Der Castor-Transport aus Frankreich nähert sich nur langsam seinem Ziel. Gegen 17 Uhr erreichte der Zug laut NDR am Samstag den Landkreis Harburg. In Dannenberg, wo die tonnenschweren Behälter aus dem Zug auf Schwertransporter umgeladen werden, versammelten sich nach Angaben der Veranstalter am Nachmittag rund 23.000 Atomkraftgegner zu einer zentralen Kundgebung. Die Polizei zählte nur 8.000 Teilnehmer.

Die Atomkraftgegner schwenkten gelbe Fahnen mit einer roten Sonne und dem Schriftzug "Atomkraft nein danke". Zu den Rednern zählten neben Vertretern örtlicher Bündnisse gegen den Castor auch eine Japanerin, die ihre Erlebnisse nach der Atomkatastrophe von Fukushima schilderte.

"Wir lassen uns nicht mit Lügengeschichten über einen angeblichen Neustart bei der Endlagersuche abspeisen", sagte Jochen Stay von der Initiative ausgestrahlt. Das hätten die Demonstranten klargemacht. "Nur durch eine Politik der Manipulation, der Täuschungsmanöver und des Aussperrens der Öffentlichkeit konnte der Atomstandort zu seinen heutigen Dimensionen ausgebaut werden", kritisierten die Castorgegner in einer gemeinsamen Erklärung. Auch rund 450 Bauern beteiligten sich laut den Veranstaltern mit ihren Traktoren an den Protesten.

Entlang der Gleise kam es zu Ausschreitungen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei: Die Demonstranten gruben mit bloßen Händen Steine aus dem Gleisbett, um die Schienen unbefahrbar zu machen. Die Beamten vertrieben die Atomkraftgegner und räumten die Gleisanlagen wieder auf. Auch die Reiterstaffel der Polizei war im Einsatz. Immer wieder setzten sich Atomkraftgegner auf die Gleise.

Die Anhänger der Anti-Atomkraft-Bewegung kritisierten das Verhalten der Polizei. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek, sprach von einem "hohen Aggressionspotenzial" der Beamten.

Streit um Erkundungsbergwerk Gorleben

Der Castor-Transport ist der letzte Zug mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich. Die heiße Phase der Proteste beginnt, wenn die Castoren in Niedersachsen von der Schiene auf Speziallastwagen umgeladen werden. Dann müssen die elf Atommüll-Behälter die letzte Etappe von Dannenberg bis ins Zwischenlager Gorleben auf der Straße zurücklegen. 

Die Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll will die Bundesregierung nun gemeinsam mit den Bundesländern und über die Parteigrenzen hinweg starten. In Gorleben soll aber parallel weitergeforscht werden, ob sich der Salzstock eignet. Dies stößt auf Kritik. Das Erkundungsbergwerk in Gorleben werde unterdessen immer weiter ausgebaut, sagte einer der Castorgegner. "Wenn alle Politiker immer behaupten, der Atommüll sei so ungefährlich, dann sollen sie ihn sich doch unten in den deutschen Bundestag stellen."

Ob der Zug bereits am Sonntag oder erst am Montag das Zwischenlager erreichen wird, ist noch unklar. Starker Wind könnte das Umladen der Behälter verzögern. Meteorologen sagten für das Wochenende heftige Windböen voraus.
 Insgesamt muss der Zug rund 1.200 Kilometer von Frankreich bis nach Gorleben zurücklegen. Der hochradioaktive Atommüll stammt aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken. Deutschland ist verpflichtet, diesen Atommüll zurückzunehmen.