Nach einem Tag Zwangspause sind am Samstag wieder Taucher ins Wrack der Costa Concordia gestiegen. Die Spezialkräfte der italienischen Marine wollten sich vor allem auf Deck fünf des havarierten Kreuzfahrtschiffes konzentrieren, in dem noch Vermisste vermutet werden. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete , wurde im Heck eine weitere Frauenleiche gefunden. Sie sei von den Tauchern der Küstenwache an Land gebracht worden. Damit stieg die Zahl der Toten auf zwölf.

Insgesamt werden acht Tage nach dem Schiffsunglück noch mehr als 20 Menschen vermisst. Unter ihnen sind nach jüngsten Angaben zwölf Deutsche. Die Vermissten sind nach Ansicht des Leiters des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, "wahrscheinlich" noch an Bord. Daher werde die Suche fortgesetzt, teilte Gabrielli mit. Gezielte Sprengungen sollten den Tauchern neue Zugänge zu dem Deck schaffen. Mindestens zwei Explosionen waren am Morgen im Hafen von Giglio zu hören, an dessen Küste das gekenterte Schiff seit mehr als einer Woche auf felsigem Grund liegt .

Die Lage sei "unglaublich komplex", der Rettungsaktion solle aber keine Zeitgrenze gesetzt werden, sagte Gabrielli. Die Rettungskräfte seien dabei, Karten des Schiffs zu erstellen, in denen auf der Grundlage von Zeugenberichten die letzten bekannten Bewegungen der noch vermissten Menschen eingezeichnet würden, sagte Gabrielli. Für die Taucher sei die Suche jedoch schwierig, weil hinter verschlossenen Kabinentüren häufig Einrichtungsgegenstände lagern, die ihnen beim Öffnen entgegengedrückt werden.

"Wir bräuchten schon ein Wunder", sagte der Sprecher der Küstenwache, Cosimo Nicastro. Auch wenn es in dem Wrack irgendwo noch Luft gebe, sei es wegen der niedrigen Temperatur unter Wasser unwahrscheinlich, noch Überlebende zu finden. Nachdem am Freitag der Notstand für die Region ausgerufen wurde, übergab die Küstenwache die Verantwortung vor Ort an den Zivilschutz.

  "Die Hoffnung ist absolut da"

Der deutsche Botschafter in Italien , Michael Gerdts, hofft weiter darauf, deutsche Überlebende zu finden. "Die Hoffnung ist absolut da", sagte Gerdts bei einem Besuch der Mittelmeerinsel. Dem Krisenstab übermittelte Gerdts den "Dank der Bundesregierung ". Widersprüchliche Angaben zur Zahl der Vermissten erklärte er mit unterschiedlichen Quellen, etwa Angaben von Verwandten oder Passagierlisten. "Eine Liste von Vermissten zu erstellen, ist schwieriger als man denkt", sagte Gerdts.

Große Anerkennung sprach er den Inselbewohnern aus, die in der Unglücksnacht "spontan menschliche Hilfe" angeboten hätten. Gerdts unterstrich außerdem die gute Zusammenarbeit der lokalen Behörden mit den Mitarbeitern des Bundeskriminalamts bei der Identifizierung der Opfer. Die Angehörigen der Verschollenen würden von Psychologen des Auswärtigen Amtes betreut.