Rechtsextremismus Die ungelösten Fragen über das Neonazi-Trio

Wie wurden die vielen Anschlagsorte ausgekundschaftet? Was hat Beate Z. getan? Wie haben sich die Verdächtigen finanziert? Hintergründe zur Terror-Serie.

Mit der Festnahme von Holger G. könnte mehr über die Hintergründe der zwei Männer und der Frau bekannt werden, die für zahlreiche Morde und Anschläge verantwortlich sein sollen. Bisher gibt es lediglich eine DVD mit einem Geständnis von Uwe M. und Uwe B., die festgenommene Beate Z. schweigt. Und will Zeugenschutz.

Was weiß man über den Komplizen?

Der festgenommene Holger G. stammt offenbar auch aus dem Milieu der Thüringer Neonazis. Sicherheitsexperten betonen jedoch, es sei noch offen, wie viel Holger G. vom mörderischen Treiben der "Kameraden" Uwe M., Uwe B. und Beate Z. gewusst hat, als er seinen Führerschein und seinen Reisepass zur Verfügung stellte und Wohnmobile für die Gruppe mietete. Mit einem Wohnmobil waren Uwe M. und Uwe B. auch zuletzt im thüringischen Eisenach unterwegs. Dort überfielen sie am 4. November eine Filiale der Sparkasse. Etwas später fand die Polizei Uwe M. und Uwe B. erschossen in dem brennenden Wohnmobil. Zum Hintergrund von Holger G. ist wenig bekannt. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft soll der Mann seit Ende der 1990er Jahre mit Uwe M., Uwe B. und Beate Z. in Kontakt gestanden haben. Die drei waren 1998 untergetaucht. Es ist zu vermuten, dass Holger G. schon vorher eine Verbindung zum Jenaer Trio unterhielt – möglicherweise über Treffen bei der Neonazi-Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz (THS)", die ein V-Mann des Verfassungsschutzes führte.

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Das Trio und Holger G. sollen der "Kameradschaft Jena" angehört haben. Was ist über die Gruppierung bekannt?

Die Kameradschaft wurde vom Thüringer Verfassungsschutz mehrmals in den Jahresberichten erwähnt, zuletzt 2002. Die kleine Gruppierung war bereits im Thüringer Heimatschutz aufgegangen und wurde als "Sektion Jena" geführt. Der Thüringer Heimatschutz wie die Kameradschaft Jena verstanden sich als Aktivisten der "Anti-Antifa". Dabei handelt es sich um eine gruppenübergreifende Kampagne der rechtsextremen Szene zur Bespitzelung von Nazigegnern. Sicherheitsexperten nennen die Anti-Antifa eine "Feierabend-Gestapo". Neonazis spionieren private Daten, zum Beispiel Adressen und Berufe, von Linken, demokratischen Politikern, Polizisten, Journalisten und anderen "Feinden" aus. Die gesammelten Informationen werden in Szenepublikationen und im Internet veröffentlicht. Damit sollen Nazigegner eingeschüchtert und gewaltbereite Rechtsextremisten zu Angriffen auf die missliebigen Personen animiert werden. In Thüringen veröffentlichte das Anti-Antifa-Netzwerk in den 1990er Jahren seine Erkenntnisse in der Publikation "Der Einblick". Ob das Jenaer Trio daran beteiligt war, ist offen.

Hatte das Neonazi-Trio eventuell noch mehr Unterstützer?

Sicherheitsexperten vermuten, dass noch weitere Unterstützer ermittelt werden können. Viele könne es aber nicht gegeben haben, heißt es. Hätte das Jenaer Trio mit einem größeren Personengeflecht kooperiert, wäre das Risiko gewachsen, dass jemand plaudert. Verfassungsschutz und Polizei hätten dann einen Tipp bekommen können. Unklar bleibt allerdings, was die Thüringer Behörden Ende der 1990er nach dem Verschwinden des Jenaer Trios mitbekommen haben. Ein Unterstützer könnte auch der Mann gewesen sein, der im sächsischen Zwickau die drei Neonazis als Untermieter in seinen Räumlichkeiten aufnahm. Die Staatsanwaltschaft Zwickau sagte vergangene Woche, der Mann sei derzeit nur ein Zeuge. Fragen nach einem rechtsextremen Hintergrund der Person konnte die Behörde nicht beantworten. Wenn Uwe M., Uwe B. und Beate Z. nur von wenigen Personen unterstützt wurden, muss man sich fragen, wie sie in der Lage waren, die vielen Anschlagsorte auszukundschaften und wie es gelingen konnte, sich mehr als 13 Jahre finanziell über Wasser zu halten. Es erscheint zweifelhaft, dass die Beute aus den bislang bekannten 14 Banküberfälle gereicht hat, die Ausgaben der Neonazis über einen so langen Zeitraum zu decken. Außerdem gelang nicht jeder Überfall. Einige Angriffe brachten allerdings größere Summen ein. Im Juli 2001 raubten Uwe M. und Uwe B. in einer Zwickauer Poststelle 75.000 D-Mark. Im September 2002 kamen sie in einer Filiale der Sparkasse in Zwickau an 48.000 Euro.

Leser-Kommentare
  1. http://www.heise.de/tp/ar...

    Tja, da spionieren wir doch lieber selbst Verfassungsrichter aus, die links sein könnten.
    Wie die Vergangenheit ja auch zeigte nutzen gewisse staatliche Stellen ihre alten Naziseilschaften und Sympathien um die Öffentlichkeit in ihrem Interesse zu steuern.
    Das ist nicht mal auf Deutschland beschränkt, wie bereits vor zwanzig Jahren Andreotti zugeben musste.

    • Schnel
    • 14.11.2011 um 11:27 Uhr

    Zunächst ist natürlich das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Hoffentlich wird hier gründlich und bis zum Ende ermittelt, wo immer das liegt.

    Nachdem was bisher berichtet wird scheinen die drei aber weitgehend alleine unterwegs gewesen zu sein. Die Vorstellung das es in diesem Land Menschen gibt, die im Untergrund leben und nach Gutdünken Morde begehen, evtl. mit rassistischen Motiven, ohne dies zu veröffentlichen ist schwer erträglich. Wenn es diese Leute gibt die so ticken, wieviele laufen herum und denken genauso? Schwer zu verstehen und ziemlich unheimlich.

    • PALVE
    • 14.11.2011 um 11:54 Uhr

    Schon seit 1945 tat sich der Westen Deutschland's schwer, Kriegsverbrecher des Naziregimes ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
    Im Gegenteil.
    Sie bekamen noch hochdotierte Posten.

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    welche historischen Quellen können sie benennen, daß die Aufarbeitung von Naziverbrechen im Osten nach 45 besser lief?

    welche historischen Quellen können sie benennen, daß die Aufarbeitung von Naziverbrechen im Osten nach 45 besser lief?

    • PALVE
    • 14.11.2011 um 11:56 Uhr

    Wieso ist das Haus wichtiger Zeugen eigentlich explodiert...?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • a-b-l
    • 14.11.2011 um 12:15 Uhr

    war laut der offiziellen Erklärung ein Versuch Spuren zu verwischen, wobei Z. genug Zeit gehabt hätte, das auf einer etwas unauffälligerer Art und Weise zu erledigen, als die Hälfte eines Mehrfamilienhauses in die Luft zu jagen – wohl eine Kurzschlussreaktion oder ein Zeichen der Ausweglosigkeit.

    Die viel spannendere Frage wäre, in wieweit Ermittler und die Bundes-Staatsanwaltschaft Zugang zu geheimen Informationen, eines Geheimdienstes, der im landesinneren agiert, wie der Verfassungsschutz (eine Art StaSi der BRD) haben kann und haben wird.
    Es ist durchaus vorstellbar, dass ein solcher Geheimdienst auch fähig und befähigt ist, sogar Straftaten wie Morde zu decken, um ein übergeordnetes Ziel (nationales Interesse, innere Sicherheit) nicht zu gefährden.

    • a-b-l
    • 14.11.2011 um 12:15 Uhr

    war laut der offiziellen Erklärung ein Versuch Spuren zu verwischen, wobei Z. genug Zeit gehabt hätte, das auf einer etwas unauffälligerer Art und Weise zu erledigen, als die Hälfte eines Mehrfamilienhauses in die Luft zu jagen – wohl eine Kurzschlussreaktion oder ein Zeichen der Ausweglosigkeit.

    Die viel spannendere Frage wäre, in wieweit Ermittler und die Bundes-Staatsanwaltschaft Zugang zu geheimen Informationen, eines Geheimdienstes, der im landesinneren agiert, wie der Verfassungsschutz (eine Art StaSi der BRD) haben kann und haben wird.
    Es ist durchaus vorstellbar, dass ein solcher Geheimdienst auch fähig und befähigt ist, sogar Straftaten wie Morde zu decken, um ein übergeordnetes Ziel (nationales Interesse, innere Sicherheit) nicht zu gefährden.

    • strlcp
    • 14.11.2011 um 12:13 Uhr

    "Im Juli 2001 raubten Uwe M. und Uwe B. in einer Zwickauer Poststelle 75.000 D-Mark. Im September 2002 kamen sie in einer Filiale der Sparkasse in Zwickau an 48.000 Euro."

    Für 13 Jagre leben im Untergrund und verüben von Anschlägen recht wenig.

    "Sollte Z. kooperieren und die Justiz dann die Kronzeugenregelung anwenden, stünde der Frau dennoch wahrscheinlich eine lange Zeit in Haft bevor."

    Wieso denn, die Beweislage scheint doch recht dünn, und ermittelt "bis zum Ende" wird sowieso nicht.
    Kann Sie immernoch behaupten von allem nichts gewusst zu haben, sonst hätte Sie ja nicht nur die Wohnung angezündet, um Spuren zu verwischen, sondern beispielsweise auch die Tatwaffe der Dönermorde entsorgt...

    Und wieso die beiden Uwes die Waffe einer getöteten Polizistin zu einem banküberfall mitnehmen - quasi als Talismann - scheint mir auch sehr suspekt.

    Die Beweiskette über Tatwaffen aufzubauen, die man alle plötzlich findet, scheint mir doch sehr konstruiert.

    • a-b-l
    • 14.11.2011 um 12:15 Uhr

    war laut der offiziellen Erklärung ein Versuch Spuren zu verwischen, wobei Z. genug Zeit gehabt hätte, das auf einer etwas unauffälligerer Art und Weise zu erledigen, als die Hälfte eines Mehrfamilienhauses in die Luft zu jagen – wohl eine Kurzschlussreaktion oder ein Zeichen der Ausweglosigkeit.

    Die viel spannendere Frage wäre, in wieweit Ermittler und die Bundes-Staatsanwaltschaft Zugang zu geheimen Informationen, eines Geheimdienstes, der im landesinneren agiert, wie der Verfassungsschutz (eine Art StaSi der BRD) haben kann und haben wird.
    Es ist durchaus vorstellbar, dass ein solcher Geheimdienst auch fähig und befähigt ist, sogar Straftaten wie Morde zu decken, um ein übergeordnetes Ziel (nationales Interesse, innere Sicherheit) nicht zu gefährden.

    Antwort auf "Noch 'ne Frage"
  2. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und beteiligen Sie sich mit differenzierten Beiträgen an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/vn

  3. Da ist Sie, die große Verwunderung!

    Ich kann gar nicht verstehen, wie es passieren konnte, das Personen des Rechtsbraunen Spektrums sich in den Untergrund verziehen, der Überwachung entgehen, und Mordanschläge verüben können?

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Aussagen, die lediglich der Provokation dienen und diskutieren Sie das konkrete Artikelthema sachlich. Danke, die Redaktion/lv

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