"Costa Concordia" Drittes deutsches Opfer identifiziert
Neun Deutsche werden nach der Havarie der "Costa Concordia" noch vermisst, Hoffnung auf Überlebende gibt es aber nicht mehr. Die Suche im Wrack wird immer gefährlicher.
Nach dem Unglück der Costa Concordia in Italien ist ein drittes deutsches Todesopfer identifiziert worden. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, unter den geborgenen Toten seien nun drei deutsche Staatsangehörige. Damit würden noch neun Deutsche vermisst.
Insgesamt sind nach dem Schiffsunglück bislang 16 Tote geborgen worden, die Zahl der Vermissten wird mit 16, von der Nachrichtenagentur dpa sogar mit mehr als 20 angegeben.
Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Januar vor der Insel Giglio mit mehr als 4.200 Menschen an Bord auf einen Felsen gelaufen und anschließend gekentert.
Die Rettungskräfte haben die Hoffnung aufgegeben, weitere Überlebende aufspüren zu können. "Jemanden lebend zu finden, wäre ein Wunder", sagte der Leiter des Krisenstabes, Franco Gabrielli. Die Rettungskräfte haben trotzdem ihre Suche in dem zu Teilen überfluteten Schiff fortgesetzt. Allerdings gefährden verrottende Abfälle an Bord die Gesundheit der Taucher, sagte der Krisenstabsleiter. Mögliche Infektionen seien ein Problem, "das noch gelöst werden muss".
Erst wenn die Suche nach den Vermissten abgeschlossen ist und das Öl abgepumpt wurde, soll der Abtransport des Schiffsriesen geplant werden. Die Bergung des giftigen Schweröls aus den Tanks kann voraussichtlich aber nicht vor Samstag beginnen. Danach dürfte es rund vier Wochen dauern, bis die etwa 2.300 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, aus den 17 Tanks gesaugt sind.
Schettino widerspricht sich
Bei der Frage nach dem Ablauf des Unglücks hatte sich der Kapitän Francesco Schettino zuletzt in Widersprüche verwickelt. Aus mitgeschnittenen Telefonaten des 52-Jährigen nach der Havarie gehe hervor, dass er sich bewusst in eine der schwimmenden Rettungsinseln stürzte, berichtete eine italienische Zeitung. Bei seiner offiziellen Vernehmung hatte er gesagt, er sei zufälligerweise von dem Schiff in ein Rettungsboot gefallen. Auch sagte der Kapitän, das riskante Manöver vor der Insel Giglio, das mutmaßlich zu dem Unglück führte, habe ein "Manager" nachdrücklich von ihm verlangt.
Reederei gerät unter Druck
Das Unternehmen schiebt vor allem dem Kapitän die Verantwortung für das Unglück zu. Italienische Staatsanwälte begannen, die Rolle der Reederei genauer zu untersuchen. In Florida wie auch in Italien werden zudem Sammelklagen gegen Costa Crociere vorbereitet.
Bei einer Anhörung im italienischen Senat verlas Costa-Chef Pier Luigi Foschi eine Erklärung, in der er detailliert die Telefonkontakte Schettinos zur Krisenabteilung der Reederei in der Unglücksnacht aufzählte. Schettino habe zunächst nicht den Eindruck erweckt, dass die Lage so schlimm sei. Er warf dem Kapitän vor, die Reederei über das Ausmaß der Katastrophe getäuscht zu haben. Foschi räumte allerdings auch ein, dass die Reederei die Kapitäne zuweilen ermuntere, nah an der Küste vorbeizufahren. Im Fall der Costa Concordia sei das Manöver aber nicht "autorisiert" gewesen.
- Datum 26.01.2012 - 07:35 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
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Angesichts von tausenden toten 3.Welt-Flüchtlingen, die inzwischen auf dem Grund des Mittelmeeres liegen (siehe dazu diesen Bericht der Forschungsgesellschaft Flucht und Migration -> http://www.ffm-berlin.de/...) und deren regelmäßiges Ableben in der Regel kaum eine Randnotiz wert ist, empfinde ich die dramatisierende Berichterstattung über den Concordia-Unfall als vollkommen überzogen.
Gut, es sind ein paar Leute ums Leben gekommen und allen Betroffen sei mein Beileid sicher. Aber diese tägliche Bestandsaufnahme über die Anzahl, insbesondere der deutschen Opfer (wieder EINER mehr, jetzt noch 16 vermisst!), ist angesichts der echten Dramen, die sich tagtäglich auf dem Meer zwischen Afrika und Europa abspielen, seltsam wirklichkeitsfremd und unverhältnismäßig.
Kritische Wortmeldungen sind selbstverständlich willkommen, jedoch bitten wir Sie beim Thema zu bleiben. Danke, die Redaktion/mo.
Dieser Nationalismus bei solchen Berichterstattungen regt mich immer noch sehr auf:
Was ist das besondere an einem "deutschen Opfer", das es aus der Menge der übrigen Opfer heraushebt?
der "COSTA CONCORDIA" ist absolut unverständlich, wäre das Schiff nur eine Kabellänge (185 m) östlicher gefahren, so würde es noch schwimmen. Schier unvorstellbar, dass der Eitelkeit des Kapitäns Menschen zum Opfer fallen.
Die Bergung wird auch nur im Schneckentempo voran getrieben. Die Stahlplatten, die auf das Leck zu schweißen sind, könnten schon längst angebracht sein. Es ist auch möglich unter Wasser zu schweißen! Mit mehr Engagement, auch mit einem höheren Finanzaufwand, könnte das Schiff bereits in der Werft sein. Es drängt sich der Gedanke auf, niemend will es so! Lieber verhandelt man mit Versicherungen über die Schadensummen, um im Anschluss das leer gepumpte Wrack zu verkaufen... Der Gesamtschaden ist im Blick - nicht die Opfer!
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