RechtsterrorismusEine Fahndungspanne nach der nächsten

Polizei und Verfassungsschutz haben Dutzende Chancen verpasst, das Neonazi-Trio aus Jena zu finden. Eine Chronologie von Frank Jansen

In dem an sich schon unfassbaren Fall des Jenaer Terrortrios kommen beinahe täglich Meldungen über Pannen in den Sicherheitsbehörden hinzu. Dabei geht es nicht nur um Versäumnisse beim Verfassungsschutz , sondern auch um Fehler der Polizei. Die Neonazis Uwe M., Uwe B. und Beate Z. hätten vermutlich gestoppt werden können, wären die Behörden energisch genug eingeschritten. Warum das unterblieb, wird zu klären sein. Eine Chronik.

Gravierende Fragen stellen sich schon beim Beginn der Geschichte, dem Abtauchen des Trios Anfang 1998. Am 26. Januar klingeln im thüringischen Jena Polizeibeamte bei Uwe B. und präsentieren ihm einen Beschluss zur Durchsuchung seiner Wohnung und einer Garage, die der Mann gemeinsam mit Uwe M. und Beate Z. nutzt. Ermittelt wird gegen das Trio und weitere Neonazis, weil Attrappen von Briefbomben an Polizeidirektion und Stadtverwaltung in Jena sowie an die Redaktion der "Thüringer Landeszeitung" verschickt worden waren. In einem Pamphlet, das den Briefen beigelegt ist, stehen wüste Drohungen gegen den damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis.

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Die Wohnung von B. wird durchsucht. Einige Sicherheitsexperten berichten, Polizisten hätten ebenfalls Beate Z. und Uwe M. aufgesucht und deren Räume durchsucht. Die Beamten finden offenbar in den Wohnungen nichts und rücken ab zu der etwas entfernt liegenden Garage, in der Utensilien zum Bau von Bomben vermutet werden. Trotz des gravierenden Verdachts nehmen die Polizisten keinen der Tatverdächtigen in Gewahrsam. Die Beamten brechen das Garagentor auf und finden, was sie gesucht haben. Vier Rohrbomben, die sich später als funktionsfähig herausstellen, und weiteren Sprengstoff. Insgesamt 1,4 Kilogramm TNT. Als die Polizei danach die Neonazis sucht, sind sie weg.

Neonazi-Terror in Deutschland
Morde, ungeklärte Anschläge und Reaktionen
1996 und 1997

© Frank Doebert/Ostthueringer Zeitung/dpa

Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe fallen 1996 zum ersten Mal auf. Sie sollen eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke aufgehängt haben. 1997 deponieren sie einen mit Hakenkreuz bemalten Sprengstoffkoffer in der Jenaer Innenstadt.

Januar 1998

© Heinz Hirndorf/dpa

In Jena hebt die Polizei die Bombenwerkstatt der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen aus. Das Labor war in einer Garage versteckt. Die Fahnder stellen Rohrbomben sicher, die mit dem Sprengstoff TNT gefüllt sind. Das Trio flieht. Noch offen ist, wer ihnen bei der Flucht half.

28. September und 19. Dezember 1998

© Wolfgang Kumm/dpa

Auf das Grab des früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, werden zwei Anschläge verübt. Der Fall wurde nie aufgeklärt, die Ermittler untersuchen mögliche Verbindungen zu den drei Neonazis.

1999 bis 2011

© Polizeidirektion Gotha/dpa

14 Banküberfälle werden Böhnhardt und Mundlos zugeordnet: Chemnitz: 6. und 27.10.1999, 30.11.2000, 23.9.2003, 14. und 18.5.2004, 22.11.2005; Zwickau: 5.7.2001, 25.9.2002 und 5.10.2006; Stralsund: 7.11.2006 und 8.1.2007; Arnstadt: 7.9.2011; Eisenach: 4.11.2011. Sie fliehen mit dem Fahrrad. 

27. Juli 2000

© Christian Ohlig/dpa

Ungeklärt ist auch der Splitterbombenanschlag an einer Düsseldorfer S-Bahn-Station. Zehn Einwanderer aus Osteuropa werden schwer verletzt, eine Frau verliert ihr ungeborenes Kind. Der Anschlag läuft ähnlich ab wie der in Köln 2004. War auch hier das Jenaer Trio beteiligt?

9. September 2000

© dpa

In Nürnberg wird der 38-jährige türkische Blumenhändler Enver S. erschossen. Eine der verwendeten Waffen ist die bei allen folgenden Taten genutzte Pistole, eine Ceska, die später in der Zwickauer Brandruine gefunden wird. Enver S. ist das erste Opfer der Mordserie.

19. Januar 2001

© Jan Woitas/dpa

Eine Deutsch-Iranerin wird in einem Kölner Lebensmittelgeschäft durch einen in einer Keksdose versteckten Sprengsatz schwer verletzt. Hinweise darauf, dass das Trio hinter dem Anschlag steckte, finden sich auf der in der Zwickauer Brandruine (Bild) gefundenen DVD.

13. Juni 2001

© dpa

In Nürnberg stirbt der 49 Jahre alte, türkische Änderungsschneider Abdurrahim Ö. Er wurde mit zwei Kopfschüssen niedergestreckt. Ein Komplize des Täters soll draußen in einem Auto gewartet haben.

27. Juni 2001

© dpa

In Hamburg wird der 31-jährige Gemüsehändler Süleyman T. in seinem Laden ermordet. Drei Schüsse haben ihn in den Kopf getroffen. Die Polizei geht von zwei Tatwaffen aus.

29. August 2001

© dpa

In München wird der 38 Jahre alte, türkische Gemüsehändler Habil K. erschossen. Auch er wird in den Kopf getroffen, mit zwei Schüssen.

25. Februar 2004

© dpa

In Rostock wird der 25 Jahre alte Dönerladen-Aushilfsverkäufer Yunus T. ermordet. Der Türke war erst zehn Tage in Deutschland.

9. Juni 2004

© Federico Gambarini/dpa

Durch einen Nagelbombenanschlag in Köln werden 22 Menschen verletzt. Im November 2011 wird der bislang ungeklärte Fall neu aufgerollt, weil die Neonazis sich auf ihrer DVD zu dem Anschlag bekannt haben.

9. Juni 2005

© dpa

In Nürnberg stirbt an seinem Dönerstand der 50 Jahre alte Besitzer Ismail Y. Ein Kunde findet ihn hinter der Theke. Fünf Schüsse haben ihn getroffen. Zeugen sagen, zwei Männer hätten auf ihn geschossen.

15. Juni 2005

© dpa

Der 41-jährige Theodorus B. wird in seinem Laden, einem Schlüsseldienst in München, erschossen. Er stammt als einziges Opfer aus Griechenland.

4. April 2006

© dpa

In Dortmund wird in den Mittagsstunden an einer vielbefahrenen Straße der türkischstämmige Kioskbesitzer Mehmet K. mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der 39-Jährige hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

6. April 2006

© Uwe Zucchi/dpa

Halit Y., der 21 Jahre alte türkische Betreiber eines Internetcafés in Kassel, wird ebenfalls mit Kopfschüssen getötet. Am Tatort befand sich ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes. Er soll auf dem Dachboden seines Hauses Bücher zur Nazizeit gehortet haben.

25. April 2007

© Norbert Försterling/dpa

In Heilbronn wird Michèle Kiesewetter, eine aus Thüringen stammende, 22 Jahre alte Bereitschaftspolizistin, erschossen. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt.

4. November 2011

© Carolin Lemuth/dpa

Nach einem Banküberfall werden Bönhardt und Mundlos tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil bei Eisenach gefunden. In Zwickau geht ihre Wohnung in Flammen auf. In den Trümmern werden Waffen und eine DVD entdeckt, mit Bekenntnis zu den Morden und einigen Anschlägen.

8. November 2011

© Jan Woitas/dpa

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena und wird wegen dringenden Verdachts der Gründung der Neonazi-Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) festgenommen. Seither sitzt die 36-Jährige in Untersuchungshaft.

13. November 2011

© Franziska Kraufmann/dpa

Holger G. wird in Niedersachsen festgenommen. Er soll Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) sein und dem Trio Ausweise überlassen haben. Holger G. wurde schon 1999 observiert, doch der niedersächsische Verfassungsschutz stufte ihn nur als Mitläufer ein.

15. November 2011

Die CDU fasst auf ihrem Parteitag in Leipzig einstimmig den Beschluss, ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD zu prüfen. Auch die SPD fordert wieder, die Partei zu verbieten. In dem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob der Einsatz der V-Leute vom Verfassungsschutz überprüft werden muss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will ein Zentralregister einrichten, in dem alle Informationen über Neonazis gespeichert werden sollen.

Am gleichen Tag wird bekannt, dass das Neonazi-Trio eine Liste angefertigt hatte, auf der auch Politiker verzeichnet waren.

16. November 2011

© Polizei Sachsen/dpa

Beate Zschäpe trägt nichts zur Aufklärung der Mordserie bei. Sie schweigt. Derweil wird die Liste der Fahndungspannen immer länger. Polizei und Verfassungsschutz hatten offenbar Dutzende Chancen verpasst, die Neonazi-Gruppe zu finden.

18. November 2011

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will als Reaktion auf die Ermittlungspannen die Zahl der Verfassungsschutzämter in Deutschland reduzieren. Die Länder sind dagegen. Vereinbart wird auf einem Krisengipfel aber, ein Abwehrzentrum Rechts und eine zentrale Neonazi-Datei einzurichten.

21. November

© Christof Stache/AFP/Getty Images

Es wird bekannt, dass Uwe Mundlos durch eine Behördenpanne an gefälschte Ausweispapiere kam. BKA-Chef Ziercke verwirrt mit der These, die Polizistin Michèle Kiesewetter sei doch gezielt getötet worden. "Unsinn", heißt es dazu aus Thüringen.

22. November
Kristina Schröder

© Sean Gallup/Getty Images

Die Mittel für Initiativen gegen Rechtsextremismus sollen, anders als von Familienministerin Kristina Schröder ursprünglich geplant, nun doch nicht gekürzt werden. Zudem will die Bundesregierung die Angehörigen der Opfer entschädigen.

24. November

© Franziska Kraufmann/dpa

In Brandenburg wird der 32-jährige André E. festgenommen. Er soll die Bekenner-DVD der NSU produziert haben. Im Mai 2009 soll er dem Trio Bahncards überlassen haben, die auf ihn und seine Frau ausgestellt waren.
 

29. November

© Uli Deck/dpa

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf W. wird in Jena verhaftet. Dem 36-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, der Neonazi-Gruppe eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. W. war bis Mai 2008 Vize-Chef der thüringischen NPD.

11. bis 13. Dezember

Der mutmaßliche Unterstützer Matthias D. wird gefasst. Der 36-Jährige, der wie André E. aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt stammt, soll in Zwickau zwei Wohnungen für die Gruppe angemietet haben.

Derweil wächst bei Schwarz-Gelb die Skepsis gegenüber einem erneuten NPD-Verbotsverfahren. Man fürchtet angesichts der vielen V-Leute in der NPD (offenbar mehr als 130) einen erneuten Misserfolg.

In den folgenden Tagen wird bekannt, dass die Ermittler auch Spuren der Terrorzelle nach Berlin und in die Schweiz untersuchen. Möglicherweise war sie an einem Mord in Zürich beteiligt.

Januar 2012
01 Sebastian Edathy im Untersuchungsausschuss

© Sean Gallup/GettyImages

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages geht den Ermittlungsfehlern nach. Dabei kommt heraus, dass die bayerische Polizei bei der Fahndung gar einen Dönerimbiss betrieb. Auch in Thüringen und Sachsen untersuchen die Parlamente die Vorgänge.

Februar 2012
Staatsakt

© Sean Gallup/Getty Images

In einem Staatsakt wird der NSU-Opfer gedacht. Eine Straße in Kassel soll nach einem der Opfer benannt werden. Jetzt untersucht auch eine Bund-Länder-Kommission die fehlgeschlagene Suche nach dem Trio.
 

März 2012
02 Beate Zschäpe

© BKA/dpa

Die Bundesanwaltschaft arbeitet daran, Beate Zschäpe eine direkte Beteiligung an den Morden nachweisen zu können. Zschäpe soll der Motor der Gruppe gewesen sein, Haushalt und Finanzen verwaltet haben.

2. Mai 2012
03-Untersuchung nach Mord

© Marcus Föhrer/dpa

Acht Männer türkischer Abstammung ermordeten die Rechtsextremen. Doch auch die türkischen Behörden glaubten nur an ein kriminelles Killerkommando aus dem eigenen Land, wie die ZEIT herausfindet.

15. Mai 2012

In Thüringen wurde bei der Suche nach den untergetauchten Terroristen von 1998 bis 2001 geschlampt, urteilt ein Gremium der Landesregierung unter Vorsitz von Ex-Bundesrichter Gerhard Schäfer. Bereits zu Jahresbeginn haben die Landesverfassungsschützer eingeräumt, dass über einen Mittelsmann Geld an die Neonazis fließen sollte, um an deren Tarnidentitäten zu kommen. Der Plan scheiterte. Für die Observation des Trios stellt auch die Parlamentarische Kontrollkommission des Sächsischen Landtages dem eigenen Verfassungsschutz ein verheerendes Zeugnis aus.

Ende Mai 2012

Der mutmaßliche NSU-Helfer Holger G. ist auf freiem Fuß. Er soll den drei Rechtsextremisten Waffen besorgt haben. Der Bundesgerichtshof entschied: G. wusste eventuell nicht, wofür sie eingesetzt werden. Zwei Wochen später werden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Im Juni wird der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. aufgehoben. Er soll an dem Bekennervideo der NSU mitgearbeitet haben, der BGH hält ihn aber nicht für dringend tatverdächtig

2. Juli 2012
Die Terrorzelle

© BKA/dpa

Ein Referatsleiter des Bundesverfassungsschutzes hat im November 2011 Akten zu V-Leuten aus dem Umfeld der NSU vernichtet. Bis Ende Juni war das dem Geheimdienstchef angeblich nicht  bekannt.

Juli 2012

Als Konsequenz aus der "Reißwolf-Affäre" bittet Verfassungsschutzchef Fromm um seine frühzeitige Pensionierung. Wenige Tage später verliert der Präsident des Thüringischen Geheimdienstes, Thomas Sippel, seinen Posten. Auch der Leiter der sächsischen Behörde, Reinhard Boos, tritt zurück.  Protokolle einer Telefonüberwachung des Bundesamtes von Ende 1998 waren nicht an die Untersuchungsausschüsse weitergegeben worden.

5. Juli 2012

Fromm spricht vor dem Bundestagsausschuss. Er offenbart Chaos in seiner Behörde, weiß nicht, warum sensible Akten vernichtet wurden. Die Vermutung der FDP, Zschäpe sei als Informantin angeworben worden, wird dementiert.

Juli 2012

© Michael Gottschalk/dapd

Noch nachdem die Straftaten des NSU bekannt wurden, sind zahlreiche weitere Akten zu den drei Rechtsextremisten vernichtet worden. Die Behörden erklären das mit dem Datenschutz, die Opposition vermutet Vertuschung.

Juli 2012

© Jim Lo Scalzo/EPA/dpa

Zwei Kollegen der Polizistin Michele Kiesewetter sind zeitweise Mitglieder im rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) gewesen. Einer von ihnen war ihr Gruppenführer, wusste also, wo sie sich aufhielt. Einen Zusammenhang mit dem Mord schließt der Innenminister Friedrich aus.

September 2012

© BKA/dapd

Der Militärgeheimdienst MAD hat 1995 eine Akte über die rechtsextreme Gesinnung des Wehrdienstleistenden Uwe Mundlos erstellt. Der Verteidigungsminister wusste dies seit März. Der Bundestagsuntersuchungsausschuss wurde nicht informiert.

14. September 2012

© Steffi Loos/dapd

Ein früherer Vertrauter des NSU hat jahrelang für das LKA Berlin gespitzelt. Thomas S. lieferte 2002 Hinweise auf den Aufenthaltsort der Truppe in Thüringen. Innensenator Frank Henkel wusste seit März von S., gab die Information aber nicht an den Ausschuss weiter.

Der Thüringer Verfassungsschutz hat Uwe M., Uwe B. und Beate Z. schon länger beobachtet . Die drei gelten als so gefährlich, dass sie dann sogar im 1999 vorgestellten Bericht der Behörde zum Jahr 1998 namentlich genannt werden. Beobachtet wird damals vom Verfassungsschutz auch das Umfeld des Trios, vor allem die Neonazi-Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz" (THS). Die Behörde hat reichlich Einblick – der Anführer des THS, Tino Brandt, wird von 1994 bis 2001 als V-Mann geführt. Trotzdem hat der Verfassungsschutz angeblich gleich nach der Razzia im Januar 1998 Brandts "Kameraden" Uwe M., Uwe B. und Beate Z. aus den Augen verloren. Eine Panne? Ein absichtliches Versäumnis? Am Dienstag hat Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) eine unabhängige Kommission eingesetzt, die unter Vorsitz des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer die Rolle des Verfassungsschutzes untersuchen soll.

Im Herbst 1999, wie am Mittwoch bekannt geworden ist, beginnt dann das Drama um Holger G., einen mutmaßlichen Komplizen des Trios, der erst vergangenen Sonntag festgenommen wurde. Der niedersächsische Verfassungsschutz überwacht Holger G. im Jahr 1999 auf Bitte der Thüringer Kollegen. Die vermuten, G. wolle dem untergetauchten Trio ein Quartier im Ausland verschaffen. Doch die Niedersachsen stufen den möglichen Terroristenhelfer G. nur als Mitläufer ein. Es gibt keine Telefonüberwachung, das niedersächsische Landeskriminalamt wird nicht eingeschaltet, die Überwachung läuft nach drei Tagen aus. Und Daten zu G. werden nicht gespeichert.

Der Chef des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Hans Wargel, hat am Mittwoch den Fehler zugegeben. Man hätte Holger G. "als eigenen Verdachtsfall speichern und bearbeiten müssen", sagte Wargel in Hannover.

Leserkommentare
  1. ...Hinweise auf schwerste Straftaten haben bereits vor dem 11. September 2001 den Behörden den Einsatz einer Vielzahl von Ermittlungsinstrumentarien - so z.B. den Großen Lauschangriff - ermöglicht. Jeder Ermittlungsrichter hätte dies angesichts der Kenntnisse genehmigt.

  2. wie sinnlos Vorratsdatenspeicherung und Bevölkerungsüberwachung sind.
    Viel wichtiger ist, dass die Ermittler ihre Arbeit ordentlich machen.

    4 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 17. November 2011 12:57 Uhr

    Wenn Sie Vorratsdatenspeicherung und Bevölkerungsüberwachung haben, kommen Sie auch mit den heutigen Ermittlern aus.

    "Der schlanke Staat", gell?

    ...wenn an der ANZAHL der Ermittler massiv gespart wird ?

    Das, was man den SCHUTZ der Bevölkerung nennen kann, wird durch LEUTE geleistet, also Präsenz zeigen, das sich z.B. ein Schläger nicht traut zu schlagen, weil er weiß, der Polizist greift ein.

    Die Überwachungstechnik dient der KONTROLLE der Bevölkerung, Kameras sehen was der Schläger tut, eingreifen können sie nicht. Der Staat kann aber auf das Verhalten der Bevölkerung en Masse reagieren.

  3. nur, ob hier wirklich "Pannen" passiert sind, oder Ermittlungsbehörden wie Verfassuingsschutz bis hin zu Polizeidienststellen zumindest teilweise absichtlich nur sehr lasch ermittelt haben ?!

    Schon 1999 hätte man Sie Dingfest machen müssen, Sie galten als gefährlich und extrem Gewaltbereit, haben massive Drohungen ausgestoßen und dann rückt man an, um Ihre Garage auszuheben setzt Sie aber vorher nicht fest ?! Ohne zu wissen, was man dort finden wird ?!

    Das ist mindestens grob fahrlässig und so liest sich die ganze Geschichte selbst 2001 hatte man Sie nochmals im Visier in Sachsen, hatte zumindest zwei aufgespürt, griff aber wieder nicht zu WARUM ?!

    Selbst nach dem Polizistenmord waren die Fahnder alles andere als wach ! Da finden Sie ein verdächtiges, gemietetes Wohnmobil, versäumen es aber den Mieter zu ermitteln ?!!!! Was Sie geradewegs zum Neonazi nummer 4 im Bunde geführt hätte, der jetzt erst festgenommen wurde.

    Mich schaudert es, bei soviel angeblicher "Pannen" von dubiosen Verfassungsschützern wie dem "kleinen Adolf" am Tatort ganz zu schweigen. Das ganze stinkt zum Himmel.

    Es ist ernsthaft zu prüfen, ob hier nicht teilweise eine Starfvereitelung im Amt vorlag, aber welcher "unabhängige" Ermittler soll das ernsthaft prüfen ?!

    Das lange Schweigen der Überlebenden Terroristin lässt nichts gutes erwarten, da wird vorab wenn überhaupt was öffentlich gemacht wird vorher gut "gefiltert" werden und außerdem will Sie ja strafmildernde Umnstände..also ein "Deal" !

    7 Leserempfehlungen
    • Chali
    • 17. November 2011 12:57 Uhr

    Wenn Sie Vorratsdatenspeicherung und Bevölkerungsüberwachung haben, kommen Sie auch mit den heutigen Ermittlern aus.

    "Der schlanke Staat", gell?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und wieder zeigt sich,"
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    Woher wissen wir eigentlich, dass die Zschäpe die gemeinsame Wohnung in die Luft gejagt hat? Hat sie das gestanden? Oder ist das eine weitere gestreute Spekulation?
    Und woher wissen wir, dass die beiden Typen sich im Wohnmobil selbst/gegenseitig umgebracht haben, um sich dann anschließend anzuzünden?
    Kann jemand mal glaubwürdige Quellen vorweisen?

    Ich weiss nur, dass der Mord an der Heilbronner Polizistin und das Bekanntwerden der Zusammenhänge bei vielen Polizeibeamten für nacktes Entsetzen sorgt: da wurde eine Kollegin im Dienst hinterrücks erschossen - und möglicherweise haben Leute vom Verfassungschutz, dem BKA und den LKAs nicht nur davon gewusst, sondern auch noch zugeschaut... Der eigene Kollege als Bauernopfer im Hinterhalt - das muss man sich einmal vorstellen!

    Ich glaube, wir können die Dimension des Skandals nur erahnen!

  4. Und wie erklärt uns der Verfassungsschutz dies hier: Ich bin bei Netz gegen Nazis fündig geworden. Von "Gigi und die braunen Stadtmusikanten" der Song "Dönerkiller", aus der CD Adolf Hitler lebt. "Neun mal hat er es jetzt schon getan. Die SoKo Bosporus, sie schlägt Alarm. Die Ermittler stehen unter Strom. Eine blutige Spur und keiner stoppt das Phantom. Sie drehen durch, weil man ihn nicht findet. Er kommt, er tötet und er verschwindet. Spannender als jeder Thriller, sie jagen den Döner-Killer. [...]
    Am Dönerstand herrschen Angst und Schrecken. Kommt er vorbei, müssen sie verrecken. Kein Fingerabdruck, keine DNA. Er kommt aus dem Nichts - doch plötzlich ist er da.[...]
    Bei allen Kebabs herrschen Angst und Schrecken. Der Döner bleibt im Halse stecken, denn er kommt gerne spontan zu Besuch, am Dönerstand, denn neun sind nicht genug." Seit Jahren haben die das gesungen, der Verfassungsschutz wusste das offenbar. Genaueres weiß aber sicher Amadeu Antonio Stiftung. Herzliche Grüße

    5 Leserempfehlungen
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    Irgendwie doof, ein "normaler" Demokrat zu sein, der gelegentlich von Steuer, Stadtverwaltung den Flensburger Punktesammlern und anderen gepiesackt wird, oder? Und als S21-Gegner, Mitglied der Linken, Anti-Endlager-Aktivist erst...

    Als Neonazi mit Terroristenfreunden könnte das Leben anscheinend so viel ruhiger sein.

    Nur die Voraussetzungen, die für diese Ruhe sorgen, sind natürlich nicht nach jedermanns Geschmack.

    Kai Hamann

    Nazis grölen den Song schon seit zwei Jahren, dessen Text eindeutiger nicht sein kann, das heißt die Szene war anscheinend voll informiert und wenn die cd auf dem Index Stand muss Sie ja wohl auch mal ein Verfasdsungschützer gehört haben... das heißt Sie müssen seit 2 Jahren wissen, das die Mordserie eindeutig auf eine rassistische Gang von Neonazis zurückgeht.

    All das wird immer mehr zum Riesenskandal einem geradezu derartig braunem Sumpf bis in alle Ebenen, das es einem nur den Atem verschlagen kann.
    Hier zur Info der Originallink zur entdeckten cd.
    http://www.netz-gegen-naz...

    ES IST AN DER ZEIT; den öffentlichen DRUCk deutlich zu erhohen und die Presse sollte genau solche brisanten Informationen aufgreifen und den Behörden und Ermittlern unter die Nase reiben und unerbittlich bohrende Fragen stellen, wie es sein kann das Sie angeblich erst vor wenigen Tagen einen heiße Spur in Richtung Rechstradikaler Terror hatten...der Text des Liedes ist so eindeutig auf die sogenannte "Döner Mord" Serie gemünzt, das es schon schreit !

    Übrigens kann man Döner nicht ermorden, allein diese Wortschöpfung ist schon einen totale Verniedlichung dieser rassistischen Mordserie !

    • henry06
    • 17. November 2011 13:02 Uhr

    Rechter Terror? Alles Blödsinn. Wir sollten endlich die Mittel gegen Rechts streichen und uns dafür voll auf den Linksterrorismus konzentrieren. Schließlich sind die es doch, die ständig arme Autos umbringen. Oder zumindest denken wir, dass die es sind, schließlich gibt es da ja keine eindeutigen Bekennerschreiben.

    Die Rechten bringen doch nur dumme und unbrauchbare Ausländer um. Die eine Polizistin seh ich mal als Betriebsunfall. Sowas kann passieren, da sollte man ein Auge zudrücken.

    Also, hört auf, die Verbrechen der Nazis so zu hypen! Das sind anständige, harmlose und ausländermordende Leute.

    (Wer die Ironie findet...)

    Ernsthaft: Nachdem in Berlin Autos brennen, machen CDU/CSU und FDP einen riesen Hype daraus. Obwohl es nicht einen Beleg für Anschläge mit linksradikalem Hintergrund gibt.

    Jetzt, wo Nazis massiv morden, interessiert die das gar nicht, und das ganze wird mehr oder minder als Bagatelle abgetan, mit der wir halt klarkommen müssen.

    Das ist doch widerlich.

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    die Gefahr von links in unverantwortlicher Weise.
    Nur weil eine rechte Gefahr existiert, ist die andere, die von links, nicht weg oder akzeptabler, wie Sie so schön suggerieren.
    Beiden gehören bekämpft.

  5. Diese CD war indiziert.

  6. Jetzt mal ganz ehrlich. Jeder in Deutschland lebende Mensch weiss doch wie wehement und präzise unser Rechtssystem funktioniert. Sogut wie kein, den behörden irgendwie bekanntes Delikt wird so einfach unter Tisch fallen gelassen. Und sei es auch nur ein Kaugummi, den ein Teenager im Supermarkt geklaut hat. Und hinter diesem Hintergrund kommt man hier an und möchte von PANNEN und VERSÄUMNISSEN sprechen? Das traurigste an dieser Sache ist, dass nicht nur die Springer-Presse und Konsorten dieses Niveau durchziehen, sondern auch fast alle anderen journalistischen Einrichtungen.
    Was ist blos los hier im Lande? Traut sich den keiner mehr die Wahrheiten auszusprechen? Bitte Leute wacht endlich auf. In dieser Angelegenheit weiterhin von Pannen und Versäumnissen zu sprechen ist wirklich höhnisch. Solange hier die Wahrheiten nicht ans Licht kommen und entsprechend die Konsequenzen nicht richtig gezogen werden, wird es das Image Deutschlands sehr stark beschädigen.

    6 Leserempfehlungen
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    ... kleines rotes Reiterchen auf Ihrer Akte ist schnell gesetzt und könnte Ihnen lange Probleme machen.

    Akzeptieren Sie doch einfach, dass Panne ist, was von oben zur Panne erklärt wird. Dann können Sie auch in Zukunft telefonieren, ohne dass es in der Leitung knistert und knackselt.

    =;)
    Kai Hamann

    Entfernt. Die Redaktion/lv

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