Kreuzfahrt-Unglück : "Der Lohn war so ekelhaft wie das Essen"

Viele Besatzungsmitglieder der "Costa Concordia" waren Billiglöhner aus aller Welt. Sie haben alles verloren und bangen um ihren Job. L. Galassi hat mit ihnen gesprochen.
Ein Journalist filmt die havarierte Costa Concordia. © VINCENZO PINTO/AFP/Getty Images

Von ihnen wird nicht gesprochen – außer um sie als Egoisten zu beschimpfen, die sich vor allem selbst retten wollten: Rund 1.100 Menschen haben auf der Costa Concordia gearbeitet, die vergangene Woche vor der toskanischen Küste auf einen Felsen lief und sank. 90 Prozent der Besatzungsmitglieder kamen aus Billiglohnländern. Die meisten sprechen nur sehr schlecht Italienisch. Einige von ihnen werden immer noch vermisst. Und viele Seeleute, die das Unglück überlebt haben, haben nun Angst um ihre Jobs. Die CGIL, die größte italienische Gewerkschaft, fürchtet, dass ungefähr 1.000 Costa-Seeleute mindestens vorübergehend ihre Arbeit verlieren werden.

Joseph ist bereit zu erzählen. Er ist Inder, 30 Jahre alt, und arbeitete als Kellner auf dem Kreuzfahrtschiff. Seinen Nachnamen mag er aus Angst um seinen Job nicht nennen. "Es ist nicht wahr, dass wir die Passagiere ihrem Schicksal überlassen haben", berichtet er. "Ich war der Letzte, der das Schiff verließ. Erst als alle Gäste in Sicherheit waren."

Joseph zieht gerade aus einem Gasthof aus, wo ihn die Reederei Costa Crociere nach dem Unglück einquartiert hatte. Zusammen mit 1.000 anderen ausländischen Besatzungsmitgliedern – Chinesen, Indonesiern, Südamerikanern – war er im Süden der Toskana für drei Tage untergebracht worden.

Alles blieb auf dem Schiff

Nach dem Kraftakt, 3.000 Menschen in zwei Stunden vom Schiff zu bringen, müssen Joseph und seine Kollegen sich jetzt gegen die Anklagen der italienischen Presse und mancher Passagiere wehren. In den Zeitungen stand, die Crew habe nicht gewusst, was sie tun sollte; sie habe nur daran gedacht, sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Joseph kann diese Vorwürfe kaum ertragen. Mit fünf anderen Kollegen wirkt er ganz verloren zwischen den Zypressen des toskanischen Hotels. Sie warten auf einen Bus, der sie nach Rom bringen soll. Von dort sollen sie in ihre Heimatländer reisen. Sie haben Handtücher um den Kopf gewickelt, um sich vor der Kälte zu schützen. Das Rote Kreuz hat ihnen Decken, Kleidung und warmes Essen gebracht. Auf dem Schiff haben sie alles zurücklassen müssen und damit wahrscheinlich für immer verloren: Ausweise, Handys, Geld.

509 Dollar verdient Joseph im Monat

Die Männer beteuern, dass sie gut dafür ausgebildet worden sind, Passagieren im Notfall zu helfen. Dinesh, der Größte und Kräftigste von ihnen, war zuständig für das Rettungsboot Nummer drei. Er ist wütend: "Schaut euch die Bilder und Videos an: Die letzten, die auf der Brücke blieben, waren meine Kollegen. Wir haben alles auf dem Schiff gelassen. Wenn wir unser Gepäck gerettet hätten, wäre die Zahl der Opfer sicher viel größer gewesen."

509 Dollar verdiente Joseph für 13 oder 14 Stunden Arbeit am Tag, sagt er. "Klar, die Pausen sind lang zwischen den Mahlzeiten."

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Kommentare

157 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Schnäppchenjäger auf Grund?

Es ist intelligent, festzustellen, Schröder habe die Globalisierung erfunden. Aber vielleicht meinen Sie das gar nicht, vielleicht wollen Sie ja sagen, der Schröder habe einfach Spaß daran gehabt, dass möglichst viele möglichst wenig verdienen. Aber Kompliment - echt intellektuelle Leistung, Ihr Kommentar!

Ansonsten würde mich mal interessieren, was eine Reise auf diesem Schiff gekostet hat. Weiß das jemand? Wenn sich das Personal gegenseitig beklaut, kann es mit diesem Kahn und dieser Reederei nicht weit her sein, oder? [...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pietätlose Aussagen. Danke, die Redaktion/lv

Die Globalisierung...

...wurde nicht "erfunden", sondern von Politikern gemacht. Die EU ist z.B. selbst eines der ambitioniertesten Globalisierungsprojekte, deren neoliberale Kernbestandteile sich leicht greifen lassen:

1) Freigabe des Marktes, weitgehende Aufgabe von Marktkontrolle

2) Kapitalfreizügigkeit (und damit die Aufgabe einer gerechten Besteuerung, ein Boom der Börsen und Banken und wenn man Pech hat Kapitalabfluss wie in D)

3) Freihandel (produzieren wo es für den Konzern am lohnendsten ist und die alten Stammbelegschaften erpressen und dabei noch Steuern sparen)

Schröder hat weder die angeblichen Sachzwänge hinterfragt, noch hat er versucht diese zu bekämpfen. Sein Ziel war die Errichtung eines Billiglohnsektors und eine Öffnung für Investoren (Abschaffung der Besteuerung für Firmenveräußerungen = Einladung für Heuschrecken), sowie eine Flexibilisierung die in erster Linie auf Kosten der AN geht (Leiharbeit etc.).

Tatsächlich hat das Erfolg gehabt, wir sind so konkurrenzfähig, dass wir sogar die Wirtschaften unserer Abnehmer-Länder ruiniert haben, so dass diese jetzt ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Und die prekarisierten AN im Inland mögen auch nicht so richtig konsumieren und investieren. Tja. Konnte er nicht wissen, der Schröder, dass das alles irgendwie zusammenhängt.

Nein...

...wir drehen uns argumentativ im Kreis, weil auch der Wähler keine relevanten Informationen bekommt und das schwächste Glied in der Kette ist. Er darf seine Stimme einmal für ein diffuses Parteienkonglomerat weggeben und sich dann bevormunden lassen. Während hinter den Kulissen die schwarzen Koffer kreisen.

Wären all die Gesetze von Volksabstimmungen bestätigt worden, dann würde ich deinem Argument vielleicht zustimmen, aber in diesem Fall wäre auch die Ahnungs- und Hilflosigkeit in der Bevölkerung nicht derart groß. Man hätte sich BEWUSST für Ausbeutung entschieden und man würde die konkreten Gründe kennen, statt nur wirr immer wieder die angeblich evolutionäre *Globalisierung* vorzuschieben.

Sorry

ICH habe das in diesem speziellen Fall vorher gewusst, weil ich mich informiert habe. Diesen Maßstab lege ich bei meinen Mitmenschen auch an. Speziell in diesem Fall hätte der Wähler das sehr wohl wissen können.
Der Whäler ist nicht schwächstes Glied, er BESTIMMT mit seiner Wahl, in diesem Moment ist er stärkstes Glied. Von seinem Gusto hängt das Wohl der Politiker ab.
Schröder wurde gewollt und gewählt, seine Partei st heute immer noch bei 30%. Hier geht es um unbelehrbare, nicht um ein vermeintlich schwaches Glied! An dieser Stelle greift die Opfer-Tour nicht mehr, der Wähler ist Täter, nicht Opfer!

Ahh ja...

"ICH habe das in diesem speziellen Fall vorher gewusst, weil ich mich informiert habe."

Was hast du gewusst...? Möglich dass damals sogar ich Schröder wählte, weil er gegen den Krieg war. Ach? Eine Partei hat nicht nur ein Thema?

"Der Whäler ist nicht schwächstes Glied, er BESTIMMT mit seiner Wahl"

Ja, von welchem verlogenen und korrupten undurchschaubaren Parteienkonglomerat er die nächsten vier Jahre bevormundet werden will. Einem Mündel die Schuld für irgendwas zu geben, ist irgendwie, ähhm, unlogisch, nicht?

Der Grund für repr. *Demokratie* ist offiziell: der Bürger ist zu dumm, daher möge der/die vertrauen-erweckendste Politiker/Partei gewählt werden und dann zu Gunsten des Bürgers entscheiden.

Nun ähm, wenn das offensichtlich nicht funktioniert, sollte man von diesem System dann nicht Abstand nehmen? Ich habe schon jede Partei gewählt (im Übrigen aus sehr verschiedenen Gründen) und habe mich nie vertreten gefühlt.

Es sind nicht alle

>>Ja, von welchem verlogenen und korrupten undurchschaubaren Parteienkonglomerat er die nächsten vier Jahre bevormundet werden will<<
==========================================================
Es sind nicht alle Politiker korrupt, diese Meinung höre ich aber häufiger, meistens aus der Ecke derer, die nicht mal mehr wählen gehen. Das macht ja auch vieles bequem. Manchen ist eben nicht mehr zu helfen, manche sind zu Recht Opfer und verdienen auch, als solche behandelt zu werden. Aus dieser Ecke möchte ich auch kein Gejammer mehr hören.
Allen anderen (Ich nehme an, Sie gehören zu den "anderen") kann ich nur raten aktiv zu werden, aufzustehen und für die eigene Überzeugung zu kämpfen, Unrecht publik zu machen und für Transparenz zu sorgen. Auch wenn es manchmal anstrengend ist.
Es hat mich gefreut, mit Ihnen auf dieser Sachlichen Ebene disktuieren zu dürfen. Leider muss ich nun ins Bett.
Gute Nacht.

Guts Nächtle...

...ich will trotzdem mal noch antworten:

"Allen anderen (Ich nehme an, Sie gehören zu den "anderen") kann ich nur raten aktiv zu werden, aufzustehen und für die eigene Überzeugung zu kämpfen"

Das tue ich längst, aber die Fortschritte sind frustrierend gering.

"Unrecht publik zu machen und für Transparenz zu sorgen."

Darum geht es nicht, die Korruption spielt sich mittlerweile auf einer juristisch nicht mehr angreifbaren Ebene ab: Postenversprechen, bezahlte Vorträge (siehe Riester Nebeneinkommen), korrumpierte Expertengremien, Drehtüren zwischen Konzernen und Politik, etc.

Es gilt das System korruptionsresistenter zu machen und das erreicht man nur, wenn mehr Leute entscheiden: der Souverän selbst. Das löst nicht alle Probleme, Manipulation ist nach wie vor möglich, aber es führt zumindest zu einem Lerneffekt beim Volk, den es jetzt nicht gibt...

Sehe ich genau so ...

Alex Zatelli hat doch recht.

Zu bugme: In Deutschland uns gibt es den Lohn auch oft in Bar und bestohlen werden die Zeitarbeiter direkt von den Arbeitgebern. Dank Schröder und Co. ist das möglich.

Zu Quellcode: Was hat Zeitarbeit mit Globalisierung zu tun ? Oder können Sie den Chinesen aus Shanghai für einen noch niedrigeren Hungerlohn hier anstellen ?
Und ja ! Schröder hatte wohl Spaß an der Kohle die er dafür kassiert hat dass möglichst viele wenig verdienen.
Muss ein Kommentar eine intellektuelle Leistung sein ? Nein bestimmt nicht aber Herr Zatelli erkennt, im Gegensatz zu vielen anderen, wem er unser tolles Zeitarbeistmodell zu verdanken hat. Das ist die intellektuelle Leistung !

Rettungsboote?

Danke für die Info. Sich eine Woche lang für 299 Euro auf einem Schiff vollfressen und sich von vorne bis hinten bedienen lassen? Kein Wunder, dass die solche Kapitäne haben und dass sich das Personal gegenseitig beklauen muss. Ich hasse nichts mehr als notorische deutsche Schnäppchenjäger, die die Linkspartei wählen, weil der Kapitalismus ja so ungerecht ist, und bei solchen Preisen würde ich als aller erstes mal die Rettungsboote weglassen. :-)

Vereinfacher am Werk - Teil I

> Die Globalisierung wurde nicht "erfunden",
> sondern von Politikern gemacht.

Das steht intellektuell auf einer Stufe mit der Ansicht, die Juden seien an allem Schuld. Und es ist gefährliche Demagogie, weil es die Offensichtlichkeiten so dreist ignoriert. Die Globalisierung ist das Ergebnis der Digitalisierung und der sich daraus ergebenden weltweiten Vernetzung. Die Dritte Welt profitiert davon, weil nationale Wirtschaftsgrenzen verschwinden, weshalb sie immer mehr Arbeit absaugen bzw. zu "Dumpingpreisen" selbst anbieten kann und durch die Vernetzung ist der weltumspannende, computergesteuerte "Finanzsektor" entstanden, der nicht kontrollierbar ist, weil es keine Weltregierung gibt - leider auch keine rot-grün-deutsche.

Die Neoliberalen haben damit nichts zu tun, die halten nur das alte Credo des Antifaschismus hoch, dass da lautet "Staat, halt's Maul", weil sie wissen, dass Staatsknete außer zu Staatsüberschuldung zu absolut nichts führt, weil sie wissen, dass nur der Mensch selbst sein Handeln und seinen Handeln regeln kann. Aber angesichts der Folgen der Globalisierung, insbesondere angesichts des Aufkommens von NPD, Linkspartei & Co, werden die neoliberalen Stimmen ja schwächer. Das Menetekel ist die letzte Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: SED & NPD 20 Prozent, die FDP so gut wie verschwunden.

Die EU reagiert darauf, indem sie "Freizügigkeit" gewährt, weil Abschottung der Tod unserer Unternehmen wäre, weil sie weiß, dass...

Vereinfacher am Werk - Teil II

...die Unternehmen nicht nur den Unternehmer, sondern uns alle ernähren. Und sie versucht, gegen Rechts und Links den Euro und eine Wirtschaftsunion durchzusetzen, damit Europa nicht zerrieben wird. Und Schröder hat ebenfalls lediglich die Zeichen der Zeit erkannt und überlegt, was in Zeiten und mangels rot-brauner deutscher Weltkontrolle zwangsweise abnehmender Arbeit und sinkender Löhne getan werden kann, um die Folgen zu mildern. Bei aller Antipathie gegen diesen in die Gaswirtschaft abgewanderten Hussein-Unterstützer - zu meinen, er wolle die Menschen zugunsten der Bänker und Unternehmer verarmen lassen, ist NSU- und SED-Niveau.

> Tja. Konnte er nicht wissen, der Schröder, dass das
> alles irgendwie zusammenhängt.

Das ist genau die Masche des Hetzers: Er sieht die Folgen und behauptet, das hätte man alles wissen und steuern können und der Jude, der Kulake oder der Bänkster sei Schuld. Der Differenzierer hingegen weiß, dass die Welt nicht schematisch ist, nicht vorherberechenbar und dass es keine krisenfesten, roten oder braunen "Systeme" gibt, weshalb Differenzierer immer "neoliberal" sind, nicht NPD oder SED wählen und auch nicht für 299 Euro auf ein Kreuzfahrtschiff gehen.

Das sind die Freuden der Globalisierung.

Mir wird nun auch etwas klarer, warum Kreuzfahrten in den vergangenen Jahren das Boom-Segment in der Tourismusbranche waren. Hinzu kommt, dass Kreuzfahrtschiffe immer noch aus Kostengründen mit dem umweltgefährlichen Schweröl angetrieben werden, obwohl es längst umweltfreundlichere, aber teurere Antriebsarten gibt.

Schweröl

Lieber dirk.1966, können sie mir bitte Kreuzfahrtschiffe mit langsamlaufenden Dieselmotoren zeigen? Wenn sie sich ein bisschen informieren würden, würden sie schnell wissen, dass eigentlich alle halbwegs modernen Kreuzfahrtschiffe diesel-elektrische antriebe haben. Ein paar vielleicht direktantriebe mit Getriebe, alle jedoch angetrieben von mittlschnell bzw. meist schnelllaufenden Dieselmotoren. Wie der Name sagt laufen die mit Diesel und nicht mit Schweröl. Erst informieren, dann reden/schreiben.

In diesem Sinne, Fabian

Immer das Gleiche!

Der Komsument wird von jeder Verantwortung freigesprochen. Als würde er ja gern mehr bezahlen, damit die Beschäftigungsverhältnisse gerechter werden, aber der Markt verhindere dies.
Es stimmt, das Prinzip der Konkurrenz auf dem freien Markt drückt den Preis auf Kosten der Arbeitnehmer. Aber Sie und ich und jeder dieser Passagier hatte die gleiche Wahl, sich für eine Fahrt auf dem Kreuzfahrtschiff zu entscheiden.
Aber nein, Schuld haben die Unternehmen....

Sinnbringend

> Der Komsument wird von jeder
> Verantwortung freigesprochen.
>
> Aber nein, Schuld haben die
> Unternehmen....

Sie haben Recht, schuld sind immer die Unternehmen und der "Kapitalismus". So macht man sich gerne selbst zum Deppen. Und wenn wir wollen, dass die Deppen nicht überhand nehmen und mit ihnen die Links- und Rechtsparteien, dann müssen wir trommeln, denn wir wollen ja nicht unser freiheitlich-selbstbestimmtes "System" gegen ein von den Krisentrittbrettfahrern fremdbestimmtes System eintauschen. Denn wo der Dirigismus letztlich landet, kennen wir ja nun zur Genüge.

Wir Verbraucher sollten in der Tat mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen und Qualität honorieren, auch die Qualität der Mitarbeiterführung und -bezahlung. Und die Unternehmen könnten auch mal ein wenig kreativer werden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kreuzfahrtunternehmen, dass damit wirbt, nur gut bezahlte und gut geführte Mitarbeiter zu beschäftigen, die die Gäste *gerne* umsorgen, wo die Chefs damit werben, sich großzügig 50 Prozent des Gewinnes einzuverleiben, aber eben die andere Hälfte an die Mitarbeiter auszuschütten? Dem schnäppchenjagenden Hartzer ist sowas egal, aber es gibt viele Leistungsträger im Lande, die sich doch danach sehnen, ihre Kohle sinn- und gewissenbringend anzulegen, oder?

Danke

Meine Zustimmung.

Allerdings müssten sich dafür auch die gesellschaftlichen Umstände anpassen. Es ist eine Frage nach dem Huhn und dem Ei. Wir haben als Individuen gesellschaftliche Strukturen internalisiert, die wir nicht so ohne weiteres überspringen können, weil wir sie gar nicht mehr als solche erkennen. In unserer Kultur müsste das Credo dann auf ein "Verantwortung muss sich wieder lohnen" hinaus laufen, aber genau diese "sich lohnen" ist das Problem. Solange jeder nur auf (s)einen Vorteil aus ist, wird das nix.

"Philosophisch" gesprochen, bräuchten wir im nachgöttlichen Zeitalter lebenden (falls diese These überhaupt stimmt) einen neuen "Trick", mit dem an unser Gewissen appelliert wird, wenn wir es eben nicht aus uns selbst schaffen.

Wie sind

die Hauptmaschinen der C.C. zertifiziert? Wenn auch für Schweröl , dann wird aus Kostengründen Schweröl in den Tanks sein. Das lässt sich im Internet herausfinden.
Die Nebenaggregate laufen sicherlich mit schwefelarmen Dieel. Aber wo bleiben bei diesen Luxusschiffen die Abgas-
reinigungen ? Freiwilliger Einbau ? Wieder muss der Gesetzgeber her, weil weder die Passagiere noch die Reedereien für präventive Maßnahmen Geld ausgeben wollen.
Aber die Weltmeere schlucken alles , bis sie es vor unserer
Haustür wieder ausspucken.

*lol*

...ich schon, allerdings solltest du das auch mal praktizieren, dann würde dir klar werden, dass du gegen den wirtschaftliche Mainstream als Kunde nichts oder so gut wie nichts ausrichten kannst. Oder mit anderen Worten: wenn du es nicht kaufst, tut es jemand anderes und wenn dazu der Preis nochmal fallen muss, wird er es tun. Das ist Business.

Und selbst du kannst nur anhand von Kriterien urteilen, die für dich erkennbar sind. Keine Kreuzfahrtlinie wird in ihrer Werbung tönen "wir sind so billig, weil wir ausbeuten!". Allen günstigen Anbietern zu unterstellen sie wären Ausbeuter und alle teuren nicht, wird der Sache ebenfalls nicht gerecht. Oder? Markt funktioniert in erster Linie über den Preis, selbst die meisten Infos die man uns zugesteht, werden von Gesetzen vorgeschrieben...

Gesetze

sind eben ausgehebelt worden, als die Märkte dereguliert wurden.
Außerdem: wem nicht klar ist, dass man auf einem solchen Schiff nur als dumme Masse bespaßt wird und bei den Preisen halt auf Kosten der Umwelt und mit geringstmöglichen Betriebs- und Personalkosten, der macht seine Augen aber ganz fest zu oder hat zu viel 'Traumschiff' gesehen.
O.g. Prinzip gilt natürlich nicht nur für gigantische Kreuzfahrtschiffe.

Du musst...

...nicht beleidigt sein und ich nicht Brüderschaft trinken.

"Aber generalisieren Ihre Hilflosigkeit bitte nicht!"

Sie ist eine Tatsache, sonst wäre die pseudo-schöne kapitalistische Warenwelt nicht wie sie ist. Wenn du das anders empfindest, dann liegt das höchstens daran, dass auch du noch nie die Mehrzahl deiner Konsumprodukte genauer untersucht hast. Es sei denn du lebst in einer Wagenburg oder so und baust dein Gemüse selbst an. Aber dann würden wir uns vermutlich nie im Internet begegnen...

Du musst...was?

anerkennen, dass Menschen wie Sie, sich den "bösen Kapitalisten" und ihren "Hintermännern" in der Politik hilflos ausgeliefert fühlen? Kein Problem.

Genau so hilflos mag man Sie als Kunde, schon mal daran gedacht??

Fair Trade, gerechter Ausgleich; nennen Sie es wie Sie es wollen, ist keine Frage von Hi-Tec oder Steinzeit, sondern von Auswahl und Augenmaß. Internet ist also keine Frage. Die Frage ist, ob ich unbedingt den neuesten Computer brauche, um alle Vorteile des Internets nutzen zu können?

Konsum mit einer derart hohen Umsatzrate, wie wir sie aktuell sehen, ist nicht nötig. Und nur möglich, wenn ich die Regeln des Fair Trades auf Seiten der Arbeitnehmer außer acht lasse.

Ich fühle mich nicht so hilflos, um zu behaupten, es war die Wirtschaft, die mir 50 Paar Schuhe in den Schrank gestellt hat und zu jedem Saisonwechsel eine neue Garderobe beschert. Muss ich jeden Tag Fleisch essen? Sie haben jeden Tag eine Unzahl von Möglichkeiten, als Kunde auf das System Einfluss zu nehmen und können damit zwar nicht das System ändern, aber mindestens einen Baum und ein paar arme Schweine retten.

Ich habe für den Kapitän kein Verständnis, aber auch nicht für die Passagiere. Wer glaubt für 300€/w einen Standard wie auf der Queen Mary erwarten zu können, dem ist nicht zu helfen. Weniger kann mehr für alle sein.

Seeleute shanghaien

Früher nannte man so etwas in der Seefahrt shanghaien,nur
so sieht es überall in der Kreuzschiffahrt und auch bei uns
an Land aus!Mit dem Elend anderer Menschen Geld verdienen
oder warum sind bei deutschen Reederreien die Offziere und
Kapitäne noch nicht mal Deutsche?Bin selber von 1976-78 zur
See gefahren,damals verdiente man als Ing.-Assi mit Overti-
mes noch 3500-4000DM netto im Bergungs-und Offshoregeschäft
bei Bugsier,Hamburg!Heute macht das nur noch Smitlyord,Rot-
terdam,sie sind über geblieben mit ihren Bergungsschleppern,
sie waren unsere Konkurrenz!Drei Monate Bohrinseln schleppen
ohne an Land zukommen und die Jobs,Schiffe bergen kann heute
jeder,die Holländer haben dafür ein Spezialschiff,wo auch
nicht viel holländische Seeleute fahren,denn wer hat nicht
ausgeflaggt!Der Kunde,Verbraucher will billige Waren,ob nun
die Kreuzfahrt oder Handelsschiffahrt mit Containern!Für mich heisst diese System heute,mit Menschen ausnutzen werden
Andere Reich,denn gerade in der Seefahrt gibt es nicht viel
Gewerkschaften.Filipinos oder Chinesen heuern durch Agentu-
ren,den müssen sie Geld bezahlen für Anreise und Ausbildung
z.b.in Zypern,an oder zahlen jeden Monat von der Heuer einen
gewissen Betrag.Sowas kann nur die Politik ändern,aber sie
tut es ja nicht mal in Deutschland im Niedriglohnsektor!

Ich fahre heute zur See

Tarif ist 4 Monate an Bord, danach 2 Monate Urlaub. Für die Verantwortung die man hat gibt es nicht wirklich viel Geld, da lacht einen jeder Supermarktchef aus. Und der muss nicht mit Sprachunkundigen Mitarbeitern einen mörderischen Zeitplan einhalten um ein 250Mio$ Schiff mit dem doppelten an Ladung just in time an die Pier zu kriegen.

Fakt ist: der Durchschnittsdeutsche weiss nicht dass es Seeleute überhaupt noch gibt, und wenn doch denkt er wir würden den ganzen Tag Shantys singen und Knoten knoten. Wie die vielen bunten Produkte aus China in den Laden gekommen sind fragt keiner.