Rückblick Die Toten des Jahres 2011
Loriot, Christa Wolf, Václav Havel, Steve Jobs. Aber auch: Osama bin Laden, Muammar al-Gadhafi, Kim Jong Il. Über die Menschen, die in diesem Jahr gestorben sind
Bernd Eichinger
"Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues." Bernd Eichinger stellte dieses trotzige Zitat aus Becketts Murphy seinem allerersten filmisches Werk voran, seiner Bewerbung für die neu gegründete Münchner Filmhochschule. Er fand spät zu seiner Leidenschaft, dem Filmemachen. Dafür, so schien es, umso rasanter. Mit 25 Jahren gründete er seine eigene Produktionsfirma und finanzierte vor allem Autorenfilme des Neuen Deutschen Films. Wenig später machte er aus der bankrotten Produktionsfirma Constantin Film die Neue Constantin – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Mit großer Kreativität, ebensolcher Disziplin und schier unerschöpflicher Energie brachte er die unterschiedlichsten Welten vor die Kamera wie in Christiane F., Der Name der Rose, Werner, Der bewegte Mann und Das Parfum. 1996 führte er erstmals selbst Regie, in dem Film Das Mädchen Rosemarie, er machte sich ans Drehbuchschreiben und lieferte das Script für Der Untergang. Bernd Eichinger starb am 24. Januar in Los Angeles an einem Herzinfarkt. Er wurde 61 Jahre alt.
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John Barry
Er war der große Landschaftskomponist Hollywoods. In seinen Filmmusiken fasste John Barry in Klänge, was das Auge genoss: weite Kamerafahrten über die afrikanische Steppe (Jenseits von Afrika), wald- und wieseneinsame Cowboyromantik (Der mit dem Wolf tanzt), den Zwiespalt im Gesicht der jungen Demy Moore (Ein unmoralisches Angebot). Berühmt wurde der Brite 1962 als Arrangeur des James-Bond-Themas. Er gewann fünf Oscars und vier Grammys. Seine Karriere, die in den jazzgeprägten Sechzigern so rasant begonnen hatte, endete Mitte der Neunziger, als Barrys mittlerweile sehr breiten sinfonischen Gesten im Kino nicht mehr so gefragt waren. Am 30. Januar starb John Barry auf Long Island bei New York an einem Herzinfarkt. Er wurde 77 Jahre alt.
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Gary Moore
Das tragische Ende eines großen Bluesgitarristen: Der irische Musiker Gary Moore starb am 6. Februar mit nur 58 Jahren an einem Herzinfarkt im Schlaf. Verarmt und verbittert ging er aus dem Leben. Moores Karriere begann 1969 als Gitarrist in der Band Skid Row, einige Jahr später glänzte er bei Thin Lizzy, Mitte der Siebziger gründete er die Jazzrockgruppe Colosseum II. Er hielt es nie besonders lang im Bandgefüge aus, arbeitete lieber als Solist oder Studiomusiker. Schicksalshaft war der überwältigende Erfolg seiner Rockballade Still Got The Blues von 1990. Die deutsche Krautrockband Jud's Gallery warf ihm Plagiat vor, es folgte ein siebenjähriger Gerichtsprozess, der Moore viel Geld kostete und schließlich zugunsten der Kläger entschieden wurde. Gary Moore musste seine Gitarre verkaufen und Tourneen absagen. Ein törichter Rechtsstreit hat das Leben des Virtuosen zerrüttet.
Peter Alexander
"Ich nehme an, das Publikum hat das schon längst spitz gekriegt, dass ich einer von ihnen bin": Peter Alexander wusste, dass er der große Junge von nebenan war. Der Schauspieler, Sänger, Entertainer und Komödiant war einer der berühmtesten Unterhaltungskünstler im deutschsprachigen Raum. Geboren 1926 als Peter Alexander Neumayer in Wien, studierte er am renommierten Max-Reinhardt-Seminar. Singen und Klavierspiel hatte er sich als Fan von Frank Sinatra als Kind selbst beigebracht. Bekannt wurde Alexander 1952 mit dem Lied Das machen nur die Beine von Dolores. Er spielte in Heimatfilmen mit wie Charly’s Tante und Hurra, die Schule brennt. Für Peter Alexander war die heile Welt zerstört, als seine Frau und Managerin Hilde, mit der er seit 1952 verheiratet war, 2003 starb. Sechs Jahre später wurde seine Tochter Susanne bei einem Autounfall getötet. Zurückgezogen lebte Peter Alexander in Wien. Er starb am 12. Februar.
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Jane Russell
Es brauchte nur einen Film, um Jane Russell zum Sexsymbol ihrer Generation zu machen aber fünf Jahre, bis dieser Film von den Zensoren zur Ausstrahlung freigegeben wurde. Der Regisseur Howard Hughes hatte die 19 Jahre alte Praxishelferin für die weibliche Hauptrolle in seinem Western The Outlaw gecastet. Allein das Kinoplakat, das Russell mit entblößter Schulter und kurzem Rock zeigte, verstieß gegen den Moralkodex des Hollywoods der Vierziger Jahre. Danach war es für die Schauspielerin schwer, sich vom Image des Kurvenstars zu befreien. Ihren größten Erfolg hatte sie 1953 gemeinsam mit Marilyn Monroe in der Komödie Blondinen bevorzugt. Er zeigt die patente Seite Jane Russells: eine selbstbewusste Frau mit trockenem Humor. Sie verstarb am 28. Februar im Alter von 89 Jahren in Santa Maria, Kalifornien.
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Elizabeth Taylor
Die Schauspielerin Elizabeth Taylor wurde noch zu Lebzeiten zur Legende. Sie galt als schönste Frau der Welt, ließ sich entsprechend hofieren und verhandelte als erste Schauspielerin in Hollywood eine Millionen-Gage. Ihre acht Ehen und zahlreichen Affären generierten ebenso Schlagzeilen wie ihre Alkoholprobleme. In ihrer mehr als 50-jährigen Hollywood-Laufbahn drehte Taylor über 50 Filme. Diese begann, als sie neun Jahre alt war. Mit elf spielte sie in dem Lassie-Film Heimweh, mit zwölf die Hauptrolle in Kleines Mädchen, großes Herz. Erst durch eine Paramount-Produktion an der Seite von Montgomery Clift im Jahr 1949 änderte sich ihr Image vom burschikosen Mädchen in das der aufsehenerregenden Frau. Taylors Rollen wurden komplexer: Ihr Durchbruch war der Film Giganten mit James Dean von 1956. Es folgten die Tennessee-Williams-Verfilmungen Die Katze auf dem heißen Blechdach und Plötzlich im letzten Sommer. Die zehn Jahre dauernden Dreharbeiten zu Cleopatra endeten in einem Flop. Zweimal wurde die Schauspielerin mit einem Oscar ausgezeichnet, im Jahr 1960 für ihre Rolle in Telefon Butterfield 8 und 1966 für die Hauptrolle in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? In den vergangenen Jahren war Elizabeth Taylor nur noch selten öffentlich aufgetreten. Sie verstarb am 23. März im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles.
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Warren Christopher
Ein Feuerwehrmann, ein Vermittler für scheinbar unlösbare Fälle, das war Warren Christopher, der studierte Jurist, der Bill Clinton von 1993 bis 1997 als Außenminister gedient hatte. Etliche Male hat er in seiner Amtszeit sein Verhandlungsgeschick unter Beweis gestellt: Mit seiner Hilfe wurde das Oslo-Abkommen 1993 zwischen Israel und den Palästinensern verabschiedet, das heute zwar nichts mehr wert ist, seinerzeit aber als großer Durchbruch galt. Zweifellos ein solcher war auch das Abkommen von Dayton, das 1995 den Bosnien-Krieg beendete. Christopher war an diesem Friedensschluss maßgeblich beteiligt. Doch auch ein furchtbares Versagen fiel in seine Amtszeit: 1994 schätze Christopher (wie viele andere) die Lage in Ruanda falsch ein. Als der Genozid an den Tutsi begann, war es zu spät. Warren Christopher starb am 18. März im Alter von 85 Jahren.
Witta Pohl
Seit den sechziger Jahren bereits gehörte Witta Pohl zum Inventar des deutschen Fernsehens. Sie spielte in Der Alte, in Derrick und im Tatort. Berühmt wurde sie jedoch als widerstandsfähige Hausfrau Vera Drombusch in der Familienserie von Robert Stromberger. Diese Drombuschs zeigten den Alltag der deutschen Durchschnittsfamilie und Witta Pohl gab die Mutter und Ehefrau, die um Selbstbestimmung und Anerkennung ringt. Zwischen 1983 und 1994 lief die Serie im ZDF. Sie erreichte zwischenzeitlich mehr als 20 Millionen Zuschauer. Nebenbei engagierte sich die Schauspielerin für Kinderhilfsprojekte. Im Jahr 2005 wurde ihr dafür das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie starb am 4. April 2011 im Alter von 73 Jahren.
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Sidney Lumet
Er sei der "Inbegriff des New Yorker Filmemachers", sagte Woody Allen über seinen Kollegen Sidney Lumet. Für den Regisseur Lumet war die Stadt mehr als einmal der Set, auf dem er seine düsteren Geschichten inszenierte. In Dramen oder Thrillern wie Die zwölf Geschworenen und Serpico thematisierte Lumet den Ist-Zustand der amerikanischen Gesellschaft. Sein analytischer Blick gab seinen Figuren Substanz und Schauspielern wie Al Pacino, Marlon Brando oder Katherine Hepburn etwas, woran sie sich abarbeiten konnten. Rund 40 seiner Filme wurden für den Oscar nominiert wurde. Lumet hat nie einen davon mit nach Hause nehmen dürfen. Er starb am 9. April im Alter von 86 Jahren in New York.
Osama bin Laden
Seit dem 11. September 2001 war Osama bin Laden auf der Flucht. Er musste es sein, nach dem von ihm initiierten Jahrhundertverbrechen auf das World Trade Center und das Pentagon. Fast 3.000 Menschen starben damals in New York, Washington und Shanksville. Fast zehn Jahre lang jagten die USA den Terrorchef aus Saudi-Arabien erfolglos. Am 2. Mai 2011 endete sein Leben, US-Spezialeinheiten erschossen ihn in einem Anwesen im pakistanischen Abbottabad. Sein Terrorplot von 2001 war folgenreich: Die USA marschierten mit ihren Alliierten in Afghanistan ein. Sie vertrieben sein Terrornetzwerk al-Qaida aus dem Land und die Taliban aus Kabul. Bis heute hat der Einsatz in Afghanistan zig Milliarden verschlungen und zur erheblichen Verschuldung Amerikas beigetragen. Geboren wurde bin Laden irgendwann zwischen 1957 und 1958, das genaue Datum ist unbekannt. In den 1980er-Jahren half der Sohn eines reichen Unternehmers den Mudschaheddin Afghanistans im Kampf gegen die Sowjets und wurde dabei auch von der CIA unterstützt. Ende der 1990er-Jahre begann bin Laden, Attentate auf US-Einrichtungen zu organisieren. Unterstützung fand er bis zu seinem Ende in pakistanischen Geheimdienst- und Militärkreisen. Anders hätte er auch nicht ausgerechnet in Abbottabad leben können – es ist eine Garnisonsstadt.

Michael Althen
Filmkritiker bringen in ihren Rezensionen nicht gerade oft jene Leidenschaft zum Ausdruck, die das Kino in ihnen auslöst. Doch Michael Althen war von dieser seltenen Sorte. Was nicht hieß, dass er seinen Gegenstand nicht ernst nahm. Er konnte schwärmen, er ließ sich beeindrucken, er konnte sich für einen Moment in eine Schauspielerin verlieben oder einem Regisseur gehörig böse werden. Denn Kino war in seinen Augen nicht nur Kino. Es war zugleich Lebenswelt, die nicht bloß in reinen, schwarz-weißen Urteilen gedacht werden konnte. So war Althens besonderer Blick auf die Leinwand. Und der machte seine klugen, poetischen, zuweilen auch melancholischen Kritiken, die er hauptsächlich für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb, nahezu einzigartig. Althen starb am 12. Mai im Alter von 48 Jahren.
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Gil Scott-Heron
"The revolution will not be televised." In einem Jahr, da dieser Satz angesichts der Proteste in Nordafrika und in den Geschäftszentren der ganzen westlichen Welt omnipräsent war, verabschiedete sich sein Urheber aus dem Leben. Gil Scott-Heron, Sänger, Musiker, Dichter aus Chicago, starb am 27. Mai im Alter von 62 Jahren. Die Drogensucht, die ihn zuvor ins Gefängnis gebracht hatte, ließ ihn nicht mehr los. In Scott-Heron verstummte die Stimme des schwarzen, noch immer unterprivilegierten Amerikas, der Sänger der Bürgerrechtsbewegung. Stets hatte er in seinen Texten die soziale und politische Situation des Landes thematisiert. Er tat es in einem melodiösen Sprechduktus, der ihn zum Vorbild vieler späteren Rapper machte. Erst ein Jahr vor seinem Tod veröffentlichte Gil Scott-Heron nach 16 Jahren Pause ein neues Album. Er berichtete darauf aus den "ruins of another black man's life". Eine Rekapitulation. Das Vermächtnis eines der größten politischen Soulmusiker des 20. Jahrhunderts.
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Jorge Semprún
"Ich bin weder Schriftsteller noch Politiker. Ich bin nur ein Überlebender von Buchenwald", sagte Jorge Semprún einmal über sich. Der 1923 in Madrid geborene Autor und Intellektuelle stammte aus einer Politikerfamilie. Sein Großvater war spanischer Ministerpräsident, ein Onkel Innenminister. Im Jahr 1939 flüchtete Semprún vor der Franco-Diktatur nach Frankreich. Dort schloss er sich der Résistance gegen die Nazis an. 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald verschleppt. Die Deportation in einem Viehwaggon und die Gefangenschaft arbeitete er in den Romanen Die große Reise (1963) und Was für ein schöner Sonntag (1980) literarisch auf. 1994 erhielt Jorge Semprún den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am 7. Juni starb er im Alter von 87 Jahren in Paris.
Peter Falk
"Eine Frage noch, Sir..." Es war meist diese letzte Frage, mit der Peter Falk in der Rolle des Inspektor Columbo seine Fälle aufklärte. Mehr als 70 Mal stand der Schauspieler in der Rolle des ständig müde wirkenden TV-Ermittlers vor der Kamera – im eigenen Trenchcoat und mit ungebügeltem Charme. Es war diese Rolle, die ihn zwischen 1968 bis 2003 weltweit bekannt und zum damals bestbezahlten Seriendarsteller machte. Als Schauspieler hatte sich der Sohn jüdischer Einwanderer bereits vorher einen Namen gemacht. Nur fünf Jahre, nachdem er seinen Job in der Finanzbehörde aufgegeben hatte, wurde er 1960 für seine Rolle in Unterwelt erstmals für einen Oscar nominiert. Schon ein Jahr später folgte die nächste Nominierung für seine Rolle in Frank Capras Gesellschaftskomödie Die unteren Zehntausend. Im Jahr 1968 hatte Falk seinen ersten Auftritt als Columbo. Bis 2003 blieb er der Rolle treu. Er starb am 23. Juni im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills.
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Otto von Habsburg
Otto von Habsburg war der älteste Sohn von Karl I., des letzten regierenden Kaiser von Österreich und des Königs von Ungarn. Nach dem Zusammenbruch der Habsburger-Monarchie musste die Familie 1919 ins Exil in die Schweiz. Otto von Habsburg galt als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten und versuchte den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu verhindern. Allerdings hegte er Sympathie für den spanischen Diktator Franco, der ihn nach dem Zweiten Weltkrieg in seinem politischen Engagement unterstütze und ihm angeblich sogar die spanische Krone anbot. Der Kaisersohn wurde zum langjährigen Europaabgeordneten, von 1979 bis 1999 saß er für die CSU im EU-Parlament. Am 4. Juli verstarb er, 98-jährig, in seinem Haus in Pöcking am Starnberger See.
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Cy Twombly
Die Malerei von Cy Twombly hat stets unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Kritzleien, nannten es seine Kritiker, Intellektuellenkunst oder kindlich. Roland Barthes, ein Verehrer des Malers, nannte die Bilder des 1928 in Lexington geborenen Künstlers unnachahmlich. Leuchtendes Gelb, ein tiefes Rot, manchmal verwendete Twombly sein eigenes Blut für seinen abstrakten Expressionismus. Er selbst nannte ihn "Landschaftsmalerei”. In den schriftähnlichen, schlierenhaften Bildern widmete er häufig sich dem mythischen Kosmos der Antike, von der er fasziniert war. Als Andeutung, als Chiffre. Im Alter von 83 ist dieser prägende Maler der Moderne am 5. Juli verstorben.
Leo Kirch
Er brachte Lassie, Flipper und die Cartwrights ins deutsche Fernsehen. Ihm gehörte die größte europäische Sammlung an Filmrechten, die Fernsehsender Sat.1, ProSieben, N24 und Premiere, er hielt Anteile am Springer-Verlag und an der Formel1. Seine Geschäfte führte er so, dass Außenstehende möglichst wenig davon durchschauten. Seinen Aufstieg finanzierte er mit Schulden. Dann zweifelte der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf-Ernst Breuer öffentlich an Leo Kirchs Kreditwürdigkeit – und dessen Medienimperium war pleite. Fortan prozessierte der Kaufmann, wie er sich selbst nannte, gegen die Deutsche Bank. Er galt als Charismatiker, mit Verbindungen in höchste politische Ämter. Er war ein Freund Helmut Kohls, der – wie andere Politiker von Union und FDP – auch als Berater in seinem Dienst stand. Vor dem Abstieg hat ihn das nicht geschützt. Leo Kirch starb am 14. Juli im Alter von 84 Jahren nach einer längeren Krankheit. Den Kampf gegen die Deutsche Bank führte die Familie auch nach seinem Tod weiter.
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Lucian Freud
Er lebte, um zu malen: Lucian Freud war berühmt für seine Porträt- und Aktmalerei. Auf seinen Bildern erscheint der Mensch mit all seinen Makeln, entgegen der jeweiligen Schönheitstrends: "Ich wünsche mir, dass meine Porträts sozusagen die Leute selbst sind, nicht nur deren äußere Erscheinung." Lucian Freud wurde 1922 in Berlin geboren. Sein Vater war der jüngste Sohn des Wiener Psychoanalytikers Sigmund Freud. Die Familie flüchtete 1933 vor den Nazis nach Großbritannien. Freud studierte an der Central School of Art und am Goldsmith’s College in London. Seit den fünfziger Jahren widmete sich Freud der Akt- und Porträtmalerei. Nur selten malte er berühmte Menschen, unter anderem die Queen und die Models Jerry Hall und Kate Moss. Das Gemälde aber, das ihm 2008 den Titel " teuerster lebender Künstler" brachte, zeigt eine dicke Angestellte des Arbeitsamts: Benefits Supervisor Sleeping (1995) wurde bei Christie’s in New York für fast 34 Millionen Dollar versteigert. Am 20. Juli starb Lucian Freud in London. Er wurde 88 Jahre alt.
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Amy Winehouse
Gespenstisch ist es im Nachhinein, ihre Liedtexte noch einmal zu lesen. Der Kontrollverlust, die Überdosis, das dramatische Ende schienen doch so früh eingeschrieben in ihre Songs: Rehab, Back To Black, You’re Wondering Now. Amy Winehouse, die als junge, hochtalentierte Jazzsängerin erst vor wenigen Jahren die Showbühne betreten hatte, ertrank am 23. Juli in Alkohol. Sie wurde nur 27, hatte zwei Alben veröffentlicht und war doch binnen kurzer Zeit zur Stilikone erwachsen. Ihre Platte Back To Black stieß die Retrosoulwelle an, die Boulevardpresse klebte an ihren High Heels, Winehouse gab dem romantischen Bild des von Lebensschmerz zerrissenen Künstlers ein neues Gesicht. Das Schicksal von Amy Winehouse erzählt uns auch eine Episode über Musik und Markt: Kaum ein halbes Jahr nach ihrem Tod steht das erste posthume Album an der Spitze der Charts.
Loriot
Perfektionismus ist doch komisch. Den Beweis lieferte Vicco von Bülow alias Loriot über Jahre immer wieder aufs Neue in Büchern, Filmen, Theaterstücken. Wer ein Jodeldiplom wollte, musste das "Holleri du dödl di, diri diri dudl dö" korrekt aussprechen. Ein "Dö dudl dö", wie es Frau Hoppenstedt vorbrachte, war nicht akzeptabel. Doch in den Sketchen von Loriot ging es nur vordergründig um Abwegiges. Ihm ging es um das Miteinander der Menschen, um Vertrauen, das nur mit Höflichkeit gewonnen werden kann. Um ein Abwenden des Noch-viel-Schlimmeren. Denn genau betrachtet sind es Alpträume, in denen sich die Herren Müller-Lüdenscheidt und Doktor Klöbner wiederfinden – nackt in derselben Badewanne sitzend und nur von einer Gummiente begleitet. Oder Hildegards Verehrer, der seinen Antrag nicht vorbringen kann, weil ihm eine Nudel quer im Gesicht hängt. Loriot erlöst uns aus diesen Szenen, indem er uns lachen lässt. Dankbarkeit war, was man überall hörte am 22. August, als die Nachricht vom Tod Loriots bekannt wurde. Tiefe Dankbarkeit und trauerndes Lachen.
Hans Apel
Der gebürtige Hamburger war einer der treuesten Weggefährten Helmut Schmidts. 1974 machte Schmidt Apel zum Finanzminister und 1978 zum Verteidigungsminister. Bei der Truppe genoss er großen Respekt, obwohl er von sich gesagt hatte, dass er als bekennender Protestant eigentlich keinen rechten Bezug zum Militär habe. Nach dem Machtverlust der SPD 1982 zählte er zu den wenigen Sozialdemokraten, die den Nato-Doppelbeschluss verteidigten, was ihm innerparteilich viel Kritik einbrachte. 1985 trat er als Spitzenkandidat in Berlin an, verlor aber gegen Eberhard Diepgen von der CDU. Insgesamt war Apel 25 Jahre als Bundestagsabgeordneter tätig, 1990 schied er aus dem Parlament aus. Danach veröffentlichte er Bücher und unterstütze im Aufsichtsrat seine große Liebe, den FC St. Pauli. Der 1932 geborene Apel starb am 6. September in seiner Heimatstadt nach zweijähriger Krankheit.
Richard Hamilton
So erfolgreich kann Weiß sein: Der britische Künstler Richard Hamilton entwarf das Cover der Beatles-Platte White Album (1968). Hamilton, geboren 1922 in London, gilt als Pionier der Pop-Art. Der studierte Maler, der beruflich auch mit Werbung und Industriedesign gearbeitet hatte, wurde 1956 berühmt: Seine Collage Just What Is It that Makes Today’s Homes So Different, So Appealing? zeigt ein fitnessorientiertes Paar in einem Wohnzimmer. Hamilton brachte damit als einer der ersten die Plakat- und Werbewelt in die Kunst. Auch in seinen späteren Werken beschäftigte er sich mit Lebens- und Technikkultur. Rohstoff seiner Collagen waren Fotografien, Plakate, Fernsehspots und Kitsch-Gegenstände, die er mit Darstellungen von Innenräumen, Akten, Stillleben oder Porträts verband. Künstler-Kollegen wie Joseph Beuys und Andy Warhol bewunderten ihn. Richard Hamilton stand auf der Shortlist für den Turner-Preis (1988). Im Jahr 2007 wurde er mit dem Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Am 13. September starb er, mitten in der Arbeit an einer Retrospektive, die 2012 in Großbritannien, Spanien und den USA zu sehen sein soll.
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Burhanuddin Rabbani
Als Vorgänger von Hamid Karsai im Präsidentenamt Afghanistans hatte er eine wenig rühmliche Rolle gespielt. Burhanuddin Rabbani gehört einst zu den ersten Mudschahedin, die gegen die Sowjets kämpften. Nach deren Abzug war er von 1992 bis 1996 Präsident Afghanistans und gleichzeitig Mitstreiter im grausamen Bürgerkrieg, den die Taliban am Ende gewannen. Der Krieg legte die Hauptstadt Kabul in Schutt und Asche, Tausende Menschen starben; Rabbani selbst wurde verschiedener Kriegsverbrechen beschuldigt. Danach wurde er Mitbegründer der Nordallianz, einem Bündnis von Warlords und Drogenbaronen, das gegen die Taliban kämpfte. Unter Karsai schließlich sollte er Friedensvermittler im Taliban-Aufstand werden, doch die Taliban dürften wenig Interesse an ihrem ehemaligen Kriegsgegner gehabt haben. Im Gegenteil: Wahrscheinlich waren sie es, die den 71-jährigen am 20. September töten ließen. Ein Konkurrent weniger für die Nach-Nato-Zeit.
Ralph Steinman
Ein Wissenschaftler, der zweimal Geschichte geschrieben hat. Ralph Steinman war der Entdecker der dendritischen Zellen und der erste Nobelpreisträger, der nach seinem Tod geehrt worden ist. Letzteres sollte nie passieren, denn die Statuten des Nobelkomitees schließen eine posthume Zuerkennung strikt aus. Doch als die Jury am 3. Oktober 2011 in Stockholm vor die Fernsehkameras tritt, ahnt sie nicht, das Steinman bereits drei Tage zuvor in New York den Kampf gegen seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs verloren hat. 1973 entdeckte der Immunologe die dendritischen Zellen. Zunächst von Kollegen verspottet, kann Steinman zeigen, dass die Zellen unersetzlich sind, um das Immunsystem zu alarmieren, sobald Krankheitserreger sich im Körper tummeln. Bis zu seinem Tod versuchte Steinman die Fähigkeiten der Zellen zu nutzen und entwickelte mit Forscherfreunden eine Impfung gegen seinen Tumor – vergeblich. Ralph Steinman wurde 68 Jahre alt.
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Steve Jobs
An Steve Jobs scheiden sich die Geister. Die einen sahen in ihm einem Gott, die anderen nur einen Papst. Der als cholerisch geltende Apple-Mitgründer hat den Wert des Unternehmens auf weit über 300 Milliarden Dollar gesteigert und es damit zum wertvollsten der Welt gemacht. Bedeutender aber sind die techno-kulturellen Veränderungen, die er ausgelöst hat: Mit dem iPod und iTunes erfand Jobs den Musikmarkt neu, mit dem iPhone ebnete er dem mobilen Internet und damit dem permanente Onlineleben den Weg. Und mit dem iPad und dem App-Modell, glauben nicht wenige, hat er das Ende der Ära des stationären Computers eingeläutet. Seine Kompromisslosigkeit hat Steve Jobs nie besser erklärt als in seiner Rede an der Stanford University im Jahr 2005. "Eure Zeit ist begrenzt, lebt nicht das Leben eines anderen ... Bleibt hungrig. Bleibt tollkühn." Jobs, geboren im Februar 1955, starb am 5. Oktober 2011.
Karl Wienand
Er gehörte einmal zum inneren Zirkel der Mächtigen Deutschlands. Von 1967 bis 1974 war der SPD-Politiker Karl Wienand Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei. Er war Strippenzieher und Einpeitscher, diente loyal seinem Fraktionschef Herbert Wehner und den beiden Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt. In Bonn lief nahezu nichts ohne ihn, schreibt Brandt-Berater Klaus Harpprecht, Kanzler Schmidt hat ihn den besten SPD-Manager jemals gelobt. Wienands Leben war von früher Jugend an hart. In Armut aufgewachsen, beinamputiert und schwer verletzt aus dem Krieg heimgekehrt, später Krankheit und Todesfälle in seiner von ihm gegründeten Familie. Und nicht zuletzt: Zahlreiche politische und wirtschaftliche Affären, in die er verwickelt gewesen sein soll. Nach der Politik wurde er zum erfolgreichen Unternehmensberater, saß wegen Bestechungsverdachts aber auch drei Monate im Gefängnis. Er starb am 10. Oktober im Alter von 84 Jahren.
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Muammar al-Gadhafi
Zum Schluss wurde er gejagt, wie ein Tier: Nato-Flugzeuge setzten seinen Fluchtkonvoi unter Feuer, worauf sich der Ex-Diktator in einem Abwasserrohr versteckte, aus dem ihn die Rebellen-Milizionäre dann, offenbar schwer verletzt, hervorzerrten. Wenig später töteten sie Gadhafi an einem unbekannten Ort, danach wurde er im Kühlraum eines Supermarktes aufgebahrt, wo das Volk sich den verhassten Diktator noch einmal anschauen konnte. Derart entwürdigt können Diktatoren enden. Der 1942 geborene Muammar al-Gadhafi hatte seit 1969 rücksichtslos und grausam über das Nomadenland geherrscht. Reichlich Öl gab ihm die finanziellen Möglichkeiten dazu. Gefürchtet war er international als Terrorunterstützer. Er war unberechenbar und wirkte verrückt, was er aber wohl nicht war, eher machtversessen. Am Ende fehlte es ihm dann doch an Realitätsbewusstsein, die Arabische Revolte machte auch vor ihm nicht Halt.
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Joe Frazier
Der US-Amerikaner Joe Frazier war einer der bedeutendsten Boxer der Geschichte. Legendär wurde der Weltmeister und Olympiasieger im Schwergewicht durch seine drei Kämpfe gegen Muhammad Ali. Im März 1971 bezwang er ihn in New York, Box-Fans gilt dieses Duell als Kampf des Jahrhunderts. Im Oktober 1975 unterlag er Ali im "Thrilla in Manila", dem wohl härtesten Boxkampf aller Zeiten. Fraziers Trainer warf vor der letzten Runde das Handtuch, beide Boxer waren zu diesem Zeitpunkt dem Tod nahe, Ali brach noch im Ring zusammen. Die beiden schwarzen Box-Idole Frazier und Ali waren gegensätzlich und verfeindet, erst im Alter versöhnten sie sich. Am 7. November ist Frazier in Philadelphia 67-jährig gestorben. Bei der Trauerfeier erhob sich der parkinsonkranke Ali für seinen Rivalen, der ihm so viel wie kein Zweiter abverlangt hatte.
Franz Josef Degenhardt
In der Zeit der wirtschaftswundersatten BRD war der Sänger Franz Josef Degenhardt einer ihrer hartnäckigsten Ruhestörer. Seine bösen, sarkastischen Lieder waren die Begleitmelodie einer sich politisierenden Generation in den sechziger und siebziger Jahren, Sozialkritik als Protestmusik, als Verweigerung am herrschenden autoritären Zeitgeist. Degenhardt, geboren 1931, war Kommunist, er flog aus 1971 aus der SPD, wurde einige Jahre später DKP-Mitglied. Als Liedermacher wirkte er bis heute in die deutschsprachige Popmusik. Als Literat, als der er weniger bekannt war, verfasste Degenhardt etliche Romane. Am 14. November verstarb er im Alter von 80 Jahren. Von seinen Lieder bleibt nicht nur das Politische. Auch das Menschliche.
Georg Kreisler
Taubenvergiften im Park, ein Klassiker aus der Studenten-WG. Wer ihn darauf reduziert, verkennt den großen Liedermacher und Kabarettist Georg Kreisler. Denn er war nicht bloß der Wiener Grantler, der Schwarzhumorist wider die Sacherschnittenmentalität. "Auf keinen Fall bin ich Österreicher," schrieb er 1996 und traf damit eine deutliche politische Aussage, die auch schon in seinen Nichtarischen Arien 1966 angeklungen war. Er war 1922 in Wien in eine jüdische Familie geboren worden und 1943 in die USA emigriert. 1955 kehrte er zurück nach Europa, die große Anerkennung und Unterstützung durch österreichische Kulturinstitutionen blieben ihm jedoch verwehrt. Zuletzt lebte er in Salzburg, wo er kurz nach seinem 89. Geburtstag im Sommer die ZEIT-Redakteure Peter Kümmel und Sabine Rückert zum ausführlichen Interview empfing. "Das Alter ist manchmal unangenehm, aber andere Sachen sind auch unangenehm," sagte er noch. Am 22. November ist er verstorben.
Christa Wolf
Der 1. Dezember war ein trauriger Tag für die Literatur. An diesem Tag starb Christa Wolf, die Schriftstellerin und Zweiflerin. Ihre Bücher waren eng mit dem Leben in der DDR verknüpft, mit ihrem eigenen Leben. Wolf, geboren 1929 in Landsberg, war Sozialistin und SED-Mitglied. Ihre Prosa waren Selbstbefragungen und Selbstfindungsversuche, die vom Verhältnis zwischen der sozialistischen Gesellschaft und der individuellen Existenz geprägt war. In Nachdenken über Christa T. (1968), einem kaleidoskopisch angelegten Roman wurde dieser Zwiespalt am deutlichsten, den sie fortan in ihrer Literatur verarbeiten sollte. In BRD und DDR las man sie als Oppositionelle. Ihre Erzählungen Kassandra und Kein Ort. Nirgends wurden zu den beliebtesten Bücher westdeutscher Intellektueller. Als ihre Tätigkeit als IM für die Stasi bekannt wurde, verlor sich die Bewunderung einige Zeit. Ihre Werke, sie bleiben.
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Kim Jong Il
Zu den wenigen verbliebenen Diktatoren-Dynastien dieser Welt gehören die Kims aus Nordkorea. Als Republikgründer Kim Il Sung 1994 starb, folgte ihm sein Sohn Kim Jong Il. Wie sein Vater führte er den Steinzeit-Kommunismus à la Stalin fort, verbunden mit einem mystisch-absurden Personenkult. In seine Zeit fallen der rapide Verfall der Wirtschaft und eine aggressive Raketen- und Atompolitik. Er versetzte seine westlich orientierten Nachbarn Südkorea und Japan in Angst und Schrecken, als er Atommaterial zündete und später eine südkoreanische Insel beschießen ließ. Sein Volk musste hungern, während Kim lieber Waffen bauen ließ. 2008 soll er einen schweren Schlaganfall erlitten haben, er war lange Zeit nicht an der Öffentlichkeit. Danach installierte er noch seinen Sohn Kim Jong Un als Nachfolger, bevor er am 17. Dezember starb, auf einer Zugfahrt an einem Herzinfarkt.
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Václav Havel und Jiří Dienstbier
Das Amt, durch das er sein Land jahrelang prägte, dieses Amt wollte er eigentlich gar nicht. Das Volk aber wollte ihn. "Havel auf die Burg", skandierten die Menschen damals, 1989, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Und Václav Havel, zog ein, in die Prager Burg, den Amtssitz des Staatsoberhauptes. Immer wieder wunderte er sich darüber, dass er, der Dichter und Dissident, nun in der Politik gelandet war, und vielleicht deshalb nannte er sich selbst einen "unpolitischen Politiker". Bis 1993 war Havel Präsident der Tschechoslowakei, nach der Trennung der beiden Länder bis 2003 Staatsoberhaupt der Tschechischen Republik. Mit Erfolg führte er sein Land an den Westen heran. Unterstützt wurde er dabei bis 1992 von Außenminister Jiří Dienstbier, einer seiner Mitstreiter aus der Bürgerrechtsbewegung Charta 77. Beide, Havel und Dienstbier, hatten in den 70er Jahren das kommunistische Regimes angeprangert. Beide mussten dafür jahrelang ins Gefängnis. Beide starben in diesem Jahr. Dienstbier am 8. Januar im Alter von 73 Jahren, Havel am 18. Dezember im Alter von 75 Jahren.
Horst-Eberhard Richter
Als Psychoanalytiker verstand Horst-Eberhard Richter seine Arbeit immer auch als Instrument der gesellschaftlichen Aufklärung. Er war ein Pionier der Familientherapie und befasste sich mit der krankmachende Wirkung gestörter Eltern auf ihre Kinder. Von 1992 bis 2002 leitete Richter das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main. Gleichzeitig wurde er zu einer Leitfigur der deutschen Friedensbewegung, nahm an Demonstrationen und Sitzblockaden teil. 1982 wurde er zum Mitgründer der westdeutschen Sektion der "Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges". Mit seinem 1979 erschienenen kulturphilosophischen Werk Der Gotteskomplex zur Ohnmachtsangst und dem Allmachtswahn in einer wissenschaftlich-technischen Welt wurde Richter einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Er starb am 19. Dezember im Alter von 88 Jahren.
Werner Otto
Werner Otto zählt zu den prägenden deutschen Unternehmern des 20. Jahrhunderts, sein "Otto-Katalog" liegt bis heute millionenfach in Haushalten. 1949 gründete der gelernte Kaufmann mit 40 Jahren in Hamburg den Otto-Versand. Er war zwar nicht der erste, der Waren auf Bestellung verschickte. Doch erstmals lieferte er auf Rechnung, nicht ausschließlich per Nachnahme. Heute zählt das Unternehmen zu den weltgrößten Handelskonzernen. Otto betätigte sich außerdem vielfach als Mäzen für soziale und kulturelle Ziele: Er gründete eine Stiftung und finanzierte die Restaurierung baufälliger Gebäude in Brandenburg. 1984 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, zum 100. Geburtstag im August 2009 wurde er Ehrenbürger der Stadt Berlin. Dort starb er am 21. Dezember im Alter von 102 Jahren.
© Johannes Simon/Getty Images
Johannes Heesters
Sein Leben fand auf der Bühne statt: Johannes Heesters war der älteste aktive Schauspieler der Welt. Man kannte ihn als Dandy mit Zylinder und Seidenschal, ein Bild, das auf seine Paraderolle als Graf Danilo in Die Lustige Witwe zurückgeht. Mehr als 1.600 Mal hat Heesters sie gespielt, zum ersten Mal 1938 im Theater am Münchner Gärtnerplatz. Dorthin gelangte der am 5. Dezember 1903 im holländischen Amersfoort geborene Tenor und Schauspieler über Engagements in Amsterdam, Brüssel und Wien. Ufa-Produktionen wie Der Bettelstudent (1936) machten Heesters in Deutschland zum gefeierten Leinwandstar – ein Status, den er auch während der Kriegsjahre behielt. Der Ärger, vor allem der niederländischen Öffentlichkeit, über seinen Erfolg mit deutschen "Ablenkungsfilmen" begleitete Heesters ein Leben lang. In Deutschland spielte er jahrzehntelang erfolgreich in Theater-, TV- und Filmproduktionen. Während die Öffentlichkeit ihn zuletzt vor allem als lebende Legende feierte, wollte er selbst immer nur eines sein: Schauspieler. Am 24. Dezember starb Johannes Heesters. Er wurde 108 Jahre alt.
James Rizzi
Es gibt nicht viele Künstler, deren Technik gleichzeitig ein Markenzeichen ist. James Rizzis 3D-Bild-Skulpturen gehören zu jenen Werken, die auch ein Kunstlaie unmittelbar ihrem Schöpfer zuordnen kann, so markant sind sie in ihrer Kunterbuntheit. Schon während seines Kunststudiums in den 1970er Jahren in Florida entwickelte James Rizzi die charakteristische Methode, aus seinen naiven und an Kinderzeichnungen erinnernden Bildern einzelne Motive auszuschneiden und voreinander zu montieren, sodass beim Betrachter ein dreidimensionaler Eindruck der Arbeit entstand. Nach ersten Ausstellungen in New York erlangte Rizzi rasch internationale Popularität. Er galt als jüngerer Vertreter der Pop-Art und gestaltete allerlei Alltagsgegenstände im Auftrag zahlreicher Markenunternehmen: Porzellan-Geschirr für Rosenthal, eine Kühlschranktür für Liebherr, ein Flugzeug für Condor und als erster lebender Künstler vier Briefmarken für die Deutsche Post. Seine große Beliebtheit nutzte er auch für gemeinnützige Projekte. So unterstützte er Opfer des Hurrikans Katrina und hilfsbedürftige Kinder. Die lagen ihm stets besonders am Herzen, teilte er doch in seiner Kunst mit ihnen die Fröhlichkeit und den Optimismus. Am 26. Dezember starb James Rizzi im Alter von 61 Jahren in seinem Atelier in New York.
- Datum 28.12.2011 - 15:11 Uhr
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Schön zu sehen, dass solche Verbrecher wie Muammar al-Gadhafi
hier aufgeführt sind und wirkliche Genie`s wie Luwig Hirsch ausgeklammert werden. Danke an die Redakteure.
dort sind so viele http://de.wikipedia.org/w...
... und noch viele andere http://de.wikipedia.org/w... .... und denken sie an die, von denen wir nie gehört haben ....
ein friedliches 2012 für sie
froehlichkeit
Der Prolog gibt den Schein, dass Steve Jobs in irgendeiner weise schätzenswert sei, doch ist das völlig daneber gegriffen und sollte -wenn- dann in der zweiten Aufzählung vorkommen.
Warum?
Weil er ein eiskalter Ausbeuter ist, der für seine Interessen, Ideen und "Visionen" über Menschenleichen ging und Arbeiter unwürdig ausbeutete. Die Rendite war wichtiger...
Wie viel Lohn steckt in dem Preis für ein Apple-Produkt, die mit einem angebissenen, nicht vollkommenen Apfel gut makiert ist und wie viel des Preises kommt als Gewinn für die Anteilseigner raus?
Gewerkschaften und Staaten können der Ausbeutung von Multinationalen Konzernen nichts anhaben. Veränderung kommt ganz allein aus der Führungsebene eines Konzernes. Und da war er!
Seine skrupellosigkeit erinnernt mich geradezu an die Raketeningenieure vor 80 Jahren.
Solang man erfolgreich ist, wen kümmerts?
Gruß an Wernher von Braun und Steve Jobs. Ihr werdet euch verstehen.
habe ich die verstorbene Vera F. Birkenbihl, die sicher mehr Vorbild ist als manch andere der hier genannten.
zu Hans Apel: Eberhard Diepgen, nicht Klaus Diepgen
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