Der norwegische Staatsanwalt Svein Holden äußerst sich im Fall Breivik. © Cornelius Poppe/AFP/Getty Images

Im Verfahren gegen den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik folgt der Staatsanwalt der Einschätzung von Gutachtern, dass der Täter nicht zurechnungsfähig sei. "Er lebt in seinem eigenen wahnhaften Universum, und seine Gedanken und Taten sind diesem Universum untergeordnet", sagte Staatsanwalt Svein Holden.

Zwei psychiatrische Gutachter hatten bei Breivik eine paranoide Schizophrenie festgestellt. Die Psychose habe er bereits zum Tatzeitpunkt gehabt und sie halte an, sagte Holden.

Norwegische Gerichte können psychiatrische Gutachten infrage stellen oder neue Untersuchungen anordnen. Es ist allerdings ungewöhnlich, ein derartiges Expertenurteil zu übergehen.

Sollte es bei der Einschätzung der Psychiater bleiben, müsste ein Gericht in einer Anhörung entscheiden, ob und wie lange Breivik in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen würde. Dies könnte lebenslänglich sein. Würden aber Experten während des Aufenthalts in der Psychiatrie eine Heilung feststellen, könnte er auch entlassen werden.

Die Hinterbliebenen-Gruppe reagierte gemäßigt auf das Gutachten von Breivik: "Wir möchten vor allem Sicherheit, dass er wegen dieser Entscheidung der Gutachter nicht früher entlassen wird. Als direkt Betroffene wünschen wir nicht, dass er noch mehr Schaden in der Gesellschaft anrichten kann", sagte Trond Blattmann, Sprecher der Gruppe. Sein 17-jähriger Sohn Trojus war von Breivik auf der Insel Utøya getötet worden.

Breivik hatte im Sommer einen Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel verübt und danach ein Massaker in einem Jugendlager der Arbeiterpartei auf der Insel Utøya angerichtet. Dabei kamen insgesamt 77 Menschen ums Leben. Es handelt sich um die schwerste Gewalttat in Norwegen seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Breivik sieht sich nach eigener Aussage als Kommandeur einer rechtsextremistischen "Widerstandsbewegung" gegen Muslime.