Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik ist bei seiner Tat am 22. Juli nicht zurechnungsfähig gewesen. Dies ergebe das vom Gericht in Oslo bestellte rechtsmedizinische Gutachten, berichten norwegische Zeitungen. Das Gutachten ist noch nicht veröffentlicht.

Behring Breivik könne für die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utöya mit 77 Toten daher wohl nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden, heißt es in Verdens Gang. Die norwegische Staatsanwaltschaft will sich am Nachmittag zu der Experteneinschätzung äußern. Die endgültige Entscheidung über die Zurechnungsfähigkeit trifft das zuständige Gericht. Schließt es sich der Auffassung der Psychiater an, kann Breivik nicht verurteilt, sondern nur per Beschluss auf unbestimmte Zeit in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

Verdens Gang berichtete unter Berufung auf Gerichtskreise, dass die Gutachter Breivik als zum Tatzeitpunkt "psychotisch" eingestuft hätten. Experten waren übereinstimmend der Meinung, dass der Angeklagte für zurechnungsfähig zu erklären sei, weil er seine Tat über Jahre systematisch vorbereitet hatte.

13 Gespräche mit Breivik

Unmittelbar vor Überreichung des Gutachtens bei Gericht sagte der beteiligte Psychiater Torgeir Husby, seine Mitautorin Synne Sørheim und er selbst seien nicht im Zweifel über die Schlussfolgerung "unzurechnungsfähig" gewesen. Beide hatten 13 Gespräche mit dem Attentäter geführt, alle Polizeiverhöre per Video studiert und auch Breiviks Mutter interviewt. Ihr Gutachten umfasst 243 Seiten.

Bei einer Gerichtsentscheidung auf Zurechnungsfähigkeit beträgt die Höchststrafe für Mord in Norwegen 21 Jahre. Sollte Breivik für nicht zurechnungsfähig erklärt werden, kann das Gericht ihn zwangsweise in eine geschlossene Psychiatrie einweisen. Die Einweisung muss alle drei Jahre überprüft werden.