Benedikt XVI."Weihnachten ist zu einem Fest der Geschäfte geworden"

Papst Benedikt XVI. hat mit Tausenden Gläubigen am Heiligen Abend die Christmette gefeiert. In seiner Predigt kritisierte er die Fixierung auf das Materielle, das Messbare und Greifbare. von AFP und dpa

Papst Benedikt XVI. während der Weihnachtsmesse in der St. Peter's Basilika im Vatikan

Papst Benedikt XVI. während der Weihnachtsmesse in der St. Peter's Basilika im Vatikan  |  © Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Gemeinsam mit Tausenden Gläubigen hat Papst Benedikt XVI. am Heiligen Abend die Christmette im Petersdom gefeiert. In seiner Predigt rief er zur Abkehr von Gewalt und Materialismus auf. "Heute ist Weihnachten zu einem Fest der Geschäfte geworden, deren greller Glanz das Geheimnis der Demut Gottes verdeckt." Er forderte die Gläubigen bei dieser Feier zur Geburt Jesu auf, hinter den glänzenden Fassaden unserer Zeit "die wahre Freude und das wirkliche Licht zu entdecken".

Starke Sicherheitsvorkehrungen während der Messe sollten einen Vorfall wie vor zwei Jahren verhindern, als eine verwirrte Frau sich kurz vor der traditionellen Weihnachtsmesse auf Benedikt stürzen und ihn zu Boden reißen konnte. Benedikt fuhr erneut, wie erstmals im Oktober, auf einem rollenden Podest im Mittelgang zum Altar.

Weiter forderte der Papst, vom hohen Ross des aufgeklärten Verstandes herunterzusteigen und die Fixierung auf das Materielle, das Messbare und Greifbare abzulegen: "Wir müssen unsere falschen Gewissheiten, unseren intellektuellen Stolz ablegen, der uns hindert, die Nähe Gottes zu suchen." Der niedrige Eingang der Geburtskirche Jesu in Bethlehem lehre: "Wir müssen uns herunterbeugen, sozusagen geistig zu Fuß gehen, um durch das Portal des Glaubens eintreten zu können."

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Alle Menschen sollten gemeinsam mit Gott Friedensstifter sein, so Benedikt zur Botschaft von der Geburt Jesu. Er bat Gott darum, "dass Treiberstöcke, die blutbefleckten Mäntel und die dröhnenden Stiefel verbrannt werden und dein Friede siegt in dieser unserer Welt". Darüber hinaus rief das Oberhaupt der katholischen Kirche die weltweit 1,1 Milliarden Katholiken zur Solidarität mit Armen und Einwanderern auf.

Auf dem Petersplatz verfolgten Gläubige und Touristen die von TV-Sendern in 60 Länder übertragene Messe auf Videoleinwänden. Benedikt hatte zuvor die große Weihnachtskrippe neben dem Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz gesegnet und ein Friedenslicht im Fenster des Apostolischen Palastes angezündet. Die Christmette war wie in den beiden Vorjahren früher als sonst angesetzt, um dem 84-jährigen Papst mehr Ruhe und Schlaf vor der Weihnachtsbotschaft und dem Segen Urbi et Orbi am Sonntag zu geben.

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Leserkommentare
    • Gerry10
    • 25. Dezember 2011 10:42 Uhr

    ...wer sich als Weihnachtsverweigerer outet, wird unweigerlich für den Verfall der Wirtschaft verantwortlich gemacht, ja, wer keine Geschenke kauft, der macht eh schon unterbezahlte EinzelhandelsverkäuferInnen arbeitslos.
    Würde man das kommerzielle Weihnachten abschaffen wären zehntausende Menschen arbeitslos - wenn nicht mehr.
    Natürlich ist es schon ironisch, daß ausgerechnet die Geburt Jesus - die sich geraden wegen der ihrer Schlichtheit und Armut auszeichnet - zum Fest des Konsums verkommen ist.
    Aber dieser Konsumwahn ist im Vergleich zum Weihnachtsfest sehr neu und verschwindet vielleicht auch wieder.

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    ... ist der Konsumwahn ja bereits in der Bibel angelegt:

    Immerhin wird uns — wohl zur Verdeutlichung der angeblichen Wichtigkeit Jesus' — davon berichtet, dass die "Heiligen Drei Könige" Gold, Weihrauch und Myrrhe mitbrachten. Ganz schön materialistisch!

    • Otto2
    • 26. Dezember 2011 20:54 Uhr

    jedes Jahr zu Weihnachten beklagen. Es wird sich nicht mehr ändern. Das liegt außerhalb seiner Macht. Die meisten Menschen machen anderen Nahestehenden gerne eine Freude und schenken - egal aus welchem irgendwie überkommenen Anlass.
    Die Kirche hat es doch auch so gemacht! Ursprünglich ein heidnisches Fest (teilweise schon vor viel mehr als 2011 Jahren). Jetzt ist es für viele Menschen ein Familienfest oder gar kein Fest. So wie die Kirche einst "heidnische" Bräuche für ihre Bräuche "recykelte", so machen es seit Generationen Millionen Menschen nicht nur in Deutschland indem sie Weihnachten feiern, ohne religiöses Denken damit zu verbinden. Manche singen sogar die schönsten Weihnachtslieder voll Inbrunst ohne religiöse "Hintergedanken". Die Welt ist halt so!

  1. alles, was Herr Ratzinger über Weihnachten sagt, läßt sich auch über seine Kirche sagen.

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    Genau das habe ich auch gedacht! Papstwort für Papstwort sollte sich die Kirche selbst hinter die Ohren schreiben und - Buße TUN!
    Wie immer predigen sie Wasser und trinken selbst den Wein.

  2. Kann man nicht auch glauben und gleichzeitig in anderen Fragen Gewissheit haben?

    Eine Leserempfehlung
  3. schließlich sind die Geschenke an den gekaperten Feiertagen Weihnachten, Nikolaustag und Ostern doch eines der größten Mittel, Kinder zum Christentum zu locken.

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    • _bla_
    • 25. Dezember 2011 11:19 Uhr

    Das ist ganz leicht zu verstehen, sie müssen lediglich aufhören von falschen Voraussetzungen auszugehen. Denn es geht dem Papst nicht einfach darum möglichst hohe Mitgliederzahlen oder Einnahmen zu erzielen sondern eben um die Verkündigung der frohen Botschaft.

    Auch an vielen anderen Punkten ist doch das Verhalten des Papstes völlig kontraproduktiv, wenn es einfach nur darum geht, möglichst viele Mitglieder zu gewinnen: Bspw. sind Zölibat und die Sexualmoral völlig kontraproduktiv, die katholische Kirche könnte wesentlich beliebter sein, würde sie hier etwas ändern.

  4. seit Menschengedenken sowas ähnliches gesagt und gefordert?

    Und was halten die Gläubigen davon?

    • orca888
    • 25. Dezember 2011 11:10 Uhr

    füge noch folgendes bei und es ist sogar historich wahr:
    Mit Kreuzzügen und Volksverdummung nur gewaltsam die Völker
    zum Wechsel des Glaubens gezwungen.
    VORBILD für das heutige Handeln, der heutigen, sogenannten
    Obrigkeit.
    Verheimlichung ihrer Taten, ist immer noch die übliche Praxis.
    RELIGIONEN und GLAUBEN, egal welchen Coleurs, hat der Menschheit bisher immer nur das Gegenteil von Frieden
    gebracht.
    Das menschliche Wesen sollte sich auf seine eigene Selbstbestimmung und Selbstbewußtsein besinnen und alles tun, daß er dieses ZIEL erreicht.
    GLAUBEN HEIßt: "NICHT WISSEN"

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    • _bla_
    • 25. Dezember 2011 11:41 Uhr

    "RELIGIONEN und GLAUBEN, egal welchen Coleurs, hat der Menschheit bisher immer nur das Gegenteil von Frieden gebracht."

    Dann hat also die sehr wichtig Mitwirkung der Kirchen beim Sturz der diktatorischen Regime in der DDR und Polen uns also mitten in den Krieg gestürzt? Dann hat ein Desmond Tutu also mitgeholfen Südafrika direkt in den Krieg zu stürzen anstatt eine wichtige Rolle bei der Abschaffen der Apartheid zu spielen?

    Was Sie schreiben ist schlicht historischer Unfug, die Geschichte ist weit komplexer als ihr einfaches Schwarz/Weiß Bild. Religionen und Glauben waren oft sehr hilfreich für den Frieden und nicht mal die Kreuzzüge lassen sich in ihr Schwarz/Weiß Schema pressen. Hingegen waren viele Versuche, Glauben und Kirche abzuschaffen äußerst grausam und blutig.

    "GLAUBEN HEIßt: "NICHT WISSEN""

    Nein, "glauben" im religiösen Sinn heißt eher "Vertrauen haben in". Die Bedeutung von glauben in bspw. "Ich glaube an Gott" ist am ehesten zu Vergleichen mit "Ich glaube an meine Frau" als an "Ich glaube das es morgen regnen wird."

    ...das scheint bei vielen Menschen die gängige Meinung zu sein. Ich persönlich bin zwar auch alles andere als gläubig, kann Ihnen aber versichern, dass selbst Religion viele positive Aspekte beeinhaltete.
    Besonders in der Antike und im frühen Mittelalter übernahm Religion gesellschaftsstabilisierende Aufgaben, die den bürokratischen Staatsapparat teils erheblich entlastete.
    Das Römische Reich bspw wäre möglicherweise ohne den Einfluss des neuen Christentums früher auseinandergefallen.
    Und was man nicht vergessen sollte. Meiner Meinung nach muss man Religion per se und das was die Menschen daraus basteln (wie die Kirchen) und wie sie die diese leben und interpretieren unterscheiden. Der Mensch in seiner Unvollkommenheit beutet nämlich irgendwann alles aus.
    Religion ist nämlich deutlich häufiger missbraucht worden als dass er selbst andere geschädigt hat.

    "RELIGIONEN und GLAUBEN, egal welchen Coleurs, hat der Menschheit bisher immer nur das Gegenteil von Frieden
    gebracht."

    nicht ganz korrekt.
    es betrifft lediglich die monotheistischen religionen (die es-gibt-nur-einen-gott-und-zwar-meinen-und-der-ist-der-einzige-richtige-Religionen).

  5. hat Benedikt leider Recht. Aber es liegt an jedem Einzelnen, ob er die Geburt des Herrn zu einer Konsumschlacht verkommen lässt, oder ob er es in Eintracht mit seinen Lieben in echter Gemütlichkeit und besinnlicher Atmosphäre feiert.
    @"Mitbürger2"

    Es tut mir sehr leid für Sie, dass Sie offenbar jeglichen Glauben an Gott und die Kirche durch die Taten Einzelner verloren haben. Vielleicht sollten Sie sich selbst einmal fragen, ob man für seinen Glauben an Gott und seinen Sohn wirklich die Unterstützung der Kirche benötigt, oder ob man nicht vielleicht im Privaten Zwiesprache mit seinem Herrgott halten kann, ohne einen Mann der Kirche als "Relais" dazwischen...

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    Ich finde es auch ziemlich tragisch, wenn man den christlichen Glauben an den von Menschen geschaffenen Institutionen festmacht. Diese haben mit der frohen Botschaft sehr wenig zu tun. Kurz gesagt, lass den Papst Papst sein und die katholische Kirche ihre antike Struktur behalten. Wichtig ist nur welche Beziehung und Einstellung man persönlich zu den Kernaussagen (Bergpredigt, etc.) im NT entwickelt. Dafür braucht es keine evangelische, orthodoxe, katholische oder sonstige Institution, sondern man ist selbst gefordert. Von vornherein zusagen, das gesamte Christentum ist Mist, weil eine Menge Leute das für ihre Zwecke auf blutige Weise mißbraucht haben, wird vielen Gläubigen von heute nicht gerecht. Wenn Vertreter der Institutionen Kirche Kritik an unserer konsumfixierten Welt üben, dann ist das Ok und ich sage, ja die haben Recht. In anderen Punkten sollte man die Kirchen schon kritisieren.

    • medwed
    • 25. Dezember 2011 15:35 Uhr

    „Vielleicht sollten Sie sich selbst einmal fragen, ob man für seinen Glauben an Gott und seinen Sohn wirklich die Unterstützung der Kirche benötigt, oder ob man nicht vielleicht im Privaten Zwiesprache mit seinem Herrgott halten kann, ohne einen Mann der Kirche als "Relais" dazwischen...“. Ich bin zwar nicht der, dem Sie geantwortet haben, empfinde aber gleich wie Mitbürger2.

    Es muss Ihnen nicht leid tun, dass ich den Glauben verloren habe. Im Gegenteil, mir tun Sie leid, dass Sie immer noch an dieser komischen Sache festhalten. In einem sehr gläubigen Umfeld aufgewachsen, hatte ich viele Jahre große Mühe, dazu zu stehen, vom Geschichtenbuch „Bibel“ nicht viel zu halten, vom Glauben noch weniger und von einem Gott und Jesus – oder wie sich die Protagonisten alle nennen – gar nichts. Aber seit ich offen dazu stehen kann, fühle ich mich befreit und rundum wohl und glücklich. Nein, H. Smith, es muss Ihnen wahrlich nicht leid tun, dass ich den Glauben verloren habe, seither nämlich geht es mir richtig gut. Ich hoffe sehr, nie einen Rückfall erleiden zu müssen.

    Weihnachten feiere ich trotzdem, weil ich das traute Zusammensein mit meiner Familie mag und den geschmückten Tannenbaum sowie mit Geschenken Freude zu bereiten schön finde. Warum Weihnachten gefeiert wird, ist mir – sorry – herzlich egal.

    • _bla_
    • 25. Dezember 2011 11:19 Uhr

    Das ist ganz leicht zu verstehen, sie müssen lediglich aufhören von falschen Voraussetzungen auszugehen. Denn es geht dem Papst nicht einfach darum möglichst hohe Mitgliederzahlen oder Einnahmen zu erzielen sondern eben um die Verkündigung der frohen Botschaft.

    Auch an vielen anderen Punkten ist doch das Verhalten des Papstes völlig kontraproduktiv, wenn es einfach nur darum geht, möglichst viele Mitglieder zu gewinnen: Bspw. sind Zölibat und die Sexualmoral völlig kontraproduktiv, die katholische Kirche könnte wesentlich beliebter sein, würde sie hier etwas ändern.

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    Wenn Ihre Prämisse richtig ist, der Papst also wirklich vor allem die "Frohe Botschaft" verkünden will, dann haben Sie natürlich recht.

    Genau dies bezweifle ich aber. Die genannten Beispiele scheinen zwar nicht schlecht, wirken aber nur im mitteleuropäischen Kulturraum; konservative Äußerungen führen in anderen Ländern dagegen zu deutlich mehr Beliebtheit und Mitgliederzahlen. Auch das Beispiel der Sexualmoral kann hier nicht greifen, führt die doch zu vielen Kindern (ohne Familienplanung) in Verhältnissen, in denen Traditionen weitergehen können.

    Oder, mal aufs ganz Basale: davon ausgehend, daß die "frohe Botschaft" des Christentumes vor allem Nächstenliebe und Gottvertrauen beinhaltet, fällt es mir schwer, Entsprechungen dessen in des Papstes Biographie oder Kirchenpolitik zu finden. Die Gewalt, die die katholische Kirche weltweit ausübt, ist durch den Papst nicht gerade gesunken. Wollte er Primär die frohe Botschaft verkünden, so könnte er doch Schluß machen mit Zwangsmissionierungen oder einfach mal die Machtverstrickungen der Kirche in Südamerika aufbrechen. Oder Aidsprävention erlauben.

    Oder einsehen, daß das Papsttum selber so ziemlich das Gegenteil darstellt zu dem, was vom historischen Jesus überhaupt noch überliefert ist.

    Leider ein zu komplexes Thema, um es hier in 1200 Zeichen gebührend zu behandeln.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Katholische Kirche | Fest | Geburt | Messe | Papst | Petersdom
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