Sicherheitskonferenz Guttenberg tritt wieder auf die Bühne

Bei einem Sicherheitsgipfel in Kanada probte Guttenberg sein Comeback. Persönliches blieb außen vor, als Experte war er sehr gefragt. Von Martin Klingst, Halifax

Nein, kein Wort über seine Zukunftspläne, über eine neue Doktorarbeit vielleicht und auch kein Wort über sein neues Leben in den USA. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Sturz über eine Plagiatsaffäre will sich Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nicht über Persönliches äußern.

Er lebt mit seiner Familie derzeit im US-Bundesstaat Connecticut und wirkt in einer Denkfabrik in Washington. An diesem Wochenende ist Guttenberg zu einem internationalen Sicherheitsgipfel in Halifax, Kanada, gereist, nördlich des 43. Breitengrads. Er spricht ausschließlich zum Thema Europa und der Euro-Krise. Guttenberg ist Teilnehmer einer Diskussionsrunde über den Zustand der Welt.

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Jene Journalisten, die einzig angereist sind, um ihn zu sehen und zu sprechen, sind tief enttäuscht. Kein Interview, kein Zugang, nur ein paar Fotos werden erlaubt. Man muss schon genauer hinschauen, um Guttenberg wiederzuerkennen. Die Frisur ist neu, er trägt kein gegeltes Haar mehr, und auch die Brille fehlt.

Fernab der Heimat probt der Geschmähte das Comeback. Und es gelingt. Welch ein furioser Auftritt. Er antwortet kenntnisreich und präzise und überzieht Europas Regierungen mit Kritik – auch die deutsche. Alle seien sie ohne Vision und ohne Strategie. Die Staatenlenker würden keine Emotionen für Europa wecken, nicht auf die Menschen zugehen und ihnen nicht die Notwendigkeit des Euro und der Europäischen Union erklären.

Guttenberg kritisiert auch die Amerikaner

Zwischen den Zeilen lässt Guttenberg durchsickern, dass er auch die deutsche Enthaltung im Libyen-Krieg für falsch hält und als Verteidigungsminister für ein deutsches Ja im UN-Sicherheitsrat plädiert hätte. "Es ist nicht nur eine Euro-Krise oder eine Schuldenkrise," sagt er. "Es ist vor allem eine Krise des Verständnisses und eine Krise der politischen Führung."

Überdies verschont der Ex-Politiker auch seine neuen Gastgeber, die Amerikaner, nicht mit Kritik. Er rügt, dass sie sich mehr für Asien als für den Alten Kontinent interessierten. Das sei ein Fehler. Guttenberg ist beschlagen, er hat sich gut vorbereitet, seine Argumente haben Gewicht.

Nach seinem Auftritt verschwindet er schnell, taucht nach der Mittagspause wieder auf und nimmt im Saal in der hintersten Reihe Platz. Doch der kanadische Verteidigungsminister, ein Freund aus alten Tagen, erspäht ihn dort und stürmt auf ihn zu. Die Kameras klicken, als Peter MacKay seinen ehemaligen Amtskollegen in den Arm nimmt und heftig an seine Brust drückt.

Leser-Kommentare
  1. und sucht neuen Verein.

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    • gorgo
    • 20.11.2011 um 13:34 Uhr

    Das perverse ist, dass er genau im richtigen Moment abspringen musste. Wenn die aktuelle Politik endgültig nackt dasteht, dann wird er sich als derjenige aufspielen, der alles besser gemacht und die Welt gerettet hätte - hätte man ihn nur gelassen. Und seine Jünger werden es im von den Lippen ablesen, dass er der Messias ist.
    Das einzig Gute: Ein Mensch mit solchem Betrügerpotential wird auch das nächste Mal betrügen. Er wird sich weiter selbst überschätzen - nd noch die glühendsten Anhänger wieder enttäuschen.
    Ist natürlich reine Spekulation, aber, sagen wir mal, auf der Basis von doch sehr genauen Beobachtngsmöglichkeiten in den letzten Jahren. Ich würde jedenfalls wetten, der schafft es noch mal zu großem Glanz - und zu eben solchem Elend, privat wie politisch wird er sich ein weiteres mal hoch - und wieder ganz nach unten bewegen. Hoffen wir, dass nicht zuviele andere Menschen dabei über Bord gehen...

    ... als man denkt: Beide, der Loddar und der Karl-Theodor, sind unendlich peinlich und merken es nicht.

    Aber der Loddar ist weitgehend harmlos, was auf den Karl-Theodor nicht zutrifft. Deshalb gilt es ein wie auch immer geartetes Polit-Comeback zu verhindern.

    • Jenss
    • 20.11.2011 um 17:01 Uhr

    Rein Äuerlich hat sich Guti jedenfalls Loddar angenähert.

    In der Kürze liegt die Würze!

    Eine witzige Vivisektion auf engstem Raum!

    Hervorragend!

    Chapeau !

    • gorgo
    • 20.11.2011 um 13:34 Uhr

    Das perverse ist, dass er genau im richtigen Moment abspringen musste. Wenn die aktuelle Politik endgültig nackt dasteht, dann wird er sich als derjenige aufspielen, der alles besser gemacht und die Welt gerettet hätte - hätte man ihn nur gelassen. Und seine Jünger werden es im von den Lippen ablesen, dass er der Messias ist.
    Das einzig Gute: Ein Mensch mit solchem Betrügerpotential wird auch das nächste Mal betrügen. Er wird sich weiter selbst überschätzen - nd noch die glühendsten Anhänger wieder enttäuschen.
    Ist natürlich reine Spekulation, aber, sagen wir mal, auf der Basis von doch sehr genauen Beobachtngsmöglichkeiten in den letzten Jahren. Ich würde jedenfalls wetten, der schafft es noch mal zu großem Glanz - und zu eben solchem Elend, privat wie politisch wird er sich ein weiteres mal hoch - und wieder ganz nach unten bewegen. Hoffen wir, dass nicht zuviele andere Menschen dabei über Bord gehen...

    ... als man denkt: Beide, der Loddar und der Karl-Theodor, sind unendlich peinlich und merken es nicht.

    Aber der Loddar ist weitgehend harmlos, was auf den Karl-Theodor nicht zutrifft. Deshalb gilt es ein wie auch immer geartetes Polit-Comeback zu verhindern.

    • Jenss
    • 20.11.2011 um 17:01 Uhr

    Rein Äuerlich hat sich Guti jedenfalls Loddar angenähert.

    In der Kürze liegt die Würze!

    Eine witzige Vivisektion auf engstem Raum!

    Hervorragend!

    Chapeau !

  2. Entfernt. Bitte üben Sie Kritik auf einer sachlichen, respektvollen Ebene. Danke. Die Redaktion/vn

    54 Leser-Empfehlungen
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    Offenbahr gibt es in den USA und vermutlich auch in Israel nicht wenige aus den rechts-aussen-Zirkeln der Falken, die sich nichts sehnlicher wünschen, als eine Rückkehr des überführten Lügenbarons Felix Krull zu Münchhausen. Dass mit so einem kein Staat zu machen ist, kann und will man nicht sehen.

    oder glauben SIE in Berlin, Rom und Griechenland haben wir es mit Elite zu tun. Mir ist er allemal lieben als die vielen Pofallas und Koch-Mehrins usw.usw.

    Strahlte er in der Deutschen Politik mehr Bürgerverständnis
    aus als Merkel,Schäuble,Gabriel,Steinbrück und Sommer
    zusammen

    bestätigen sich wieder. nach ihrem mass lieber eine nach aussen hin sauberer weste, aber graues mittelmass. das ist viel in deutschland. vieleicht hat die kommentarhatz mehr mit den hetzern zu tun als mit guttenberg selbst

    • Afa81
    • 21.11.2011 um 12:15 Uhr

    Also, ich finde die Tatsache, dass er seine Promotion gefälscht hat, ist schon ausreichend diskutiert worden. Ich möchte nicht nochmal über Wochen die Zeitungen voll damit sehen...
    Und wieviel Geld ein Fälscher hat, tut nichts zur Sache... Wenn man das mit aufführt zeigt das nur, dass man bei Reichen mit einem anderen Maß misst.

    Offenbahr gibt es in den USA und vermutlich auch in Israel nicht wenige aus den rechts-aussen-Zirkeln der Falken, die sich nichts sehnlicher wünschen, als eine Rückkehr des überführten Lügenbarons Felix Krull zu Münchhausen. Dass mit so einem kein Staat zu machen ist, kann und will man nicht sehen.

    oder glauben SIE in Berlin, Rom und Griechenland haben wir es mit Elite zu tun. Mir ist er allemal lieben als die vielen Pofallas und Koch-Mehrins usw.usw.

    Strahlte er in der Deutschen Politik mehr Bürgerverständnis
    aus als Merkel,Schäuble,Gabriel,Steinbrück und Sommer
    zusammen

    bestätigen sich wieder. nach ihrem mass lieber eine nach aussen hin sauberer weste, aber graues mittelmass. das ist viel in deutschland. vieleicht hat die kommentarhatz mehr mit den hetzern zu tun als mit guttenberg selbst

    • Afa81
    • 21.11.2011 um 12:15 Uhr

    Also, ich finde die Tatsache, dass er seine Promotion gefälscht hat, ist schon ausreichend diskutiert worden. Ich möchte nicht nochmal über Wochen die Zeitungen voll damit sehen...
    Und wieviel Geld ein Fälscher hat, tut nichts zur Sache... Wenn man das mit aufführt zeigt das nur, dass man bei Reichen mit einem anderen Maß misst.

  3. klar dass er das sagen muss. haben ihn ja nicht umsonst aus dem nichts zum neuen kanzler in spe auserkoren.

    es ist im und bleibt im kern ein zins- und zinseszinsdebakel an dem schon jahrzehntelang immer die selben sippschaften immer noch reicher und damit mächtiger werden - mit exponentieller beschleunigung.

    das soll aber tunlichst verschwiegen werden. die politik ist schuld, die sparen nicht genug, jaja...

    so lange dieser schmarren aufrechterhalten wird, kanns munter weitergehen im rammschausverkauf unserer volkswirtschaften.

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  4. Entfernt. Bitte diskutieren Sie den Inhalt des Artikels konstruktiv. Die Redaktion/mak

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    Ein Schelm wer böses dabei denkt ;-)

    Wer weiß, vielleicht hat der Herr Ex-Dr. ja bis dahin einen amerikanischen Schenke-Dr. ?

    Ein Schelm wer böses dabei denkt ;-)

    Wer weiß, vielleicht hat der Herr Ex-Dr. ja bis dahin einen amerikanischen Schenke-Dr. ?

  5. Ein Schelm wer böses dabei denkt ;-)

    Wer weiß, vielleicht hat der Herr Ex-Dr. ja bis dahin einen amerikanischen Schenke-Dr. ?

    12 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "ich wette nicht, dass"
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    einen Doktor bekommt er nicht. Vielmehr wird mit dem neuen Image eine Art "Gehirnwäsche" gestartet. Fans hat der Kerl ja (leider) immer noch, die Deutschen sehnen sich nach einer "Führer" gestalt und die Medien nehmen das thema liebend gern auf, weil es viele Klicks (damit viel Umsatz) für sie bedeutet. Ist wieder die alte Leier, die schon mal abgezogen wurde. Sie hat ja fast auch bis zum Ende gut funktioniert, doof nur, dass so paar "hobbylosen" Jungs eingefallen ist, die Doktorarbeit von Guttenberg anzuschauen. (Wer die Satire erkennt, darf sich freuen :D) [...]

    Gekürzt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Die Richtlinien der Moderation entnehmen Sie bitte der . Danke, die Redaktion/mk

    Freudscher Verleser.

    einen Doktor bekommt er nicht. Vielmehr wird mit dem neuen Image eine Art "Gehirnwäsche" gestartet. Fans hat der Kerl ja (leider) immer noch, die Deutschen sehnen sich nach einer "Führer" gestalt und die Medien nehmen das thema liebend gern auf, weil es viele Klicks (damit viel Umsatz) für sie bedeutet. Ist wieder die alte Leier, die schon mal abgezogen wurde. Sie hat ja fast auch bis zum Ende gut funktioniert, doof nur, dass so paar "hobbylosen" Jungs eingefallen ist, die Doktorarbeit von Guttenberg anzuschauen. (Wer die Satire erkennt, darf sich freuen :D) [...]

    Gekürzt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Die Richtlinien der Moderation entnehmen Sie bitte der . Danke, die Redaktion/mk

    Freudscher Verleser.

  6. Da hat sich der Guttenberg wohl von dem selben PR-"Wissenschaftler" beraten lassen, wie unser Außenminister. Kein Gel in den Haaren, keine Brille mehr, anderer Duktus, andere Gestik, in der Hoffnung, man würde ihn nun als andere Person sehen und Vergangenes vergessen.

    Ebenso wie bei Guido Westerwelle und seiner neuen Brille. Recht lächerlich, das ganze.

    59 Leser-Empfehlungen
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    Wenn er sich zumindest selbst neu erfunden hätte, aber nein er wurde erfunden (die ganze Figur wirkt so artifiziell, das man meint sie kann eigentlich nur erdacht sein!), von den Selben die die Scharade / Farce der Demokratie auf - und fortführen.

    Wenn er sich zumindest selbst neu erfunden hätte, aber nein er wurde erfunden (die ganze Figur wirkt so artifiziell, das man meint sie kann eigentlich nur erdacht sein!), von den Selben die die Scharade / Farce der Demokratie auf - und fortführen.

  7. Es ist doch nichts anderes als in Deutschland.
    Er redet und spielt mit den Medien.
    In den USA geht das noch besser als hier und er wird spätestens im Winter nächsten Jahre wieder bei einer Partei aus Süddeutschland voll "in" sein.

    Wenn man sich die Reihenfolge

    http://www.google.de/#scl...

    Des "Erscheinens" dieser Meldung in den "Qualitätsmedien" anschaut, sieht man auch wo zuerst die

    Meldung auftratt.
    Na, leuchtet es manchen ein, in welcher Beziehung Guttenberg zu gewissen Medien stand und steht ?

    Bald sind wieder Bundestagswahlen. Es beginnt die Vorbereitung, die so "nebenbei" ablaufen soll, so

    unbemerkt.

    Der deutsche Michel wird ja dann wieder gehorchen und ja was wohl wählen ?

    16 Leser-Empfehlungen
  8. Gut, er war jetzt mal gut vorbereitet, also hat er dazugelernt.

    Sein Wirken in den ihm anvertrauten Ministerien war ja dergestalt, dass ich die Rolle des Kritikers reichlich daneben finde.

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    • joG
    • 20.11.2011 um 17:42 Uhr

    ....die Kritik, wie sie im Artikel beschrieben wird, trifft den Nagel auf den Kopf und fällt dennoch etwas zu positiv aus.

    • joG
    • 20.11.2011 um 17:42 Uhr

    ....die Kritik, wie sie im Artikel beschrieben wird, trifft den Nagel auf den Kopf und fällt dennoch etwas zu positiv aus.

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