"Costa Concordia"Sprengungen sollen Tauchern den Weg freimachen

Taucher haben im Wrack der "Costa Concordia" eine weitere Frauenleiche gefunden. Die Rettungskräfte hoffen weiter auf Überlebende, aber die Chancen schwinden zusehends. von afp und dpa

Die Suche nach Überlebenden im Wrack des vor einer Woche havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" wird fortgesetzt.

Die Suche nach Überlebenden im Wrack des vor einer Woche havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" wird fortgesetzt.  |  © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Nach einem Tag Zwangspause sind am Samstag wieder Taucher ins Wrack der Costa Concordia gestiegen. Die Spezialkräfte der italienischen Marine wollten sich vor allem auf Deck fünf des havarierten Kreuzfahrtschiffes konzentrieren, in dem noch Vermisste vermutet werden. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete , wurde im Heck eine weitere Frauenleiche gefunden. Sie sei von den Tauchern der Küstenwache an Land gebracht worden. Damit stieg die Zahl der Toten auf zwölf.

Insgesamt werden acht Tage nach dem Schiffsunglück noch mehr als 20 Menschen vermisst. Unter ihnen sind nach jüngsten Angaben zwölf Deutsche. Die Vermissten sind nach Ansicht des Leiters des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, "wahrscheinlich" noch an Bord. Daher werde die Suche fortgesetzt, teilte Gabrielli mit. Gezielte Sprengungen sollten den Tauchern neue Zugänge zu dem Deck schaffen. Mindestens zwei Explosionen waren am Morgen im Hafen von Giglio zu hören, an dessen Küste das gekenterte Schiff seit mehr als einer Woche auf felsigem Grund liegt .

Anzeige

Die Lage sei "unglaublich komplex", der Rettungsaktion solle aber keine Zeitgrenze gesetzt werden, sagte Gabrielli. Die Rettungskräfte seien dabei, Karten des Schiffs zu erstellen, in denen auf der Grundlage von Zeugenberichten die letzten bekannten Bewegungen der noch vermissten Menschen eingezeichnet würden, sagte Gabrielli. Für die Taucher sei die Suche jedoch schwierig, weil hinter verschlossenen Kabinentüren häufig Einrichtungsgegenstände lagern, die ihnen beim Öffnen entgegengedrückt werden.

"Wir bräuchten schon ein Wunder", sagte der Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro. Auch wenn es in dem Wrack irgendwo noch Luft gebe, sei es wegen der niedrigen Temperatur unter Wasser unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden. Nachdem am Freitag der Notstand für die Region ausgerufen wurde, übergab die Küstenwache die Verantwortung vor Ort an den Zivilschutz.

  "Die Hoffnung ist absolut da"

Der deutsche Botschafter in Italien , Michael Gerdts, hofft weiter darauf, deutsche Überlebende zu finden. "Die Hoffnung ist absolut da", sagte Gerdts bei einem Besuch der Mittelmeerinsel. Dem Krisenstab übermittelte Gerdts den "Dank der Bundesregierung ". Widersprüchliche Angaben zur Zahl der Vermissten erklärte er mit unterschiedlichen Quellen, etwa Angaben von Verwandten oder Passagierlisten. "Eine Liste von Vermissten zu erstellen, ist schwieriger als man denkt", sagte Gerdts.

Große Anerkennung sprach er den Inselbewohnern aus, die in der Unglücksnacht "spontan menschliche Hilfe" angeboten hätten. Gerdts unterstrich außerdem die gute Zusammenarbeit der lokalen Behörden mit den Mitarbeitern des Bundeskriminalamts bei der Identifizierung der Opfer. Die Angehörigen der Verschollenen würden von Psychologen des Auswärtigen Amtes betreut.

Leserkommentare
  1. Ich sehe dort nirgends schweres Gerät im Einsatz. Haben die Italiener keine Marine?

    So traurig es ist, dass es wohl mehrere Tote gegeben hat, die man nicht so ohne weiteres bergen kann: Warum wird das Bunkeröl nicht endlich abgepumpt? Wenn das freigesetzt wird, ist das eine mittlere Katastrophe.

    Wieso sichert niemand das Wrack?

    Mir fehlt mittlerweile jedes Verständnis dafür, was da an der Unfallstelle vor sich geht. Es ist absolut nicht erkennbar, dass sich ernsthaft jemand darum kümmert, das Wrack zu sichern. Es sind immer nur kleine Boote erkennbar, die wohl die Taucher für die Bergung der Opfer befördern.

    Die schon nicht mehr intakte Struktur des Schiffs wird durch immer mehr Sprengungen weiter destabilisiert, was eine Sicherung bestimmt nicht einfacher macht.

    Ich habe inzwischen den Eindruck, es interessiert niemanden, ob das Bunkeröl ausläuft oder nicht. Die Bewohner von Giglio wird es sicher interssieren, aber die haben wohl wie üblich nichts zu melden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "So traurig es ist, dass es wohl mehrere Tote gegeben hat, die man nicht so ohne weiteres bergen kann: Warum wird das Bunkeröl nicht endlich abgepumpt? Wenn das freigesetzt wird, ist das eine mittlere Katastrophe."

    Leider kann die Opfersuche nicht mehr fortgesetzt werden,
    sobald das Öl vom Schiff abgepumpt worden ist...; dieses
    Gewicht stabilisiert dieses gestrandete Schiff, zwar nur
    fragil, aber es verhindert das 'Abdriften', und damit
    würde das Schiff final verloren gehen..., allerdings kann ich mir vorstellen, daß es für die Reederei ein 'Segen' wäre, würde dieses 'Ungemach' nun endlich auf den
    Meeresboden der Weltöffentlichkeit entzogen werden; schließlich..., wer würde denn schon noch von diesem 'Ereignis' berichten, wäre es unmittelbar nach der Evakuierung den Blicken der Medien entschwunden...;
    aus den Augen aus dem Sinn...

    für eine Zugangssprengung werden aus praktischen Überlegungen heraus sehr selten tragende Teile angesprengt, eigentlich nie!

    MfG Karl Müller

    • Problem
    • 22. Januar 2012 10:08 Uhr

    ...und wo wollen sie die 114.500 Tonnen Stahl festbinden?? Am nächsten Baum?

  2. Dem vorhergehenden Artikel Verfasser kann man nur zustimmen. Nach Bekanntwerden d.Unglücks haben wir uns gewundert, dass die Sicherung des Schiffs m.Stahlseilen nicht sofort unternommen wurde. ABER....
    Zwar ist dieser Kapt'n absolut nicht freizusprechen, egal was geschah, aber auch die Reederei nicht!
    Jeder Seefahrende weiss, dass Schiffe dieser Grösse einem bestimmten geregelten Protokoll unterliegen. Das heisst auch, dass die Rederei ständig den genauen Standort des Schiffes hat kennen müssen! Über INMARSAT werden Polling-Protokolle in einem relativ kurzen Abstand gesendet.
    Bei solchen Katastrophen wird normalerweisse DIREKT über INMARSAT oder in diesem Fall, weil direkt in der Nähe von Land im VHF-Bereich Alarm über VHF DSC gegeben. Auch wird über VHF an andere Schiffe mitgeteilt.
    Die Rederei ist die Erste, die das Unglück hat einschätzen können.
    Hier geht es nicht nur um menschliches Versagen auf Seiten der Besatzung sondern auch auf Seiten der Rederei, die zu lasch im Umgang mit der Meldung war.

  3. "So traurig es ist, dass es wohl mehrere Tote gegeben hat, die man nicht so ohne weiteres bergen kann: Warum wird das Bunkeröl nicht endlich abgepumpt? Wenn das freigesetzt wird, ist das eine mittlere Katastrophe."

    Leider kann die Opfersuche nicht mehr fortgesetzt werden,
    sobald das Öl vom Schiff abgepumpt worden ist...; dieses
    Gewicht stabilisiert dieses gestrandete Schiff, zwar nur
    fragil, aber es verhindert das 'Abdriften', und damit
    würde das Schiff final verloren gehen..., allerdings kann ich mir vorstellen, daß es für die Reederei ein 'Segen' wäre, würde dieses 'Ungemach' nun endlich auf den
    Meeresboden der Weltöffentlichkeit entzogen werden; schließlich..., wer würde denn schon noch von diesem 'Ereignis' berichten, wäre es unmittelbar nach der Evakuierung den Blicken der Medien entschwunden...;
    aus den Augen aus dem Sinn...

  4. für eine Zugangssprengung werden aus praktischen Überlegungen heraus sehr selten tragende Teile angesprengt, eigentlich nie!

    MfG Karl Müller

  5. ... warum #3 und #4 noch hier rumposten anstatt schon längst das Schiff geborgen zu haben.

  6. Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • sr4a
    • 22. Januar 2012 0:40 Uhr

    Ich vermute, dass Schiff lässt sich nicht in vernünftiger Zeit sichern. Es müssten Unmengen an Stahlseilen am Schiff befestigt werden. Hierfür gibt es keine adäquaten Befestigungspunkte. Diese müssten angebracht werden. Dann gibt es keine passenden Gegenhaltestellen. Im Meer müssten Pfeiler hineingerammt werden. Oder eben an Land. Alles Aktionen, die Wochen in Anspruch nehmen.

    Momentan werden Überlebende gesucht. Hier geht es eher um Stunden denn um Wochen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Doch, das Schiff hätte man sofort stabilisieren können. Schon die Wetterlage hat das zugelassen. Es wäre für ein salvage Unternehmen wie tug schmid kein Problem gewesen. Es wurden viele Tage und Stunden verspielt. Und meistens ist es eine Kostenfrage.

    • Problem
    • 22. Januar 2012 10:08 Uhr

    ...und wo wollen sie die 114.500 Tonnen Stahl festbinden?? Am nächsten Baum?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber schon ihre Annahme, das Schiff wöge 114.000 Tonnen ist falsch. Das ist die BRZ, die mit dem Gewicht des Schiffs nichts zu tun hat, sondern eine dimensionslose Angebe ist.

    Ich habe doch auch ausdrücklich von schwerem Gerät geschrieben. Es wurde zwischenzeitlich erwogen, das Schiff unter Wasser zu sichern. Welche technischen Möglichkeiten es da gibt, weiß ich nicht, weil ich kein Fachmann bin.

    Es wundert mich eben nur, dass da absolut nichts passiert, was angesichts der ökologischen Katastrophe, die die ca. 2.500 Tonnen Schmier- und Bunkeröl in diesem Naturschutzgebiet anrichten würden, gelinde gesagt merkwürdig ist.

    Offenbar ist der Naturschutz aber ziemlich egal. Und auch die Tatsache, dass das Wrack nach einer Sicherung sehr viel einfacher zu Demontieren und Räumen wäre, spielt offenbar keine Rolle. Ich finde es sehr merkwürdig, wie mit diesem Unglück umgegangen wird.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Bundesregierung | Auswärtiges Amt | Costa Concordia | Schiff | Zivilschutz | Italien
Service