Über 13 Jahre verbrachten die drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe B., Uwe M. und Beate Z. im Untergrund und haben offenbar in dieser Zeit eine Blutspur durch das ganze Land gezogen. Der Fall hat eine neue und ungeahnte Dimension erreicht – nicht nur, weil die zuständigen Behörden scheinbar jahrelang keine Zusammenhänge zwischen den Taten erkennen und keine Ermittlungserfolge vorweisen konnten. Sondern auch, weil ein Netz von Rechtsextremen aus Thüringen ins Blickfeld gerät. Bevor die drei abtauchten, waren sie im "Thüringer Heimatschutz" (THS) aktiv, einem militanten Netzwerk, das mit der NPD kooperierte, inzwischen aber nicht mehr aktiv ist. Dessen frühere Mitglieder und Sympathisanten sind allerdings zum Teil noch heute eng vernetzt in der rechtsextremen Szene.

Als das Trio aus Jena in der Mitte der 1990er Jahre auf rechtsextremen Aufmärschen auftauchte, dominierten Skinheads mit Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln das Straßenbild in weiten Teilen Thüringens. Auch Uwe B. und Uwe M. folgten dem martialischen Trend, während ihre Freundin Beate Z. mit ihren langen Haaren eher unangepasst erschien.

Die Szene radikalisierte sich zunehmend und der Verfassungsschutz des Freistaates stellte 1995 "vage Ansätze" für die Bildung von Terrorgruppen fest, die sich zu diesem Zeitpunkt noch auf "kontroverse Diskussionen, Gedankenspiele und vereinzelte Straftaten" beschränkten. In dieser Zeit sollen Uwe B., Uwe M. und Beate Z. zum Umfeld der "Kameradschaft Jena" gehört haben, die später im "Thüringer Heimatschutz" aufging.

In Jena waren die drei keine Unbekannten. Sie galten als besonders gefährlich. So berichten damalige Angehörige der alternativen Szene ZEIT ONLINE, dass Beate Z. in einem Streit einer jungen Frau den Arm gebrochen habe und auch ihre beiden Mitstreiter Uwe B. und Uwe M. regelmäßig in Schlägereien verwickelt gewesen sein sollen.

In den Jahren 1996 bis 1997 firmierten Neonazis erstmals unter dem Namen "Thüringer Heimatschutz". Diese Vereinigung folgte auf die bereits Jahre zuvor gegründete "Anti-Antifa Ostthüringen". Zeitweilig rechneten die Behörden dem THS rund 160 Anhänger und einen großen Sympathisantenkreis zu. In Jena, Gera und Saalfeld/Rudolstadt war das Netzwerk besonders aktiv. Die Sicherheitsbehörden stellten zur Jahrtausendwende fest, dass der THS durch seine "Organisations- und Vernetzungsansätze" aus dem Neonazi-Spektrum herausrage. Viele seiner Funktionäre seien auch Mitglieder in der NPD und JN  und besetzten wichtige Positionen in beiden Organisationen. Der THS bestand aus ideologischen Hardlinern, deren Anhänger Gewalt als politisches Mittel befürworteten.

Ganz offensiv bezeichnete sich die Organisation als "systemkritisch und -feindlich". Als jedoch 1998 Sprengstoff und Rohrbomben bei den Mitstreitern Uwe B., Uwe M. und Beate Z. gefunden wurden, ging sie öffentlich auf Distanz. Heute bestätigen ehemalige Neonazis, dass man damit lediglich einem möglichen Verbotsverfahren zuvorkommen wollte.