Dabei hatte man sich daran gewöhnt, in einem Land zu leben, in dem die Fahnder eher zu viel tun als zu wenig, um Terrorismus zu verhindern. Dass Polizei und Verfassungsschutz von terroristischen Aktivitäten früh genug Wind bekamen. Dieses Vertrauen war der entscheidende Grund dafür, dass in Deutschland auch dann keine Hysterie ausbrach, wenn der Innenminister vor Terror warnte.

Dieses Vertrauen ist weg. Und es ist unwahrscheinlich, dass es bald zurückkehrt. Wie umfassend dieser Vertrauensverlust ist, zeigt sich an Thüringens Innenminister Jörg Geibert. Der CDU-Politiker zweifelt inzwischen an seinen eigenen Behörden – nackter standen Ermittler und Verfassungsschützer in Deutschland selten da.

Man könnte es sich nun einfach machen und es bei dem Schluss bewenden lassen, dass mancher Sicherheitsapparat hierzulande auf dem rechten Auge blind sei. Tatsächlich gibt es Anhaltspunkte dafür. Wenn in Berlin Autos angezündet werden, ist weder ein Verdächtiger noch ein Bekennerschreiben nötig, damit die Politik vom linken Terrorismus spricht. Das Wort Rechtsterrorismus nahm Innenminister Friedrich gestern zum ersten Mal in den Mund.

Viel entscheidender aber ist die Erkenntnis, dass in Deutschland ein ganzes System erblinden kann. Das schien bislang unmöglich. In einem föderalen Staat, so glaubte man, seien so viele Behörden mit der Aufklärung und der Abwehr von Verbrechen beschäftigt, dass jede Panne irgendwann herauskäme. Ist der eine Dienst unfähig oder ideologisch unterwandert, kommt ein anderer schon dahinter.

Seit Freitag haben wir gelernt, dass dies offenbar ein Trugschluss war. Und das ist die eigentliche Katastrophe: Wenn es einer winzigen Terrorzelle gelingen kann, Deutschlands gesamtes Fahndungssystem außer Gefecht zu setzen, dann gelingt dies anderen auch.

Noch sind die Folgen dieses unglaublichen Falles nicht absehbar. Ein ganzer Apparat gehört auf den Prüfstand, zuallererst Deutschlands Verfassungsschutzämter.