HavarieFünftes deutsches Kreuzfahrt-Opfer identifiziert

Zwei weitere Leichen sind aus dem Wrack der "Costa Concordia" geborgen worden, darunter eine deutsche Frau. Derweil musste das Abpumpen der Tanks verschoben werden.

Techniker arbeiten an der havarierten "Costa Concordia".

Techniker arbeiten an der havarierten "Costa Concordia".

Aus dem Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia sind zwei weitere Todesopfer geborgen worden. Bei einer der Leichen handelt es sich um eine Frau aus Baden-Württemberg, bestätigte das dortige Landeskriminalamt. Es ist das fünfte deutsche Opfer. Weitere Angaben machte die Behörde nicht. Auch das Auswärtige Amt äußerte sich bislang nicht dazu. Das zweite geborgene Opfer stammt aus Peru, es handelt sich offenbar um ein Mitglied der Crew.

In Baden-Württemberg werden seit dem Unglück vor der Küste Italiens noch zwei Frauen vermisst: eine 71-Jährige aus Neuffen und eine 66-Jährige aus Achstetten. Neben der Frau aus Baden-Württemberg sind bislang Opfer aus Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen identifiziert worden. Außerdem werden weiterhin sieben Deutsche vermisst, sagte eine Sprecherin des Außenamtes.

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Das Wrack bewegt sich wieder

Die Suche nach Vermissten musste allerdings am Sonntagmorgen abermals unterbrochen werden, weil sich das Schiff in der Nacht in seiner Position verschoben hatte. Normalerweise bewege sich das Wrack zwischen zwei und drei Millimeter pro Stunde, dieses Mal habe sich das Wrack um etwa 3,5 Zentimeter bewegt, teilte der italienische Zivilschutz mit. Vermutlich seien starker Wind und hohe Wellen für die Verlagerung verantwortlich, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Das Wetter soll sich frühestens am Dienstag bessern.

Chronologie
Die Evakuierung der Costa Concordia
13. Januar, 19 Uhr

Die Costa Concordia lichtet Anker in der Hafenstadt Civitavecchia und nimmt Kurs auf Savona. 

21.05 Uhr

Der Kapitän der Costa Concordia, Francesco Schettino, verlässt eines der Restaurants des Schiffes.

Er ist laut Augenzeugen in Begleitung von Domenica Cemortan, einer moldawischen Costa-Stewardess, deren Name weder auf der Besatzungs- noch auf der Passagierliste steht.

Nach Angaben einiger Anwesenden hat der Kapitän während des Essens Wein getrunken.

21.07 Uhr

Die Costa Concordia weicht von dem geplanten Kurs ab.

21.08 Uhr

Die Schwester des Besatzungsmitgliedes Antonello Tievoli, die auf der Giglio Insel lebt, kündigt auf Facebook die Vorbeifahrt des Schiffes an.

Knapp eine halbe Stunde später ruft Schettino bei Mario Palombo an, einem pensionierten Costa-Kapitän, der sich auf der Insel befinden soll. Schettino berichtet von der Annährung an die Küste – im Seefahrerjargon eine "Verbeugung" vor dem alten Kapitän. Plötzlich bricht die Telefonverbindung ab.

21.35 - 21.45 Uhr

Der Kiel der Costa Concordia rammt mehrmals eine kleine Felsengruppe unweit des Hafens von Giglio Porto.

21.48 Uhr

Giovanni Iaccarino, Hauptdecks-Offizier, steigt in den Maschinenraum hinunter. Über die Bordsprechanlage meldet er, dass der ganze Maschinenraum unter Wasser stehe.

Eine Minute später ruft Ex-Kapitän Palombo das Costa-Crociere-Hauptquartier an. Er hat erfolglos versucht, Schettino wieder ans Telefon zu bekommen. Er ahnt, dass die "Verbeugung" schiefgegangen ist. Nach Angaben von Costa-Chef Pierluigi Foschi fand dieser Anruf erst um 22.25 Uhr statt.

22.05 Uhr

Schettino ruft in der Reederei-Zentrale an. Angeblich versucht er, die Situation herunterzuspielen.

22.05 Uhr

Die erste Durchsage: Ein Stellvertreter des Kapitäns meldet, dass es sich um einen "temporären Blackout" handelt.

22.06 Uhr

Eine junge Mitreisende ruft per Handy die Carabinieri in Prato an. Einige Passagiere haben inzwischen Schwimmwesten angelegt.

22.14 Uhr

Die Hafenkommandantur in Livorno ruft die Costa Concordia an, um sich über den Vorfall zu erkundigen. Ein Offizier sagt, dass es sich nur um einen "Blackout" handele.

Der Kommunikationsoffizier des Hafenamts, Alessandro Tosi, äußert Bedenken über die Zuverlässigkeit der Informationen vom Schiff.

Zwei Minuten später nähert sich ein Patrouillenboot der Finanzpolizei dem Schiff, das inzwischen fast zum Stillstand gekommen ist.

22.26 Uhr

Die Hafenkommandantur in Livorno spricht zum ersten Mal mit Schettino. Er gibt zu, dass es ein Leck im Kiel gibt. Bis zu diesem Zeitpunkt soll Schettino per Handy dreimal mit dem "Marine Operations Director" der Reederei Costa Crociere, Roberto Ferrarini, gesprochen haben.

Nach Angaben der Anwesenden sagt der Kapitän am Ende des letzten Telefonats den anderen Offizieren: "Meine Karriere endet hier. Sie entlassen mich."

22.28 Uhr

Trotz der kritischen Lage lehnt Schettino die Unterstützung der Hafenkommandantur ab. Die Concordia, sagt er, brauche höchstens einen Schlepper, um in den Hafen einzufahren.

Eine Mitarbeiterin der Costa Concordiafordert im Namen des Kapitäns die Passagiere auf, zurück in die Kabinen zu gehen.

Kurz darauf glaubt die Hafenkommandantur den Offizieren nicht mehr und schickt von sich aus alle verfügbaren Schiffe zur Insel.

22.34 Uhr

An Bord wird offiziell der Distress, der Notfall, ausgerufen.

22.45 Uhr

Angesichts der Unentschlossenheit Schettinos setzen sich einige Offiziere über ihren Kapitän hinweg und beginnen Vorbereitungen für die Evakuierung der Costa Concordia – rund eine Stunde nach der Havarie. Doch rettet diese "Meuterei" an Bord des Schiffes vielen Passagieren das Leben.

Drei Minuten später entschließt sich die Hafenkommandantur, alle verfügbaren Hubschrauber in den Einsatz zu schicken.

22.58 Uhr

Der Befehl "Schiff verlassen" wird endlich gegeben. Keine 15 Minuten später sind die ersten Passagiere an Land.

23.15 Uhr

Das Schiff beginnt sich zur Seite zu neigen. Viele Rettungsboote auf der linken Bordseite sind damit unbrauchbar.

23.30 Uhr

In einer krassen Fehleinschätzung der Lage nimmt die Reederei Costa Crociere mit Paolo Cappucciati Kontakt auf, einem technischen Direktor einer kleinen Schiffsreparaturen-Firma in Savona. Es gäbe "einige Schäden am Kiel der Concordia", teilt die Reederei mit. Cappucciati solle mit seinem Team so schnell wie möglich zur Giglio-Insel fahren.

Was genau die 12-Mann-Firma mit der sinkenden Costa Concordia hätte machen sollen, bleibt unklar.

14. Januar, 00.32 Uhr

Der Chef der Hafenkommandantur in Livorno, Gregorio De Falco, ruft bei Schettino an, um sich über die genaue Zahl der Passagiere an Bord zu erkundigen.

Schettino stottert, er behauptet, er sei an Bord, dass er aber die Zahl der Passagiere nicht einschätzen könne.

Einige Zeugen haben ihn um diese Uhrzeit allerdings schon auf einem Felsen gesehen.

Noch zwei weitere Male wird De Falco in dieser Nacht Schettino anrufen.

00.42

De Falco (Foto) ruft Schettino wieder an. Er befiehlt dem Kapitän, wieder an Bord zu gehen.

1.46 Uhr

Schettino bekommt noch einen Anruf von De Falco. Der Kapitän verspricht, wieder an Bord zu gehen. Tun wird er es nicht.

04.46 Uhr

Die Evakuierung ist offiziell beendet. Eine zunächst unbekannte Zahl Personen wird noch vermisst.

Wegen des aufziehenden schlechten Wetters waren schon am Samstag die Vorbereitungen für das Abpumpen des Treibstoffs aus den Tanks unterbrochen worden. Nach den Daten der Präfektur vom Sonntag sind jetzt insgesamt noch 16 Menschen verschollen. Eine Expertengruppe wollte am Vormittag das weitere Vorgehen beraten.

Die Costa Concordia war am Abend des 13. Januar mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der toskanischen Insel Giglio auf Grund gelaufen, leckgeschlagen und gekentert.

 
Leserkommentare
  1. "Fünftes deutsches Kreuzfahrt-Opfer identifiziert"

    Warum ist das denn bitte schon wieder Schlagzeile geworden? Sind identifizierte DEUTSCHE Todesopfer denn mehr wert als holländische oder italienische? Zumindest sind sie offenbar schlagzeilentauglicher. Bin das nur ich allein, der sich bei Schlagzeilen, die das Wort deutsch enthalten, in dunklere Zeiten zurückversetzt fühlt?

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

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    • Basl
    • 30.01.2012 um 0:19 Uhr

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    • Basl
    • 30.01.2012 um 0:19 Uhr

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    • Basl
    • 30.01.2012 um 0:19 Uhr
    2. [...]

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    Antwort auf "nationale Fixierung?"

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