Anschlag in RomItalienische Anarchisten auch für zweite Briefbombe verantwortlich

Die Gruppe FAI hat sich zu dem Anschlag auf den Direktor einer Steuereinzugsgesellschaft in Rom bekannt. Sie hatte auch die Briefbombe an Ackermann geschickt. von dpa und AFP

Ein italienisches Polizeifahrzeug vor der Equitalia-Filiale in Rom

Ein italienisches Polizeifahrzeug vor der Equitalia-Filiale in Rom  |  © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Die italienische Anarchistengruppe FAI hat sich auch zu dem Paketbombenanschlag auf den Chef der italienischen Steuereinzugsgesellschaft Equitalia in Rom bekannt. In dem Päckchen befand sich nach Angaben der Polizei ein Schreiben, das von der FAI unterzeichnet war. Durch die Explosion der Bombe war der Generaldirektor der Steuereinzugsgesellschaft Equitalia, Marco Cuccagna, verletzt worden. Er hat Medien zufolge unter anderem einen Finger verloren.

Die FAI hatte bereits die Verantwortung für den vereitelten Briefbombenanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann übernommen. Ein an ihn adressierter Umschlag war in der Poststelle der Deutschen Bank aufgefallen und geröntgt worden. Dabei wurde die Zündvorrichtung einer Bombe entdeckt. Die Experten des LKA konnten die Bombe entschärfen. Niemand wurde verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main übernommen.

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Die FAI hatte vor einem Jahr mit Briefbomben an die Botschaften der Schweiz und Chiles in Rom zwei Menschen verletzt. In dem Bekennerschreiben am Mittwoch wurde jedoch vor "drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger" und auch gegen Politiker gewarnt.

Der italienische Regierungschef Mario Monti bedauerte den Vorfall und versicherte dem Verletzten seine Solidarität. Die Schuldeneintreibungsgesellschaft Equitalia habe "stets nur ihre essenzielle Aufgabe im Rahmen von Recht und Gesetz erfüllt", sagte Monti.

Equitalia ist eine Gesellschaft, die sich mehrheitlich im Besitz des italienischen Staates befindet. Sie ist für Steuer- und Gebühreneintreibung zuständig.

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Leserkommentare
  1. Chinaböller sind ungefährlich, ist ja nur Schwarzpulver drin.

    Eine Leserempfehlung
  2. Nachdem sich nun eine linkextreme Gruppe zu dem Attentat bekannt hat, darf man hier nun hoffentlich unzensiert von linkem Terror sprechen.
    Die Gesellschaft muss Linken immer wieder klar machen das sie gruppenbezogene Hetze, z.B. gegen Banker, nicht hinnehmen kann. Solche Taten sind leider die Konsequenz davon.

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    • coburg
    • 21. Juli 2012 10:28 Uhr

    gegen die Gründung einer Bank?" (Berthold Brecht)
    Hier wird also als "Terrorismus" beschrieben,
    was der eigentliche Kampf gegen den Terror ist.
    Das Ende der Fahnenstange ist noch längst nicht erreicht.
    [...]
    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    • GDH
    • 09. Dezember 2011 18:45 Uhr

    Unklar ist mir der Satz "Die Polizei befürchtet eine Verbindung zum Fall Ackermann.".

    Was gibt es da zu fürchten? Wäre es irgendwie weniger beunruhigend, wenn verschiedene Leute unabhängig voneinander solche Anschläge ausführen würden?

    Wäre nicht "Die Polizei vermutet eine Verbinung [...]" oder "Die Polizei schließt [...] nicht aus" (je nachdem wie stark man die Vermutung haben möchte) eine neutrale und angemessene Formulierung?

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    Begehen Rechte Straftaten, sind es stets Einzelfälle, die keinen Grund zur Sorge geben.

    Begehen Linke Straftaten, ist es automatisch eine neue Dimension des vernetzten Terrors.

    Ich möchte den öffentliche Meinenden zugutehalten, dass diese Einschätzung ausschließlich daher rührt, dass man dem durchschnittlichen gewaltbereiten Rechten nicht genügend Intelligenz zum Aufbau eines Netzwerks zutrauen würde.

    Ansonsten bleibt bei dieser FAI-Geschichte wie auch schon bei Al-Qaida die Frage, inwieweit man eine Anzahl von Leuten, die durch keine persönliche oder strukturelle Kontakte zusammengehalten werden und lediglich lose ideologieverbrüdert sind, als "Organisation" bezeichnen darf.

  3. Begehen Rechte Straftaten, sind es stets Einzelfälle, die keinen Grund zur Sorge geben.

    Begehen Linke Straftaten, ist es automatisch eine neue Dimension des vernetzten Terrors.

    Ich möchte den öffentliche Meinenden zugutehalten, dass diese Einschätzung ausschließlich daher rührt, dass man dem durchschnittlichen gewaltbereiten Rechten nicht genügend Intelligenz zum Aufbau eines Netzwerks zutrauen würde.

    Ansonsten bleibt bei dieser FAI-Geschichte wie auch schon bei Al-Qaida die Frage, inwieweit man eine Anzahl von Leuten, die durch keine persönliche oder strukturelle Kontakte zusammengehalten werden und lediglich lose ideologieverbrüdert sind, als "Organisation" bezeichnen darf.

    Antwort auf "Bildunterschrift"
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    • GDH
    • 09. Dezember 2011 20:45 Uhr

    Es gibt noch einen Grund gegen diese Hysterie:

    Wenn tatsächlich viele Leute unabhängig voneinander auf die Idee kommen sollten, Briefbomben an Banker zu verschicken, Bürger ausländischer Herkunft zu ermorden oder was auch immer (ob "rechts" oder "links" ist mir gerade egal), wäre das doch mindestens genauso beunruhigend.

    Gefahren sollten wir (am ehesten noch) an den Opferzahlen messen. Natürlich gehören Organisationen bekämpft, die sich der Begehung von Straftaten verschrieben haben. Trotzdem sind 8 Morde (in Jahrzehnten) bzw. 2 Briefbomben mit einem Verletzten nicht besonders bedrohlich im Vergleich zum Maß an sonstiger Gewalt in unserer Gesellschaft.

    Zu der Frage, was insgesamt so gefährlich ist, ist die Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamts eine Mögliche Quelle von Zahlen:
    http://www.destatis.de/je...

    Nur um das Verhältnis aufzuzeigen:
    Allein im letzten jahr 478 Gewalttote, über 10.000 Selbstmorde (wenn nur jeder Hundertste davon aus einer gewalttätigen Ideologie heraus noch ein paar Leute mitnehmen wollte, wäre unser Land sehr viel gefährlicher), knapp 4.000 Verkehrstote und knapp 10.000 Tote durch Stürze.

    Ich will damit keine Gewalttaten herunterspielen (jede ist eine zu viel) aber die Frage, ob man etwas als Terrorbezeichnen soll spielt für die Gefahr, die davon ausgeht, keine große Rolle.

  4. wird ihre Aussge nicht wahrhafter. Nennen Sie es meinetwegen Linksterrorismus, aber gewesen sein kann das Jeder. Wie allgemein bekannt ist haben Geheimdienste, Militärs u.a. zig Anschläge in Italien im Namen von Anarchisten durchgeführt und dabei zahlreiche Menschen getötet. Lange grollte man den Linken, überwachte alles und jeden der irgendwie links sein könnte, bis es rauskam. Konsequenz: keine.

    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Danke. Die Redaktion/vn

    • GDH
    • 09. Dezember 2011 20:45 Uhr

    Es gibt noch einen Grund gegen diese Hysterie:

    Wenn tatsächlich viele Leute unabhängig voneinander auf die Idee kommen sollten, Briefbomben an Banker zu verschicken, Bürger ausländischer Herkunft zu ermorden oder was auch immer (ob "rechts" oder "links" ist mir gerade egal), wäre das doch mindestens genauso beunruhigend.

    Gefahren sollten wir (am ehesten noch) an den Opferzahlen messen. Natürlich gehören Organisationen bekämpft, die sich der Begehung von Straftaten verschrieben haben. Trotzdem sind 8 Morde (in Jahrzehnten) bzw. 2 Briefbomben mit einem Verletzten nicht besonders bedrohlich im Vergleich zum Maß an sonstiger Gewalt in unserer Gesellschaft.

    Zu der Frage, was insgesamt so gefährlich ist, ist die Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamts eine Mögliche Quelle von Zahlen:
    http://www.destatis.de/je...

    Nur um das Verhältnis aufzuzeigen:
    Allein im letzten jahr 478 Gewalttote, über 10.000 Selbstmorde (wenn nur jeder Hundertste davon aus einer gewalttätigen Ideologie heraus noch ein paar Leute mitnehmen wollte, wäre unser Land sehr viel gefährlicher), knapp 4.000 Verkehrstote und knapp 10.000 Tote durch Stürze.

    Ich will damit keine Gewalttaten herunterspielen (jede ist eine zu viel) aber die Frage, ob man etwas als Terrorbezeichnen soll spielt für die Gefahr, die davon ausgeht, keine große Rolle.

    Antwort auf "Ausgewogenes Programm"
    • Cheruby
    • 10. Dezember 2011 13:15 Uhr

    Als erstes zu beachten sind Billionen von Kapitalwerten auf Bankkonten. Als zweites zu beachten sind die Forderung nach Zinsen für dieses Kapital. Drittens zu beachten: Die Erwartung der Kapitalgeber den Banken gegenüber, Modelle zu finden ihr Geld als Kredite unter die Leute zu bringen, so dass es plus die geforderten Zinsen zurückfließt.. Unter diesem Druck stehen die Banken und sie sind sehr kreativ. Man kann gar nicht alles im einzelnen aufzählen, was sich in den letzten Jahrzehnten an Kreditmodellen (mehr oder weniger riskant, seriös, realistisch) etabliert hat. Selbst der ärmste Schlucker soll möglichst noch irgendein Projekt z.T. Vollkommen unrealistischer Weise über Schulden finanzieren oder zumindest sein Dispo ausreizen. Aber da die Kuh gemolken ist, stehen inzwischen alle Messinstrumente im roten Bereich obwohl die Zins(eszins)forderungen des Kapitals weiter exponential steigen. Viertens: Das Kapital drückt seine Zinsforderungen mit der Drohung durch, das Geld dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen und so eine Geldentwertung zu provozieren... Wer ist aber jetzt an dem Desaster schuld?
    Würde ich morgen 5 Millionen im Lotto gewinnen würde ich das Geld wohl einer Bank geben und fortan unter Freuden meines Hobbys nachgehen. Weil ich bekäme jeden Monat 20000 Euro Zinsen. Das reichte so gerade. Derjenige, der jetzt eine Briefbombe an Herrn Ackermann geschickt hat, würde der im gleichen Fall weltverbessernd auf das Geld verzichten? Wohl kaum.

    • Cheruby
    • 10. Dezember 2011 13:15 Uhr

    Ich möchte nicht in einer Gesellschaft ohne konstruktive Kapitalisten leben. Wo wären wir, gäbe es diese egomanischen Materieverdichter nicht? Bei der privaten Dreifelderwirtschaft? - Nix für mich...Wir brauchen keine Hassprediger.
    Der Fehler ist systemisch nicht persönlich. Wir müssen bessere Regeln finden, und eine Exekutive, die diese Regeln auch durchzusetzen vermag. Ansonsten bahnen wir den Weg für a new Schitler, der nur in Formen der Vergasung denkt oder einer Form von RAF Verschnitt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Josef Ackermann | Mario Monti | Medien | Recht | Bundesanwaltschaft | Ermittlung
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