Ägypten: Die Tränengas-Hölle von Kairo
Blut, Schwerverletzte, Chaos: Die Teilnahme an den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo ist lebensgefährlich geworden.
© Peter Macdiarmid/Getty Images

Dienstag auf dem Tahrir-Platz: Ein Demonstrant leidet im Versorgungszelt der Opposition unter den Folgen des Tränengaseinsatzes
Der Demonstrant beugt sich nach vorn, hustet kräftig, spuckt auf den Asphalt. Hustet noch einmal, dann reibt er sich ein Taschentuch über die Augen. Vor ihm schießen die ägyptischen Sicherheitskräfte mit Tränengas. Ein weiterer Demonstrant kommt hastig angelaufen, greift ihm an die Schulter und reibt ihm Essig ins Gesicht.
Es ist ein Junge, nicht älter als zwölf Jahre, der mit den Wirkungen des Tränengases kämpft. Seine Hose ist dreckig, seine Augen stark gerötet. Er lacht kurz auf und rennt wieder davon. Mitten in die Menge hinein. Dort wo gekämpft wird.
Es ist lebensgefährlich. Seit Samstagmittag riecht es nach Tränengas in den Straßen von Kairos Zentrum. Auf dem Tahrir-Platz sammeln sich mehr und mehr Menschen. Muslime, Kopten, Atheisten, Liberale, Linke, Frauen, Männer, selbst Kinder. Und mehr Arme als Reiche. Trotz der angeblichen Unterschiede haben sie meist nur Eines im Sinn: Den Sturz des Feldmarschalls Hussein Tantawi, der nach dem Sturz von Hosni Mubarak das Land am Nil regiert. Gemeinsam mit dem Militärrat.
"Wir haben es satt", sagt ein junger Mann, der auf einer Wiese eine kurze Pause macht. Auch seine Augen sind gerötet. "Wir wollen endlich in Freiheit leben. Und wir bleiben so lange hier, bis wir frei sind." Er sieht optimistisch aus. Trotz des Chaos, das sich nur einige Meter vor ihm abspielt. Ärzte haben ein Lazarett aufgebaut, Decken sind auf dem Boden ausgelegt. Sie tragen weiße Kittel, sie reagieren in Windeseile auf die zahlreichen Verletzten, die herbeigetragen werden.
Demonstranten haben sich schützend aufgereiht, um den Weg für die Motorräder und Mopeds frei zu machen, die die Verletzten von der Demonstrationsfront zu den Ärzten bringen. Im Sekundentakt rasen sie hupend durch die Menge. Meist fahren drei Personen auf einem Motorrad. Der Verletzte befindet sich dann in der Mitte. Oft blutend im Gesicht oder am Kopf. Oder bewusstlos vom Tränengas. Doch die Gefahr scheint viele Demonstranten nicht davon abzuhalten, gegen die Sicherheitskräfte zu kämpfen. Mit Steinen und Molotow-Cocktails lassen sie ihrer Wut freien Lauf.
"Mir ist es egal, ob ich sterbe", behauptet eine junge Frau. "Die Regierung tritt uns seit Jahren in den Arsch. Nun ist es Zeit, dass wir alle zurücktreten", sagt sie lächelnd. Und das, obwohl sie am Samstagmorgen von Sicherheitskräften verprügelt wurde. "Ich hatte sie als Arschlöcher bezeichnet und dann haben sie mich mit ihren Stöcken verdroschen. Aber ich bin stark. Ich kämpfe weiter." Nicht nur die politischen Forderungen scheinen die Menschen auf dem Tahrir-Platz derzeit zu vereinen.
Es ist ein unbeschreiblicher Mut, der die Demonstranten auf die Straßen treibt. Sie haben aus den vergangen Protesten im Januar und Februar gelernt. Diesmal tragen viele von ihnen Taucherbrillen oder haben sich Motorradhelme aufgesetzt, um sich vor Tränengas und Gummigeschossen zu schützen. Auf dem Tahrir-Platz werden nicht nur Tee und heiße Kartoffeln verkauft, es gibt sogar Atemschutzmasken im Angebot. Die mit einem Schutzfilter kosten zehn, mit zwei Filtern zwanzig Pfund. Es scheint so, als ob sich die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz und den Seitenstraßen Kairos auf einen langen Kampf eingestellt haben.







Nach heutiger (!!!) Auskunft hochkarätiger deutscher (!!!!) Polizeibeamter in Kairo, die das Geschehen beobachten, geht die Gewalt eindeutig nicht von den Demonstranten aus, sondern von hierzu angeheuerten Leuten, die (ich zitiere wörtlich) "von Herren mit Schlips und Kragen begleitet" werden. Auf unsere Bitte um Verdeutlichung wird uns erklärt, es habe sich ohne jeden Zweifel um eingeschleuste Schläger gehandelt, die im Auftrag von Herren handeln, die an einer Destabilisierung Ägyptens ein Interesse haben. Man könne nicht mit Bestimmtheit sagen, wer das sei, doch dass es sich um Anhänger oder Profiteure des alten Regimes handele, die keine Verhältnisse wollen, die eine Aufdeckung ihrer früheren Machenschaften möglich machen, läge sehr nahe.
"Blut, Schwerverletzte, Chaos: Die Teilnahme an den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz in Kairo ist lebensgefährlich geworden."
Die "Ägypter" - Nordafrikaner - Syrier usw. kämpfen derzeit um ihre Zukunft.
Es wäre schön gewesen, die Bürger dort hätten die Möglichkeit gehabt, gewaltlos ihre Ziele zu erreichen dh sie hätten gewaltlos die Etablierung von Menschenrechten durchsetzen können.
Dass das nicht so ist, ist bitter. Sehr bitter.
Aber diesen Kampf führen sie nun für ihre Zukunft, für die Zukunft ihrer Kinder und für die Zukunft ihrer Kindeskinder.
Man hätte sich gewünscht, dass auch die Franzosen ihren Freiheitskampf hätten gewaltlos führen können. Konnten sie aber nicht. Das Blut in Frankreich für die Freiheit ist "knietief" geflossen. Eine dramatische Zeit.
Aber alles was sie sich mit noch so viel Blut an Bürgerrechten erkämpft haben, ist heute bei manchen leider wieder vergessen.
Man schätzt nicht sehr, was man als Selbstverständlichkeit wahrnimmt.
Was Freiheit den Menschen wert ist, zeigt sich derzeit ua auch in Nordafrika. Und wieder vergießen Menschen Blut über Blut für eine ordentliche Zukunft.
Und es sieht so aus, als ob es leider keinen anderen Weg gibt, frei zu werden, als den der Gewalt. Die Menschen dort hatten den gewaltlosen Weg versucht. Es hat nicht geklappt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Marseillaise"
"Auf, Kinder des Vaterlands!
Gegen uns wurde der Tyrannei
Blutiges Banner erhoben..
Menschen, die auch nichts mehr zu verlieren hatten.
diese heftige neuartige CSI-Gas, wird von einer Firma namens "Combined Tactical Systems" im Jamestown, Pa. hergestellt.
Dort vor der Firmenzentrale schwebt eine israeli Fahne neben der USA Fahne:
Hier das Bild:
http://mondoweiss.net/201...
Die Probleme dieser Region werden immer aufgeheizt, dank der "problematische"-heuchlerische Haltung dieser zwei Regierungen zur "Demokratie". Eine Schande.
Den Mut der Ägypter kann man nur bewundern und ihnen viel Glück wünschen! Unter Einsatz ihres Lebens kämpfen sie für ihre Ziele - davon könnten wir uns hier im verwöhnten Westen eine Scheibe abschneiden, wo viele (mich eingeschlossen) ihren Hintern nicht hochkriegen, um sich für überfällige Verbesserungen einzusetzen.
Unsere Regierung schweigt leider weitestgehend zu den Vorfällen und man kann sich denken, warum: ein Militärregime ist eben berechenbarer und "zuverlässiger" als eine frei vom Volk gewählte Regierung, die möglicherweise einen anderen Kurs gegenüber Israel fahren würde. Die deutsche "Staatsräson der bedingungslosen Solidarität mit Israel" hat Vorrang gegenüber Menschenrechten und Freiheit!
Sie haben ja vom Ansatz her recht. Im Vergleich zu den existentiellen Nöten der Ägypter bleiben unsere Probleme allerdings ein Jammern auf überirdisch hohen Niveau.
Der Wunsch der der Äypter nach einem besseren Leben ist nur allzu vertändlich. Andererseits muß ich auch zugeben: Würden mich die Vereinten Nationen beauftragen Ägypten zu helfen, ich wüßte nicht wo ich anfangen sollte.
Die einstige Kornkammer des Mitttelmeerraumes der Antike, die primäre Hochkultur der Menschheit, ist unter arabischer und vor allem osmanischer Herrschaft über Jahrhunderte derart heruntergwirtschaftet und ruiniert worden, daß man kaum mehr einen Ansatzpunkt für einen Hebel findet. Was im EU-Problemfall Griechenand gilt, nämlich das Fehlen jeglicher auf dem Weltmarkt standhaltender wirtschaftlicher Substanz, gilt noch viel mehr für Ägypten.
Einen Übergang von einer despotischen Mangelverwaltung wie unter Mubarak und den Generationen seiner Vorgänger zu einer freiheitlichen, selbstbestimmten Gesellschaft wäre ein um ein vielfaches anspruchsvolleres Projekt als die deutsche Wiedervereinigung nach einem läppischen knappen halben Jahrundert divergenter Entwicklung.
Die wirtschaftliche Grundlage dafür zu schaffen, benötigt einen so langen Atem, daß ich hier - leider - sehr pessimistisch bleibe.
Sie haben ja vom Ansatz her recht. Im Vergleich zu den existentiellen Nöten der Ägypter bleiben unsere Probleme allerdings ein Jammern auf überirdisch hohen Niveau.
Der Wunsch der der Äypter nach einem besseren Leben ist nur allzu vertändlich. Andererseits muß ich auch zugeben: Würden mich die Vereinten Nationen beauftragen Ägypten zu helfen, ich wüßte nicht wo ich anfangen sollte.
Die einstige Kornkammer des Mitttelmeerraumes der Antike, die primäre Hochkultur der Menschheit, ist unter arabischer und vor allem osmanischer Herrschaft über Jahrhunderte derart heruntergwirtschaftet und ruiniert worden, daß man kaum mehr einen Ansatzpunkt für einen Hebel findet. Was im EU-Problemfall Griechenand gilt, nämlich das Fehlen jeglicher auf dem Weltmarkt standhaltender wirtschaftlicher Substanz, gilt noch viel mehr für Ägypten.
Einen Übergang von einer despotischen Mangelverwaltung wie unter Mubarak und den Generationen seiner Vorgänger zu einer freiheitlichen, selbstbestimmten Gesellschaft wäre ein um ein vielfaches anspruchsvolleres Projekt als die deutsche Wiedervereinigung nach einem läppischen knappen halben Jahrundert divergenter Entwicklung.
Die wirtschaftliche Grundlage dafür zu schaffen, benötigt einen so langen Atem, daß ich hier - leider - sehr pessimistisch bleibe.
... ist hier inter alia so unertraeglich. Was fuer ein Skandal. Erinnern Sie sich noch an seine Rede in Cairo im Juni 2009 (eine Woche vor den Wahlen im Iran)?
Ich habe Cairo im April besucht, um den Menschen Glueck zu wuenschen, und habe wenig Hoffnung und Zuversicht gefunden. WikiLeaks hatte uns allen gezeigt wie sehr diese "einzige verbliebene Supermacht" mit der aegyptischen Diktatur auf Engste verstrickt war, sehen Sie z.B. hier: http://aliqapoo.com/2011/... (sorry @Red., aber die Originallinks sind wieder mal weg).
Sie haben ja vom Ansatz her recht. Im Vergleich zu den existentiellen Nöten der Ägypter bleiben unsere Probleme allerdings ein Jammern auf überirdisch hohen Niveau.
Der Wunsch der der Äypter nach einem besseren Leben ist nur allzu vertändlich. Andererseits muß ich auch zugeben: Würden mich die Vereinten Nationen beauftragen Ägypten zu helfen, ich wüßte nicht wo ich anfangen sollte.
Die einstige Kornkammer des Mitttelmeerraumes der Antike, die primäre Hochkultur der Menschheit, ist unter arabischer und vor allem osmanischer Herrschaft über Jahrhunderte derart heruntergwirtschaftet und ruiniert worden, daß man kaum mehr einen Ansatzpunkt für einen Hebel findet. Was im EU-Problemfall Griechenand gilt, nämlich das Fehlen jeglicher auf dem Weltmarkt standhaltender wirtschaftlicher Substanz, gilt noch viel mehr für Ägypten.
Einen Übergang von einer despotischen Mangelverwaltung wie unter Mubarak und den Generationen seiner Vorgänger zu einer freiheitlichen, selbstbestimmten Gesellschaft wäre ein um ein vielfaches anspruchsvolleres Projekt als die deutsche Wiedervereinigung nach einem läppischen knappen halben Jahrundert divergenter Entwicklung.
Die wirtschaftliche Grundlage dafür zu schaffen, benötigt einen so langen Atem, daß ich hier - leider - sehr pessimistisch bleibe.
"Im Vergleich zu den existentiellen Nöten der Ägypter bleiben unsere Probleme allerdings ein Jammern auf überirdisch hohen Niveau."
Die existenziellen Nöte in Deutschland sind für Millionen Bürgr in Deutschland identisch.
Nur haben die "Ägpter" Mut, was für manche Deutschen nicht zutrifft.
"Im Vergleich zu den existentiellen Nöten der Ägypter bleiben unsere Probleme allerdings ein Jammern auf überirdisch hohen Niveau."
Die existenziellen Nöte in Deutschland sind für Millionen Bürgr in Deutschland identisch.
Nur haben die "Ägpter" Mut, was für manche Deutschen nicht zutrifft.
"Kairo
Die Tränengas-Hölle von Kairo
Blut, Schwerverletzte, Chaos: "
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Und in den TV Nachrichtensendungen zeigen die "Ägypter" auch die Verursacher (Waffen etc.)
Diese stammen aus den USA und aus Deutschland.
Dh wir klagen diese Verbrechen an, liefern aber die Waffen?
Jede Unterstützung des Westens für den "arabischen Frühling" (TM) erfolgt aus geschäftlichem Kalkül. In Wahrheit kann jede Gesellschaft, wenn die Zeit gekommen ist, den Wandel selbst herbei führen.
Jede Unterstützung des Westens für den "arabischen Frühling" (TM) erfolgt aus geschäftlichem Kalkül. In Wahrheit kann jede Gesellschaft, wenn die Zeit gekommen ist, den Wandel selbst herbei führen.
"Im Vergleich zu den existentiellen Nöten der Ägypter bleiben unsere Probleme allerdings ein Jammern auf überirdisch hohen Niveau."
Die existenziellen Nöte in Deutschland sind für Millionen Bürgr in Deutschland identisch.
Nur haben die "Ägpter" Mut, was für manche Deutschen nicht zutrifft.
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