Die katholische Kirche in Irland hat neue Berichte zum Missbrauch von Kindern durch Priester in der Zeit zwischen 1975 und 2010 vorgelegt. Nach Angaben der Regierung sind darin 160 Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs durch 85 Priester in sechs Diözesen aufgelistet. Nur wenige davon hätten Verurteilungen nach sich gezogen, sagte die irische Kinderministerin Frances Fitzgerald.

Allein in der Diözese Raphoe im Nordwesten des Landes zählte die Polizei zwischen 1975 und August 2010 insgesamt 52 Fälle von Kindesmissbrauch durch 14 Priester. "Brutale Taten wurden von Priestern begangen, die sich niemals hätten ereignen dürfen und die aufs Schärfste hätten geahndet werden müssen", sagte der Bischof von Raphoe, Philip Boyce.

Die Autoren des Berichts werfen den Bischöfen der Diözese "schwere Fehlurteile" vor. Sie hätten zu sehr auf die Lage der Priester geachtet und zu wenig auf die Bedürfnisse der Betroffenen.

Mit Bezug auf eine andere Diözese heißt es, allzu oft seien die Priester einfach versetzt worden, ohne deshalb aber ihre Taten einzustellen. "Es braucht teilweise zehn, zwanzig Jahre und sogar mehr, damit die Opfer die tief unten verbuddelten Erinnerungen ausgraben", warnte Fitzgerald. "Wir können daher nicht davon ausgehen, dass wir von dieser Pest befreit sind und dass sie zu einer vergangenen Epoche der Kirche gehört."

Seit Jahren werden in Irland immer neue Fälle bekannt und ziehen Empörung nach sich. Die jüngsten Berichte hatte eine innerkirchliche Arbeitsgruppe erstellt.