Die bisherige stellvertretende MDR-Intendantin und juristische Direktorin Karola Wille soll neue Chefin des Senders werden. Auf diese Kandidatin hat sich der MDR-Verwaltungsrat auf einer Sondersitzung in Gera einstimmig und in geheimer Wahl geeinigt. Wille muss aber noch Ende des Monats – voraussichtlich am 23. Oktober – vom Rundfunkrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt werden.

Es ist bereits der zweite Anlauf für den MDR, einen neuen Intendanten zu finden. Zunächst hatte das Gremium den Chefredakteur Bernd Hilder von der Leipziger Volkszeitung vorgeschlagen. Dieser war vor der Zustimmung des Rundfunkrats gescheitert. Gründungsintendant Udo Reiter scheidet auf eigenen Wunsch Ende Oktober aus.

Die gebürtige Chemnitzerin Karola Wille galt bei der erneuten Kandidatenwahl für die Spitzenposition beim MDR als Favoritin. Sie kennt die öffentlich-rechtlichen Strukturen und führt für die ARD zum Beispiel die Verhandlungen mit der Produzentenallianz. Im MDR leitet sie die Arbeitsgruppe Digitale Zukunft.

"Den Gremien des MDR ist Karola Wille als kompetente und engagierte Führungspersönlichkeit bekannt", sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt. Sie wolle den MDR zukunftsfähig machen und die junge Generation stärker einbeziehen. Dabei setze sie auf Transparenz und Aufklärung der MDR-Affären.

Wille hatte sich bereits im September zusammen mit dem stellvertretenden WDR-Fernsehdirektor Helfried Spitra im Verwaltungsrat vorgestellt. Beide waren aber Hilder unterlegen. Wille ist im Sender sehr beliebt. Kritiker werfen ihr aber vor, dass sie in ihrer Position eine Mitverantwortung für die Skandale beim MDR habe.

So hatte der MDR seinen Unterhaltungschef Udo Foht entlassen, der in undurchsichtige Finanztransaktionen verwickelt gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Beschuldigte wegen Betrugs, Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit. Zuvor war ein Millionenbetrug beim ARD/ZDF-Kinderkanal aufgedeckt worden, für den der MDR zuständig ist.