Bundesanwaltschaft : Rechtsextreme sollen auch Dönerbuden-Morde begangen haben

Die mutmaßlichen Polizisten-Mörder von Heilbronn stecken vermutlich auch hinter den Morden an acht Türken und einem Griechen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Überraschende Wende in den Ermittlungen zum Heilbronner Polizistenmord: Die mutmaßlichen Mörder der 2007 getöteten Polizistin sind womöglich auch für die sogenannten Dönerbuden-Morde verantwortlich. Demnach hat die Polizei im Wohnmobil von zwei bei Eisenach tot aufgefundenen Männern die Dienstwaffen der Heilbronner Polizistin sichergestellt. Dort fanden sich auch weitere Gegenstände der Beamten. Die beiden Männer, denen auch mehrere Banküberfälle angelastet werden, begingen nach Polizeiangaben Selbstmord. In der Wohnung der Männer in Zwickau wurde zudem die Pistole aufgefunden, mit der in den Jahren 2000 bis 2006 die sogenannten Dönerbuden-Morde verübt wurden. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. Sie hat jetzt die Ermittlungen übernommen.

"Es liegen zureichende Anhaltspunkte dafür vor, dass die Mordtaten einer rechtsextremistischen Gruppierung zuzurechnen sind", hieß es von der Bundesanwaltschaft. Nach den bisherigen Erkenntnissen verfügten die verstorbenen Männer wie auch ihre mittlerweile verhaftete Gefährtin Beate Z. bereits Ende der neunziger Jahre über Verbindungen zu rechtsextremistischen Kreisen. Damals sollen sie beim rechtsextremen Thüringer Heimatschutz aktiv gewesen sein. Der thüringische Verfassungsschutz und das sächsische Landesamt erklärten, dass die drei keine V-Leute gewesen seien. In der Zwickauer Wohnung wurden Beweise sichergestellt, die auf ein rechtsextremes Motiv der Mordtaten hindeutet.

Beate Z. hatte den Ermittlungen zufolge das Haus in Zwickau in Brand gesteckt, nachdem sich ihre Komplizen Uwe B. und Uwe M., mit denen sie dort wohnte, selbst erschossen hatten. Die Polizei vermutet, dass sie Beweise vernichten wollte. Sie sitzt in Untersuchungshaft, schweigt bislang aber zu den Vorwürfen. Gegen die Frau bestehe der Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung. Auch weitere Verdächtige aus rechtsextremistischen Kreisen könnten in die Taten verstrickt sein.

Polizei tappte jahrelang im Dunkeln

Zwischen September 2000 und April 2006 waren acht türkische und ein griechischer Kleinunternehmer erschossen worden. Der oder die Mörder kamen am hellichten Tag, schossen ihren Opfern aus nächster Nähe in den Kopf und verschwanden, ohne viele Spuren zu hinterlassen. Auf diese Weise starben Männer in Nürnberg, München, Hamburg, Rostock, Dortmund und Kassel.

Auch die 22-jährige Polizistin Michele K. wurde am 25. April 2007 mitten am Tag mit einem Kopfschuss getötet. Ihr damals 24 Jahre alter Streifen-Kollege wurde schwer verletzt und lag mehrere Wochen im Koma. Die Ermittler tappten rund viereinhalb Jahre lang im Dunkeln. Im März 2009 stellte sich heraus, dass eine den Tätern zugeschriebene DNA-Spur von verunreinigten Wattestäbchen stammte. Erst mit dem Selbstmord der 34 und 38 Jahre alten Männer in Eisenach gelang den Beamten der erste Ermittlungserfolg.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Zwickau hatten bereits am Mittwoch gesagt, ihnen sei das Trio, das unter verschiedenen Namen auftrat, bis zum vergangenen Freitag gar nicht bekannt gewesen. Auch das sächsische Landeskriminalamt hat bislang noch nie etwas mit ihnen zu tun gehabt.

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Kommentare

61 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

War nicht mal ein Mitarbeiter des VS festgenommen worden?

Wegen Mordverdachts in der Dönerbuden-Serie?

Bevor ich glaube, dass diese paar Leute jahrelang massiven "Rechtsterrorismus" betrieben haben – ohne eine Art Bekenntnis zu den Taten und ohne erwischt zu werden - würde ich die Möglichkeit nicht ausschließen wollen, dass "man" jetzt nur die Gelegenheit genutzt hat, die Waffe zu entsorgen, um den Fall damit abzuschließen.´

Was haben denn den vermeintlichen Tätern diese Taten gebracht, wenn all die Jahre niemand den vermeintlichen Hintergrund gekannt hat? Wenn das Motiv terroristisch war. Das macht doch keinen Sinn.

Die völlig falsche Reaktion Ihrerseits!

Mit Ihrer Antwort stellen Sie nun schon wieder einen Graben her zwischen 'Muslimen' und Türken' und den bösen Deutschen.
Wann verstehen es Menschen wie Sie endlich, dass WIR EIN LAND sind, Muslime, Türken, Afrikaner, etc. sind alles DEUTSCHE! Warum schämen sie Sich, Deutsche/r zu sein??? Die Opfer waren auch Deutsche! Ich schätze, dass Sie das Konzept einer Nation, die multikuturell ist, aber gerade deswegen die schwarz-rot-goldene Fahne schwingt, nicht verstanden haben!

Dieser schreckliche Terror ist kein Konflikt zwischen Türken und Deutsche oder Muslimen und Deutsche; es ist ein schreckliches Verbrechen an UNSERER Gesellschaft! Denn die Opfer gehören zu UNSERER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT!

Hören Sie bitte auf, Gräben zu konstruieren, wo keine sind.
Wir sind alle Deutschland!

Nicht ganz richtig

Die Opfer waren 8 Türken und ein Grieche. Man hat erst dann effektiv ermittelt als eine deutsche Polizistin ermordet wurde.

Wären die Menschen laut Polizei gleich, hätte man schon viel früher Hinweise gefunden, denn die Täter sind in dem Fall kein Ted Bundy sondern sie waren schon vorher einschlägig bekannt. Das die Polizei nicht in diesem Milieu gesucht hat spricht weitas mehr Bände über den Zustand in diesem Land als ich es je beschreiben könnte.

Wie war das?

Haben nicht der bayerische Innenminister und unser John Wayne- Bundesinneminister (als John Wayne sieht sich laut einem Zeitinterview Friedrich gerne) Friedrich vor kurzer Zeit gesagt, dass der Feind links steht? Wie sieht es nun aus, Herr Friedrich? Was wiegt schwerer Menschenleben oder Vandalismus? Die Antwort sollte eindeutig sein.

Beim Attentat auf das Oktoberfest vor 31 Jahren

lief es jedenfalls so ab.
Das Ziel dieses äußerst brutalen Anschlages war es, den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung auf die damals noch aktiven Linksextremisten (RAF) zu richten - und dies ist dem / den Attentätern auch fast gelungen.
Was heute an Informationen dazu verfügbar ist, lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass die damals tätigen Ermittler kein allzu großes Interesse daran hatten, die manigfaltigen Verbindungen (in die Rechtsextreme Szene) des bei dem Anschlag getöteten Gundolf Köhler deutlich offen zu legen.
Die Parallele zu der Situation heute liegt eher darin, dass in der Wahrnehmung der Politik (und nicht nur dort) der Gefahr von islamistisch beeinflussten Extremisten ausgeht und man alle verfügbaren Ressourcen darauf fixiert. In dem Kontext gab es ja wiederholt Debatten darüber, welche Form der Überwachung der Kommunikation über das Internet noch mit unserem Grundgesetz vereinbar ist und wann dessen Prinzipien ausgehebelt werden.
Die jetzt aufgetauchten Fakten lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass im Schatten der Debatte um die Bedrohung durch Islamisten eine hochgefährliche Rechtsextreme Splittergruppe gedeien konnte und Jahrelang die Ermittlungsbehörden an der Nase herum geführt hat.

Ein paar hätte es fast gegeben

Das muß man dazu sagen. Es ist ja nicht so, daß es nicht versucht wurde. Die Ermittlungen im religiös-fanatischen Milieu haben solche Taten tatsächlich mehrmals verhindert.

Seit heute steht aber fest: unsere Rechtsradikalen sind ebenso mordlüstern wie die Anhänger der Al-Quaida. Es handelt sich um terroristische Vereinigungen, keine Frage.

Die heutigen Erkenntnisse über die "Döner-Morde" sollten dringend dazu führen, daß die Ermittlungen in rechtsradikalen Milieus massiv verstärkt werden. Man muß wohl seit heute davon ausgehen, daß viele andere Straftaten in Deutschland noch gar nicht den politischen Irren der Rechtsradikalen zugeordnet wurden, obwohl sie denselben rassistischen, menschenverachtenden Hintergrund haben.