ÄthiopienZwei Deutsche unter den getöteten Touristen

Im Nordosten Äthiopiens ist eine Reisegruppe überfallen worden. Mehrere Touristen starben, darunter mindestens zwei Deutsche. Die Region gilt als gefährlich. von afp, dpa und reuters

Bei einem Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien sind nach Angaben des äthiopischen Fernsehens fünf Touristen getötet worden. Darunter sind nach Angaben der äthiopischen Regierung auch zwei Deutsche. Die weiteren Opfer sind demnach ein Österreicher und zwei Ungarn . Anders lautende Meldungen wurden damit korrigiert.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat inzwischen bestätigt, dass durch den Überfall zwei Deutsche getötet worden sind. "Ich muss Ihnen leider auch mitteilen, dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt ist", erklärte Westerwelle in Berlin.

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Zwei Touristen sollen verletzt worden sein, einer habe entkommen können, berichtete das Staatsfernsehen. Das äthiopische Militär habe die Verwundeten in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht. Es werde vermutet, dass eritreische Rebellen hinter der Attacke stecken.

Das Auswärtige Amt bemüht sich um sichere Informationen. "Hinweisen auf den Überfall auf eine Reisegruppe mit deutschen Staatsangehörigen in Äthiopien wird nachgegangen", sagte ein Sprecher. Man sei mit Hochdruck um Aufklärung des Sachverhalts und des Schicksals der deutschen Staatsangehörigen bemüht. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet.

Nachdem das österreichische Außenministerium zunächst bestätigte nur einen Überfall bestätigte, sagte nun der österreichischen Außenministers Michael Spindelegger , dass die Reisegruppe in einem militärischen Sperrgebiet unterwegs war. Ein Sprecher sagte zuvor: "Unsere Botschaft in Addis Abeba wurde heute von den deutschen Kollegen beziehungsweise von den deutschen Reiseveranstaltern darüber informiert, in der Nacht auf heute überfallen worden ist."

Auswärtiges Amt warnt vor Überfällen

Der Überfall ereignete sich an der eritreischen Grenze, berichtete das Fernsehen, nach Zeitungsberichten in der Nähe des Vulkans Erta Ale in der Danakil-Wüste. 

Die Mehrzahl der Touristen soll über einen deutschen Reiseveranstalter gebucht haben. Österreich und Deutschland warnen schon seit längerem vor Reisen in die Region, weil es in dem Gebiet zu Überfällen und Entführungen kommen kann.

Die Region ist eine der heißesten und ärmsten der Erde und wird von dem Nomadenvolk der Afar bewohnt. In dem Gebiet waren 2007 fünf europäische Geiseln – vier Briten und eine Französin – entführt worden und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Reisegruppen.

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Leserkommentare
  1. Wer auch nur einen Funken Ahnung hat von den Zuständen, die ja nicht erst seit gestern im Grenzgebiet Äthiopien/Eritrea herrschen, ist nicht so dumm, dort auch nur einen Fuß hinzusetzen. Die Verantwortlichen des Reiseunternehmens gehören wegen Fahrlässigkeit zur Rechenschaft gezogen. Für Kosten, die für eventuelle Rettungsmaßnahmen entstehen, hält sich der Staat hoffentlich bei den Hasadeuren schadlos.

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    Und stimme auch ibn_ruschd zu.
    Über Reisen in die Randzonen von Äthiopien wurde immer schon gewarnt. Ich selbst habe Äthiopien als sehr interessantes Land erlebt und denke, dass sich daran nichts geändert hat.

    • xpeten
    • 18. Januar 2012 11:12 Uhr

    Sie können sich wieder abregen. Das hier hat mit Dummheit nichts zu tun. Die Leute, die Sie hier denken belehren und kritisieren zu können, werden es ganz sicher traurig finden, dass soziale Ungleichheit, religiöse Fanatiker und sture Missionare die Welt zu einem solch unsicheren Platz gemacht haben, sie werden sich aber nicht weiter darüber beschweren, wenn in "gefährlichen Regionen" Leute verschwinden und umgebracht werden.

  2. touristisch zu nutzen ist eine seltsame Art von Abenteuer, die ich nicht nachvollziehen kann.

    Es tut mir leid, wenn Menschen sterben oder verletzt werden, ich kann allerdings nich nachvollziehen, wie man ein solches Risiko eingeht.

  3. Sollte das ein Survival-Trip werden in Kenntnis aller Risiken? Dann war das Abenteuerlust. Ansonsten kann man dieses Unternehmen nur als grenzenlose Naivität und Dummheit bezeichnen.

  4. Viele Deutsche sind gestorben. Von diesen paar wird nun in der Zeit berichtet.

    Warum?

    Weil sie auf ungewöhnliche Weise ums Leben kamen?
    Weil mehrere Leute auf einmal eines gewaltsamen Todes starben?
    Weil ihr Tod für uns von Interesse ist, da wir etwas aus ihm lernen können?

    Warum immer diese Meldungen in den Zeitungen, dass irgendwo irgendwer auf besondere Weise ums Leben kam?

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    Vermutlich, weil Sie nicht der einzige Leser sind.
    Weil ein unnatürlicher Tod eben nicht üblich ist.
    Weder zwingt Sie jemand zum Nachschauen, noch zum Lesen, oder?

  5. die von den islamischen Afar bewohnte Danakil-Senke jedoch nicht. Das ist seit jeher bekannt. Das gleiche gilt übrigens auch für äthiopisch Somalien und Teile des Oromo-Gebiets. Es gibt wunderbare Reiseziele in den amharischen (Addis, Gondhar) und tigrinischen (Aksum) Landesteilen.
    Ich habe keinerlei Verständnis für touristische Expeditionen in unsichere Gebiete.

  6. ....muss man sein, in einer Krisenregion Urlaub zu machen ? Wenn "Ärzte ohne Grenzen" dort im Einsatz sind, empfinde ich Respekt und Hochachtung sowie Bedauern, wenn diesen Leuten dort Ungemach oder Tod widerfährt !
    Aber Urlaub in einer Region, in dem Menschen verhungern und ein nicht erklärter Bügerkrieg herrscht...waren die Malediven ausgebucht oder nicht mehr hip genug ?

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    ... hilft nie. Ärzte ohne Grenzen sind u.a. auch in Frankreich, Italien und Griechenland im Einsatz. Soll man da jetzt auch keinen Urlaub mehr machen? Ich denke nicht, dass das ein brauchbares Kriterium ist. Auch, dass es in Äthiopien Hunger gibt, ist kein Pauschalargument gegen Urlaub dort. Vorausgesetzt, man verhält sich verantwortungsvoll. Der Tourismus ist immerhin ein vielversprechender Wirtschaftszweig und eine Möglichkeit, Devisen ins Land zu holen.

    Aber natürlich sollte man Reisewarnungen ernst nehmen und nicht in Regionen fahren, vor denen ausdrücklich gewarnt wird.

  7. Und stimme auch ibn_ruschd zu.
    Über Reisen in die Randzonen von Äthiopien wurde immer schon gewarnt. Ich selbst habe Äthiopien als sehr interessantes Land erlebt und denke, dass sich daran nichts geändert hat.

    Antwort auf "Fahrlässige Dummheit"
  8. Eine Zitat des Artikels verdeutlicht, dass die Region, in der die Touristen offenbar überfallen wurden, als äußerst gefährlich gilt.

    "daher besteht auch seit sieben Jahren eine aufrechte Reisewarnung"

    Wer in ein Gebiet reist, für welches eine Reisewarnung besteht, der muss auch damit rechnen, dass Übergriffe und Überfälle geschehen. Außerdem frage ich mich, warum offenbar wohlhabende Westeuropäer in einer der ärmsten Regionen der Welt Urlaub machen? Katastrophentourismus? Um Entwicklungs- bzw. Aufbauhilfe scheint es sich jedenfalls nicht gehandelt zu haben.

    Trotz aller Kritik möchte ich den Opfern sowie den Angehörigen der Opfer mein Beleid aussprechen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Guido Westerwelle | Auswärtiges Amt | Militär | Reise | Aufklärung | Außenminister
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