Anschlag in Belgien Täter war Polizei als gewalttätig bekannt

Einen Tag nach dem Anschlag von Lüttich fragen sich viele: Hätte die Tat verhindert werden können? Im Haus des Attentäters entdeckte die Polizei eine Frauenleiche.

Die Leiche des mutmaßlichen Attentäters von Lüttich wird von Polizisten bewacht.

Die Leiche des mutmaßlichen Attentäters von Lüttich wird von Polizisten bewacht.

Die Nachrichtenagentur Belga meldet unter Berufung auf Krankenhausangaben, dass am späten Dienstagabend ein erst 17 Monate altes Kleinkind seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Die Zeitung La Libre berichtete in ihrer Onlineausgabe von zwei weiteren Todesopfern, die es bei dem Anschlag in Lüttich gegeben haben soll. Offiziell wurde dies jedoch nicht bestätigt.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters entdeckte die Polizei zudem die Leiche einer Frau. Sie habe sich in einem Schuppen befunden, den der Mann offenbar zum Anbau von Cannabis genutzt habe, teilte der Lütticher Generalstaatsanwalt Cédric Visart de Bocarmé mit. Nach Angaben von belgischen Medien handelt es sich um die Haushälterin einer Nachbarin. Der Radiosender RTBF berichtete hingegen, es handle sich um die Putzfrau des Täters.

Anzeige

Die Polizei geht davon aus, dass der Mann die Frau umgebracht habe, kurz bevor er sich am Dienstagmittag auf den Weg zum zentralen Platz der ostbelgischen Stadt gemacht habe, wo er anschließend Granaten warf und wahllos auf Menschen schoss. Mehr als 120 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Mehrere von ihnen befanden sich am Morgen noch in kritischem Zustand, darunter ein 20-Jähriger, der schwere Hirnverletzungen erlitten hat. Viele der Opfer seien von Geschossen oder Splittern verletzt worden, hieß es.

Am Mittwochabend soll nach einem Bericht des belgischen Rundfunks RTBF mit einer Schweigeminute vor dem Fußball-Europa-League-Spiel des RSC Anderlecht gegen Lokomotive Moskau der Opfer gedacht werden.

Motiv für Amoklauf weiter unklar

Die Polizei sucht nach einer Erklärung für die Tat. Der 33-Jährige war der Polizei als gewalttätig bekannt und bereits wegen illegalen Waffenbesitzes vorbestraft. Er sei ein Einzeltäter gewesen, ein terroristischer Hintergrund werde ausgeschlossen, teilten die Behörden mit. Nach der Tat hatte sich der Mann den Angaben zufolge selbst erschossen.

Wie die Lütticher Staatsanwältin Danièle Reynders mitteilte, war der Täter wegen seiner Gewaltdrohungen der Polizei bekannt. 2008 war er wegen illegalen Waffenbesitzes zu knapp fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Am Dienstag sollte er zu einer Anhörung bei der Polizei erscheinen, tauchte dort aber nicht auf.

Der Anschlag ereignete sich gegen Mittag auf dem St.-Lambert-Platz in der Innenstadt, gleich neben einem Weihnachtsmarkt. Der Attentäter wohnte ganz in der Nähe. Er warf nach ersten Erkenntnissen mehrere Handgranaten auf eine Bushaltestelle, an der viele Menschen warteten, dann schoss der 33-Jährige auf die Wartenden.


Lüttich auf einer größeren Karte anzeigen

 

Belgien trauert um Opfer des Anschlags

Der Anschlag sorgte für Entsetzen und tiefe Trauer. Der belgische Premierminister Elio Di Rupo besuchte ebenso wie König Albert II. den Tatort. "Das ganze Land teilt Ihren Schmerz", sagte Di Rupo an die Familien der Opfer gerichtet. Er betonte, es habe sich um einen Einzeltäter und nicht um Terrorismus gehandelt. Auch der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einer "Einzeltat, die tiefe Betroffenheit im Herzen der Stadt gesät hat". Die Regierung setzte ein Sondertreffen der Minister an. 

Außenminister Guido Westerwelle sagte: "Wir trauern mit Belgien um die Opfer dieses Verbrechens. Den Angehörigen und Freunden gilt unser Mitgefühl, und den Verletzten wünschen wir baldige Genesung." Führende EU-Politiker bekundeten ebenfalls ihr Beileid.

 
Leser-Kommentare
  1. Der polizeibekannte mann bleibt seltsam anonym, warum?
    Nur-al-Dhin Amrani - französisiert: Norodine Amrani -, heißt er und ist durch Drogen-, Waffen- und Hehlereidlikte mehrfach verurteilt gewesen.
    Seltsam, dass weder Fotos noch Namen in den Deutschen Medien genannt werden, wenn auf einem Weihnachtsmarkt 40 Km westlich von Aachen, 5 Menschen getötet und weitere 125 z.T. schwerverletzt wurden, durch Handgranaten und Kalschnikows.
    Ganz anders bei dem Florentiner, der gestern 2 Senegaliesen erschoss oder der zelle Zwickau oder Anders Breivik, da gab es Fotos und Einordung als rechtsradikale Tat sofort.
    Irgendetwas ist hier faul, oder?

    18 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Soll das bedeuten, dass man hier eine rechtsradikal motivierte Tat unzulässig hochpuscht und eine vom "Moslem" begangene unter den Teppich kehrt ?

    Manchem ist auch kein Anlass zu blöde. um, seine Ressentiments mal wieder hevorblubbern zu lassen.

    muss man auf Bild.de klicken, armes Deutschland. Warum wird hier verschwiegen, dass es sich bei dem Täter um einen Marrokaner, also um einen Moslem handelt ? Warum ist man so schnell mit der Feststellung, es habe sich um eine Einzeltat, um einen Einzeltäter ohne terroristischen Hintergrund gehandelt ? Das ist kein guter, allenfalls gutmeinender Journalismus.

    Soll das bedeuten, dass man hier eine rechtsradikal motivierte Tat unzulässig hochpuscht und eine vom "Moslem" begangene unter den Teppich kehrt ?

    Manchem ist auch kein Anlass zu blöde. um, seine Ressentiments mal wieder hevorblubbern zu lassen.

    muss man auf Bild.de klicken, armes Deutschland. Warum wird hier verschwiegen, dass es sich bei dem Täter um einen Marrokaner, also um einen Moslem handelt ? Warum ist man so schnell mit der Feststellung, es habe sich um eine Einzeltat, um einen Einzeltäter ohne terroristischen Hintergrund gehandelt ? Das ist kein guter, allenfalls gutmeinender Journalismus.

  2. In Lüttich gibt es zunächst Meldungen über mehrere Täter und kurz danach Dementis, während Zeugen mindestens einen Komplizen wahrgenommen haben wollen.

    Auch beim Banküberfall der „Zwickauer Terrorzelle“ wurde in offiziellen Versionen und gleich am Anfang der Berichterstattung, meist nur von zwei Tätern berichtet.
    Am Rande erfährt man , dass mehrere Zeugen eine dritte Person gesehen haben, die sogar aus dem Tatfahrzeug, in dem auch die beiden Bankräuber tot aufgefunden wurden, flüchtete.

    Bezüglich der Todesumstände der Täter bei beiden Gewalttaten, gibt es Fragen über Fragen.
    Die Neozazis hätten sich selbst getötet und ihren Wohnwagen angezündet, berichtet man. Der Täter in Lüttich soll sich auch selbst gerichtet haben. Die Meldungen widersprechen sich. Kopfschuss, Granate, es gibt unterschiedliche Zeugenaussagen.

    Alle Täter hatten ein beachtliches Waffenarsenal vorzuweisen und waren den Behörden aufgefallen bzw. bekannt, befanden sich aber in Freiheit und nicht hinter Gittern.

    Bekannt ist, dass die Zwickauer Nazis, in mindestens einem Fall, vom Verfassungsschutz „begleitet“ wurden.

    Hat man, nachdem die „Begleitperson“ in Lüttich enttarnt war, die Berichterstattung auf „Einzeltäter“ umgeswitcht?

  3. Im Mordfall Lüttich betont man ständig und krampfhaft...“kein Terrorakt“.
    Die Gewalttaten der Neonazis bezeichnet man übereinstimmend als „rechtsextremen Terror“.

    Wenn da nicht, dieser rote Faden wäre, der immer und immer wieder auftaucht, würde ich jetzt nicht an „Strategie der Spannung“ denken und in Wikipedia lesen:

    http://de.wikipedia.org/w...

  4. Dass Kriminelle zur Beruhigung der Bürger zu vergleichsweise hohen Strafen verurteilt werden, diese Strafen aber meist nicht zur Gänze absitzen müssen, ist kein belgisches Spezifikum. Angesichts spektakulärer Fälle von Rückfalltätern frage ich mich schon seit Jahrzehnten, wie man im Gefängnis zweifelsfrei feststellen kann, dass sich ein Häftling "bewährt" hat und deshalb schon vorzeitig entlassen wird. Im Fall Lüttich hätte es bei voller Strafverbüßung den gestrigen Amoklauf nicht gegeben.
    Bei uns in Deutschland ist es auch gang und gäbe, dass Straftäter nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe entlassen werden. Ob dies immer mit dem Ziel der möglichst frühen Resozialisierung erfolgt oder ob die hohen Kosten eines Haftplatzes hier eine maßgebliche Rolle spielen, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.

  5. Natürlich ist so etwas verhinderbar. Sofern Sie bereit sind, die Freiheitsrechte aller massiv zu beschneiden.

    Was meinen Sie, wie oft es in Deutschland die Kombination aus polizeibekanntem Gewalttäter und Waffendelikten gibt? Einige Tausend werden es wohl sein.

    Wollen Sie jeden Kriminellen, auf den diese Attribute zutreffen präventiv wegsperren? Aufgrund einer vagen Annahme?

    Man könnte ja einen Ankreuzbogen einführen:

    Junkie + Waffendelikt = Amokläufer
    Waffenhändler + Gewalttätig = Amokläufer
    Seltsamer Einzelgänger + Killerspiele = Amokläufer

    Sehen wir der Wahrheit ins Gesicht. Nach deutschem und europäischen Recht ist es rechtlich nicht möglich, solche Taten im Vorraus zu verhindern. Man muss mit dieser Gefahr leben.

    Das ist eine bittere Pille. Aber mir persönlich immer noch lieber, als eine totalitäre Gesellschaft, die staatliches Handeln immer über die Grundrechte des Einzelnen stellt.

  6. Soll das bedeuten, dass man hier eine rechtsradikal motivierte Tat unzulässig hochpuscht und eine vom "Moslem" begangene unter den Teppich kehrt ?

    Manchem ist auch kein Anlass zu blöde. um, seine Ressentiments mal wieder hevorblubbern zu lassen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... muss das aber nichts zu tun - sondern vielmehr mit der Forderung nach gleicher Behandlung: Entweder anonymisiere ich bei Anschlägen den Täter und verzichte zumindest vorerst auf Bilder, Herkunftsangaben etc. Das gilt dann auch für semmelblonde Rechtsradikale. Oder ich fahre das volle Informations- und Spekulationsprogramm auf - dann aber auch für Täter mit muslimischem und möglicherweise islamistischem Hintergrund.

    Wenn ich per odre de mufti (hier Presserat) nur rechtsextremistische Taten unter "Terroristen" subsumiere, nicht-rechte Taten mit der bekannten Gutmenschen-Formel "... einen terroristischen Hintergrund schließen die Behörden aus..." schon im Vorfeld in absurder Weise verbal entschärfe, dann sind wir auf dem Wege in eine Diktatur - nämlich eine Meinungsdiktatur.
    Dafür spricht im Übrigen auch, dass die Bilder der Rechtsterroristen sofort veröffentlicht wurden, das Bild des Attentäters von Lüttich aber nciht, obwohl dieser offenbar erkennungsdienstlich längst behandelt wurde...

    ... muss das aber nichts zu tun - sondern vielmehr mit der Forderung nach gleicher Behandlung: Entweder anonymisiere ich bei Anschlägen den Täter und verzichte zumindest vorerst auf Bilder, Herkunftsangaben etc. Das gilt dann auch für semmelblonde Rechtsradikale. Oder ich fahre das volle Informations- und Spekulationsprogramm auf - dann aber auch für Täter mit muslimischem und möglicherweise islamistischem Hintergrund.

    Wenn ich per odre de mufti (hier Presserat) nur rechtsextremistische Taten unter "Terroristen" subsumiere, nicht-rechte Taten mit der bekannten Gutmenschen-Formel "... einen terroristischen Hintergrund schließen die Behörden aus..." schon im Vorfeld in absurder Weise verbal entschärfe, dann sind wir auf dem Wege in eine Diktatur - nämlich eine Meinungsdiktatur.
    Dafür spricht im Übrigen auch, dass die Bilder der Rechtsterroristen sofort veröffentlicht wurden, das Bild des Attentäters von Lüttich aber nciht, obwohl dieser offenbar erkennungsdienstlich längst behandelt wurde...

  7. 1. "Waffennarr tötet auf Weihnachtsmarkt"
    Der polizeibekannte mann bleibt seltsam anonym, warum?"

    zu große Angst es könnte neue Diskussionen über die völlig verfehlte europäische Einwanderungspolitik geben!
    Ich möchte Sie noch daraufhinweisen,dass in der uanabhängigen Presse seit gestern Bilder des Täters,Hintergründe etc genannt werden.

  8. Dieses Zitat aus Wikipedia, einfach mal zum Nachdenken:

    "Das hervorstechende Merkmal einer Strategie der Spannung ist die Schaffung eines Klimas der Verunsicherung und Angst in der Zivilbevölkerung. Die Wahrnehmung der Schuld an absichtlich inszenierten oder indirekt geförderten Verbrechen wird durch geheimdienstliche oder konspirative Methoden wie Desinformation, Streuung entsprechender Gerüchte und Fälschung von Beweisen auf eine bestimmte politische, ethnische oder religiöse Gruppe gelenkt. Deren Diskreditierung bzw. politische und moralische Schwächung stellt üblicherweise eines der Hauptziele der Strategie dar. Ein weiteres Ziel ist die Induzierung des Wunsches nach einer „starken Hand“ bzw. die Stärkung der Toleranz für repressive Maßnahmen des Staates (Einschränkung von Bürgerrechten, verstärkte Überwachung, „Anti-Terror-Maßnahmen“) in der Bevölkerung bis hin zur Ausrufung des Ausnahmezustands, um die vermeintlich gefährdete innere Sicherheit wiederherzustellen."

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service