Vorbereitungen auf den Weltaidstag in Taipeh © PATRICK LIN/AFP/Getty Images

Vor knapp 18 Jahren erfuhr Matthias Gerschwitz, dass er HIV-positiv ist. Der 52-Jährige erinnert sich an diesen kalten, tristen Tag Anfang 1994, als wäre es letzte Woche gewesen.

"Ich fühlte mich damals ziemlich unwohl", sagt der gebürtige Wuppertaler, "deshalb hatte ich mir im Branchenbuch einfach einen Arzt 'um die Ecke' rausgesucht." Gerschwitz bat den Arzt spontan, er solle etwas Blut abzapfen, um einen HIV-Test zu machen. Gerschwitz ist homosexuell und gehört damit neben Drogenabhängigen zur Haupt-Risikogruppe.

Damals, in jenem Januar 1994, stellte Aids schon mehr als zehn Jahre lang eine Bedrohung dar. Stars wie Schauspieler Rock Hudson (1985) und "Queen"-Sänger Freddie Mercury (1991) waren die prominentesten Opfer. "Obwohl ich um die Gefahren wusste, hatte ich mich nur halbherzig geschützt – mal ja, mal nein, je nach Situation und Laune", sagt Gerschwitz. "Ich war in meinem Leben immer irgendwie auf die Füße gefallen. Und so hab’ ich auch hier auf mein Glück vertraut."

Deshalb traf ihn eine Woche später das Untersuchungsergebnis wie ein Schlag: "Herr Gerschwitz, es tut mir leid, Sie sind HIV-positiv!". Heute sagt er: "Viele – und weiß Gott nicht nur Schwule –, auch viele Ehemänner, die fremdgehen, haben diese fatale, leichtsinnige Einstellung: Warum soll es gerade mich treffen?".

Die Immunschwäche-Krankheit Aids, die erst ausbricht, wenn das Immunsystem des HIV-Infizierten zusammenbricht, forderte in Deutschland auch 2010 noch etwa 550 Todesopfer. Insgesamt sind rund 70.000 Menschen hierzulande mit HIV infiziert, 30.000 mehr als noch vor acht Jahren. Jedes Jahr, so stellte das Robert-Koch-Institut fest, kommen trotz aller Aufklärungskampagnen, Warnungen und Appelle rund 3.000 Neuinfizierte dazu.

Man kann die HIV-Infektion durch eine Therapie zwar in Schach halten, aber heilen kann man sie bis heute nicht. Gerschwitz nahm anfänglich 50 Tabletten täglich, heute sind es "nur" noch zehn, die kosten aber stolze 2.000 Euro pro Monat. Außerdem hat die Behandlung viele körperliche und seelische Nebenwirkungen.

Umso erstaunlicher, dass HIV und Aids im öffentlichen Bewusstsein weniger stattfindet als noch vor zehn Jahren. Matthias Gerschwitz sagt: "Die einen finden den Nervenkitzel toll, ungeschützten Sex zu haben. Andere sagen, Sex mit Kondom sei etwas für Weicheier. Es ist wirklich erschreckend, was ich zu dem Thema alles höre und in Internet-Foren lese. Diese Gleichgültigkeit ist unfassbar. Halbwüchsige Kinder von Bekannten redeten kürzlich über Sex, als gäbe es überhaupt keine Geschlechtskrankheiten."