kann, woher der Wind of Change wehen soll, folgt man dem Impuls, das Bestehende zu verdammen. Und schlicht dagegen zu sein: Gegen Kapitalismus, gegen Krieg, gegen Korruption.
Occupy ist kein politisches Projekt – es ist ein Event. Schuld daran sind die Demonstranten selbst, weil ihnen ihr Unmut genügt. Die diffusen Parolen der Bewegung zeugen von Ratlosigkeit und Wut. Niemand mag ihnen diesen Kummer absprechen.
Doch Emotionen reichen nicht – es braucht auch Wissen. Wer auf die Straße geht und fordert, muss beweisen, dass er es ernst meint. Er muss Fakten kennen und Hintergründe. Die Obrigkeit zu piesacken reicht nicht. Wer etwas ändern will, sollte verstehen, abwägen – erst dann hat er den Anspruch, sich zu empören.
Statt zu zelten, sollte diese gebildete Jugend die Probleme produktiv angehen
Die Proteste werden von der Jugend getragen, die gut ausgebildet ist, global vernetzt und analytisch gebildet. Jeder von ihnen hätte sich entscheiden können, die Probleme produktiv anzugehen: in NGOs, Gremien und Bürgervereinigungen. Für die mühsame Kleinstarbeit in einem bestehenden System. Occupy zog es vor zu zelten. Ein Statement, ein Symbol – schnell und direkt wie der "Dislike"-Button bei Facebook. Die Welt passt uns nicht, schreien sie die Obrigkeit an. Macht sie besser.
Wie könnte die Politik darauf antworten? Einen Dialog führen mit jemandem, der nicht weiß, worauf er hinauswill? Ein Verhandlungspartner, dem man es kaum Recht machen könnte. So wird das Dagegen-Sein zum Selbstzweck. Dass viele Demonstranten diesem Gefühl blind folgen, zeugt auch von gefährlicher Naivität. Denn eine Menschenmasse hat Macht, die sie weise nutzen sollte. Die Occupy-Bewegung ist lediglich eine weltumfassende Empörung. Das klingt nach Krawall, nicht nach Veränderung.
Alexandra Rojkov
- Datum 01.11.2011 - 11:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Meiner Meinung nach fehlt es der Bewegung nach anfänglichem Protest nun an Vorschlägen, wie ein Weg aussehen könnte, der alle glücklich macht.
Dafür braucht es - finde ich - Persönlichkeiten, die durch Fachwissen aber auch durch Charisma dazu beitragen könnten, einen Dialog aufzubauen und einen Umschwung mitzugestalten, der zu einer besseren Welt führt.
Dass das nicht einfach ist, sieht man an den aktuellen Protesten, die hier in Berlin bedauerlicherweise nur noch aus einem Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei bestehen.
Ich finde es traurig zu beobachten und denke, es ist nun die Zeit den Protest aktiv in Handlungen umzuschwenken - und zwar bevor es zu spät ist und die legitimen Beschwerden der Demonstranten verpuffen.
es reicht schon lange nicht mehr für alle.
diese veränderung wird tiefer gehen als sich die meisten menschen heute vorstellen können.
alles wurde mit allem verwoben, deshalb sieht im moment keiner mehr durch.
keine revolution ist auch keine lösung > http://commonman.de/wp/?p...
einen "Dislike"-Button habe ich auf Facebook noch nicht entdeckt. Aber der Sinn der Aussage ist klar, und damit gebe ich der Autorin vollkommen recht. Gegen das System poltern ist einfach, bringt aber keine Lösungen.
[...]
Die Bänker stehlen ebenfalls, und die Politiker haben das Gesetz bzw. Verfassung längst außer Kraft gesetzt.
Die Verfassung ist nach meinem Verständnis eine Art gesellschaftlicher Vertrag, den man nicht "einseitig" einhalten muss.
Trotzdem bestiehlt niemand die Banker, weil die Staatsgewalt durchgreifen würde.
Wer die Geschichte kennt, weiß, dass ein Konflikt nicht gewinnt wer Recht oder Unrecht hat, sondern wer die größte Gewalt ausübt.
Aber bis jetzt sind es noch Absperrungen, und keine Panzer.
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als Aufruf zu Gewalt verstanden werden können. Danke. Die Redaktion/vn
Die gesamte, globalisierte Wirtschaft, allen voran die Finanzmärkte, haben sich dermaßen verrannt, dass im Grunde niemand eine Lösung aus dieses Paket von Problemen so hoppla parat haben kann. Dazu sind Diskussionsprozesse auf allen Ebenen nötig. Dies passierte bislang nicht, weil einige Gruppen von dem Ganzen satt profitierten und andere hierzulande noch nicht genug litten um aufzuschreien.
Es ist im Grunde naiv von der Occupy-Bewegung Lösungen zu erwarten, wo selbst die Experten nicht mehr durchzublicken scheinen. Am Anfang muss ein Anstoss stehen um diskutieren zu müssen. Ein solcher Anstoss kann dieses Event sein. Ich glaube nicht, dass beim Zelten nur privat geplaudert und nett gegrillt wird. Hier wird durchaus diskutiert, sicher noch auf einer naiven Ebene, aber es ist immerhin der Beginn eines langen Weges. Und nur als solchen sollte man die Occupy Bewegung im Augenblick sehen. All das, was Alexandra Rojkov vermisst, wird hoffentlich noch kommen. Wenn nicht, dann hat sie leider recht behalten. Doch ich bin sicher, die Occupy Bewegung ist der erste kleine Domino Stein, in einem folgenden und hoffentlich friedlich und konstruktiv verlaufenden Weges der Veränderung.
Beide Autoren zeigen hier deutlich,dass sie ihre eigenen Beweggründe haben, auf deren Basis sie die Occupy-Bewegung interpretieren - Deckungsungleich mit denen der Demonstranten.
Der sich hinter der Bewegung immer schärfer abzeichnende Kritikpunkt ist in etwa folgender: In einer globalisierten Welt zieht jede Handlung eine unüberschaubar wirkende Folge von Konsequenzen hinter sich her.Gewählte & selbst ernannten Vertreter (Politik,Wissenschafts-,Wirtschafts- und Meinungsmacht-Eliten etc..) haben in den letzten 30 Jahren eindrucksvoll bewiesen,dass ideologische Konzepte hier alleine nicht mehr ausreichen um die "richtigen" Entscheidungen zu treffen.Viel drastischer aber: Nach dieser Erkenntniss wurden daraus keine Konsequenzen gezogen ,die zu den "richtigen" Entscheidungen geführt hätten. Vielmehr wurde versucht,die ideologische Leitlinie, die doch in der Vergangenheit so prima funktioniert hat (Kapitalismus besiegt Kommunismus, der wiederum damals den Faschismus usw.) weiterhin zu verfolgen. Gründe: Angst vor Veränderung, Eigentinteresse von bestehenden Sturkturen und Institutionen (Lobbyismus), tbc..
Fazit:Netzwerke schaffen und durch pluralistische Entscheidungen ohne großartige Ideologie,näher an der "richtigen" Entscheidung liegen.Dazu notwendig:Austausch und Bewusstsein über "Status-Quo" schaffen!Wie wir darauf kommen?Ein Blick aus dem Fenster genügt!
(Oder mit Einstein:"Gott, der sich mit EINEM menschlichen Verstand begreifen ließe, wäre ein jämmerlicher Gott.")
Beide Autoren zeigen hier deutlich,dass sie ihre eigenen Beweggründe haben, auf deren Basis sie die Occupy-Bewegung interpretieren - Deckungsungleich mit denen der Demonstranten.
Der sich hinter der Bewegung immer schärfer abzeichnende Kritikpunkt ist in etwa folgender: In einer globalisierten Welt zieht jede Handlung eine unüberschaubar wirkende Folge von Konsequenzen hinter sich her.Gewählte & selbst ernannten Vertreter (Politik,Wissenschafts-,Wirtschafts- und Meinungsmacht-Eliten etc..) haben in den letzten 30 Jahren eindrucksvoll bewiesen,dass ideologische Konzepte hier alleine nicht mehr ausreichen um die "richtigen" Entscheidungen zu treffen.Viel drastischer aber: Nach dieser Erkenntniss wurden daraus keine Konsequenzen gezogen ,die zu den "richtigen" Entscheidungen geführt hätten. Vielmehr wurde versucht,die ideologische Leitlinie, die doch in der Vergangenheit so prima funktioniert hat (Kapitalismus besiegt Kommunismus, der wiederum damals den Faschismus usw.) weiterhin zu verfolgen. Gründe: Angst vor Veränderung, Eigentinteresse von bestehenden Sturkturen und Institutionen (Lobbyismus), tbc..
Fazit:Netzwerke schaffen und durch pluralistische Entscheidungen ohne großartige Ideologie,näher an der "richtigen" Entscheidung liegen.Dazu notwendig:Austausch und Bewusstsein über "Status-Quo" schaffen!Wie wir darauf kommen?Ein Blick aus dem Fenster genügt!
(Oder mit Einstein:"Gott, der sich mit EINEM menschlichen Verstand begreifen ließe, wäre ein jämmerlicher Gott.")
Die Occupy-Bewegung hat noch keine Antworten? Mag sein, aber:
Auch Politik und Wirtschaft haben diese Antworten nicht - das haben sie nun ausgiebig bewiesen, dahinter verstecken sie sich sogar. Stattdessen doktern sie hilflos an Symptomen herum, während sich der Zustand des Patienten zusehends verschlechtert.
Insofern ist es durchaus hilfreich, wenn wenigstens mal die richtigen Fragen gestellt werden.
Und übrigens ist der Vorwurf "diffuser Parolen" auch unberechtigt. Die Forderung "Echte Demokratie Jetzt" ist alles andere als eine diffuse Parole.
"Die Occupy-Bewegung hat noch keine Antworten? Mag sein, aber:
AUCH POLITIK UND WIRTSCHAFT HABEN DIESE ANTWORTEN NICHT - das haben sie nun ausgiebig bewiesen, dahinter verstecken sie sich sogar. Stattdessen doktern sie hilflos an Symptomen herum, während sich der Zustand des Patienten zusehends verschlechtert."
Ganz genau. Ich schließe mich Kommentator 6 VOLL und GANZ an!!
"Die anderen sind auch nicht besser! Keiner weiß, wo wir lang müssen, also müssen wir es auch nicht wissen!"
Sind ein wenig billig, oder?
Die Occupy-Bewegung wird ein Püroblem unserer Zeit nicht lösen können: Das Problem ist zu kokmplex für einfache Lösungen. Wer dann aber schreit: ECHTE DEMOKRATIE JETZT!einself! der tut so, als wäre eine Lösung so einfach, und wird danach eine herbe Enttäuschung überstehen müssen.
Es ist einfach sich lustig zu verkleiden und zu schreien "Wir sind die 99%". Schönes Ding, aber an den Problemen wird man damit nichts ändern können.
"Die Occupy-Bewegung hat noch keine Antworten? Mag sein, aber:
AUCH POLITIK UND WIRTSCHAFT HABEN DIESE ANTWORTEN NICHT - das haben sie nun ausgiebig bewiesen, dahinter verstecken sie sich sogar. Stattdessen doktern sie hilflos an Symptomen herum, während sich der Zustand des Patienten zusehends verschlechtert."
Ganz genau. Ich schließe mich Kommentator 6 VOLL und GANZ an!!
"Die anderen sind auch nicht besser! Keiner weiß, wo wir lang müssen, also müssen wir es auch nicht wissen!"
Sind ein wenig billig, oder?
Die Occupy-Bewegung wird ein Püroblem unserer Zeit nicht lösen können: Das Problem ist zu kokmplex für einfache Lösungen. Wer dann aber schreit: ECHTE DEMOKRATIE JETZT!einself! der tut so, als wäre eine Lösung so einfach, und wird danach eine herbe Enttäuschung überstehen müssen.
Es ist einfach sich lustig zu verkleiden und zu schreien "Wir sind die 99%". Schönes Ding, aber an den Problemen wird man damit nichts ändern können.
ist es allemal, auf die Straße zu gehen.
So etwas von Journalisten zu hören, ist schon frech. Deren Beruf ist es ja quasi, alles anzuprangern und selbst überhaupt nichts verantworten zu müssen. Warum soll das bei Demos zu wenig sein.
Vielleicht ist es besser, keine Antworten zu haben. Wenn man in der Marktlogik unseres Systems mitdenkt, kommt dann solche Antworten heraus, dass die Manager von Pleitebanken Millionen-Boni bekommen (pacta sunt servanda) und man dafür Bildungsausgaben für Schulen für Normalverdiener zusammenstreicht.
Dass NIEMAND für den Griechenland Betrug ins Gefängnis muss, weil man dann die Handlungsfähigkiet von Eu und Politik gefährdet würde, eine Angestellte aber entlassen werden darf, weil sie weggeworfene Buletten für den Hund eingesteckt hat
Ich denke, zuerst einmal sollten die Stützen dieses Systems mal Veranwtortung für ihre Fehlleistungen übernehmen, bevor man irgendwelchen Studies damit kommt
Offensichtlich wissen beide Autorinnen nicht so ganz genau, von was sie da schreiben. Zumindest haben sie sich nicht kundig gemacht, obschon es dazu im Netz jede Menge Quellen gibt. Stehphane Hessel wäre ein Name und Naomi Klein ein anderer. Beide argumentieren fundiert und haben einen ähnlichen Ausgangspunkt für ihre Kritik: Vor- und überverfassungsmäßige sowie verfassungsmäßige Rechte der Bürger. Das allein ist mehr Programm, als es so mancher sich denken kann. Hier wird eine Demokratie eingefordert, die einen anderen Ausgangspunkt hat, als es sich die deutsche Schlafmützigkeit und der deutsche Untertanengeist vorstellen kann. Denn US-Bürger und französische Bürger verlangen vollkommen zu recht, dass die Verfassung ihnen zu dienen hat und nicht umgekehrt. Nicht umsonst ist in der französischen Verfassung das Recht und die Pflicht verankert, die Verfassung zu verteidigen. Auch gegen den Staat. Und erst recht gegen den Terror der Ökonomie.
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