Tag des MauerfallsWestdeutsche, auch euer Land ist untergegangen

Den Ostdeutschen wird oft vorgeworfen, die Vergangenheit zu verklären. Doch die Sehnsucht nach der Zeit vor 1989 ist im Westen größer. Von Christian Bangel

Wie wäre es, wir würden einen Gedenktag für die BRD einführen? Die Wendefeiertage eignen sich nicht dafür. Sie würdigen vor allem den Untergang des Ostens. Nie aber wird der alte Westen, das Land des naiven Kapitalismus, besungen. Es ist Zeit, die BRD in Würde zu beerdigen.

Viele Westdeutsche haben nichts gegen den Osten, aber sie vermissen den alten Westen. Meist äußert sich das ganz harmlos: In der Retro-Ästhetik der Kulturformate junger (auch ostdeutscher) Stadtbürger. Bars heißen Weltempfänger oder Tanzcafé, der gute alte Tatort ist entstaubt worden, er wird jetzt kollektiv in Szenecafés geschaut. Das Traumschiff segelt in seine dreißigste Saison, Harald Schmidt und Otto Sander salutieren. Die fortwährende Existenz von Wetten, dass...? hat die Kollegin Carolin Ströbele treffend als traurige Reminiszenz an sich selbst bezeichnet .

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So weit, so unwichtig. Hier aber wird es handfest: Zwei Drittel der Westdeutschen sagten noch vor zwei Jahren, Deutschlands beste Zeit im 20. Jahrhundert sei die vor 1990 gewesen. Weniger als die Hälfte der Westdeutschen mag die Wiedervereinigung als einen Glücksfall für Deutschland betrachten – im Osten sind es zwei Drittel. Mehr West- als Ostdeutsche wollen die Mauer wieder haben.

Das Land des gerechten Kapitalismus

Man kann das fast verstehen. Die BRD war ein zivilisiertes, modernes Land, das sich vierzig Jahre lang – sicher geführt von den westlichen Alliierten – mit Schuld und Vergangenheit befassen durfte. Ein Land ohne Zentrale. Ein Land, in dem die Staubsauger funktionierten, der Fußball gut war und die Regierung verklagt werden konnte. Ein Land, das jeden Tag den Traum von einem Kapitalismus mit weißer Weste lebte. Den Ostdeutschen erschien dieser Ort so wünschenswert, dass sie die DDR gern für das Versprechen hergaben, es könne bei ihnen genauso werden.

Ostdeutsche wissen, dass es ihr Geburtsland nicht mehr gibt. Es existiert nicht nur juristisch nicht mehr. Jeder Versuch, an noch so apolitische Werte und Gegebenheiten der DDR anzuknüpfen, kann ihnen den Vorwurf der Diktatur-Verharmlosung einbringen. Wie kann man sich, fragt der Westdeutsche, an eine glückliche Kindheit im Osten erinnern, ohne an die Stasi zu denken? Ostalgie ist niemals unpolitisch. Sie gilt als Ausdruck stiller Dissidenz gegenüber dem Westen.  

Der Verlust alter Normen und Einstellungen – wie kleinbürgerlich und brutal auch immer – muss verarbeitet werden. Was war gut, was war schlecht? Was wollen wir nie wieder, was wollen wir retten? Die Ostdeutschen haben das noch nicht hinter sich gebracht. Aber sie sind dabei.

Leserkommentare
  1. Zwei Drittel der Westdeutschen sagten noch vor zwei Jahren, Deutschlands beste Zeit im 20. Jahrhundert sei die vor 1990 gewesen. Weniger als die Hälfte der Westdeutschen mag die Wiedervereinigung als einen Glücksfall für Deutschland betrachten – im Osten sind es zwei Drittel. Mehr West- als Ostdeutsche wollen die Mauer wieder haben.

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    Das könnte auch schlicht und ergreifend daran liegen, dass die DDR für den Eindruck gut war, dass es den Menschen im Westen besser ging. In der ehem. DDR wurde sich Armut geteilt und im Westen wurde sich Wohlstand geteilt. Ein logischer Rückschluss wäre, dass mehr Westdeutsche sich die Mauer zurückwünschen.

    Aber davon mal ab:
    Selbst mich als ehem. Ostdeutschen nervt das Gelaber einfach nur...
    Es gibt kein Ost und West mehr. Lassen sich mit Klischees bessere Artikel schreiben ?

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    dann bezeichne ich die Einigung als das größte Unglück für Deutschland nach dem Krieg. eine 2 Staatenlösung, so sie denn machbar gewesen wäre, hätte beidne Staaten mehr Erfolg gebracht. Der Osten wäre nicht abgestürzt und der Westen wäre um viel frühere Reformen nicht herumgekommen.
    Das hängt damit zusammen, das schon damals enormer Reformbedarf im Westen bestand und die Einigung leider den Druck dazu nahm. Hinzu kommt die erneute Verschiebung des Bevölkerungsgleichgewichtes hin zu einer mehr protestantisch geprägten Mehrheit, was auch Bürokratie und Puritanismus, sowie den Antikatholizismus verstärkt hat.
    Es ist nicht so, das diese Verschiebung nicht auch gute Seiten hätte haben können, nur im dominanten Westen spielt das bis heute keine Rolle.
    Es war nur eine Gelegenheit ein fast abgewirtschaftes System ungehindert ganz runterzuwirtschaften.
    Der Keim der aktuellen Wirtschaftskrise für Deutschland wurde vor der Einheit im Westen gelegt, im Reformstau der Wende und der Ära Kohl. Die Einheit verhinderte die notwendigen Korrekturen durch den Einheitsboom. 20 Jahre früher oder später wäre besser gewesen, in einer besser aufgestellten Republik.
    Das was die alte Bundesrepublik stark gemacht hatte wurde mit der Einheit Deutschlands und danach auch Europas geopfert.
    Das hat wenig mit Nostalgie zu tun, als vielmehr mit den machtpoltischen Realitäten.
    Auch wenn trauern nichts nützt Angesichts des Unausweichlichen, bleibt die Tatsache eines Verlustes Realität.

    H.

    warum wird dann sogar politisch bewirkt, dass die Löhne im 'Osten' imemr noch niedriger gehalten sind als im 'Westen' ?
    Ich denke, es ist eher umgekehrt: der 'Westen' hat vom Unternehmertum her nie aufgegeben und wird als sogenanntes 'Deutschland' in Wirklickeit im Stil der alten BRD - wie diese eigentlich sein hat sollen und damals in ausbeutungsmässiger Hinsicht noch nicht werden konnte, weiter betrieben.

    Dass es sich jetzt bereits um 'Deutschland' im Sinn einer Volksmehrheit - jenseits der Autogesellschaft - handeln wuerde, ist ein Mythos, wenn nicht gar politische Luege, weil dazu gar keine echte Volksabstiumung erfolgt ist, die den Westen eingeschlossen hat - stattdessen durch Parteien, Geld-Kungelei(DM)und Medien-Beschwichtigung (Privat-TV) mehrheitlich ueber sie Köpfe weg von 'oben' her bewirkt wurde.

    mit andern Worten ausgedrueckt: aus dem deklamativen, im Osten von 'oben' her verkuendigt gewesenen Sozialismus der ehemaligen DDR, der der Mehrheitsbevölkerung ohne zu fragen aufgedrueckt war, ist per Anschluss an die BRD - wie das ja auch geheissen hat - ein freiwilliger Konsumismus geworden, mit dem sich dann mehrheitlich identifiziert werden konnte, und politisch als 'Einigung' bezeichnet wurde - Einigung zu einem gesamtdeutschen Wirtschaftsraum mit freier Autofahrt fuer alle, der aber bis heute vom Westen her seine Hauptstuetze erfährt, die ehemalige DDR nach wie vor als Ergänzungsgebiet dazu betrachtet wird.

    dann bezeichne ich die Einigung als das größte Unglück für Deutschland nach dem Krieg. eine 2 Staatenlösung, so sie denn machbar gewesen wäre, hätte beidne Staaten mehr Erfolg gebracht. Der Osten wäre nicht abgestürzt und der Westen wäre um viel frühere Reformen nicht herumgekommen.
    Das hängt damit zusammen, das schon damals enormer Reformbedarf im Westen bestand und die Einigung leider den Druck dazu nahm. Hinzu kommt die erneute Verschiebung des Bevölkerungsgleichgewichtes hin zu einer mehr protestantisch geprägten Mehrheit, was auch Bürokratie und Puritanismus, sowie den Antikatholizismus verstärkt hat.
    Es ist nicht so, das diese Verschiebung nicht auch gute Seiten hätte haben können, nur im dominanten Westen spielt das bis heute keine Rolle.
    Es war nur eine Gelegenheit ein fast abgewirtschaftes System ungehindert ganz runterzuwirtschaften.
    Der Keim der aktuellen Wirtschaftskrise für Deutschland wurde vor der Einheit im Westen gelegt, im Reformstau der Wende und der Ära Kohl. Die Einheit verhinderte die notwendigen Korrekturen durch den Einheitsboom. 20 Jahre früher oder später wäre besser gewesen, in einer besser aufgestellten Republik.
    Das was die alte Bundesrepublik stark gemacht hatte wurde mit der Einheit Deutschlands und danach auch Europas geopfert.
    Das hat wenig mit Nostalgie zu tun, als vielmehr mit den machtpoltischen Realitäten.
    Auch wenn trauern nichts nützt Angesichts des Unausweichlichen, bleibt die Tatsache eines Verlustes Realität.

    H.

    warum wird dann sogar politisch bewirkt, dass die Löhne im 'Osten' imemr noch niedriger gehalten sind als im 'Westen' ?
    Ich denke, es ist eher umgekehrt: der 'Westen' hat vom Unternehmertum her nie aufgegeben und wird als sogenanntes 'Deutschland' in Wirklickeit im Stil der alten BRD - wie diese eigentlich sein hat sollen und damals in ausbeutungsmässiger Hinsicht noch nicht werden konnte, weiter betrieben.

    Dass es sich jetzt bereits um 'Deutschland' im Sinn einer Volksmehrheit - jenseits der Autogesellschaft - handeln wuerde, ist ein Mythos, wenn nicht gar politische Luege, weil dazu gar keine echte Volksabstiumung erfolgt ist, die den Westen eingeschlossen hat - stattdessen durch Parteien, Geld-Kungelei(DM)und Medien-Beschwichtigung (Privat-TV) mehrheitlich ueber sie Köpfe weg von 'oben' her bewirkt wurde.

    mit andern Worten ausgedrueckt: aus dem deklamativen, im Osten von 'oben' her verkuendigt gewesenen Sozialismus der ehemaligen DDR, der der Mehrheitsbevölkerung ohne zu fragen aufgedrueckt war, ist per Anschluss an die BRD - wie das ja auch geheissen hat - ein freiwilliger Konsumismus geworden, mit dem sich dann mehrheitlich identifiziert werden konnte, und politisch als 'Einigung' bezeichnet wurde - Einigung zu einem gesamtdeutschen Wirtschaftsraum mit freier Autofahrt fuer alle, der aber bis heute vom Westen her seine Hauptstuetze erfährt, die ehemalige DDR nach wie vor als Ergänzungsgebiet dazu betrachtet wird.

  2. Ist es denn nicht eher umgekehrt, dass der Kapitalismus noch gezügelt war, als der Kommunismus als Drohkulisse noch vorhanden war?

    Ich hab den Artikel gerne gelesen, glaube aber, dass dieser Aspekt fehlt. Im Feudalismus und im frühen Kapitalismus konnte der Besitzer des Kapitals nach Gutdünken regieren mit der Drohung, die Besitzlosen einfach verrecken zu lassen, wenn sie nicht parieren. - Der Kommunismus ist zwar als Regierungsform gescheitert, weil er einige entscheidende Denkfehler enthält; aber er hat dennoch auch positiv gewirkt, indem er auch den Massen eine Rute zum Drohen in die Hand gegeben hat, so dass ein entscheidender Schritt zuu

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    ...ein entscheidender Schritt zur Gerechtigkeit gelang? Das Kapital bestimmte zwar, konnte aber nicht nach Belieben "durchregieren" wie es heute so anschaulich heisst.

    Da wir nunmehr wieder auf dem Rückweg gen Manchester sind, scheint mir die These vom goldenen Zeitalter 1945-1989, wenngleich sie natürlich grob vereinfacht, nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein.

    • Harzer
    • 09.11.2011 um 12:12 Uhr

    ("Die These vom ungebremsten BRD-Kapitalismus überzeugt mich nicht.
    Ist es denn nicht eher umgekehrt, dass der Kapitalismus noch gezügelt war, als der Kommunismus als Drohkulisse noch vorhanden war?")

    Die DDR ist untergegangen, die alte BRD ist verschwunden und wenn es dumm kommt, gehen wir gerade vereint in der Finanzkrise zum 3. Mal unter ... ... .

    Der kommunismus laut marx wurde nie gelebt wie kann er untergehen. Seien sie mal ehrlich sich selbst gegenueber. Sie meinen eher denn honeckerismus ulbrichmus.

    ...ein entscheidender Schritt zur Gerechtigkeit gelang? Das Kapital bestimmte zwar, konnte aber nicht nach Belieben "durchregieren" wie es heute so anschaulich heisst.

    Da wir nunmehr wieder auf dem Rückweg gen Manchester sind, scheint mir die These vom goldenen Zeitalter 1945-1989, wenngleich sie natürlich grob vereinfacht, nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein.

    • Harzer
    • 09.11.2011 um 12:12 Uhr

    ("Die These vom ungebremsten BRD-Kapitalismus überzeugt mich nicht.
    Ist es denn nicht eher umgekehrt, dass der Kapitalismus noch gezügelt war, als der Kommunismus als Drohkulisse noch vorhanden war?")

    Die DDR ist untergegangen, die alte BRD ist verschwunden und wenn es dumm kommt, gehen wir gerade vereint in der Finanzkrise zum 3. Mal unter ... ... .

    Der kommunismus laut marx wurde nie gelebt wie kann er untergehen. Seien sie mal ehrlich sich selbst gegenueber. Sie meinen eher denn honeckerismus ulbrichmus.

    • ngw16
    • 09.11.2011 um 11:40 Uhr

    Was hatte 1968 ein Herr Trittin(damals 14 Jahre alt) oder ein Herr Westerwelle(damals 7 Jahre alt) mit dem damals "konstituierenden Kampf" zu tun?

    Ein kleiner Blick auf die Geburtsdaten hätte diesen Lapsus vermieden.

    Der größte Fehler in dem Zusammenhang der Wiedervereinigung war das bodenlose Loch durch den Regierungsumzug nach Berlin.

    Jenes haben wir allerdings einem Wessi zu "verdanken".

    5 Leserempfehlungen
  3. ...ein entscheidender Schritt zur Gerechtigkeit gelang? Das Kapital bestimmte zwar, konnte aber nicht nach Belieben "durchregieren" wie es heute so anschaulich heisst.

    Da wir nunmehr wieder auf dem Rückweg gen Manchester sind, scheint mir die These vom goldenen Zeitalter 1945-1989, wenngleich sie natürlich grob vereinfacht, nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein.

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    aber so zu verstehen, dass er per Anschluss der DDR nicht länger gebremst war - zumindest eine Zeit lang - bevor es dann weiter ging - in den Globalismus hinein. Und die Finanzbetruegereien haben damals bereits erheblich ihren Anfang genommen - man denke nur an die Machenschaften der 'Treuhand' und der vielen weiteren Skandale.

    aber so zu verstehen, dass er per Anschluss der DDR nicht länger gebremst war - zumindest eine Zeit lang - bevor es dann weiter ging - in den Globalismus hinein. Und die Finanzbetruegereien haben damals bereits erheblich ihren Anfang genommen - man denke nur an die Machenschaften der 'Treuhand' und der vielen weiteren Skandale.

  4. und zu Recht.

    Allerdings können die ehem. "Ostdeutschen" dafür gar nichts.

    Nach dem "Zusammenbruch" der Ostsysteme, haben kleine aber mächtige finanzielle Minderheiten gedacht, dass sie jetzt mit dem Raubtierkapitalismus so richtig "die Sau raus lassen können".

    Dafür können die ehem. "Ostdeutschen" nichts. Es waren die Westdeutschen selbst, welche diese hemmungslose Vernichtungsgier überhaupt zugelassen haben.

    Vor 1989 war sicher auch nicht alles zum Besten bestellt.
    Aber in den gesamten Nachkriegsjahrzehnten vor 1989 hat es niemals eine derart hemmunglose Gier gegeben, hat es niemals einen derart grenzenlosen Neoliberalismus gegeben.

    Die damalige sw-ge Regierung hatte mit Vorsatz eine Situation am Arbeitsmarkt geschaffen, welche wir seit 20 Jahren als Wiedereinführung der Sklaverei und Knechtschaft beschreiben.

    Vorher wäre niemand in Deutschland auf die Idee gekommen, die Verfassungsgrundrechte und die Menschenrechte abzuschaffen.
    Das wäre den Unternehmen sehr schlecht bekommen.

    Aber nach 1989 dachten die aufkommenden Neoliberalen, dass die Menschen nun nichts mehr wert seien und dass man Menschen wegwerfen könne, wie schmutzige Hemden. Es hat vor 1989 niemals eine derartige Menschenverachtung im Nachkriegsdeutschland gegeben.

    Ist es also ein Wunder, dass sich ein Teil der Deutschen gerne an die Zeit vor 1989 erinnert?

    Allerdings hätten die Bürger nur auf die Barrikaden gehen müssen. Dann wäre das alles nicht eingetreten.

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    .. Sie m. E. komplett recht. Leider!

    Sehr guter Kommentar ihrerseits.
    Die heutige Menschenverachtung und verantwortungslose Raffgier bis ins Grenzenlose (verbrannte Erde) und Entsoldarisierung der Menschen kam erst nach 1989.

    "Aber nach 1989 dachten die aufkommenden Neoliberalen, dass die Menschen nun nichts mehr wert seien und dass man Menschen wegwerfen könne, wie schmutzige Hemden. Es hat vor 1989 niemals eine derartige Menschenverachtung im Nachkriegsdeutschland gegeben."

    • Harzer
    • 09.11.2011 um 12:41 Uhr

    ("Nach dem "Zusammenbruch" der Ostsysteme, haben kleine aber mächtige finanzielle Minderheiten gedacht, dass sie jetzt mit dem Raubtierkapitalismus so richtig "die Sau raus lassen können".")

    Da haben wir Ossis mit an dem Einsturz der DDR gearbeitet und ironischer Weise damit gleichzeitig den bis dahin "real existierenden goldenen Westen" zum Ableben gebracht, auf den dann viele hier eigendlich gehofft hatten ... ... .

    "Allerdings hätten die Bürger nur auf die Barrikaden gehen müssen. Dann wäre das alles nicht eingetreten."

    Schöne Simplifizierung :-). Und nette Heroisierung der westdeutschen Sozialen Marktwirtschaft (hey, bei letzterem würde ich sogar mitmachen, das war eine gute Erfindung!). Jedoch:

    Auch 1989 war Deutschland (Ost, West, egal) nicht allein auf weiter Flur, und was die Politiker damals entschieden, war auch damals schon in ein Weltgeschehen eingebunden. Und das hieß auch damals und davor schon: Globalisierung, Verschiebung von Produktion nach Asien, Verlust entsprechender Arbeitsplätze in Europa. Und die Entwicklung wäre in West-Deutschland genauso gekommen ohne die Wiedervereinigung.
    Sie wollen die Globalisierung aufhalten? Ich sage Ihnen, was Sie dafür tun müssen: Bauen Sie sich eine Zeitmaschine und reisen Sie in das Jahr 1955. Erschießen Sie Malcolm McLean, den Erfinder des Schiffsfracht-Containers.

    (Wen weiteres interessiert: Der obige Wikipedia-Artikel zu McLean hat einige interessante Artikel im Link-Abschnitt, die BBC hat vor 2 Jahren einen Container ein Jahr verfolgt.)

    Ein Kommentar der mir gefällt/Danke

    • fanta4
    • 09.11.2011 um 14:43 Uhr

    Ja, ich habe auch Sehnsucht nach der Zeit vor 1989!

    Daran haben aber nicht die Ossis schuld, sondern die Plünderer, denen man damals Tür und Tor geöffnet hat.

    Zuerst wurde die DDR ausgeplündert. Rücksichtslos und mit aller Macht. Unterstützt von der staatlichen Treuhand.

    Danach war der Westen dran. Ich habe es selbst in einem großen Konzern miterlebt.

    Es hat viel zulange gedauert, bis Betriebsrat und Gewerkschaft kapiert hat: Die wollen nicht nur spielen, die machen ernst!

    Da war es schon zu spät und ein Konzern, der bis zum Schluss einen Milliardengewinn ausgewiesen hat, wurde zerschlagen.

    Nur ein Beispiel, wie ich am eigen leib gespürt habe, wie sehr wir unter die Räuber gefallen sind.

    So leben wir jetzt in einer Republik, die fast vollständig von Ackermännern und Schleckern übernommen wurde und in der die Menschen gnadenlos ausgeplündert werden.
    Zu Gunsten der Reichen.

    Und ich wünsche mir deshalb sehr, dass am kommenden Samstag, viele Wessis und Ossis auf die Straße gehen!

    http://banken-in-die-schr...

    .. Sie m. E. komplett recht. Leider!

    Sehr guter Kommentar ihrerseits.
    Die heutige Menschenverachtung und verantwortungslose Raffgier bis ins Grenzenlose (verbrannte Erde) und Entsoldarisierung der Menschen kam erst nach 1989.

    "Aber nach 1989 dachten die aufkommenden Neoliberalen, dass die Menschen nun nichts mehr wert seien und dass man Menschen wegwerfen könne, wie schmutzige Hemden. Es hat vor 1989 niemals eine derartige Menschenverachtung im Nachkriegsdeutschland gegeben."

    • Harzer
    • 09.11.2011 um 12:41 Uhr

    ("Nach dem "Zusammenbruch" der Ostsysteme, haben kleine aber mächtige finanzielle Minderheiten gedacht, dass sie jetzt mit dem Raubtierkapitalismus so richtig "die Sau raus lassen können".")

    Da haben wir Ossis mit an dem Einsturz der DDR gearbeitet und ironischer Weise damit gleichzeitig den bis dahin "real existierenden goldenen Westen" zum Ableben gebracht, auf den dann viele hier eigendlich gehofft hatten ... ... .

    "Allerdings hätten die Bürger nur auf die Barrikaden gehen müssen. Dann wäre das alles nicht eingetreten."

    Schöne Simplifizierung :-). Und nette Heroisierung der westdeutschen Sozialen Marktwirtschaft (hey, bei letzterem würde ich sogar mitmachen, das war eine gute Erfindung!). Jedoch:

    Auch 1989 war Deutschland (Ost, West, egal) nicht allein auf weiter Flur, und was die Politiker damals entschieden, war auch damals schon in ein Weltgeschehen eingebunden. Und das hieß auch damals und davor schon: Globalisierung, Verschiebung von Produktion nach Asien, Verlust entsprechender Arbeitsplätze in Europa. Und die Entwicklung wäre in West-Deutschland genauso gekommen ohne die Wiedervereinigung.
    Sie wollen die Globalisierung aufhalten? Ich sage Ihnen, was Sie dafür tun müssen: Bauen Sie sich eine Zeitmaschine und reisen Sie in das Jahr 1955. Erschießen Sie Malcolm McLean, den Erfinder des Schiffsfracht-Containers.

    (Wen weiteres interessiert: Der obige Wikipedia-Artikel zu McLean hat einige interessante Artikel im Link-Abschnitt, die BBC hat vor 2 Jahren einen Container ein Jahr verfolgt.)

    Ein Kommentar der mir gefällt/Danke

    • fanta4
    • 09.11.2011 um 14:43 Uhr

    Ja, ich habe auch Sehnsucht nach der Zeit vor 1989!

    Daran haben aber nicht die Ossis schuld, sondern die Plünderer, denen man damals Tür und Tor geöffnet hat.

    Zuerst wurde die DDR ausgeplündert. Rücksichtslos und mit aller Macht. Unterstützt von der staatlichen Treuhand.

    Danach war der Westen dran. Ich habe es selbst in einem großen Konzern miterlebt.

    Es hat viel zulange gedauert, bis Betriebsrat und Gewerkschaft kapiert hat: Die wollen nicht nur spielen, die machen ernst!

    Da war es schon zu spät und ein Konzern, der bis zum Schluss einen Milliardengewinn ausgewiesen hat, wurde zerschlagen.

    Nur ein Beispiel, wie ich am eigen leib gespürt habe, wie sehr wir unter die Räuber gefallen sind.

    So leben wir jetzt in einer Republik, die fast vollständig von Ackermännern und Schleckern übernommen wurde und in der die Menschen gnadenlos ausgeplündert werden.
    Zu Gunsten der Reichen.

    Und ich wünsche mir deshalb sehr, dass am kommenden Samstag, viele Wessis und Ossis auf die Straße gehen!

    http://banken-in-die-schr...

  5. dass ihr altes Land der DDR ähnlicher war als sie es wahrhaben wollten.
    Den Siegermächten hörig, von Geheimdiensten durchdrungen, abgehört und eingeschüchtert. Es gab mehr Zerstreuung, das machte das ganze attraktiver.

    9 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 09.11.2011 um 11:48 Uhr

    Da war mal Ost und West, aber wir habens doch geschafft, ein Deutschland draus zu machen. Und wo war nochmal Ost und West? Irgendwo zwischen Jägermeister und Spreewaldgurke.

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