ZwangsheiratSie sind uns fremd

Tausende Migranten in Deutschland müssen gegen ihren Willen heiraten. Viele von ihnen sind hier geboren. Deutsche interessiert das kaum.

Es gibt in der Türkei eine Sitte: Wenn ein Paar sich vermählt, dann trägt die Frau um ihre Hüften ein rotes Bändchen. Das Rot symbolisiert die Farbe des Blutes, das in der Hochzeitsnacht fließen muss. Das Blut, das bei der Entjungferung der frisch verheirateten Frau dem Mann zeigen soll, dass sie noch unberührt war. Diese befremdliche Tradition wird nicht nur auf dem Land gelebt, sie wird von fast allen gläubigen Türken befolgt – auch in Deutschland.

Ob aber die Frau den Mann überhaupt heiraten wollte, oder umgekehrt er sie, spielt oft genug keine Rolle. Zwangsheirat heißt dieses durchaus gängige Ritual. Die Grenze zwischen einer arrangierten und einer Zwangsehe ist nicht immer klar. Migrationsforscher sprechen von Zwangsehen, wenn die Betroffenen unter Androhung von psychischer oder physischer Gewalt in die Ehe gedrängt werden.

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Und dies geschieht, 50 Jahre nachdem die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, immer noch allzu häufig in muslimischen Familien. Eine von der Familienministerin Kristina Schröder und der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer (beide CDU) vorgestellte Studie kommt zu dem erschreckenden Ergebnis , dass Zwangsehen in muslimischen Communities keine Seltenheit sind und auch die junge Generation betreffen.

Aber warum halten die Menschen an diesem verachtenswerten Ritual fest? Warum kommen sie – der Studie zufolge vor allem Türken – nicht in Deutschland an, offenbar nicht einmal die, die hier geboren sind?

Zwei Seiten gehören zur Integration: Im Idealfall gibt es die Mehrheit, die zur Aufnahme bereit ist, und die Minderheit, die Teil werden will. Doch viele Gastarbeiter, die kamen, wollten gar nicht Teil werden, sie wollten Geld verdienen und dann rasch zurück in die Heimat. Es kam bekanntlich anders, doch ihre innere Haltung, so scheint es, änderten viele nicht. Sie holten ihre Familien nach, richteten sich ein in Ghettos, und erschwerten dadurch auch ihren Kindern den Weg in die neue Gesellschaft.

Viele blieben fremd, und die Deutschen versäumten es lange, diese wachsende Minderheit in ihre Gesellschaft zu integrieren. Zwar wurde den Einwanderern der Anschluss an die deutsche Gesellschaft noch nie so leicht gemacht wie heute, noch nie gab es so viel Unterstützung. Aber nicht wenige Migranten fühlen sich hier noch immer als unwillkommene Gäste. Ihre Töchter (oder Söhne) wollen sie nicht irgendwelchen Fremden überlassen, weshalb man gerne einen Partner aus dem eigenen Kulturkreis auswählt.

Dies ist das eine Problem. Das andere ist, dass man sich in Deutschland viel zu wenig dafür interessiert. Sicher, die furchtbaren Fälle wie der Mord an Hatun Sürücu sorgen für Empörung. Dass aber psychische oder physische Gewalt schon viel früher beginnt, wird oft genug ignoriert. 

Dies mag daran liegen, dass Zwangsehen für die deutsche Mehrheitsgesellschaft schlicht undenkbar sind. Sie finden jenseits des Erfahrungshorizonts der Deutschen statt – und werden schon allein deshalb nicht wahrgenommen. Man sieht dazu vielleicht mal einen Tatort, oder der Regisseur Fatih Akin gewinnt mit einem ähnlichen Thema den Goldenen Bären der Berlinale. Aber die kurdische Freundin, die mit auf der Schulbank saß und akzentfrei Deutsch spricht, der afghanische Fußballfreund, der für Blondinen schwärmt – die können von diesen hinterwäldlerischen Ritualen nicht betroffen sein. Doch, genau die können es sein, wie die Studie zeigt.

Die meisten Opfer von Zwangsehen hierzulande haben einen deutschen Pass, ein Drittel der Mädchen und Frauen, die zum heiraten gezwungen werden, ist in Deutschland geboren. Auf sie müssen wir achten. Hier müssen wir nachfragen, uns einmischen. Wegschauen ist keine Lösung.

 
Leserkommentare
  1. Wie bitte? Wer diese Dinge beim Namen nennt, wird sehr schnell und gerne in der Rechten Ecke angesiedelt.
    Hat da nicht u.A. ein Berliner Innensenator ein Buch geschrieben, für das ihn viele Kommentatoren zerrissen hatten?

    94 Leserempfehlungen
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    Der Herr war Finanzsenator.

    • Gafra
    • 09.11.2011 um 21:37 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie artikelbezogen. Danke, die Redaktion/mk

    • AntonB
    • 09.11.2011 um 21:53 Uhr

    Oder dem Sack Reis in Peking?

    Oder mit einem Beitrag zur Sache (Inhalt dieses Artikels?)

    Es ist eine Sache, etwas gegen Zwangsheiraten zu tun, eine andere, mit dilletantisch gefälschten Statistiken und unverstandener Wissenschaft Menschengruppen pauschal zu erniedrigen, um die Stammtische zu bedienen.
    Letzteres hatten wir schon bei Carl Schmitt und die Ergebnisse sind bekannt.

    Das was im Artikel beschrieben wurde hat mit dem Islam nichts zu tun, der Islam ist die Religion des Friedens. Das ist eine kulturelle Angelegenheit und da der Westen stets bemüht ist allen seine Kultur aufzusetzen kann man sich schob vorstellen woher dieser Brauch herrührt.

    Zudem wird im Artikel maßlos übertrieben und die Kultur wird als hinterwäldlerisch dargestellt. Was bedeutet eigentlich Zwangsheirat? Ist es wirklich Zwang-da drehen bei der Autorin glaube die Sicherungen durch.

    Der Herr war Finanzsenator.

    • Gafra
    • 09.11.2011 um 21:37 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie artikelbezogen. Danke, die Redaktion/mk

    • AntonB
    • 09.11.2011 um 21:53 Uhr

    Oder dem Sack Reis in Peking?

    Oder mit einem Beitrag zur Sache (Inhalt dieses Artikels?)

    Es ist eine Sache, etwas gegen Zwangsheiraten zu tun, eine andere, mit dilletantisch gefälschten Statistiken und unverstandener Wissenschaft Menschengruppen pauschal zu erniedrigen, um die Stammtische zu bedienen.
    Letzteres hatten wir schon bei Carl Schmitt und die Ergebnisse sind bekannt.

    Das was im Artikel beschrieben wurde hat mit dem Islam nichts zu tun, der Islam ist die Religion des Friedens. Das ist eine kulturelle Angelegenheit und da der Westen stets bemüht ist allen seine Kultur aufzusetzen kann man sich schob vorstellen woher dieser Brauch herrührt.

    Zudem wird im Artikel maßlos übertrieben und die Kultur wird als hinterwäldlerisch dargestellt. Was bedeutet eigentlich Zwangsheirat? Ist es wirklich Zwang-da drehen bei der Autorin glaube die Sicherungen durch.

  2. Der Thread "Tausende Frauen werden jährlich zur Ehe gezwungen" wird nach ein paar Stunden dicht gemacht und ein neuer mit dem gleichen Thema nun wieder geöffnet?
    Dann aber mit der (Teil)schuldzuweisung "Deutsche interessiert das kaum."
    Mich jedenfalls interessiert es schon und ich finde es sehr schlimm

    37 Leserempfehlungen
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    "ich jedenfalls interessiert es schon und ich finde es sehr schlimm"

    ...wir können ohnehin nix machen. Das wäre eine Aufgabe der Politik, Hand in Hand mit Justiz und Polizei. Spezielle Programme und Gesetze, die ein Eingreifen ermöglichen, die gezielt schlagkräftige schnelle Hilfe anbieten. Denn an dieser mangelt es in D allzuoft, die Polizei ist oft überfordert, zu wenig geschult oder erst nach der Tat berechtigt einzugreifen.

    Und was können wir tun? Nichts! Außer man hat persönliche Kontakte und jede Menge Todessehnsucht.

    Eine Wahl ändert wie gewohnt auch nichts, erstens weil es ein Minderheitenthema ist und zweitens weil die Parteienlandschaft weitgehend in Multikulti-Freunde, Ausweisungshardliner und Marktgläubige zerfällt. Ideologien, die nur selten im Sinne der Menschen agieren.

    Wie haben sie, und ein paar Millionen andere, denn damals reagiert als ein gewisser herr Sarrazin solche Probleme ansprechen wollte?

    "ich jedenfalls interessiert es schon und ich finde es sehr schlimm"

    ...wir können ohnehin nix machen. Das wäre eine Aufgabe der Politik, Hand in Hand mit Justiz und Polizei. Spezielle Programme und Gesetze, die ein Eingreifen ermöglichen, die gezielt schlagkräftige schnelle Hilfe anbieten. Denn an dieser mangelt es in D allzuoft, die Polizei ist oft überfordert, zu wenig geschult oder erst nach der Tat berechtigt einzugreifen.

    Und was können wir tun? Nichts! Außer man hat persönliche Kontakte und jede Menge Todessehnsucht.

    Eine Wahl ändert wie gewohnt auch nichts, erstens weil es ein Minderheitenthema ist und zweitens weil die Parteienlandschaft weitgehend in Multikulti-Freunde, Ausweisungshardliner und Marktgläubige zerfällt. Ideologien, die nur selten im Sinne der Menschen agieren.

    Wie haben sie, und ein paar Millionen andere, denn damals reagiert als ein gewisser herr Sarrazin solche Probleme ansprechen wollte?

  3. Sehr geehrte Frau Akyol,

    offensichtlich überschätzen Sie die Exklusivität des "Roten-Band-Brauches" in Ihrer Kultur (ich leite aus Ihrem Namen ab, dass sie zumindest türkische Wurzeln haben). Das ist in Deutschland ganz sicher nicht befremdlich, im Gegenteil in Oberbayern und ruralen Teilen Deutschlands ist das auch heute noch üblich. Das geht sogar soweit, das das blutbefleckte Lacken aus dem Fenster gehengt wird.

    Was das Thema der Zwangsehen anbelangt stimme ich Ihnen zu. Als Soziologe jedoch versichere ich Ihnen, dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist. Zwangsehen sind ein weltweites Phänomen das bereits seit Äonen (meist um den eigenen Familienstand zu heben) praktiziert wird. Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien. Nur liest man davon weniger in den Medien, da das Interesse wie sie schon beschreiben bis auf ein kures Empören bedauerlicherweiße nicht lange anhält!

    Mit freundlichen Grüßen

    10 Leserempfehlungen
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    'Als Soziologe jedoch versichere ich Ihnen, dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist. Zwangsehen sind ein weltweites Phänomen das bereits seit Äonen (meist um den eigenen Familienstand zu heben) praktiziert wird. Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien.'

    Ach so, also doch kein spezifisches Problem türkischstämmiger Migranten. Na, Gott sei dank, da können wir ja dann ganz beruhigt sein.

    Wo bitte werden in deutschland noch Blutbefleckte Lacken zum Fenster hinaus gehängt?
    Wo bitte gibt es im Deutschen Kulturkreis Zwangsheiraten?
    Bitte geben sie doch hier Quellen an.
    Ansonsten ist diese Aussage vollkomen konträr zu den vor-
    gestellten Studienergebnissen. Und zum Thema kurzes Empören möchte ich doch mal darauf hinweisen das dies in Deutschland nicht erst seit Hatun Sürücü problematisiert wurde, jedoch immer unter den Generalverdacht des Rassismus und Islamophobie gestellt wurde/wird. In der Studie sind unter deutschen Zwangsheiraten 3% angegeben, die jedoch nicht näher erleutert werden. Vielleicht haben Sie ja andere verifizierbare Daten, die sicherlich hier zur erhellung beitragen könnten.

    • wauzi
    • 09.11.2011 um 20:44 Uhr

    schuster bleib bei deinen leisten.
    1) es heißt laken ...lacken sind auf bayr. pfützen.
    2) wären sie so nett mir 1 obb. gemeinde zu nennen, in der die tücher heutzutage rausgehängt werden.
    3) "rurale" gegenden finden sie in obb. kaum.
    eher niederbayern, oberpfalz - ohne den bewohnern zu nahe treten zu wollen.
    4) was wollen sie mit ihrem artikel sagen? dass alles i.o. ist, weil auch bei uns einige arrangierte ehen gibtß

    Wo und unter welchen Bedingungen werden in Deutschland bitte deutsche Zwangsehen geschlossen? Mit welchem Druck? Morddrohungen in Oberbayern, "...wenn Du nicht den Huber-Sepp heiratst, dann bring i di um"? Wäre mir nicht bekannt. Auch von den wildesten Küstenbewohnern unseres Landes habe ich so etwas noch nicht gehört - und ich zähle etliche (übrigens sehr gut integrierte) Dithmarscher zu meinen Freunden.

    Und was hat Ihre relativierende Aussage in diesem Thread zu suchen? Zwangsehen gibt es also weltweit, was folgert daraus?

    Nehmen wir die Genitalverstümmelung von Mädchen in Afrika als Beispiel, ändert oder relativiert das dortige Unrecht etwas daran, wie wir dazu stehen sollten, dass Beschneiderinnen zu diesem Zweck nach Europa geflogen werden, um hier ihrem Verstümmelungsgeschäft nachzugehen?

    Ist doch in Afrika auch so, also irgendwie so ein internationales Phänomen.
    Nichts besonderes also, dass es sowas auch hier gibt.

    Oder?

    "Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien. "

    Das würde ich bis zum Beweis des Gegenteils erst mal bestreiten.
    Hier oben wird von "Zwangsehen" gesprochen.

    Es mag durchaus auch heute noch - auch in Deutschland - so sein, dass Eltern versuchen, Druck und Einfluss auf ihre Kinder auszuüben. Das wäre aber keine Zwangsehe.

    Dass Kinder eine bestimmte Person zwangsweise heiraten müssen, halte ich mehrheitlich für nicht vorstellbar in Deutschland.
    Eher kommt es zu einem Bruch mit Eltern, welche Druck ausüben, aber keine Zwangsehe anordnen.

    Der Druck der Eltern geht wohl manches Mal vielleicht in die Richtung "eine bestimmte Person" - nicht - zu heiraten. Aber weniger dahin, eine bestimmte Person heiraten zu müssen.

    Es gibt noch die Möglichkeit, dass Eltern sagen, wenn "Du den heiratest, enterbe ich Dich". Das ist aber auch nur bis auf den Pflichtteil möglich. Die Frage wäre, ob eine solche Enterbung nicht sogar angeklagt werden kann.

    Dennoch besteht hier für die Kinder die Entscheidungsmöglichkeit schlimmstenfalls auf ein Erbe zu verzichten und die gewünschte Person zu heiraten. Es geht also wohl mehr darum, dass Eltern bei einem bestimmten Heiratspartner uU berechtigte oder auch unberechtigte Bedenken haben, aber weniger dass ein bestimmter Partner erzwungen wird.

    Für die Mehrheit der Deutschen ist es aber so, dass die Eltern bei der Partnersuche in keiner Weise mehr beteiligt sind, zumal auch viele Kinder gar nicht mehr bei den Eltern wohnhaft sind.

    • voxs
    • 10.11.2011 um 9:11 Uhr

    Ich bin in der Türkei aufgewachsen und von den blutigen Laken weiß ich über alte türkische Filme. Ein marginales Beispiel, welches nicht das "deutsch Problem" representiert.
    "Sie holten ihre Familien nach, richteten sich ein in Ghettos, und erschwerten dadurch auch ihren Kindern den Weg in die neue Gesellschaft."
    Paralegesellschaften gibt es auch am Rande Berlins oder Hamburgs, wo Reiche untereinander leben. Nur ist es wichtig was für einen Bildunghintergrund dies Geselschft mitgebracht hat.
    Die einzige Lösung ist Bildung! Und wenn die Regierung jetzt die Eltern dafür belohnen will (Herdprämie), wenn sie Ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken, ist es wohl überflüssig noch über Integration zu reden.

    ... dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist ..."
    Das kann doch nur Kotnterbande eines Soziologenhassers sein, so etwa. Oder? sein

    "Als Soziologe jedoch versichere ich Ihnen, dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist. Zwangsehen sind ein weltweites Phänomen das bereits seit Äonen (meist um den eigenen Familienstand zu heben) praktiziert wird. Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien. Nur liest man davon weniger in den Medien, da das Interesse wie sie schon beschreiben bis auf ein kures Empören bedauerlicherweiße nicht lange anhält!"

    Aus welchen Parallelwelten schreiben Sie eigentlich, lieber Soziologe? Die deutsche Welt kann das jedenfalls nicht sein. Oder war das schlicht und ergreifend als Nebelkerze gedacht, um von dem hier geschilderten Problem abzulenken?

    'Als Soziologe jedoch versichere ich Ihnen, dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist. Zwangsehen sind ein weltweites Phänomen das bereits seit Äonen (meist um den eigenen Familienstand zu heben) praktiziert wird. Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien.'

    Ach so, also doch kein spezifisches Problem türkischstämmiger Migranten. Na, Gott sei dank, da können wir ja dann ganz beruhigt sein.

    Wo bitte werden in deutschland noch Blutbefleckte Lacken zum Fenster hinaus gehängt?
    Wo bitte gibt es im Deutschen Kulturkreis Zwangsheiraten?
    Bitte geben sie doch hier Quellen an.
    Ansonsten ist diese Aussage vollkomen konträr zu den vor-
    gestellten Studienergebnissen. Und zum Thema kurzes Empören möchte ich doch mal darauf hinweisen das dies in Deutschland nicht erst seit Hatun Sürücü problematisiert wurde, jedoch immer unter den Generalverdacht des Rassismus und Islamophobie gestellt wurde/wird. In der Studie sind unter deutschen Zwangsheiraten 3% angegeben, die jedoch nicht näher erleutert werden. Vielleicht haben Sie ja andere verifizierbare Daten, die sicherlich hier zur erhellung beitragen könnten.

    • wauzi
    • 09.11.2011 um 20:44 Uhr

    schuster bleib bei deinen leisten.
    1) es heißt laken ...lacken sind auf bayr. pfützen.
    2) wären sie so nett mir 1 obb. gemeinde zu nennen, in der die tücher heutzutage rausgehängt werden.
    3) "rurale" gegenden finden sie in obb. kaum.
    eher niederbayern, oberpfalz - ohne den bewohnern zu nahe treten zu wollen.
    4) was wollen sie mit ihrem artikel sagen? dass alles i.o. ist, weil auch bei uns einige arrangierte ehen gibtß

    Wo und unter welchen Bedingungen werden in Deutschland bitte deutsche Zwangsehen geschlossen? Mit welchem Druck? Morddrohungen in Oberbayern, "...wenn Du nicht den Huber-Sepp heiratst, dann bring i di um"? Wäre mir nicht bekannt. Auch von den wildesten Küstenbewohnern unseres Landes habe ich so etwas noch nicht gehört - und ich zähle etliche (übrigens sehr gut integrierte) Dithmarscher zu meinen Freunden.

    Und was hat Ihre relativierende Aussage in diesem Thread zu suchen? Zwangsehen gibt es also weltweit, was folgert daraus?

    Nehmen wir die Genitalverstümmelung von Mädchen in Afrika als Beispiel, ändert oder relativiert das dortige Unrecht etwas daran, wie wir dazu stehen sollten, dass Beschneiderinnen zu diesem Zweck nach Europa geflogen werden, um hier ihrem Verstümmelungsgeschäft nachzugehen?

    Ist doch in Afrika auch so, also irgendwie so ein internationales Phänomen.
    Nichts besonderes also, dass es sowas auch hier gibt.

    Oder?

    "Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien. "

    Das würde ich bis zum Beweis des Gegenteils erst mal bestreiten.
    Hier oben wird von "Zwangsehen" gesprochen.

    Es mag durchaus auch heute noch - auch in Deutschland - so sein, dass Eltern versuchen, Druck und Einfluss auf ihre Kinder auszuüben. Das wäre aber keine Zwangsehe.

    Dass Kinder eine bestimmte Person zwangsweise heiraten müssen, halte ich mehrheitlich für nicht vorstellbar in Deutschland.
    Eher kommt es zu einem Bruch mit Eltern, welche Druck ausüben, aber keine Zwangsehe anordnen.

    Der Druck der Eltern geht wohl manches Mal vielleicht in die Richtung "eine bestimmte Person" - nicht - zu heiraten. Aber weniger dahin, eine bestimmte Person heiraten zu müssen.

    Es gibt noch die Möglichkeit, dass Eltern sagen, wenn "Du den heiratest, enterbe ich Dich". Das ist aber auch nur bis auf den Pflichtteil möglich. Die Frage wäre, ob eine solche Enterbung nicht sogar angeklagt werden kann.

    Dennoch besteht hier für die Kinder die Entscheidungsmöglichkeit schlimmstenfalls auf ein Erbe zu verzichten und die gewünschte Person zu heiraten. Es geht also wohl mehr darum, dass Eltern bei einem bestimmten Heiratspartner uU berechtigte oder auch unberechtigte Bedenken haben, aber weniger dass ein bestimmter Partner erzwungen wird.

    Für die Mehrheit der Deutschen ist es aber so, dass die Eltern bei der Partnersuche in keiner Weise mehr beteiligt sind, zumal auch viele Kinder gar nicht mehr bei den Eltern wohnhaft sind.

    • voxs
    • 10.11.2011 um 9:11 Uhr

    Ich bin in der Türkei aufgewachsen und von den blutigen Laken weiß ich über alte türkische Filme. Ein marginales Beispiel, welches nicht das "deutsch Problem" representiert.
    "Sie holten ihre Familien nach, richteten sich ein in Ghettos, und erschwerten dadurch auch ihren Kindern den Weg in die neue Gesellschaft."
    Paralegesellschaften gibt es auch am Rande Berlins oder Hamburgs, wo Reiche untereinander leben. Nur ist es wichtig was für einen Bildunghintergrund dies Geselschft mitgebracht hat.
    Die einzige Lösung ist Bildung! Und wenn die Regierung jetzt die Eltern dafür belohnen will (Herdprämie), wenn sie Ihre Kinder nicht in den Kindergarten schicken, ist es wohl überflüssig noch über Integration zu reden.

    ... dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist ..."
    Das kann doch nur Kotnterbande eines Soziologenhassers sein, so etwa. Oder? sein

    "Als Soziologe jedoch versichere ich Ihnen, dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist. Zwangsehen sind ein weltweites Phänomen das bereits seit Äonen (meist um den eigenen Familienstand zu heben) praktiziert wird. Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien. Nur liest man davon weniger in den Medien, da das Interesse wie sie schon beschreiben bis auf ein kures Empören bedauerlicherweiße nicht lange anhält!"

    Aus welchen Parallelwelten schreiben Sie eigentlich, lieber Soziologe? Die deutsche Welt kann das jedenfalls nicht sein. Oder war das schlicht und ergreifend als Nebelkerze gedacht, um von dem hier geschilderten Problem abzulenken?

  4. Die deutsche Gesellschaft ist keineswegs so libertinär, wie im Artikel unterstellt.

    Ich habe jetzt nicht die Zeit, das zu recherchieren, aber aus meinem privaten Umfeld kenne ich eine Menge Leute, die innerhalb der eigenen Familie erhebliche Probleme bekommen haben, weil sie aus Sicht ihrer Eltern einen falschen Partner gewählt haben.

    Das Spektrum reicht von massivem Mobbing bis hin zur Enterbung. Das ist zwar eine andere Dimension als die unsäglichen "Ehrenmorde", aber vom Prinzip her ist es eigentlich nichts anderes.

    Möglicherweise ist die Ursache für die mangelnde Aufmerksamkeit für dieses Thema darin zu suchen, dass viele deutsche Eltern gar keine so fundamental unterschiedliche Auffassung dazu haben, wie ihre Kinder sich für Partner entscheiden sollen.

    7 Leserempfehlungen
    • Morbox
    • 09.11.2011 um 18:53 Uhr

    Wie, ohne generell misstrauisch gegenüber Türken zu sein? Soll der Vermieter der Räumlichkeiten für die Hochzeit bei Türken immer nachschnüffeln? Sollen die Lehrer, sobald sie von einer Hochzeit hören, immer gleich nachbohren? Es ist eine schwierige Situation, eben weil sich viele Immigranten in ihrem kulturellen Kreis halten und versuchen, ihre Kinder türkischer zu machen als die Türken. Man kann wahrscheinlich nur versuchen, die Augen offen zu halten. Und sie in den wenigen Situationen nicht zu verschließen, in denen man wirklich etwas mitkriegt.

    4 Leserempfehlungen
  5. Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihren Tonfall. Danke, die Redaktion/mk

    Eine Leserempfehlung
  6. Es ist richtig, auf das Thema Zwangsheiraten aufmerksam zu machen. 3000 Fälle sind selbstverständlich 3000 zuviel - aber man sollte auch dazu sagen, daß Zwangsheiraten keineswegs die migrantische oder muslimische Normalität sind, sondern daß es sich hier um eine ganz deutliche Minderheit handelt. Wie man diese erreichen kann, ist schwer zu sagen. Gesetzgeberisch wurde hier ja schon einiges getan: So ist seit Juli diesen Jahres die Zwangsehe ein eigener Straftatbestand, der mit bis zu 5 Jahren Haft geahndet wird. Wirklich helfen aber können auf die Dauer wohl nur eine geduldige Aufklärung sowie die Vorbildwirkung einer offenen und vorurteilsfreien Gesellschaft.

    5 Leserempfehlungen
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    eigentlich haben wir einen Innenminister und eine Justizministerin, ob die schon etwas von diesen
    Sitten und Gebraeuchen gehoert haben ? Lasst es
    mich wissen (wenn's einer weiss) !

    eigentlich haben wir einen Innenminister und eine Justizministerin, ob die schon etwas von diesen
    Sitten und Gebraeuchen gehoert haben ? Lasst es
    mich wissen (wenn's einer weiss) !

    • hede
    • 09.11.2011 um 19:29 Uhr

    in dem Artikel über Zwangsehen stand, das in einem Jahr mehr als 3000 Mädchen und Frauen Hilfe gesucht haben, die Dunkelziffer dürfte da um ein Vielfaches höher sein. Das heisst, es leben hier inzwischen Hunderttausende in Zwangsehen, das ist keine unbedeutende Minderheit.

    Und worauf kaum eingegangen wird ist, dass diese Ehen auch noch meistens unter Verwandten stattfinden und das seit Generationen. Wozu das führt ist klar, hier ein interessanter Artikel:

    http://www.welt.de/vermis...

    "Wirklich helfen aber können auf die Dauer wohl nur eine geduldige Aufklärung sowie die Vorbildwirkung einer offenen und vorurteilsfreien Gesellschaft." Viel schneller Wirkung zeigen würde "zero tolerance". Wenn die Verantwortlichen solcher Zwangsverheiratungen schnell und konsequent ausgewiesen würden, würde sich dies in der community rasch herumsprechen, und es wäre in nullkommanix Schluß mit dieser Praxis. Es ist die Nachlässigkeit unserer Organe, die die Familienoberhäupter ermutigt, ihre archaischen Verhaltensweisen einfach hier durchzusetzen. Das ist der falsche Weg. Richtig ist: unsere Werte und Normen müssen durchgesetzt werden.

    eigentlich haben wir einen Innenminister und eine Justizministerin, ob die schon etwas von diesen
    Sitten und Gebraeuchen gehoert haben ? Lasst es
    mich wissen (wenn's einer weiss) !

    eigentlich haben wir einen Innenminister und eine Justizministerin, ob die schon etwas von diesen
    Sitten und Gebraeuchen gehoert haben ? Lasst es
    mich wissen (wenn's einer weiss) !

    • hede
    • 09.11.2011 um 19:29 Uhr

    in dem Artikel über Zwangsehen stand, das in einem Jahr mehr als 3000 Mädchen und Frauen Hilfe gesucht haben, die Dunkelziffer dürfte da um ein Vielfaches höher sein. Das heisst, es leben hier inzwischen Hunderttausende in Zwangsehen, das ist keine unbedeutende Minderheit.

    Und worauf kaum eingegangen wird ist, dass diese Ehen auch noch meistens unter Verwandten stattfinden und das seit Generationen. Wozu das führt ist klar, hier ein interessanter Artikel:

    http://www.welt.de/vermis...

    "Wirklich helfen aber können auf die Dauer wohl nur eine geduldige Aufklärung sowie die Vorbildwirkung einer offenen und vorurteilsfreien Gesellschaft." Viel schneller Wirkung zeigen würde "zero tolerance". Wenn die Verantwortlichen solcher Zwangsverheiratungen schnell und konsequent ausgewiesen würden, würde sich dies in der community rasch herumsprechen, und es wäre in nullkommanix Schluß mit dieser Praxis. Es ist die Nachlässigkeit unserer Organe, die die Familienoberhäupter ermutigt, ihre archaischen Verhaltensweisen einfach hier durchzusetzen. Das ist der falsche Weg. Richtig ist: unsere Werte und Normen müssen durchgesetzt werden.

  7. 8. ?????

    'Als Soziologe jedoch versichere ich Ihnen, dass dieses nicht nur in den türkischen Traditionen zu finden ist. Zwangsehen sind ein weltweites Phänomen das bereits seit Äonen (meist um den eigenen Familienstand zu heben) praktiziert wird. Auch hier bei uns in Deutschland, in deutschen Familien.'

    Ach so, also doch kein spezifisches Problem türkischstämmiger Migranten. Na, Gott sei dank, da können wir ja dann ganz beruhigt sein.

    22 Leserempfehlungen

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