Mordfall KiesewetterBKA-Chef verärgert Fahnder in Thüringen

Kannte die Polizistin Kiesewetter ihre Mörder? Das Bundeskriminalamt brachte diese Vermutung in Umlauf - in Thüringen und Heilbronn rätselt man, warum. von Kristian Schulze

Der "Gasthof zur Bergbahn" in Oberweißbach-Lichtenhain

Der "Gasthof zur Bergbahn" in Oberweißbach-Lichtenhain  |  © Sean Gallup/Getty Images

Mehr Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landesbehörden – das hatte Innenminister Hans-Peter Friedrich nach den spektakulären Enthüllungen um die drei Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Z. versprochen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Ermittler in den Ländern arbeiten derzeit offenbar gegeneinander.

Denn Hans-Peter Friedrich und BKA-Chef Jörg Ziercke haben mit ihren neuen Thesen zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter nicht nur die Familie der Beamtin erzürnt und für Empörung in ihrem Heimatort, dem thüringischen Oberweißbach, gesorgt. Auch die Ermittler in Thüringen und Heilbronn sind seit Montag schwer frustriert, wie aus deren Kreisen verlautet.

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An jenem Tag hatte der BKA-Präsident in einer Sondersitzung des Innenausschusses des Bundestags und vor der Presse bekanntgegeben, dass es Verbindungen der Familie der getöteten Polizistin zu den drei Neonazis aus Thüringen gegeben haben könnte.

Ziercke sprach gleichfalls vom Konflikt um einen Gasthof, um den sich die Familie Kiesewetter beworben hatte. Dort hätten Treffen von Rechtsextremen stattgefunden. Auch habe Michèle Kiesewetter zwischen 2001 und 2003 gegenüber dieser Gaststätte gewohnt. Plötzlich war davon die Rede, dass Opfer und Täter einander gekannt haben könnten, dass es sich um eine "Beziehungstat" gehandelt haben könnte.

Damit war den Spekulationen das Feld bereitet. Und über die Familie Kiesewetter und ihren Heimatort brach ein mediales Unwetter los. Denn Ziercke hatte auch verkündet, dass Kiesewetters Stiefvater in einem anderen Lokal einen Koch mit demselben Nachnamen wie Beate Z. angestellt habe. Die Familie Kiesewetter bezeichnete dies als "Unsinn".

Spekulationen darüber, dass Michèle Kiesewetter oder ihre Familie die späteren Mörder gekannt haben könnten, gab es schon länger. In den vergangenen Wochen waren Heilbronner und Thüringer Ermittler mehrfach in Thüringen unterwegs gewesen, um mögliche Verbindungen zu prüfen – auch in Oberweißbach. Nach Angaben aus Erfurter LKA-Kreisen hatte man jedoch "die Geschichte nicht hart machen können".

Trotzdem ging Ziercke am Montag damit hausieren. Der parteilose Bürgermeister Jens Ungelenk kritisierte dies am Dienstag scharf: Es sei "unverantwortlich", derartige "Halbwahrheiten" zu verbreiten, weil "unbescholtene Bürger" ins Kreuzfeuer gerieten.

Tatsächlich hatte die Gemeinde den "Gasthof an der Bergbahn" in Lichtenhain, einem Ortsteil von Oberweißbach, mehrfach ausgeschrieben. Es gibt in dem 300-Seelen-Dorf viele Gaststätten und Hotels, Touristen nutzen die Bergbahn für Ausflüge auf den Rennsteig. Die Kiesewetters hatten sich nach Angaben des Ordnungsamts um den Gasthof bemüht – allerdings schon Mitte der 1990er-Jahre. Weil sie die Bedingung einer Investition von 50.000 Euro aber nicht erfüllen konnten, wurde daraus nichts. Danach stand der Gasthof immer wieder leer. Erst zehn Jahre später trat David F. auf, der den Gasthof im Dezember 2005 wiedereröffnete. 

Neonazi-Treffen im Gasthof

Im März 2006 – drei Jahre nachdem Michèle Kiesewetter zur Polizeiausbildung nach Baden-Württemberg gezogen war – trafen sich in dem Gasthof laut Thüringer Verfassungsschutz rund 150 Rechtsextreme. Unter anderem soll bei der von NPD und Neonazis organisierten "Anti-Globalisierungs"-Veranstaltung, die von der Polizei aufgelöst wurde, der Liedermacher Frank Rennicke aufgetreten sein. Laut dem damaligen Bürgermeister Ingo Lödel drohte die Gemeinde danach damit, den Pachtvertrag zu kündigen. Der Pächter habe den Gasthof dann aber 2006 von selbst aufgegeben.

Dennoch gibt es Verbindungen zur Mordserie: F. ist der Schwager des ehemaligen Thüringer NPD-Vizes Ralf W., der als einer der Unterstützer der drei Neonazis gilt. Er soll der Neonazi-Gruppe bei ihrer Flucht geholfen haben.

Ansonsten aber scheint nicht viel Substantielles an dem, was Ziercke am Montag verkündete. Ja, es scheint nicht einmal nicht zu stimmen, dass Michèle Kiesewetter im Alter von 16 bis 18 Jahren in der Nähe der Gaststätte wohnte. Jedenfalls war sie dort nie gemeldet und auch Einwohner berichten, nach ihrer Erinnerung habe die junge Frau nie im Ortsteil Lichtenhain gewohnt, sondern immer direkt in Oberweißbach. Ähnlich äußerte sich der Stiefvater der getöteten Polizistin

Leserkommentare
  1. Warum setzen die ermittelnden Behörden Gerüchte in die Welt, die einer Überprüfung nicht standhalten ? Auch die Verlautbarungen zum mutmaßlichen Doppelsuizid der Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt sind nicht frei von Widersprüchen. Zuletzt wurde bekannt, dass die beiden Täter doch auf die sich nähernden Polizisten geschossen haben sollen.Die Existenz einer dritten Person, die laut Aussage mehrerer Zeugen in Eisenach, das Wohnmobil vor dem Brand verlassen haben soll,wird hartnäckig geleugnet. Eine überzeugende Aufklärung der Taten des Zwickauer Trios und ihrer Unterstützer lässt auf sich warten.

    3 Leserempfehlungen
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    1."Eine überzeugende Aufklärung der Taten des Zwickauer Trios und ihrer Unterstützer lässt auf sich warten."

    Da kann ich Ihnen nur rechtgeben!
    Es würde mich interessieren,haben Sie von überzeugenden Beweisen gehört,dass das Trio die Türken-Morde begangen hat?
    Die Morde waren im ganzen Bundegebiet,die Banküberfälle im Umkreis,ich finde,da ist auch was nicht stimmig.

  2. 1."Eine überzeugende Aufklärung der Taten des Zwickauer Trios und ihrer Unterstützer lässt auf sich warten."

    Da kann ich Ihnen nur rechtgeben!
    Es würde mich interessieren,haben Sie von überzeugenden Beweisen gehört,dass das Trio die Türken-Morde begangen hat?
    Die Morde waren im ganzen Bundegebiet,die Banküberfälle im Umkreis,ich finde,da ist auch was nicht stimmig.

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  3. Im echten Leben würde man sich für die Verbeitung solcher falschen Fakten, Halbwahrheiten und Vermutungen zumindest bei den Angehörigen der getöteten Frau entschuldigen (müssen). Aber natürlich nicht mehr auf den Höhen eines BKA-Chefs oder Innenministers, der lieber genüßlich vor Kameras und Mikrofonwald von Hinweisen raunt, "die nicht an Zufälle glauben lassen". Weit weg sind sie, von vielem.

    2 Leserempfehlungen
  4. im BKA würde zum Gespräch gebeten werden, mindestens. Wer nur groß genug ist, kann sich soetwas leisten, weil sich keiner traut, ihn zu kritisieren - oder weil niemand anderes da ist, der den Posten übernehmen könnte.
    Herr Ziercke erschwert die Ermittlungen ohne triftigen Grund. Ist das nicht strafbar? An der Stelle würde dann sein Vorgesetzter, der Innenminister, einen Rechtsbruch begehen.

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  5. spielt Herr Ziercke mit seinem Geplapper den Rechten in die Hände. Je brüchiger die Front der verhassten Demokraten, um so besser für die Nazis.

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  6. nämlich dass jede Klüngelseilschaft der Behörden etwas anderes interpretiert und sich untereinander (Ossi gg. Wessi) scheinbar nicht recht aufklärend geschweige freundlich gesinnt ist. Sprich jede Behörde hält ihre Infos dicht oder jemand hat sie sogar mtlwl. vernichtet.
    Weil dass die Thüringer Behörden enger verstrickt waren incl. VS in Thüringen ist ja mtlwl. klar.
    Klarheit wird für uns NORMALOS dabei aber nicht rausspringen.
    Wenn ein Mann das brennende Wohnmobil vorher verlassen hat (dies aber trotz Zeugenaussagen von den Behörden dementiert wird, dann kann man sich vorstellen wie aufklärungswillig die Thüringer Polizei ist)

    Denn dann liegt es doch nahe daß es kein Selbstmord war sondern die Leute von wem auch immer getötet wurden, dies liesse auch die Vermutung für das freiwillige Stellen der Z. bei der Polizei zu, die dies vielleicht aus Angst machte- warum ist sie nicht geflohen, sie wusste sicherlich wo Geld ist ? Es gibt ausser Vermutungen keine klaren Beweise
    und es ist mtwl. wie ein engl. langatmiger Krimi mit sämtlichen Spekulationen.
    Ein Netzwerk war und muß es gewesen sein, bloss incl. VS und örtlicher Polizei die da wohl Hals über Kopf mittendrin steckt. Und die halten dicht wie Mauer, man ist ja kein Kollegenschwein nicht wahr ?
    Ossis können reden wie ein Wasserfall über die ach so böse Stasi, bloß gut lügen können sie auch.Das ist das fatale an der ganzen Geschichte dass jede einzeln eingeweihte oder verstrickte Behörde den Mund hält.

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  7. ... dass das BKA seit dem 11.11.11 schon nicht mehr die "ermittelnde Behörde" ist, sondern bei der Bundesanwaltschaft die Fäden zusammen laufen.
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    Es ist schlicht und einfach unfair von einer sensationsgierigen Lynch-Presse, hier die Falschen zu verdächtigen. Wir haben heute bereits 12 Tage über diese ersten Verlautbarungen als das BKA noch zuständig war.
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    Wie die BA den Fall Mannichl im Sande hat verlaufen lassen, so soll offenbar auch hier mit dem "Fall Holzmichl" verfahren werden und das BfV als Oberverfassungsschützer sind offenbar komplett verstummt.

  8. traut man sich ja schon fast garnicht mehr anzuklicken.
    Wer weiß in was für dunkle Kanäle man dann möglicherweise gezogen wird. Mir ist so schlecht. Lasst uns doch bitte wieder über die Griechen reden...
    Gute Nacht.

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