"Costa Concordia"Kreuzfahrtgesellschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen Kapitän

Die Reederei Costa Crociere hat den Kapitän des vor Italien verunglückten Schiffes beschuldigt, mehrere Regeln gebrochen zu haben. An Bord wurde ein weiterer Toter gefunden.

Die "Costa Concordia"

Die "Costa Concordia"

Die Havarie des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia hat möglicherweise der Kapitän zu verantworten. "Es scheint, dass der Kommandant Beurteilungsfehler gemacht hat, die schwerste Folgen gehabt haben", teilte die in Genua ansässige Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere mit. Kapitän Francesco Schettino hatte demnach das Schiff am Freitagabend zu dicht an die Insel Giglio vor der toskanischen Küste gesteuert. Es lief auf einen Felsen, schlug leck und legte sich auf die Seite. An Bord waren mehr als 4.200 Menschen, etwa 1.200 davon Besatzung. 

Rettungsmannschaften holten Überlebende von Bord und versuchten, Vermisste zu finden. Die Feuerwehr fischte etwa einhundert Menschen aus dem eisigen Meerwasser. Mindestens 15 Passagiere und Besatzungsmitglieder galten noch als vermisst, darunter sieben Deutsche. Zwei der Deutschen sollen aus Baden-Württemberg stammen. Wie die Polizeidirektionen Biberach und Esslingen bestätigten, werden eine 66-jährige Frau aus Laupheim und eine 71-jährige Frau aus dem Raum Nürtingen vermisst. Sie gehörten einer größeren Reisegruppe an, die auf der Costa Concordia war. Die Angehörigen der beiden Frauen haben nach Angaben der Polizei am Sonntagnachmittag eine Vermisstenanzeige geschaltet. Eine Frau aus dem hessischen Dreieich vermisst ihre Eltern. "Meine Eltern waren auf der Costa Concordia". "Sie gelten als vermisst", sagte sie im Radio. Die Polizei in Offenbach bestätigte, dass eine Vermisstenanzeige vorliegt.

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Am Montagmorgen fanden Helfer ein weiteres Todesopfer, die Zahl der Toten stieg damit auf sechs. Der Mann habe sich auf dem zweiten Deck befunden – im über Wasser befindlichen Teil des Schiffes, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Er habe eine Schwimmweste getragen. Am Sonntag hatten Taucher zwei ältere Männer aus Spanien und Italien geborgen, ebenfalls mit Schwimmwesten. Die davor gefundenen Toten waren zwei Touristen aus Frankreich und ein Besatzungsmitglied aus Peru.

Es sehe so aus, als seien die Entscheidungen des Kapitäns in der Notsituation nicht den üblichen Regeln von Costa Crociere gefolgt, teilte das Unternehmen mit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen ein "allzu verwegenes Fahrmanöver" und mehrfache fahrlässige Tötung vor. Die Reederei wies den Vorwurf einiger Passagiere zurück, in der Katastrophennacht hätten nicht genügend Schwimmwesten zur Verfügung gestanden.

Kapitän wollte mit Signalhorn grüßen

Der 52 Jahre alte Kapitän war bereits am Samstag nach einer Befragung zu den Unglücksumständen festgenommen worden. Ihm droht unter anderem ein Verfahren wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung. Auch der erste Offizier, Ciro Ambrosio, sitzt in U-Haft. Berichten zufolge soll der Kapitän das Schiff so dicht an die Insel herangesteuert haben, um Touristen im Hafen mit dem Signalhorn grüßen zu können.

Zu Behauptungen, der Kapitän habe das Schiff noch vor den letzten Passagieren verlassen, sagte das Unternehmen nichts. Medienberichten nach habe die Küstenwache den Kapitän mehrfach aufgefordert, wieder an Bord zu gehen, um die Evakuierung seines Schiffes zu koordinieren. Dies habe er jedoch nicht getan. Auch einen SOS-Ruf soll es nicht gegeben haben.

Unter den 800 Bewohnern der Insel Giglio, die den Verunglückten in jeder Form behilflich waren, gab es wenig Verständnis für den Kapitän. Jeder hier kennt den tückischen Felsen "Scole", der nur 300 Meter vor der Insel liegt. Der Kapitän hatte bei seiner ersten Vernehmung gesagt, auf seiner Karte sei keine Gefahr zu erkennen gewesen.

Hoffen auf die Blackbox

Einzelheiten zum Hergang des Unglücks erhofften sich die Ermittler von der Blackbox des Schiffes. Ähnlich wie in Flugzeugen zeichnet sie Kommunikation auf der Brücke und Steuerbefehle auf.

Die Reederei hob in ihrer Erklärung die Leistung der Besatzung bei der Evakuierung des Schiffes hervor. Die Mannschaft habe "tapfer und zügig dabei geholfen, mehr als 4.000 Personen in einer sehr schwierigen Situation in Sicherheit zu bringen", hieß es. Dagegen hatten Passagiere chaotische Szenen geschildert und über unzureichende Sicherheitsausrüstung geklagt.

In einem teilweise gefluteten Bereich des Schiffes fanden Taucher den Offizier Marrico Giampetroni, der dort ausgeharrt hatte. "Ich habe einen 36-stündigen Alptraum durchlebt", sagte er nach seiner Rettung.

Leserkommentare
    • fanta4
    • 16.01.2012 um 8:54 Uhr

    und endet mit dem Tod. Immer.
    Auch wenn Sie sich zu Hause einschließen.

    So schlecht kann die Mannschaft nicht gewesen sein, wenn es gelungen ist, über 4.200 Menschen von dem havarierten Schiff zu evakuieren.

    Was der Kapitän, bzw. die Besatzung der Brücke geleistet hat, wird die Blackbox zeigen.

    Zu Kommentar #1: Der Kapitän hat immer die volle Verantwortung für sein Schiff. Sonst niemand!

    5 Leserempfehlungen
  1. Oft ist es so, dass gewisse Routen mündlich von irgendwem aus den oberen Etagen - also dort, wo die Betriebswirte und Juristen sitzen - angeordnet werden. Das Kreuzfahrtgeschäft ist ein Geschäft, in dem inzwischen mit härtesten Bandagen gekämpft wird und der Wettbewerb ausschließlich über den Preis läuft.

    Dies hat massive Folgen: Der Kapitän im Zweifelsfall die alleinige Verantwortung für Schiff, Passagiere und Besatzung - in den Konzernzentralen wäscht man dann seine Hände in Unschuld. Im Zweifelsfall habe man von nichts gewusst und auch nichts geahnt.

    2 Leserempfehlungen
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    Wer anders als die bösen Betriebswirte in der Konzernzentrale kann die Schuld dafür haben, dass das Schiff dem Ufer zu nahe kommt und sich an einem Felsen die Seite aufreißt?

    Wer anders als die bösen Betriebswirte in der Konzernzentrale kann die Schuld dafür haben, dass das Schiff dem Ufer zu nahe kommt und sich an einem Felsen die Seite aufreißt?

  2. Wer anders als die bösen Betriebswirte in der Konzernzentrale kann die Schuld dafür haben, dass das Schiff dem Ufer zu nahe kommt und sich an einem Felsen die Seite aufreißt?

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  3. auf so einem Kreuzfahrtschiff mitzureisen! Und auch eine Tourireise mit dem Bus habe ich allein schon aus Sicherheitsbedenken schon immer ausgeschlossen. Diese unproportial hohen Doppeldecker sehen schon gleich so gefährlich nach Umkippen aus und das tu sie ja auch oft! Als ich das Schiff gesehen habe, hatte ich den gleichen Eindruck. Es ist wahrscheinlich schon eine fahrlässige Konstruktionsform. Und wenn man dann noch den harten wirtschaftlichen Konkurrenzkampf in Bezug aus das Kostendumping dazuzählt, so kommt eine hochriskante Sache dabei heraus! Nee, selbst wenn ich so ein "Zwangszusammenrücken" mögen täte, wäre mir das einfach zu lebensgefährlich!

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    • fanta4
    • 16.01.2012 um 8:54 Uhr

    und endet mit dem Tod. Immer.
    Auch wenn Sie sich zu Hause einschließen.

    So schlecht kann die Mannschaft nicht gewesen sein, wenn es gelungen ist, über 4.200 Menschen von dem havarierten Schiff zu evakuieren.

    Was der Kapitän, bzw. die Besatzung der Brücke geleistet hat, wird die Blackbox zeigen.

    Zu Kommentar #1: Der Kapitän hat immer die volle Verantwortung für sein Schiff. Sonst niemand!

    • fanta4
    • 16.01.2012 um 8:54 Uhr

    und endet mit dem Tod. Immer.
    Auch wenn Sie sich zu Hause einschließen.

    So schlecht kann die Mannschaft nicht gewesen sein, wenn es gelungen ist, über 4.200 Menschen von dem havarierten Schiff zu evakuieren.

    Was der Kapitän, bzw. die Besatzung der Brücke geleistet hat, wird die Blackbox zeigen.

    Zu Kommentar #1: Der Kapitän hat immer die volle Verantwortung für sein Schiff. Sonst niemand!

    • Batuso
    • 16.01.2012 um 17:40 Uhr

    Es gibt einen Blogeintrag über die genaue Route des Schiffes:
    http://is.gd/s6NMeQ
    Daraus ergibt sich, dass der Kapitän mit vollem Risiko zwischen den Felsen durchgefahren ist.

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