Katholische KircheZehntausende Missbrauchsfälle in der niederländischen Kirche

In den Niederlanden sind nach Erkenntnissen einer Untersuchungskommission seit 1945 Zehntausende Kinder sexuell missbraucht worden. Viele der Täter sollen noch leben. von AFP

In den Niederlanden sind nach Angaben einer Untersuchungskommission in Einrichtungen der katholischen Kirche zwischen 1945 und 2010 "mehrere zehntausend Minderjährige" sexuell missbraucht worden. Die Kinder seien "leichtem, schwerem und sehr schwerem" Missbrauch ausgesetzt gewesen, teilte die Kommission in ihrem Abschlussbericht mit.

Die unabhängige Kommission war mit der Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen in den Niederlanden beauftragt worden. Sie hatte ihre Arbeit im August vergangenen Jahres aufgenommen. Im März 2010 waren bei der katholischen Kirche innerhalb weniger Tage mehrere hundert Hinweise auf sexuellen Missbrauch durch Geistliche eingegangen. Den Angaben eines Sprechers der katholischen Kirche zufolge betreffen die Vorwürfe vor allem Internate im ganzen Land.

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Auf Grundlage von Personenbeschreibungen seien 800 Täter identifiziert worden. Von ihnen seien noch mindestens 105 am Leben. Einige stünden weiterhin im Dienst der Kirche, sagte die Kommission mit sechs Mitgliedern. Sie wird von dem früheren Minister Wim Deetman angeführt, der einst auch als Richter tätig war und zugleich Psychologe ist. Eine juristische Strafverfolgung ist nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft nicht mehr möglich, wenn die Verjährungsfrist von 20 Jahren bereits abgelaufen ist.

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Leserkommentare
    • Atan
    • 16. Dezember 2011 17:16 Uhr

    sich aus Hochrechnungen ergeben, die mittels Meldungen an die Kommission und mittels Umfragen gewonnen wurden. Die Kommission selbst erhielt im Untersuchungszeitraum etwa 2000 Beschwerden (1795 davon betrafen Missbrauch in der RKK) von Betroffenen, dazu wurden 34.000 Niederländer repräsentativ befragt. Davon wiederum hatten zwischen 0,3 bis 0,9 % Erfahrungen mit Missbrauch im Bereich der katholischen Kirche.
    Es handelt sich also nicht um zehntausende Opfer, die sich tatsächlich gemeldet haben, sondern um eine empirisch validisierte Hochrechnung.
    Zusammenfassung der Studie ist hier zu finden.
    http://www.verschueren.at/International_sexual_abuse_newsmonitor.html

    Diese Zahlen fallen übrigens nicht aus dem Rahmen, in welchem Missbrauch in allen niederländischen Institutionen vorkam.
    http://www.msnbc.msn.com/id/45696203/ns/world_news-europe/#.TutmT0pr-Hk

    Im Prinzip also wohl vergleichbare Ergebnisse, wie sie für die institutionelle Jugendfürsorge in der Nachkriegszeit überall vorkamen.

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    Kindern in Deutschland und wahrscheinlich auch in anderen Teilen Euroas erlaubt.

    Aber wenn Priester, die Kinder mißbraucht haben aus der Kirche austreten und dann heiraten, dann ist die Sache doch wohl offensichtlich!

    Das Zölibat überfordert viele Menschen und schadet deshalb mehr den Mitgliedern der Kirche, als es ihnen nutzt.

    • xpeten
    • 16. Dezember 2011 17:27 Uhr

    na gut, Hochrechnungen also, dann erkennen wir doch einmal nur jeden zehnten Fall als ganz sicher gegeben an, somit werden dann aus den "Zehntausenden" "Tausende".

    Und das halten Sie dann für normal, oder nicht so schlimm?

    Wenn Sie noch Ihre Zahlen korrigieren:

    "De kans op seksueel misbruik was met ongeveer 22 procent dubbel zo groot voor minderjarigen in een instelling als het landelijk gemiddelde van 9,7 procent."

    • xpeten
    • 16. Dezember 2011 17:22 Uhr

    jedes Jahr Zig-Milliarden an Steuergeldern an die Katholische Kirche transferiert werden, wird das mit dem Grabschaufeln leider noch eine Weile auf sich warten lassen.

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    eine Kirche ohne Mitglieder kann nicht Kirche sein.

  1. Kindern in Deutschland und wahrscheinlich auch in anderen Teilen Euroas erlaubt.

    Aber wenn Priester, die Kinder mißbraucht haben aus der Kirche austreten und dann heiraten, dann ist die Sache doch wohl offensichtlich!

    Das Zölibat überfordert viele Menschen und schadet deshalb mehr den Mitgliedern der Kirche, als es ihnen nutzt.

  2. eine Kirche ohne Mitglieder kann nicht Kirche sein.

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    • xpeten
    • 16. Dezember 2011 17:32 Uhr

    Mitgliederzahlen etwa die Transferleistungen gesenkt?

    Der Steuerzahler wird weiterhin für die Kosten der Kirche aufkommen, ob die Mitglieder weniger werden oder nicht. Es wird genug Verblendete geben, die die Missbrauchsfälle entweder abstreiten, relativieren oder denen sie einfach egal sind. Wenn etwas passiert, was nicht passieren darf, muss man schweigen. Das ist Aufklärung auf katholisch.

    • xpeten
    • 16. Dezember 2011 17:27 Uhr

    na gut, Hochrechnungen also, dann erkennen wir doch einmal nur jeden zehnten Fall als ganz sicher gegeben an, somit werden dann aus den "Zehntausenden" "Tausende".

    Und das halten Sie dann für normal, oder nicht so schlimm?

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    Noch einmal zur Erklärung:
    Nicht von den 2000 Meldungen bei der Deetman-Commissie stammen die Prozentzahlen, sondern von der Begleituntersuchung an 35.000 Niederländern ab 40 Jahre aufwärts.
    „ Of the Dutch nationals aged 40 years or older, between one in a 100 (0.9%) and one in 300 (0.3%) have experienced unwanted sexual advances before the age of 18 from a perpetrator working in the Roman Catholic Church.“
    (Deetman-Commissie)

    Wie oft kommen wohl protestantische, lutherische oder freikirchliche Kinder in eine intime Situation mit katholischen Klerikalen, in der sexuelle Misshandlung möglich wäre?

  3. Die allerschlimmsten sexuellen Übergriffe fanden im geschlossenen Jugendwerkhof in Torgau statt. Die waren ganz und gar nicht religiös determiniert.
    Sexueller Missbrauch von Kindern ist vor allem Machtmissbrauch. In- und außerhalb von (Kirchen)mauern.

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    und geschlossene DDR-Mauer.

    Sich abschliessen, nicht offen sein, um irgendeine Kultur zu praktizieren.

    Wahrscheinlich schadet das den Menschen eher als es nützt.

  4. Die Zahl katholischer Niederländer betrug jeweils zwischen 3,5 und 4 Millionen Gläubige zwischen 1950 und 2010.

    Bei der Deetman-Kommission hatten sich 2000 Überlebende gemeldet – und die 800 Kleriker sind nur diejenigen, welche namentlich zugeordnet werden konnten...

    Die geschätzte Zahl stammt aus den gleichzeitig betriebenen Hintergrundforschung, wobei fast 35000 Niederländer ab vierzig Jahren und älter zu ihren Erfahrungen / Betroffenheit mit sexueller Misshandlung befragt wurden – im Gegensatz zur Pfeiffer-Studie, welche genau diesen Personenkreis ausgeschlossen hatte...

    Die Chance des sexuellen Missbrauchs in einer Institution war mit rund 22 Prozent doppelt so groß wie beim nationalen Durchschnitt von 9,7 % der Minderjährigen. Es gibt keinen "signifikanten Unterschied" zwischen Institutionen mit und ohne katholischer Signatur.

    Die englische 23seitige Zusammenfassung findet sich unter http://www.commissiedeetman.nl/fileadmin/commissiedeetman/data/downloads...

    Kardinaal Simonis: "wir haben es nicht gewusst."

    Antwort auf "In den Niederlanden?!"
    • xpeten
    • 16. Dezember 2011 17:32 Uhr

    Mitgliederzahlen etwa die Transferleistungen gesenkt?

    Der Steuerzahler wird weiterhin für die Kosten der Kirche aufkommen, ob die Mitglieder weniger werden oder nicht. Es wird genug Verblendete geben, die die Missbrauchsfälle entweder abstreiten, relativieren oder denen sie einfach egal sind. Wenn etwas passiert, was nicht passieren darf, muss man schweigen. Das ist Aufklärung auf katholisch.

    Antwort auf "Nein, denn "

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Katholische Kirche | Arbeit | Internat | Minister | Missbrauch | Niederlande
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