"Paranoide Schizophrenie" – mit diesen Worten titeln nahezu alle großen Zeitungen Norwegens. Sie zitieren damit die Rechtspsychiater Torgeir Husby und Synne Sørheim. Mit ihrem Befund haben die beiden am Mittag das ganze Land aufgeschreckt.

Die beiden Nervenärzte halten Anders Bering Breivik , den Mann, der 77 Menschen getötet hat, für "psychotisch" und damit unzurechnungsfähig. In insgesamt 13 Gesprächen mit dem Inhaftierten gelangten sie zu diesem Ergebnis. Auch auf Material aus 130 Stunden Polizeiverhör konnten sie zurückgreifen.

"Wir haben keine Zweifel gehabt", sagte Husby, als er den Bericht am Dienstagmorgen der zuständigen Richterin übergab. Breivik habe die paranoide Schizophrenie über einen längeren Zeitraum aufgebaut. Als er am 22. Juli zuerst im Osloer Regierungsviertel eine Bombe zündete und danach auf der Insel Utøya 69 Menschen erschoss, sei er in einem psychotischen Zustand gewesen.

"Können wir mit so etwas leben?"

Nun liege es am Gericht, diese Ergebnisse juristisch zu bewerten. "Wir sind es nicht, die bestimmen, ob der Bericht endgültig ist. Das ist die Aufgabe des Gerichtes", sagte Husby. Der Befund soll nun zunächst von einer rechtsmedizinischen Kommission in Oslo untersucht werden. Stimmt das Gericht den Psychiatern zu, kommt Breivik nicht ins Gefängnis, sondern auf unbestimmte Zeit in eine Psychiatrie mit einem Hochsicherheitsbereich für Straftäter. Die Einweisung muss alle drei Jahre überprüft werden. 

Die norwegische Staatsanwaltschaft wollte den Befund zunächst nicht bewerten. Die Staatsanwältin Inga Bejer Engh räumte ein, dass in den wenigen Stunden seit der Bereitstellung des 243 Seiten langen Berichts ein vollständiges Durchlesen unmöglich gewesen sei. Sie bestätigte allerdings, dass Breivik auch nach der psychiatrischen Behandlung in einem Gefängnis landen könnte. "Wenn er weiterhin eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt, kann er ins Gefängnis überführt werden – das ist jedoch kompliziert."

Die populäre Tageszeitung VG überschrieb ihren Online-Kommentar am Nachmittag wie folgt: "Können wir mit so etwas leben?" Er selbst glaube nicht, schreibt der Redakteur Anders Giæver, dass ein psychisch kranker Mann tatsächlich mehrere Jahre lang einen solchen Anschlag planen könne. Dann hätte er wohl kaum ein solches Doppelleben führen und sein 1.500 Seiten dickes Manifest verfassen können.

Für Aufregung sorgt der Befund auch in den Foren der norwegischen Onlinemedien: User "Peder" fragt auf VG.no : "Bedeutet das in äußerster Konsequenz, dass er in drei Jahren ein freier Mann sein kann?"